2. "Herdenbrief"
MACHT KIRCHE!
(Wenn Hirten und Schafe Geschwister werden)

Inhaltsverzeichnis pfeilup1.gif (73 Byte)

Bausteine und Prinzipien einer geschwisterlichen Kirchepfeilup1.gif (73 Byte)

Eine geschwisterliche lebt Teilhabe und Teilnahme pfeilup1.gif (73 Byte)

Eine geschwisterliche Kirche feiert Gottesdienst pfeilup1.gif (73 Byte)

Eine geschwisterliche Kirche arbeitet Konflikte auf pfeilup1.gif (73 Byte)

Eine geschwisterliche Kirche übernimmt Verantwortung pfeilup1.gif (73 Byte)

Eine geschwisterliche Kirche braucht Ämter pfeilup1.gif (73 Byte)

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Thesen zum Aufbau einer geschwisterlichen Kirche - Zusammenfassung des Anliegens pfeilup1.gif (73 Byte)

"Ihr aber sollt euch nicht Meister nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Geschwister. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel." – Mt 23, 8f

An diesem Schriftwort aus der Rede Jesu gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten orientieren sich folgende Thesen. Die ganze Rede kann als jesuanische Kritik an vermachteten hierarchischen Strukturen der Kirchen gelesen werden.

1. Wo immer Menschen im Namen Jesu sich versammeln, seine Botschaft vom Reich Gottes hören und danach handeln, ist Kirche. Menschliche Gemeinschaften, die Kirche sind, gründen sich auf das Evangelium Jesu Christi und sind gesandt, seine göttliche Heilsbotschaft in der jeweiligen konkreten Welt zu verkünden.

2. Die Kirche und noch mehr die Kirchen als organisierte Glaubensgemeinschaften sind Teil der konkreten Gesellschaft. Als Teil der Gesellschaft bedienen sich die Kirchen vorhandener weltlicher Strukturen und Ordnungen, verändern diese und werden auch durch sie in ihren Organisationsstrukturen verändert. pfeilup1.gif (73 Byte)

3. Im Lauf der Geschichte gab und gibt es in allen Kirchen, teils in unterschiedlicher Weise, stärker oder schwächer, alle Strukturformen weltlicher Herrschaft, von der Monarchie und Hierokratie bis hin zur Demokratie.

4. Die Botschaft Jesu vom Reich Gottes stellt jedoch alle menschliche Herrschaft in Frage, auch die geschichtlich bedingten Kirchenordnungen. Wie der einzelne Mensch der Buße und Umkehr bedarf, ist die Kirche in all ihren Gemeinschaftsformen immer reformbedürftig. pfeilup1.gif (73 Byte)

5. Religiöse Reformbewegungen in der Kirche orientieren sich darum an biblischen Modellen, wie dem Meister-Jünger-Verhältnis der Evangelien, den geistgewirkten charismatischen Strukturen des 1. Korintherbriefes oder der Hausgemeinschaft mit den Ordnungsdiensten von Presbytern, Episkopen und Diakonen in den Pastoralbriefen. Sie sind vom Ideal der apostolischen Geschwisterlichkeit geprägt. Die späteren Zusammenschlüsse der verschiedenen Gruppen und Gemeinden einer religösen Reformbewegung berücksichtigen die geschwisterliche Gesinnung und sind synodal strukturiert.

6. Das jetzige hierarchisch gestufte Weiheamt Diakon-Priester-Bischof ist eine spätere Formgebung der in der Bibel genannten gleichrangigen Ordnungsdienste christlicher Gemeinschaften. Diese Formgebung wurde unter anderem beeinflußt von der kirchlichen Übernahme der von Kaiser Diokletian geschaffenen diözesanen Verwaltungsstruktur des römischen Reiches und vom mittelalterlichen Feudalwesen. pfeilup1.gif (73 Byte)

7. Konzilien, Synoden, Presbyterien, Generalkapitel von Orden und Kongregationen mit ihren Abstimmungen und Wahlvorgängen sind uralte kirchliche Entsprechungen moderner weltlicher demokratischer Strukturen. Auch der Glaubensgrundsatz, daß vor Gott und seinen Geboten alle Menschen gleich sind, spiegelt sich im demokratischen Prinzip von der Gleichheit aller Personen vor dem Gesetz.

8. Das Zweite Vatikanische Konzil wollte die Botschaft Jesu allen Menschen in der Welt von heute nahe bringen. Es verstand sich als Reformkonzil. War das Markenzeichen der Inkulturation des Evangeliums vergangener Jahrhunderte das Bündnis zwischen "Thron und Altar", so hoffte das Konzil auf das lebendige Zeugnis des gläubigen Volkes und suchte das Gespräch mit allen Menschen. Die bevorzugten Instrumente sind "Begegnung und Dialog".pfeilup1.gif (73 Byte)

9. Mit der Lehre von der Kirche als Volk Gottes bezeugt das Konzil Jesus Christus als "Licht der Völker". Mit der Errichtung einer institutionellen Beratungsstruktur vom Pfarrgemeinderat über Diözesan- und Pastoralräte, nationale und kontinentale Bischofskonferenzen bis hin zur römischen Bischofssynode hat die lateinische Kirche Möglichkeiten der Mitbestimmung und Mitverantwortung des Gottesvolkes an der kirchlichen Sendung geschaffen. Den Zeichen der Zeit folgend nutzt sie damit demokratische Organisationsformen, um den Auftrag Jesu in der modernen Welt zu erfüllen.

10. Das Kirchenvolksbegehren "Wir sind Kirche" orientiert sich mit seinen Forderungen an der Botschaft Jesu und teilt voll und ganz die Reformanliegen des Zweiten Vatikanischen Konzils, wenn es den Aufbau einer geschwisterlichen Kirche und die Wahl der Bischöfe mit Hilfe der diözesanen Beratungsstrukutur der Ortskirche fordert. pfeilup1.gif (73 Byte)

11. Einheit in Vielfalt ist das Ziel des Aufbaus einer geschwisterlichen Kirche mit den Instrumenten der Begegnung und des Dialogs. Dieses Ziel verbietet die Ausgrenzung von Minderheiten in Kirche und Gesellschaft und achtet die Rechte aller Menschen. Deshalb fordert das Kirchenvolksbegehren, die freie Wahl der Lebensform für Priester wiederherzustellen und Frauen zum Weiheamt zuzulassen.

12. Konflikt und Streit gab es unter den Jüngern Jesu genauso wie es sie unter Geschwistern und verschiedenen kirchlichen Gruppen gibt. Zur Aufarbeitung von Streitigkeiten zwischen kirchlichen Gruppen und Institutionen, die nicht die Glaubenslehre und das Sakramentenrecht betreffen, ist die Errichtung einer eigenen unabhängigen kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit in Form von Schiedsgerichten wünschenswert. pfeilup1.gif (73 Byte)

13. Für den Aufbau einer geschwisterlichen Kirche sind vielfältige Formen der Buße und Umkehr, des Verzeihens und der Vergebung notwendig. Beispielsweise ist es ein Zeichen der Geschwisterlichkeit, Geschiedenen, die wieder heiraten, nach einer Zeit der Buße zu vergeben und den Zutritt zur eucharistischen Mahlgemeinschaft zu ermöglichen.

14. Die Verurteilung von Glaubensirrtümern und die Unterbindung von Streitigkeiten über die christliche Lehre - vor allem zwischen Theologieprofessoren und dem päpstlichen Lehramt - mittels Geheimverfahren steht im Widerspruch zur öffentlichen Verkündigung des Evangeliums. Geheimverfahren dienen kaum der Wahrheitsfindung und verletzen zudem die Menschenwürde der vermeintlich Irrenden. Öffentliche Verfahren schützen die Streitenden, machen die Urteilsfindung für die Gesamtheit der Gläubigen nachvollziehbar und stärken so den Glaubenssinn aller Christen. pfeilup1.gif (73 Byte)

15. Im ökumenischen Dialog sind historische Streitigkeiten zwischen den Kirchen wegen der Kirchenordnung oder der Glaubenslehre im Geist der Buße zu beenden, die verschiedenen Kirchenordnungen anzuerkennen und die eucharistische Gastfreundschaft zu pflegen.

16. Durch die Taufe bilden alle Christen ein heiliges Volk und eine königliche Priesterschaft. Alle sind gesandt, die Botschaft Jesu von Gottes Liebe und Barmherzigkeit zu bezeugen. Das derzeitige kirchenrechtliche Verbot der Laienpredigt in der Eucharistiefeier ist eine Einschränkung, die dem Sendungsauftrag des Auferstandenen und dem Aufbau einer geschwisterlichen Kirche widerspricht. pfeilup1.gif (73 Byte)

17. Im Gotteslob, dem liturgischen Dienst der Kirche, nehmen alle Gläubigen kraft der Sakramente Taufe und Firmung direkt teil am dreifachen Amt Jesu Christi, dem Lehramt, dem Hirtenamt und dem Priesteramt; bzw. am Prophetentum, Königtum und Priestertum Christi, wie es in der Lehrtradition der reformatorischen Kirchen heißt. Das allgemeine Priestertum aller Gläubigen ist keine Ableitung vom besonderen Priestertum und keine Unterstufe des sakramentalen Weiheamtes.

18. Das besondere Priestertum ist als ein eigenständiges sakramentales Zeichen ein besonderes Gnadengeschenk Gottes zur Auferbauung einer geschwisterlichen Kirche. Allgemeines und besonders Priestertum sind bei der christlichen Gemeinschaftsbildung, beim Kirche-Machen einander zugeordnet und nicht einander über- oder untergeordnet.pfeilup1.gif (73 Byte)

19. Der Aufbau einer geschwisterlichen Kirche vollzieht sich grundsätzlich in tätiger Nächstenliebe. Soziales Engagement und Solidarität der Christen gelten dabei vor allem den Armen und Kranken, den Fremden und Minderheiten, den Gefangenen und Ausgegrenzten, den Notleidenden und Verfolgten. Eine Fülle kirchlicher Gruppen und Einrichtungen gibt davon ein beredtes Zeugnis.

20. In der Welt von heute teilen die Christen mit allen Menschen Freude und Hoffnung, Trauer und Leid. Sie nehmen einzeln und in Gruppen nach bestem Wissen und Gewissen aktiv teil an der politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Gestaltung dieser Welt. Sie verwirklichen auf diese Weise den Sendungsauftrag der Kirche in der Welt.


Auszüge aus den Beiträgen pfeilup1.gif (73 Byte)

Gotthold Hasenhüttl

"Macht Kirche: die geschwisterlich Alternative zum hierarchischen Prinzip"

Hat Jesus Christus wirklich eine hierarchische Institution Kirche gewollt? Darauf ist exegetisch und dogmatisch klar mit Nein zu antworten. Jesus hat zu seinen Lebzeiten keine besonders geformte oder strukturierte Gemeinschaft beabsichtigt, auch nicht als gesonderte Glaubensgemeinschaft. Die Kirche selbst hat nie gewagt, verbindlich zu erklären, daß der historische Jesus eine Kirche gegründet hat.

All das besagt jedoch nicht, daß Kirche als Glaubensgemeinschaft nicht eine Folge jesuanischen Wirkens ist. So ist es durchaus richtig, daß sich nach Ostern Menschen zusammengefunden haben, die ihr Leben an Jesus Christus orientieren wollten. Die Menschen wurden Christen genannt und die Gemeinschaft derer, die ihr Leben an Jesus Christus ausrichten wollten, Kirche.

Sie war keine Institution, sie war Folge der geschichtlichen Entwicklung nach Jesu Tod. Die Aussage - vom Kirchenvolks-Begehren aufgegriffen - "Wir sind Kirche", war eine Selbstverständlichkeit. Dieses Grundverständnis ging freilich in der Kirche nie ganz verloren, so daß Pius XII. (1946) schreiben konnte, daß alle Glaubenden die Kirche sind. Für sie gilt: "Wir gehören nicht nur zur Kirche, wir sind die Kirche". Nur zögerlich folgten den Gedanken das 2. Vat. Konzil und die Bischofssynode (Rom 1987), wo es heißt, die Katholiken "sind die Kirche".pfeilup1.gif (73 Byte)

Elisabeth Moltmann-Wendel

"Ganzheit und Katholizität"

Was unser Ganzsein, unsere Katholizität weiter blockiert, ist die Hierarchie. Hierarchien trennen unsere Gesellschaft und unsere Kirchen, teilen sie auf in oben und unten, in solche, die das Sagen haben und in solche, die zu hören haben, und verleugnen Gott, der die Sonne aufgehen läßt über Böse und Gute und regnen läßt über Gerechte und Ungerechte. Eine Priesterhierarchie, die Frauen nicht in ihre Ämter zuläßt, die sich von "Laien" zu distanzieren sucht, ist nicht mehr durchlässig für neue Erfahrungen, schneidet sich selbst vom Strom des Lebens ab. In Hierarchien entwickeln Menschen Macht über andere, kann Gewalt entstehen, die andere mundtot und unmündig macht. Ein Beispiel dafür ist auch die protestantische Definitionsmacht der Kirche, die bestimmen will, was und wie geglaubt und gelebt werden soll.

Aber der Gegensatz zu Hierarchie ist nicht Anarchie und Gleichmacherei, sondern Beziehungen in Gegenseitigkeit. Blockiert hierarchisches Denken und Verhalten, das Menschen voneinander lernen, so gibt es für Beziehungen, die auf Gegenseitigkeit beruhen, eine Fülle von Varianten, in denen sich Menschen gegenseitig bereichern: Freundschaft, Partnerschaft, Teilhaben aneinander, Interdependenz. In Gegenseitigkeit werden die Unterschiede zwischen Menschen, zwischen den Geschlechtern, Klassen und Rassen nicht aufgehoben. Sie werden aber fruchtbar gemacht. Ich brauche Dich, und ich werde gebraucht. Du brauchst mich, und du wirst gebraucht. Gegenseitigkeit ist das Grundmuster des Lebens, nach dem wir ins Leben getreten sind und weiterhin überleben. Im Mutter-Kind-Verhältnis zeigt sich, daß es in Beziehungen Stärkere und Schwächere gibt, aber beide voneinander leben und sich bereichern. pfeilup1.gif (73 Byte)

Johannes B. Bauer

"Maximen des Aufbruchs"

Das Kirchenvolks-Begehren fordert einen neuen Aufbruch. Für die dabei aufgeworfenen Fragen sind - das muß auch einmal mit aller Deutlichkeit gesagt werden - von der Mehrheit der Theologen längst Lösungsvorschläge gefunden worden und das mit wissenschaftlicher Gründlichkeit und mit Verantwortungsbewußtsein ohnegleichen. Die Argumente liegen auf dem Tisch, die Kirchenführer müßten sich ihnen stellen, sie ernst nehmen.

Wenn die Kirchen weiterhin den Paradigmen der Vergangenheit verhaftet bleiben und sich einkapseln, dann wird es weiterhin nur mehr eine Ökumene der Verlierer geben. Fast täglich melden die evangelische wie die katholische Nachrichtenagentur immens steigende Austrittszahlen. Die randständigen Mitglieder verlassen angewidert ihre Kirchen. Die engagierten Christen, die mit dem Klerus die Last des Tages tragen, leiden an ihren Kirchenleitungen und deren Betriebsblindheit. pfeilup1.gif (73 Byte)

Walbert Bühlmann

"Das hoffnungserweckende Jahrtausendkonzil. Plädoyer für eine geschwisterliche Kirche"

Die Ortskirchen sollten viel mehr Mitsprache haben bei der Ernennung von Bischöfen und bei der Beauftragung von Professoren der Theologie. Ebenso für die Fragen der Inkulturation, wobei das nicht nur die Kirche Afrikas angeht, sondern auch die Europas. Wir sind zwar damals irgendwie in die germanische Kultur inkulturiert worden, aber sind es doch keineswegs in die des ausgehenden 20. Jh. Darum der tiefe Graben zwischen dem Denken der "Kirche" und des Volkes. Vor allem die Kontinentalkirchen müßten viel mehr Eigenkompetenz erhalten, sogar eigene Patriarchate bilden, so daß z.B. Lateinamerika selbst über die Befreiungstheologie befinden, Europa selbst über die Bedürfnisse einer Kirche in der säkularisierten Welt entscheiden könnte. Solches Eigenleben der Kontinentalkirchen wird leider total blockiert mit Verweis auf die Universalkirche. Wiederum Bischof K. Lehmann sagte damals bezüglich des KVB, es sei unsinnig, Postulate aufzustellen, die universalkirchlich keine Chance haben, angenommen zu werden. Er hätte besser gesagt: die römisch keine Chance haben. Rom identifizierte sich zu rasch mit der Universalkirche und handhabt praktisch das absurde Prinzip: Was nicht schon überall geschieht, vor allem in Rom, darf nirgendwo geschehen! Wie, wenn in einer Familie mit vier Kindern zwischen 12 und 20 Jahren der Vater zu den älteren zwei sagen würde: Ihr habt am Abend nicht auszugehen, die jüngeren gehen auch nicht aus. Dezentralisierte Kompetenz setzt mehr Eigenverantwortung voraus, aber ist sicher sinnvoller als starre Uniformität, die von einem fernen Zentrum diktiert wird. pfeilup1.gif (73 Byte)

Richard Picker

"Kommunikation und Konfliktbewältigung in der Kirche"

Eine der auffälligsten Folgen geleugneter Konflikte ist die gestörte Kommunikation untereinander. Das kann man an allen fünf Forderungen des Kirchenvolksbegehrens gut sehen, besonders aber an dessen Gesamt-Verhältnis zur Österreichischen Bischofskonferenz. Dieses hat die prozeßhafte Gestalt eines Theaterstückes. Das Vorspiel ist der "Fall Groer" gewesen. Darauf reagierte die Innsbrucker Gruppe um Thomas Plankensteiner mit dem Kirchenvolks-Begehren. Dies war der erste Akt. Im zweiten Akt spaltet sich die Bischofskonferenz in drei Gruppen.

a) Stille Befürworter (Minderheit: "Eigentlich hat das KVB ja recht!")

b) Larvierer ("Mit ein bißchen Ja-Aber sitzen wir das schon aus!")

c) Absolute Gegner ("Wer das KVB unterschreibt, schließt sich aus der hierarchisch verfaßten Kirche aus").

Im 3. Akt startet die Bischofskonferenz ein Treffen in Mariazell, also: "Reden und Beten" anstelle von "Vertretung des Kirchenvolks-Begehrens dem Weltepiskopat und dem Papst gegenüber". Im 4. Akt beginnt das Kirchenvolks-Begehren sich weltweit zu verbreiten, um gleichzeitig in Österreich an Kraft zu verlieren. Die Bischöfe nutzen die Situation zu einem "Dialog für Österreich" (zu Deutsch: "Reden wir von etwas anderem!"). Es fehlt der Schluß des Stückes, und es wird sich zeigen, ob es zur Tragödie, zur Komödie oder sonst etwas gerät. Besonders auffallend ist die Leugnung dieses Vorganges in 5 Akten von seiten der Kurie und der Bischofskonferenz, weil ja der Ort dieses Konfliktes an sich schon verschoben ist. Der wirkliche Adressat ist die römische Zentrale, der wirkliche Ort des Konfliktes ein Konzil oder eine Weltbischofskonferenz und das Hindernis formaler Art stellt die im Kirchenrecht festgeschriebene "hierarchische Verfassung" dar, die im spirituellen Bereich unangetastet, im Verwaltungsbereich aber vom KVB in Frage gestellt wird. pfeilup1.gif (73 Byte)

Eva Petrik

"Geschwisterlichkeit in kirchlichen Strukturen"

Festzustellen ist: Es herrscht kein Defizit an Theorie, sondern eines in der Praxis! Und wenn heute der Ruf nach dem Ende von "oben" und "unten" und der Wunsch nach partizipatorischem Handeln immer lauter wird, so heißt das, daß das "Kirchenvolk" obrigkeitlichen Leitungsstil und überspitzten Zentralismus nicht mehr ertragen will. pfeilup1.gif (73 Byte)

Roland Schwarz

"Der biblische Befund. Wie es in der Kirche zu Ämtern kam."

Was heute fehlt, sind praktikable innerkirchliche Korrekturmechanismen, die verhindern, daß Amtsträger zu wenig oder gar nicht auf die berechtigten Anliegen der Gemeinde hören. In der Bibel mußte sich etwa selbst Petrus rechtfertigen, als er das Haus von Heiden betreten hatte (Apg 11); die Gemeinde konnte gegen einen Presbyter auch Klage erheben (1 Tim 5,20). Durch die kollegiale Leitung war einem Mißbrauch bereits ein gewisser Riegel vorgeschoben (in den Pastoralbriefen wird allerdings auch eine dem Presbyterium übergeordnete Autorität greifbar).

Bei zukünftigen Personalplänen ist zu berücksichtigen, daß der Dienst der Leitung durch eine überschaubare Gemeindegröße wirklich geleistet werden kann. Es darf amtstheologisch nicht nur um eine flächendeckende Sakramentenspendung gehen! Die Möglichkeit des verheirateten Gemeindeleiters wäre ernsthaft zu überlegen. Das in der Bibel mit hoher Wahrscheinlichkeit gegebene Amt des weiblichen Diakons wäre wiederzuentdecken. Die bisher beigebrachten Argumente gegen eine Ordination von Frauen sind weitgehend unhaltbar. pfeilup1.gif (73 Byte)

Walter Kirchschläger

"Kreative Vielfalt. Biblische Kriterien für die Neuordnung kirchlicher Ämter"

Die entscheidende Frage der Kirchenstruktur um die Jahrtausendwende darf nicht mehr die Frage der Zulassungskriterien zu einer Stufe des kirchlichen Dienstes sein. Zwar ist einsichtig und notwendig, daß dies im Sinne des nächsten, aber eben kleinen Schrittes im Vordergrund konkreter Bemühungen steht. Um das allein kann es aber nicht gehen. Mit der allfälligen Zulassung von Verheirateten sowie Männern und Frauen zum priesterlichen Dienst ist das Problem von Kirchenstruktur keinesfalls gelöst, und es wäre verhängnisvoll, wollten wir dies allein als Ziel betrachten. Die Zeichen der Zeit rufen nach einem Paradigmenwechsel, und die Kirchengeschichte lehrt uns: Es wäre nicht der erste!


Kurzbibliographie der AutorInnen pfeilup1.gif (73 Byte)

Bauer Johannes Baptist, Dr., geb. 1927, Universitätsprofessor für Dogmengeschichte und Ökumenische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Graz, Autor und Herausgeber zahlreicher Veröffentlichungen zu theologiegeschichtlichen, exegetischen und ökumenischen Fragen (z.B. "Die heißen Eisen der Kirche von A-Z")

Berger Adelheid, Mag. theol., geb. 1963 in Judenburg als zweite von vier Geschwistern, Mutter von zwei
Kindern, seit ca. 20 Jahren kirchlich und ehrenamtlich engagiert, derzeit als Unterrichtspraktikantin im
Schuldienst berufstätig.

Berger Ingrid, geb. 1941, Sachbearbeiterin, und Gerhard, Dr., geb. 1940, Erziehungswissenschafter, Direktor der Pädagogischen Akademie der Diözese Graz-Seckau; Engagement und gemeinsame Veröffentlichungen zu Fragen des Tierschutzes.

Bischof Stecher Reinhold, Dr., geb. 1921 in Innsbruck, 1947 Priesterweihe, Präfekt, Religionsprofessor, Professor für Religionspädagogik und Spiritual im Priesterseminar, 1981 Bischofsweihe (Diözesanbischof von Innsbruck, Wahlspruch "Dienen und Vertrauen"), in der österr. Bischofskonferenz zuständig für die Referate "Caritas" und "Frauen", seit November 1997 in Pension.

Blasche Helmut, Dr., geb. 1924, 2 Jahre Kriegsgefangenschaft in Amerika, Studium Welthandel, berufstätig in der Wirtschaft, Studium Theologie, 1955 Priesterweihe, Pfarrer in Schwechat (Wien), Aufbau der Basisgemeinde, intensive Flüchtlingsarbeit.

Broda Martin, Pater, Salvatorianer, langjährige seelsorgliche Tätigkeit in Gurk/Kärnten, derzeit Kaplan in der Pfarre Christus der Salvator in Graz.

Bühlmann Walbert, geb. 1916, Kapuziner aus der Schweiz, lange Zeit Missionar in Afrika, danach Dozent für Missionswissenschaft in Fribourg (Schweiz) und Animateur für praktische Missionsarbeit in Rom, lebt seit 1984 im Schweizer Kapuzinerkloster Arth.

Ederer Hans Anton, Drs., geb. 1944, ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift kritischer Christen "Publik-Forum", 1972-1982 Pastoralassistent und Bildungsreferent im Bistum Trier, Studium der Philosophie, Theologie, Religionssoziologie und Pastoralpsychologie in Graz und Nimwegen, Mitarbeiter von "Wir sind Kirche".

Fleisch Hugo, geb. 1933, Mag. theol., wohnhaft in Schwarzach/Vorarlberg, 17 Jahre (samt Theologiestudium) als Menschensorger im geistlichen Dienst. mit 40 neue Berufsorientierung durch Ausbildung zum Berufsschullehrer für Wirtschaftsfächer (22 Jahre Lehrer), Eheschließung – 24 Jahre glücklich verheiratet, 2 Töchter (21, 22), im 3. Jahr in Pension, Begleitung einer Gruppe "Pflegende Angehörige".

Großmann Hedwig, Pastoralassistentin in Pension, St. Pölten, beruflich in der Kath. Frauenbewegung der Diözese tätig, jetzt ehrenamtlich vor allem im "Weg der Hoffnung" (Solidaritätskreis für eine geschwisterliche Kirche), in der Emmausgemeinschaft in St. Pölten und für die Emmausgemeinschaft in Tschechien (Untergrundkirche) engagiert.

Hasenauer Monika, geb. 1951 in Gosau, Oberösterreich, verheiratet in Saalbach/Hinterglemm, 3 Kinder (24, 22 15), Religionslehrerin, ehrenamtlich in der Pfarrseelsorge, Altenbetreuung und Telefonseelsorge tätig.

Hasenhüttl Gotthold, Dr. phil. und Dr. theol., geb. 1933 in Graz, seit 1974 Professur für Katholische Theologie an der Philosophischen Fakultät der Universität des Saarlandes, Vorsitzender der Internationalen Paulusgemeinschaft, zahlreiche Veröffentlichungen (z.B. "Charisma", "Herrschaftsfreie Kirche", ...)

Heschl Gerhard, Dr., geb. 1965, Pressereferent der steirischen Caritas, Mitarbeit bei der Kärntner Kirchenzeitung, Chefredakteur von "Denken und Glauben" (Zeitung der Kath. Hochschulgemeinde Graz).

Hoffer Romana, Dr., geb. 1952, Studium der Rechtswissenschaften in Graz, Ordensmitglied seit 1976, im Orden im Verwaltungsbereich tätig, 1996 Mitarbeit im diözesanen Ehegericht.

Jakubec Matthias, geb. 1964 in Wels (OÖ) 5 Geschwister; Studium Informatik in Wien; Softwaretrainer bei Siemens Österreich; ehrenamtliche Mitarbeit in verschiedenen Pfarren in OÖ und Wien (Jungschar- und Jugendarbeit, Firmvorbereitung, Jugendchor, etc.), regelmäßige Mitarbeit bei der jährlichen Jugendwoche im Stift Kremsmünster; autodidaktische Beschäftigung mit Theologie, Film und Literatur, seit 1995 Mitglied von "Wir sind Kirche".

Kampf Barbara, geboren 1968. Studium der Musik- u. Musik-Instrumental-Erziehung bzw. der kath. Fachtheologie in Wien. Derzeit Assistentin am Institut für Liturgiewissenschaft der kath. theol. Fakultät Wien.

Kirchschläger Walter, Dr., geb. 1947, seit 1992 Hochschulprofessor für Neues Testament in Luzern, 1993 – 1997 Präsident der theologischen Kommission der Schweizerischen Bischofskonferenz, 1997/98 Rektor der Universitären Hochschule Luzern, Herausgeber und Verfasser zahlreicher Bücher, u.a. Einführung ins Neue Testament, Stuttgart 1995.

Lesjak Birgit, Mag., geb. 1968, Theologin und Religionslehrerin, langjähriges Engagement in der Jugendarbeit, in der kirchlichen Erwachsenen- und Frauenbildung tätig – besonders bei der Kath. Frauenbewegung.

Mitterhöfer Jakob, Dr., Mitglied der Steyler Missionare, geb. 1936 in Burgenland, Studium in Bischofshofen, St.Gabriel (Mödling) und Rom, von 1966 –1994 Generalsekretär der Päpstlichen Missionswerke in Österreich, Professor für Dogmatik und kontextuelle Theologien der Dritten Welt, Lehrbeauftragter für Missionswissenschaften in Wien, seit 1995 Dekan der Theologischen Hochschule St. Gabriel.

Mittlinger Karl, Mag., geb. 1947, Studium der Theologie, in der kirchlichen Erwachsenenbildung tätig, Direktor des Bildungshauses der Diözese Graz-Seckau in Mariatrost, Autor mehrerer Lyrikbände.

Moltmann-Wendel Elisabeth, Dr., geb. 1926, verheiratet, 4 Kinder, freie Publizistin in Tübingen (Deutschland).

Orsini-Rosenberg Felix, Arch. Dipl.-Ing., als Architekt zuletzt schwerpunktmäßig tätig bei kirchlich Projekten, diözesane Kontaktperson des Kirchenvolks-Begehrens in Kärnten, verheiratet, vier Kinder.

Papies Ursula, unverheiratet, seit kurzem in Pension als Hauptschullehrerin, Mitleben in der Basisgemeinde Schwechat (Wien), als ehrenamtliche Pastoralassistentin tätig.

Petrik Eva, Mag.rer.nat., geb. 1931, seit 1957 verheiratet, vier Töchter, derzeit elf Enkelkinder, 1956 – 1991 Lehrerin für Chemie, Physik und Mathematik, Referentin und Präsidentin in der Erwachsenenbildung, Pfarrgemeinderätin und -mitarbeiterin, 1983 – 1991 Wiener Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin, 1991 – 1997 Präsidentin der Kath. Aktion Österreichs, Delegierte beim Österr. Synodalen Vorgang 1974, stellv. Vorsitzende der Österr. Katholikentage 1974 u. 1993.

Picker Richard, Dr., geb. 1933, verheiratet, 3 Kinder, 1961 zum Priester der Erzdiözese Wien geweiht, 1965 zum Doktor der Theologie promoviert, als Studentenseelsorger, Professor für Religionspädagogik und in der Pfarrseelsorge tätig, 1970 Laiisierung und Heirat, Psychotherapeut seit 1974, Mitarbeiter der Kath. Erwachsenenbildung.

Pisk Evelin, geb. 1956 in Graz, Bankangestellte, verheiratet, Kinder (17, 23), ehrenamtliche Mitarbeit im Pfarrgemeinderat, Dekanatsrat und Diözesanrat der Diözese Graz-Seckau.

Prinz Beatrix, geb. 1947 in Wien, Fachausbildung in Textildesign, Schrift- u. Werbegrafik, Meisterklasse für Malerei bei A. Bitran und A. Brauer, Kunsterzieherin in Kapfenberg, Studium der Religionspädagogik in Graz, Religionslehrerin in Wien und seit 1991 in Bad Aussee.

Plank Georg, Mag., geb. 1963, verheiratet, 2 Kinder, Theologe, seit ca. 20 Jahren ehren- und hauptamtlich in der kirchlichen Jugendpastoral aktiv, zuletzt als Jugendstellenleiter der Diözese Graz-Seckau.

Pokorny Hermine, geb. 1946, 30 Jahre verheiratet, Mutter von zwei Söhnen und vier Töchtern, in den Jugendjahren religiös suchend, Anschluß an eine pfarrliche Jugendgruppe, seither ehrenamtlich in verschiedenen pfarrlichen Bereichen tätig, Mitglied des Arbeitsteams der Plattform "Wir sind Kirche" Wien.

Regensburger Annemarie, geb. 1948 in Stams, fünftes Kind einer Bauernfamilie, Kochlehre und Köchin, seit 1969 verheiratet, drei Kinder (27, 24, 22), seit 30. Lebensjahr schwere chronische Erkrankung, erste Gedichte in Stamser Mundart im Alter von 32 Jahren.

Schlick Bernhard, geb. 1944 in Oberwölz, Tischlerlehre, seit 1967 mit Annemarie verheiratet, 2 Töchter (28, 30), berufliche Tätigkeit im kaufmännischen Bereich, ehrenamtliche kirchliches Engament als Jungschar-Gruppenleiter, Arbeiterjugend-Leiter, Pfarrgemeinderat, ...

Schmidt Birgit, Mag., Studium der Fachtheologie und selbständigen Religionspädagogik in Graz, haupt- und ehrenamtliche Tätigkeit im Bereich der Pfarrseelsorge und der Erwachsenenbildung, Ausbildung zur Mentorin für Pastoralseminar, derzeit Religionslehrerin und theologische Mitarbeiterin im Haus der Stille.

Schmidtmayr Hartwin, Dr., geb. 1929, Priester der Erzdiözese Wien, tätig in verschiedensten Seelsorgebereichen, vor allem im Religionsunterricht und im Bildungsbereich, zuletzt Professor für Religionspädagogik an der Pädagogischen Akademie, seit vielen Jahren im Lainzer Kreis engagiert.

Schuster Franz, Mag., geb. 1952, diplomierter Erzieher, Studium der Theologie, Referent für die Pfarrgemeinderäte, derzeit Religionslehrer und Pastoralassistent, verheiratet, 4 Kinder.

Schwarz Roland, Dr., geb. 1950 in Wien, 1974 Priesterweihe, Kaplan, 1979-83 Assistent am neutestamentlichen Institut der kath. theol. Fakultät der Universität Wien, derzeit Pfarrer in Wien, Diözesanvertreter des Österr. Kath. Bibelwerkes.

Stary Othmar, Pater Dr., geb. 1938, Benediktiner der Abtei Seckau, Professor für Latein, Geschichte und Religion, Autor zahlreicher Bücher zu pastoralen, liturgischen und künstlerischen Themen.

Thurner Ingrid, geb. 1944, verh., 3 erwachsene Kinder, 2 Enkel, 20 Jahre ehrenamtliche Tätigkeiten verschiedenster Art in Pfarren und kirchlichen Organisationen; 6 Jahre Vorsitzende des Laienrats der Diözese Innsbruck, Ausbildung zur Leitung von Pastoralseminaren und Liturgieausbildungen, Geschäftsführerin der Plattform "Wir sind Kirche".

Van der Kallen Wim, geb. 1928 in Tilburg (Holland), Studium der Philosophie und Theologie in Belgien, Missionar in Lesotho (Südafrika), seit 1966 verheiratet, zwei Söhne, Studium der Fotografie sowie am Institut für Katechetik und Homiletik, Katechet, Erzieher und Lehrer, Meisterprüfung für Fotografie, freischaffender Fotograf für Agenturen in Paris und München, Zeitschriften und für Buchverlage.