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Aktuelle Pressemitteilungen


PRESSE-ERKLÄRUNG VON „WIR SIND KIRCHE“ ÖSTERREICH ZU DEN VORGÄNGEN UM ANDREAS GOLATZ

Presseaussendung vom 23. Juni 2006


"Wir brauchen Klarheit und Wahrhaftigkeit"

Darauf hat der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Schönborn, in seiner Predigt beim Wiener Stadtumgang zu Fronleichnam hingewiesen. Gerade in einem Wahljahr sei die Übereinstimmung von Wort und Wirklichkeit notwendig. Die Sprache müsse von Klarheit, Wahrhaftigkeit und Einfachheit geprägt sein, stellte der Wiener Erzbischof fest.

Die Plattform "Wir sind Kirche" kann sich dieser Meinung nur anschließen. Aber dies kann nicht nur für die Parteien in einem Wahljahr gelten, sondern muss auch für die Kirchenleitung an allen Tagen des Jahres Geltung haben.

Die ehrlichen Aussagen von Andreas Golatz (im Standard vom 20. Juni 2006) machen Hoffnung: In der römisch katholischen Kirche bestehe ein "Reformstau" und die Bischöfe müssten endlich einen ernsthaften Dialog mit den Menschen führen. Bisher würden die "Österreichischen Bischöfe die Basis im Stich lassen" und er wünsche sich, dass "zumindest das Gefühl vermittelt werde, dass man die Probleme auf bischöflicher Ebene erkennt und ernst nimmt". Außer einem "zweiten Weg neben dem Pflichtzölibat" wäre die "Öffnung des Priesteramts für Frauen" notwendig.

Nun sind diese Äußerungen aber für das Kirchen-System Anlass einzugreifen und die Priesterweihe von Golatz zu verschieben. Die „Übereinstimmung von Wort und Wirklichkeit“ wird mit Gegnerschaft verwechselt. Das kann nicht unwidersprochen hingenommen werden. Es ist ein Skandal, wenn ein Neu-Priester nicht mehr aussprechen darf, was ihm viele Menschen sagen. Keine Organisation dieser Welt kann auf loyale Kritik verzichten. Golatz hat keine abweichende Lehre verkündet, sondern die Realität benannt. Dafür gemaßregelt zu werden, passt wohl nicht mehr in unser Jahrhundert. Es verletzt die Menschenwürde. Mit dem Vorbild Jesu ist es sicher nicht vereinbar.



Dr. Martha Heizer
Ing. Hans Peter Hurka
„Wir sind Kirche“ – Österreich




Mit Volldampf gegen die Meinungsfreiheit: Vatikanische Rechtssprechung 2006

Presseaussendung vom 6. April 2006


Die römische Kleruskongregation hat den Rekurs, den der Religionslehrer und Vorsitzende von "Wir sind Kirche" in der Diözese Regensburg gegen die Entziehung der Missio canonica durch Bischof Gerhard Ludwig Müller eingelegt hat, zurückgewiesen. „Wir sind Kirche“ ist empört über diese Entscheidung. Selbst wenn man als subjektives Motiv „die Gläubigen sollen nicht verunsichert werden“ unterstellt, wird eine hoffnungslos veraltete Theologie sichtbar und drängt sich der Anschein auf, dass Autorität autoritär ins Spiel gebracht werden will. Die Zurückweisung des Rekurses wurde ohne in die Sache eingehende Begründung ausgesprochen. Wenn das Dekret behauptet, dass "die Forderungen, welche die Plattform „Wir sind Kirche“ verfolgt, zum Teil der kirchlichen Lehre widersprechen", muss mit aller Entschiedenheit widersprochen werden.

Die kath. Theologie kennt zwar einen hierarchischen Aufbau jurisdiktioneller Normen (wie zB. Dogmen, ex cathedra Entscheidungen des Papstes, Konzilsbeschlüsse oder Lehrschreiben, Instruktionen, bis hin zu Predigten und andere gesprochene Worte). Der Grad ihrer Verbindlichkeit für Glaube und Leben ist aber nicht eindeutig geklärt. „Wir sind Kirche“ verstößt jedenfalls mit ihren Forderungen weder gegen die Treue zum Evangelium noch gegen Glaubensbekenntnisse oder gegen Dogmen oder gegen ex cathedra Entscheidungen des Papstes oder gegen Konzilsbeschlüsse und somit nicht gegen den Kern katholischer Lehre. Jeden Beweis dafür, dass dies anders sei, sind die Kirchenleitungen bisher schuldig geblieben.

Die christlich-katholische Tradition und Praxis haben sich in ihrer zweitausend jährigen Geschichte bereits oftmals verändert. Diese Veränderungen gingen in den wenigsten Fällen vom kirchlichen Amt aus. Immer wieder waren es gläubige Frauen und Männer, die ihrem Gewissen gefolgt sind und die Kirchenleitungen darauf aufmerksam machten, wie weit sie sich von der Botschaft Jesu entfernt hatten.

Auch in unsrer Zeit gibt es viele Gläubige, Religionslehrer/innen, Pastoralassisten/innen, Krankenhausseelsorger/innen, Priester, Dechanten, Universitätsprofessoren, ja Bischöfe auf der ganzen Welt, die zumindest punktuell – auch in der Öffentlichkeit – auf Grund ihre Erfahrungen zu denselben Schlussfolgerungen kommen, wie die Plattform „Wir sind Kirche“.

Offenbar hat die Plattform „Wir sind Kirche“ in Österreich noch eine bessere Gesprächsbasis zu den Bischöfen, als sie in Regensburg gegeben ist. Wir können uns nicht vorstellen, dass eine solche Vorgangsweise in einer unserer Diözesen gewählt werden würde.

Trotzdem spricht die Plattform „Wir sind Kirche“ aber ausdrücklich eine Solidaritätsadresse aus. Bei einem vergleichbaren Fall in einer österreichischen Diözese würden wir keine Sekunde zögern und unverzüglich Maßnahmen einleiten, die bis zum Boykott des Kirchenbeitrags gehen können. Dort, wo seit Jahrzehnten dringende Reformnotwendigkeiten nicht einmal mehr genannt werden dürfen, hören sich in der Kirche Leben und Entwicklung auf und die Kirchenleitung verspielt jegliches Recht auf Solidarbeiträge. Aber es gibt eine Alternative zum Kampf: nämlich Dialog. Und es gibt keinen Weg zurück in die Zeit vor dem Konzil!

Dr. Martha Heizer
Ing. Hans Peter Hurka
„Wir sind Kirche“ – Österreich




Auch ein Jahr nach dem Papstwechsel keine Lösung zentraler Fragen in Sicht


„Wir sind Kirche“ zum Jahrestag von Papsttod (2. April 2005) und Papstwahl (19. April 2005):

Die Plattform „Wir sind Kirche“ stellt mit großem Bedauern fest, dass auch ein Jahr nach dem Papstwechsel noch keine konkreten Schritte zur Lösung der seit langem aufgeschobenen grundlegenden pastoralen Fragen und Probleme in der röm. kath. Kirche zu erkennen sind. Zwar hat sich das öffentliche Erscheinungsbild Joseph Ratzingers als Papst Benedikt XVI. – auch unter dem großen Einfluss der Medien – in bemerkenswerter Weise gewandelt. Aber der unter seiner 23-jährigen Ägide als oberster Glaubenshüter entstandene theologische und pastorale Stillstand sowie das Klima der innerkirchlichen Angst und Erstarrung wirken auch ein Jahr nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. (2. April 2005) und der Wahl des neuen Papstes (19. April 2005) nach.

Trotz mancher neu gesetzter hoffnungsvoller Zeichen haben sich Benedikts jetzige Bemühungen als „Brückenbauer“ (lat. „Pontifex“, einer der Titel des Papstes) nach Ansicht der katholischen Reformbewegung „Wir sind Kirche“ noch nicht als wirklich überzeugend und tragfähig erwiesen, wie die folgenden Beispiele zeigen:

1- Benedikt XVI. hat sich am Anfang seines Pontifikats zur Kollegialität und zum Erbe des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) bekannt. Doch die – auch seiner persönlichen Bescheidenheit widersprechende – mediale Präsentierung des Papstes betont das zentralistische Petrus-Amt weit über Gebühr. Entgegen der im Zweiten Vatikanum erfolgten Aufwertung, hat Benedikts Vorgänger die Ortskirchen und das Kirchenvolk immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Dies wurde von Papst Benedikt noch nicht korrigiert.

2- Bei der Eucharistie-Synode der Bischöfe im Oktober 2005 war eine neue Offenheit im Diskussionsstil zu beobachten. Doch abweichende Meinungen fanden keine Aufnahme in die am Ende eilfertig erstellten Beratungsdokumente. Es bleibt abzuwarten, ob und wie weit Benedikt jetzt auch die reformorientierten Positionen zahlreicher Synodenteilnehmer aufgreifen wird.

3- Bei der Ernennung neuer Kardinäle im März 2006 hat der Papst z.B. mit Bischof Joseph Zen Ze-kiun von Hongkong neue politische Akzente gesetzt. Die Ernennung des Erzbischofs von Bologna, Carlo Caffarra, der als Leiter des päpstlichen Familieninstituts die Empfängnisverhütung mit einem Mord verglichen hat, ist dagegen für viele Katholikinnen und Katholiken verletzend.

4- Innerhalb der Vatikanischen Behörden hat Benedikt bisher nur kleine Akzente gesetzt. Für die seit langem überfällige Reform der römischen Kurie sind noch keine konkreten Konturen erkennbar.

5- Zu der kürzlich veröffentlichte Antrittsenzyklika „DEUS CARITAS EST“, die auf breite Zustimmung gestoßen ist, fehlt das 3. Kapitel, nämlich, wie sie in der Kirche umgesetzt wird. Es fehlt der innerkirchliche Dialog. Die Enzyklika nimmt eine klare Unterscheidung von Kirche und Staat vor (28 a.). Umso ärgerlicher ist die jüngst erfolgte starke Einmischung Benedikts in die italienische Politik, welche die Glaubwürdigkeit seiner Worte in Zweifel zieht.

6- Das von Papst Benedikt am 28. Juni 2005 herausgegebene „Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche“ (eine Zusammenfassung des „Weltkatechismus“ aus dem Jahr 1992) ist in keiner Weise repräsentativ für den Stand der heutigen katholischen Theologie, der Exegese und der theologischen Ethik. Der Fixierung auf Fragen der Sitte und Moral mit der wiederholten Verurteilung von homosexuellen Partnerschaften, Ehescheidung und Verhütung schadet der Glaubwürdigkeit unserer Kirche, vor allem solange nicht unnachgiebig gegen die sexuelle Gewalt von Priestern und Ordensleuten an Kindern, Jugendlichen und Frauen vorgegangen wird.

7- Dem kürzlich gemachten Zugeständnis, dass über mehr Raum für Frauen in der Kirche und ihre stärkere Beteiligung an kirchlichen Leitungsaufgaben „nachgedacht“ werden dürfe, steht in enttäuschender Weise die gleichzeitig wiederholte Aussage gegenüber, dass die Priesterweihe nur Männern vorbehalten sei.

8- Die Aufhebung des Pflichtzölibats und die Weihe von Frauen zu Priesterinnen werden von Benedikt XVI. nach wie vor strikt ablehnt. Doch der Papst wird sich diesen Fragen stellen müssen, da in dem mehr als 26-jährigen Pontifikat von Johannes Paul II. die Zahl der Priester um 4 Prozent zurück ging, während die Zahl der Katholikinnen und Katholiken weltweit um 40 Prozent anstieg. Schon jetzt hat fast die Hälfte aller katholischen Gemeinden auf der ganzen Welt, auch in den Missionsgebieten, keinen eigenen Priester mehr.

9- Über das überraschende Treffen von Papst Benedikt XVI. mit dem kirchenkritischen Theologen Prof. Dr. Hans Küng am 24. September 2005 in Castel Gandolfo hat der Vatikan ausführlich berichtet. Die sehr viel häufigeren Treffen mit Traditionalisten (wie z.B. am 29. August 2005 mit dem Nachfolger des exkommunizierten Marcel Lefebvre, Bischof Bernard Fellay) fanden dagegen weniger Beachtung. Auf die Bitte der innerkirchlichen Reformbewegungen um ein Gespräch wurde bisher nicht einmal reagiert.

10- Benedikt XVI. sagte zu Beginn seines Pontifikats, er wolle seine ganze Kraft der Einheit der Kirchen widmen. Doch den ökumenischen Bemühungen mit den orthodoxen Kirchen steht der Stillstand in der Ökumene mit den Kirchen der Reformation gegenüber, die von Rom nach wie vor noch nicht als Kirchen anerkannt werden. Die Erwartung, Benedikts besondere Kenntnis der Situation im Land der Reformation werde die Ökumene einen wichtigen Schritt nach vorn bringen, hat sich bisher nicht erfüllt.

Im kommenden Jahr wird sich nach Auffassung der Plattform „Wir sind Kirche“ zeigen, wie sich der Papst zu den offenen Fragen der Kirchenreform positioniert. Sein Verhalten, wie immer es ausfällt, wird ein deutliches Signal sein, welchen Weg die Kirchenleitung gehen will. Mit dem Zusammenlegen von Pfarrgebieten unter die Leitung eines der verbliebenen Priester allein, wird das Leben in den Gemeinden nicht aufrechtzuerhalten sein. Dies kann daher nicht die einzig strukturelle Antwort auf die offenen Fragen bleiben. Wie ist es also um die Bereitschaft bestellt, „Laien“, Frauen und Männer, nicht nur– möglichst ehrenamtlichen – zur Mitarbeit in der Kirche aufzufordern, sonder ihnen gemeinsam mit den Priestern als „Volk Gottes“ auch Mitverantwortung und Mitentscheidung zu übertragen?

Für die Zukunft des Christentumsss wird es entscheidend sein, ob es Benedikt gelingen wird, die ihn selber seit Jahrzehnten umtreibende Frage des Verhältnisses von römischer Universalkirche und lokaler Ortskirche, von Einheit der Kirche und ihrer Vielfalt zu lösen. Findet er als weltweit anerkannter Theologe jetzt keine gute Antwort, dann droht ein Rückzug in die Zeit weit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Um dies zu verhindern, muss Papst Benedikt XVI. immer wieder an das erinnert werden, was er in seinen jungen Jahren als Konzilstheologe geschrieben und gesprochen hat.

Dr. Martha Heizer
Ing. Hans Peter Hurka
„Wir sind Kirche“ – Österreich




Katholisch trotz Austritt

Presseaussendung vom 29. März 2006


Die Äußerung des Pressesprechers der Erzdiözese Wien, Erich Leitenberger, vom 27. März 2006, „wer aus der Kirche austritt, ist nicht mehr Katholik“, zeigt, wie die Kirchenleitungen denken. Außerdem werden keinerlei Argumente angeboten, die eine solche Behauptung stützen könnten. In seiner Erklärung geht Leitenberger auch nicht auf die Frage ein, wie das in der Vielzahl an Ländern sei, die kein staatlich gestütztes „Kirchensteuersystem“ haben.

Ein Austritt aus der Kirche kann vielerlei Gründe haben. KatholikInnen treten nämlich auch aus der Kirche aus, weil sie das diskriminierendes Verhalten der Kirchenleitungen gegen Geschiedene und wieder verheiratete, gegen Frauen, gegen Priester, die öffentlich zu einer Frau stehen, die sie lieben, gegen Homosexuelle oder, weil reife Entscheidungen mündiger Menschen nicht ernst genommen werden, nicht weiter finanzieren wollen. Wenn jemand aus der Gemeinschaft der Kirchenbeitragszahler austritt, verliert er nicht zwingend seinen Glauben. Er kann daher weiter Jesus Christus vertrauen, mit seiner Gemeinde verbunden sein und dort neben seinen ideellen auch materielle Beiträge leisten, wie es eine Vielzahl an Frauen und Männern in unserer Kirche tun. Der Kirchenbeitrag ist nämlich nicht die einzige Form materieller Pflichterfüllung zur Finanzierung der Kirchengemeinschaft.

Wer sich um einen Katholischen Lebenswandel bemüht ist Katholik! Wer aus finanziellen Gründen aus dem Staatskirchenverband austritt wird zwar formalrechtlich sanktioniert. Er verliert dadurch aber nicht seinen Glauben und seine katholische Sozialisierung. Die Mitgliedschaft in der Zahlungsgemeinschaft der Diözese, auf die die Beitragszahler bisher leider keinen wirksamen Einfluss haben, ist für den Glauben jedenfalls kein Kriterium. Kirchen- und Glaubensstiftend ist die TAUFE und nicht der Kirchenbeitrag! Austritte aus dem Staatskirchenverbamd stellen eher das Konkordat und das Kirchenbeitragsgesetz in Frage aber kaum den Glauben als Gnadengeschenk Gottes.

Einzige wirksame Maßnahme gegen den Austritt ist und bleibt der Dialog mit den Menschen. Leider fehlt er seit Jahrzehnten in den Fragen, die sie berühren. Wenn es den Kirchenleitungen ernst ist, dass jeder Austritt einer zu viel ist, dann ist es hoch an der Zeit, ernsthaft mit dem Dialog – schon innerhalb der Kirche - zu beginnen.

Dr. Martha Heizer
Ing. Hans Peter Hurka
„Wir sind Kirche“ – Österreich




Presseaussendung von „Wir sind Kirche“-Österreich zur neuen Enzyklika Benedikts XVI „Deus Caritas Est“


Ein „liebe“-voller Papst

Benedikt XVI schreibt als allererstes über die Liebe. Er schreibt nicht zu einem der heißen innerkirchlichen Themen, sagt nichts über Regelungen und Reglementierungen, sondern betont zunächst, wie sehr Gottesliebe und Nächstenliebe zusammenhängen und wie sehr beide notwendig sind in unserer Welt. Das ist erfreulich, noch dazu, weil man dem Text eine Warmherzigkeit anmerkt, die sich offensichtlich aus dieser Liebe speist.

„Wir sind Kirche“ fühlt sich sehr unterstützt durch dieses Schreiben. Es ist eine Frage der Liebe, den Menschen nicht kirchliche Bürden aufzulegen, die sie kaum tragen können. Alle unsere Forderungen wollen die Liebe, von der Papst Benedikt spricht, in die Tat umsetzen, z.B. wenn wir die Gleichberechtigung der Frauen, die Wahlfreiheit beim Zölibat, einen wertschätzenden Umgang mit Homosexuellen und Wiederverheiratet-Geschiedenen verlangen.

Noch verdunkelt die fehlende Umsetzung die schönen Worte der Enzyklika. „Wir sind Kirche“ fühlt sich durch sie bestärkt, die anstehenden Reformen in der Kirche weiterhin einzumahnen.

Dr. Martha Heizer
Ing. Hans Peter Hurka
„Wir sind Kirche“ – Österreich




PRESSE-ERKLÄRUNG VON „WIR SIND KIRCHE“ ÖSTERREICH ZUR BISCHOFSSYNODE



KIRCHE IST SICH SELBER UNTREU
Presseaussendung am 25. Oktober 2005

Die gerade abgeschlossene Bischofssynode zum Thema „Eucharistie“ zeigt leider wieder deutlich, dass der derzeitigen Kirchenleitung der System- und Machterhalt wichtiger ist, als den Menschen den Zugang zu den Sakramenten zu ermöglichen. Es habe für die dringenden Fragen wie Abschaffung des Pflichtzölibates und Einbeziehung der Frauen in die Sakramentenspendung keine Mehrheit gegeben, heißt es.

Die Kirche bezeichnet die Eucharistie als „Quelle und Höhepunkt“ christlichen Lebens. Die Gemeinde werde durch die gemeinsame Eucharistiefeier aufgebaut und gestärkt. Dennoch meint Kardinal Scola, die Gläubigen hätten „kein Recht“ auf Messe und Kommunion, somit auch nicht auf Krankensalbung und Buße (deren Wichtigkeit aber ständig betont wird).

Damit wird die Kirche ihrem eigenen Auftrag untreu. Wir fragen uns, was der christliche Glaube so mancher Bischöfe wert ist, wenn gewachsene Strukturfragen wichtiger geworden sind als die religiösen Bedürfnisse der Getauften – und der Wille Jesu, der miteinander essen und trinken zum Zeichen der Liebe Gottes gemacht und uns in Brot und Wein seine Anwesenheit zugesagt hat. Das ist ein Geschenk Jesu und nicht der Kirchenleitung. Es verpflichtet sie als „Verwalter“, es gerecht zu verteilen und nicht ängstlich zu horten.

Was bleibt? Alles steht weiterhin still. Die Synode war das Geld und das Papier nicht wert. Der Autoritätsverlust der Bischöfe schreitet weiter fort.

„Wir sind Kirche – Österreich“


Wir sind Kirche-Stellungnahme zu den Dokumenten der XI. Weltbischofssynode

256 Bischofe aus aller Welt samt ihrer Berater waren vom 2.-23.10.2005 in Rom zur XI. Weltbischofssynode versammelt, um über die „Eucharistie, Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche“ zu beraten. Nach Abschluss der Synode wurden erfreulicherweise zwei Dokumente veröffentlicht: Eine 25 Punkte umfassende „Botschaft“ an alle und 50 für den Papst bestimmte „Propositiones“ (Vorlagen). Schon vorher war durchgesickert, dass ein „aggiornamento“ der theologischen Sprache und der pastoralen Praxis an die Erfordernisse der Gegenwart nicht zu erwarten sei. Was nun vorliegt, bestätigt diese Befürchtungen. Die Interventionen mutiger Bischöfe aus der Dritten Welt und aus den unierten orthodoxen Kirchen prallten am eisernen „Njet“ der einflussreichen „Betonfraktion“ ab. Nichts, aber auch gar nichts wird sich ändern.

1. Dazu einige Beispiele aus den „Propositiones“:

  • Es wird keine Ordination von „viri probati“ (verheiratete, bewährte Männer) geben (Begründung: Das sei ein „Weg ohne Umkehrmöglichkeit“, Prop. 11).
  • Es wird keine Lockerung der Zölibatspflicht für Priester geben (Begründung: Das sei „ein unschätzbares Geschenk“, Prop. 11).
  • Es wird keine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur vollen Teilnahme an der Eucharistie geben (Begründung: Sie leben im „objektiven Gegensatz zum Wort des Herrn“ und es könnte „Verwirrung unter den Gläubigen über den Wert der Ehe entstehen“, Prop. 40).
  • Es werden auch weiterhin „unsere nicht-katholischen Brüder und Schwestern“ (!) nicht zur Kommunion zugelassen (Begründung: Die Kommunion sei nicht nur eine „personale communio mit Jesus Christus, sondern vor allem die volle communio mit der Kirche“, Prop. 41). Die an einer Eucharistiefeier teilnehmenden Nicht-Katholiken sollen „behutsam, aber deutlich“ darauf hingewiesen werden (Prop. 35).
  • Es wird von der Möglichkeit, Frauen zur Diakonats? oder gar Priesterweihe zuzulassen, überhaupt nicht gesprochen.
  • Es werden keinerlei Versuche gemacht, von der missverständlichen und nicht selten irreführenden theologischen Sprachregelung abzurücken (Eucharistie als „Opfer“, als „Genuss des Fleisches und Blutes Christi“ u.a.).

    Stattdessen werden mit vielen schönen Worten empfohlen die „Eucharistische Anbetung“ (Prop.6), die „Geistliche Kommunion“ (Prop.10), der Ablass (Prop. 7), das Gebet um Priesternachwuchs (Prop. 11), die „tägliche Messe“ der Priester, ggf. „auch ohne Beteiligung der Gläubigen“ (Prop. 38), die „Kniebeuge vor der Hostie“ (Prop. 34).


2. Die „Botschaft“ an alle ist zumindest stilistisch eine Zumutung. Dazu drei Kostproben:

  • „Zusammengerufen nach Rom von Seiner Heiligkeit, Papst Johannes Paul II. seligen Angedenkens, und bestätigt durch Seine Heiligkeit Benedikt XVI. sind wir von den fünf Kontinenten zusammengekommen…“ (Nr. 2).
  • „Wir kennen die Trauer derer, die wegen ihrer dem Gebot des Herrn (vgl. Mt 19,3-9) nicht entsprechenden familiären Situation nicht zur hl. Kommunion gehen können. Viele geschiedene Wiederverheiratete nehmen es mit Schmerzen an, nicht kommunizieren zu können und sie opfern dies Gott auf“ (Nr. 15).
  • „ Möge euch (die „Personen gottgeweihten Lebens“, N.S.) die Eucharistische Frau schlechthin, gekrönt mit Sternen und ungeheuer fruchtbar, die Jungfrau der Himmelfahrt und der Unbefleckten Empfängnis, im Dienst für Gott und die Armen, in der Freude von Ostern bewahren für die Hoffnung der Welt“ (Nr. 19).


Quo vadis, ecclesia catholica romana?

Prof. Nr. Norbert Scholl, Wilhelmsfeld

Weitere Informationen:

KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche
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D-81215 München
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„SCHÖN IST SO EIN RINGELSPIEL…“


Das Bischofskarussell quer durch die Diözesen wird fortgesetzt
Presseaussendung am 06. Juli 2005

Leider zeigt auch die Bischofsernennung für Linz noch keine Hinweise für mehr Demokratie in der Kirche. Mitbestimmung bleibt weiterhin auf das Kardinalskollegium beschränkt, das Kirchenvolk bleibt davon ausgeschlossen. Somit ist eine weitere Reformchance vertan.

1. Wieder wurde bei einer Bischofsernennung das Kirchenvolk nicht mit einbezogen. Es war - wie leider schon gewohnt - eine Entscheidung hinter verschlossenen Türen, und die Betroffenen in der Diözese wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Dass Elmar Fischer von Anfang an gerüchteweise im Gespräch war, ändert daran nichts.

Der neue Bischof von Linz ist ein jovialer Konservativer, der zum aufgeschlossenen Segment der Kirche kaum Kontakte hat. Wie er sich im Spannungsfeld Konservative versus Fortschrittliche verhalten wird, wird spannend. Seine bisherigen Äußerungen lassen nicht auf große Reformbereitschaft hoffen.

Die Plattform „Wir sind Kirche“ begrüßt seine angekündigte Gesprächsbereitschaft und wird darauf zurückkommen. Es bleibt abzuwarten, wie weit er tatsächlich dialogbereit und dialogfähig sein wird.

„Wir sind Kirche – Österreich“






Pressemitteilung der internationalen Bewegung Wir sind Kirche
Presseaussendung am 28. Juni 2005

Wir sind Kirche begeht 10-jähriges Bestehen, erneuert weltweite Einsatzbereitschaft für Reformen und strebt Dialog mit dem neuen Papst an

Delegierte und Gäste aus 9 Ländern feierten vom 24. bis 26. Juni 2005 den 10. Jahrestag des KirchenVolksBegehrens in Innsbruck, wo die weltweite Bewegung für Reformen in der römisch-katholischen Kirche 1995 begann. Die Bewegung erneuerte ihre Forderungen nach Reformen und führten einen intensiven Austausch über die künftige Arbeit.

Als Reformbewegung innerhalb der römisch-katholischen Kirche wird Wir sind Kirche dem neuen Papst Benedikt XVI. einen Brief schreiben und darin um ein Gespräch zum Vorbringen der Reformanliegen bitten.

Die weltweiten Diskussionen in den Tagen des Todes von Johannes Paul II. und der Wahl von Benedikt XVI. durch die Kardinäle, die nur einen sehr kleinen Teil der Kirche bilden, haben deutlich gezeigt, dass sich die Mehrheit des Kirchenvolkes nach einer alle Menschen einschließenden Kirche, einer prophetischen Kirche sehnt.

In einem Grußwort an die Versammlung schrieb der Schweizer Theologe Hans Küng: "Die Papstwahl hat die Problemlage der katholischen Kirche nicht wesentlich verändert. Die Nöte sind geblieben, die Hoffnungen aber dürfen wir nicht aufgeben. Die Erneuerung der Kirche von der Basis her muss und wird weitergehen. Ich tue das Meine, jeder tue das Seine."

Wir sind Kirche entstand aus dem KirchenVolksBegehren, das 1995 in Österreich nach dem Skandal der sexuellen Gewalt um den Wiener Kardinal Groer initiiert wurde. Die Forderungen nach mehr Demokratie in der Kirche, der Gleichberechtigung der Frau, der Freistellung des Zölibates, der positiven Bewertung der Sexualität und der Verkündigung als Frohbotschaft wurden von insgesamt mehr als 3 Millionen Menschen unterschrieben. Wir sind Kirche ist derzeit in mehr als zwanzig Ländern auf allen Kontinenten vertreten und weltweit mit gleichgerichteten Reformgruppen vernetzt. Wie internationale Studien anerkannter Religionssoziologen bestätigen, werden die von Wir sind Kirche vorgebrachten Reformanliegen von der großen Mehrheit des Kirchenvolkes unterstützt.

Bis zur nächsten Ratssitzung der internationalen Bewegung Wir sind Kirche im Frühjahr 2006 wird die deutsche KirchenVolksBewegung den Vorsitz weiterhin innehaben.

C h r i s t i a n W e i s n e r
Vorsitzender der internationalen Bewegung Wir sind Kirche






Die Bestellung von Elmar Fischer ist kein Signal der
Erneuerung
Presseaussendung am 24. Mai 2005

Nach mehr als 8 Monaten kam die Bischofsernennung in Vorarlberg nunmehr schnell. Diese überraschende Ernennung des bisherigen Generalvikars zum neuen Diözesanbischof löst in fortschrittlichen Kirchenkreisen nicht helle Freude aus:

1. Wieder wurde bei einer Bischofsernennung das Kirchenvolk nicht mit einbezogen. Es war - wie leider schon gewohnt - eine Entscheidung hinter verschlossenen Türen, und die Betroffenen in der Diözese wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Dass Elmar Fischer von Anfang an gerüchteweise im Gespräch war, ändert daran nichts.

2. Die Entscheidung lässt zwar Kontinuität erwarten, nämlich mehr vom Gleichen. Ist der 68 jährige auch der Mann für die anstehenden Reformen? Wird die Solidarität mit seinen Schwestern und Brüdern in der Ortskirche gegenüber der Loyalität gegenüber der römischen Kirchenleitung ausgewogen sein?

Als Eheberater wurde er geschätzt. Seine Äußerungen zur Homosexualität wurden schwer kritisiert. Vielleicht bestärkt ihn seine psychotherapeutische Ausbildung darin, sehr genau auf die Probleme und Bedürfnisse seiner MitchristInnen zu hören und gemeinsam nach Verbesserungen zu suchen. Zu wünschen wäre es ihm und den KatholkInnen. Ein neues Amt ist auch eine neue Lernchance.

Die Plattform „Wir sind Kirche“ wünscht dem neuen Bischof Kraft und Mut für sein Amt und das Vertrauen in den Geist Gottes, der alles neu machen wird.

„Wir sind Kirche – Österreich“






UND WIR LEIDEN AN DEN FOLGEN…
Presseerklärung zum Nuntius Cagna-Papier

Presseaussendung am 20. Mai 2005

Bisher war der genaue Wortlaut dieses Nuntius-Berichts zur Lage der Kirche in Österreich nicht bekannt, wohl aber sein Inhalt.

Seit dort galten drei Kriterien dafür, ob jemand in Österreich Bischof werden konnte:
1.Er muss dem Papst gehorchen
2.Er muss dem Papst gehorchen
3.Er muss dem Papst gehorchen.

Andere Voraussetzungen, wie z. B. Denkfähigkeit und kommunikative Kompetenz, eine Theologie, die auch durch unsere Zeit trägt, soziales Gewissen und Leitungskompetenz wurden seit diesem Papier von der römischen Kirchenleitung als eher schädlich eingestuft. Ja, es war sogar nebensächlich, ob jemand mit der eigenen Sexualität so umgehen konnte, dass andere nicht zu Schaden kämen. Wesentlich war vor allem, ob mit jemandem gerechnet werden konnte im Anti-Modernismus-Streit in der österreichischen Kirche.

Wir befürchten, dass diese damalige Einschätzung der katholischen Kirche in Österreich durch einen einzigen Mann unserer Kirche noch hundert Jahre schaden wird. Die Folgen der unseligen Bischofsernennungen sind noch lange nicht ausgestanden.

„Wir sind Kirche – Österreich“
Ing. Hans Peter Hurka, Wien
Dr. Martha Heizer, Innsbruck






Zölibat oder Pflichtzölibat, das ist die Frage
Presseaussendung am 13. Mai 2005

Wenn der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser und der St. Pöltner Bischof Klaus Küng sowie der Pressesprecher Kardinal Schönborns, Erich Leitenberger, die Aussagekraft jener GMK-Umfrage schon bezweifeln, wonach 74 Prozent der österreichischen Priester die Aufhebung des Pflichtzölibats begrüßen täte es doch gut, wenn in der Sache jeweils vom Gleichen gesprochen würde. Die Auflösung des Pflichtzölibats bedeutet nämlich noch nicht, dass es überhaupt keinen Zölibat mehr gäbe sondern nur, dass nicht alle, die ihrer Berufung zum Priesteramt im Dienst für die Menschen nachkommen, gezwungen werden, ohne volle menschliche Beziehung leben zu müssen.

Wer will oder wer wie Erzbischof Kothgasser den Zölibat als einen unaufgebbaren Reichtum sieht, soll ihn auch leben und der kann auch den Reichtum dieser Lebensform in all seiner Fülle darstellen. Niemand spricht davon, alle Priester zum Traualtar schleppen zu wollen. Die Wahlfreiheit wird verlangt. Wenn ein Priester außer seiner Berufung zum Dienst an Gott und den Menschen gleichzeitig das Geschenk der Liebe zu einer Frau von Gott erhält, soll er es annehmen können und nicht verstecken oder gar unterdrücken müssen. Gott ist die Liebe, heißt es im Johannesevangelium.

Selbst wenn den Zahlen der GMK Befragung jenen einer Befragung von Univ.-Prof. Dr. Paul M. Zulehner gegenübergestellt werden, ist der nachhaltige Ruf nach der Aufhebung des Pflichtzölibats unüberhörbar. Auch wenn “nur“ 40 Prozent der befragten Priester den Pflichtzölibat ablehnen und nicht 70 Prozent, ist dies ein Signal, das sehr ernst genommen werden muss.

Die angemessenen Entscheidungskriterien müssen sein, ob die Änderung des von Menschen gemachten kirchlichen Gesetzes gewünscht wird und ob der Wunsch der Botschaft Jesu entspricht. Alles andere schürt den Verdacht, dass Machtmissbrauch oder der Wunsch nach Unterdrückung im Spiel sind. Jedenfalls Motive, die der Botschaft Jesu fremd und zu ihrer Verkündigung hinderlich sind.

Mit noch so vielen Worten kann nicht weggeredet werden, dass das Gesetz des Pflichtzölibats vielfach nicht mehr gelebt wird, vielfach als unmenschlich empfunden wird und eines der Hindernisse ist, die junge Menschen davon abhalten, den an sich schönen Beruf des Priesters zu ergreifen.

„Wir sind Kirche – Österreich“






Dialog ist möglich und wichtiger denn je
Presseaussendung am 23. April 2005

In der vollen Donaucity-Kirche fand am Samstag, dem 23. April 2005 das Symposium „10 Jahre Kirchenvolks-Begehren, eine kritische Standortbestimmung“ statt. Die Plattform „Wir sind Kirche“ hat eingeladen, öffentlich über Ihre Reformanliegen zu diskutieren. Sechs namhafte VertreterInnen aus verschiedensten Richtungen der Kirche haben zu den Änderungswünschen der Reformbewegung Stellung genommen. In den Jahren 1995 bis 2005 gab es in Österreich und weltweit breite Zustimmung zu den fünf Forderungen des Kirchenvolks-Begehrens. Wie kann es – nunmehr unter einem neuen Papst - weiter gehen?

In seiner Begrüßung erinnerte der derzeitige Vorsitzende von „Wir sind Kirche“, Ing. Hans Peter Hurka, an die dreifachen strategischen Ziele der Plattform: „Wir wollen Dialog mit den Bischöfen und den TheologInnen, rufen die Menschen auf, der Botschaft Jesu zu folgen und nach ihrem Gewissen zu handeln, unabhängig ob es durch kirchliche Vorschriften gedeckt ist oder nicht und wir fördern die Vernetzung möglichst vieler mündiger ChristInnen“.

In seinem Grußwort sprach der von Papst Johannes Paul II. von seiner französischen Diözese in die Wüste versetzte Bischof Jacques Gaillot von der Notwendigkeit der ChristInnen „Späher nach der Morgenröte“ zu sein: das heißt, wir sollten nicht unser Augenmerk auf das richten, was vergeht, sondern auf das, was entsteht, was sich entfaltet zum Wohl der Menschen hervortritt. Dies wäre sowohl binnenkirchlich als auch politisch zu verstehen.

Die Wiener Journalistin, Dr. Dolores Bauer, ahnte die vorhersehbare Frustration des Kirchenvolkes, weil die Forderungen die Ortskirche nicht erfüllen kann. Sie mahnte vor allem die Geschwisterlichkeit ein: Die katholische Kirche sei von einer „Miteinander-Kirche“ noch weit entfernt, die Gläubigen verstünden sich immer noch eher als Besucher einer Kirche und nicht als die Kirche selbst.

Der Initiator des Kirchenvolks-Begehrens, Dr. Thomas Plankensteiner, wies durch Beispiele auf die Kluft hin, was einerseits die Kirche predigt und von der Gesellschaft fordert und andererseits dem, was sie selbst in der Praxis tut. Die notwendigen Reformen sind weder ausschließliche Strukturfragen noch Randthemen, meint er. Es geht nicht um „Anpassung an den Zeitgeist“, sondern „an den Geist des Evangeliums“. So ist zum Beispiel der praktische Ausschluss von Frauen vom Priesteramt nur wegen des Geschlechtes eine „strukturelle Sünde“ der Kirche.

Die ehemalige Vorsitzende der katholischen Frauenbewegung in Wien, Edeltraud Novy, wies auf die fehlende Option für die Armen und Benachteiligten hin und bedauerte es, dass man in Österreich von einer „bürgerlichen Kirche“ mit „bürgerlichen“ Gemeinden sprechen müsse, die die soziale Dimension nicht selbst wahrnehmen, sondern an die Caritas delegiere.

Der Wiener Dogmatiker, Univ.-Prof. Dr. Bertram Stubenrauch, verwies daran, dass es in der kirchlichen Tradition gute Gründe für die unterschiedliche Stellung von Mann und Frau in der Kirche gebe. Andere Reformforderungen würden „offene Türen einrennen“. Er könne sich vorstellen, den Zölibat freizugeben, bei gleichzeitiger intensiver Werbung für den Zölibat als priesterliche Lebensform. Grundsätzlich müsse gelten, die Kirche muss lernen mit Gescheiterten umzugehen. „Der Weg der Kirche ist der Mensch.“

Der em. Universitätsprofessor Dr. Bruno Primetshofer (Kirchenrecht) mahnte bei aller Notwendigkeit von Reformen den Grundsatz ein: „Moderata durant.“ – Das Maßvolle überdauert. Er kritisierte den leider revolutionären statt evolutionären Weg der Plattform „Wir sind Kirche“ in den vergangenen 10 Jahren, und warb für Geduld, sodass die Kirche ihre Funktion als Stütze für die Langsamen wahrnehmen kann. Andererseits freue er sich, dass es Menschen gibt, die solche Forderungen stellen. Bei den Fragen der Ehescheidung und dem Zölibat sehe er Möglichkeiten, wie ein lebensfördernder Weg in die Freiheit gegangen werden kann.

Für den Journalisten, Dr. Peter Pawlowsky, hat die „Eruption“ des Kirchenvolks-Begehrens im Jahr 1995 mit der spezifischen Situation des österreichischen (Kirchen-)Volks zu tun, das in der Geschichte gelernt hat, sich trotz Unterwürfigkeit unter die verschiedensten Obrigkeiten (Kaiser, Bischöfe, „Führer“..) seine eigenen Meinungen zu bewahren, bis es eben nicht mehr zum Aushalten ist. Das wäre 1995 gegeben gewesen. Im Übrigen erinnerte Dr. Pawlowsky auf einen schon vor Jahren gemachten Vorschlag des damaligen Wiener Dogmatikprofessors Gisbert Greshake, der meinte, dass die Möglichkeiten der Partizipation von Frauen in der Kirche noch lange nicht ausgeschöpft seien. So sollten/könnten z. B. 50% der Kardinäle Frauen sein und den Papst wählen dürfen, was kirchenrechtlich möglich ist.

Der in der Zeit des Kommunismus geheim in der tschechischen Untergrundkirche zum Bischof geweihte Dusan Spiner beschloss die Reihe der Beiträge mit einem Appell, an der Verwirklichung des Reiches Gottes mitzuwirken. Wenn jemand unseren Glauben übernimmt, glaubt er deswegen noch nicht anders. Nur wenn er geistig in Bewegung bleibt fällt die Binde von den Augen und er wird sehend. Der Same Gottes geht dort auf und bringt reiche Frucht, wo er empfängliche Herzen trifft, die offen sind für einen Funken Wahrheit und die Sehnsucht nach vollem Menschsein in sich tragen.

In der anschließenden Publikumsdiskussion, die unter der bewährten Leitung von Dr. Hubert Feichtlbauer geführt wurde, waren die Empörung über den von der Kirchenleitung verordneten Stillstand im Dialog und die Ungleichbehandlung der Frauen zentrale Themen. Selbst dann, wenn Evolution der Revolution vorzuziehen sei, ist Bewegung die Voraussetzung dafür, die gegenwärtig seitens der Bischöfe nicht erkennbar ist. Weiters wurde klar herausgearbeitet, dass der Wert der gleichen Würde von Mann und Frau über den, der Rücksicht auf die noch nicht zur Änderung bereiter Frauen und Männern zu stellen ist. Im Übrigen gibt es ebenso eine Reihe von Frauen und Männern die es unerträglich finden, dass noch nichts in dieser Frage geschehen ist. Hier hebt sich das zeitliche Argument auf.

Am Ende gab es eine gute Stimmung, viel Lob an die Veranstalter und eine besinnliche Eucharistiefeier die zeigte, „Wir sind Kirche“ und zwar gemeinsam.

„Wir sind Kirche – Österreich“






Papst Benedikt XVI. muss Reformen zulassen, will er die Botschaft bewahren!
Presseaussendung vom 19. April 2005

Joseph Ratzinger ist ein hoch gebildeter Theologe, ein Kenner der Kirche und der Kurie, veränderungsfähig, wie sein Wandel vom aufgeschlossenen Konzilstheologen zum Bewahrer gezeigt hat. Vielleicht folgt jetzt noch einmal ein Wandel, diesmal zum Reformpapst?

Die Fragen liegen auf dem Tisch: Subsidiarität statt Zentralismus, glaubwürdiges Vorleben statt guter Ratschläge für andere, Dialog statt Befehle. Es geht nicht um Modernisierung, nicht um ein Christentum zu herabgesetzten Preisen sondern um Evangelisierung, um ein in unsere heutige Welt bringen der Botschaft Jesu.

Es ist ja schon vorgekommen, dass sich Menschen im Amt verändert haben. Vielleicht besinnt sich der neue Papst auf seine frühen Jahre, wo er offen und freundlich auf die Bedürfnisse der Menschen eingegangen ist – auch wenn Liebe und Barmherzigkeit bei der Ausübung seines Amtes als Chef der Glaubenskongregation nicht immer spürbar waren.

Reformen kommen nicht aus dem Vatikan und auch nicht vom Papst. Reformen müssen wir beginnen und ihre Bewährung erproben, dann können sie vom Papst bestätigt werden. Und das wird er. Wenn er mauert, wird das das Reformtempo erhöhen.

Die Plattform „Wir sind Kirche“ meint also: Kein Grund zur Resignation!

Martha Heizer
Hans-Peter Hurka
„Wir sind Kirche – Österreich“






Ein gespaltener Papst
Presseaussendung vom 2. April 2005

Die Plattform "Wir sind Kirche" verneigt sich in Respekt an der Bahre des verstorbenen Papstes vor einer der stärksten Persönlichkeiten der jüngeren Kirchengeschichte. Johannes Paul II. hat das Erscheinungsbild der katholischen Kirche über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt und mit seinem entschiedenen Eintreten für menschliches Leben, Menschenrechte und eine Weltordnung der sozialen Gerechtigkeit Millionen Menschen zu Hoffnung und Selbstvertrauen verholfen.

Streng im Gefolgschafts- und Moralanspruch, gütig im Umgang mit konkreten Menschen, hat er freilich in der kirchlichen Lehre immer Gesetz und Prinzip höher gestellt als den einzelnen Menschen und mit seiner rigorosen Ablehnung von Empfängnisregelung, Zweitheirat, Priesterheirat und Frauenpriestertum weitere Millionen, vor allem Frauen, unbarmherzig vor den Kopf gestoßen.

Sein Bemühen um eine Ökumene aller christlichen Kirchen, ja aller bedeutenden Religionen der Erde und im Besonderen sein Eintreten für eine Aussöhnung mit den von Christen Jahrhunderte hindurch geschmähten und verfolgten Juden hatte Weltformat. Sein Rigorismus in doktrinären und disziplinären Fragen trug den Stempel autoritärer, kleingläubiger Engherzigkeit.

Johannes Paul II. symbolisierte in seiner Person den heutigen Zustand der Kirche: Die tiefe Kluft zwischen den Kräften der Beharrung und der Erneuerung, die die katholische Kirche der Gegenwart spaltet, verläuft vielfach nicht zwischen verschiedenen Gruppen, sondern durchzieht oft ein und denselben Menschen, was eine Überwindung dieser Kluft doppelt schwer machen kann. Die Mitglieder der Plattform "Wir sind Kirche" beten und hoffen, dass der nächste Papst den Mut aufbringen wird, den tief greifenden Veränderungen in der modernen Welt auch durch eine herzhafte Erneuerung kirchlicher Rechts- und Amtsstrukturen Rechnung zu tragen.

Martha Heizer
Hans-Peter Hurka
„Wir sind Kirche – Österreich“






AUCH REFORMSTAU VERTREIBT MITGLIEDER!
Presseaussendung vom 18. Jänner 2005

Wir bedauern jeden einzelnen Kirchenaustritt.

Ausgetreten sind aber nicht nur distanzierte Menschen, deren Verbindung zur Kirche seit längerem schal geworden ist. Aus vielen Gesprächen mit Betroffenen wissen wir, dass der jahrzehntelangen Reformstau ihnen jede Hoffnung auf Erneuerung der Kirche nimmt.

Die Kirchenleitung wird nicht umhin kommen, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Sonst wird dieser Entfremdungsprozess nicht zu stoppen sein. Es braucht die Einbindung der Betroffenen in die Entscheidungsprozesse, die Zulassung von Frauen und verheirateten Männern zum Priestertum - und einen kompetenten Umgang mit Skandalen. Dann wird der Heil bringende Charakter unseres Glaubens wieder im Zentrum der Verkündigung sein können.

Menschen brauchen Hoffnung. Bei zu vielen ist sie schon gestorben.

Martha Heizer
Hans-Peter Hurka
„Wir sind Kirche – Österreich“






Mühle auf, Mühle zu!
Presseaussendung vom 7. Oktober 2004

Die letzten Bischofsernennungen in Österreich machen den Anschein, als spiele Rom Mühle mit uns. Von einem Bischofsstuhl zum anderen werden die Amtsträger verschoben. Wenn jetzt auch noch für den Vatikan so große Sprünge wie von Vorarlberg nach St. Pölten erlaubt sind stellt sich die Frage, hat er nur mehr so wenig Steine?

„Wir sind Kirche“-Österreich bedauert die schnelle Amtseinsetzung von Bischof Küng als Nachfolger Krenns. Wieder wurde eine Chance vertan, die betroffenen Menschen an Entscheidungen, die in erster Linie sie angehen, zu beteiligen.

Es bleibt zu hoffen (die Hoffnung stirbt zuletzt!), dass zumindest jetzt ein breiter Dialog innerhalb der Diözese St. Pölten beginnt, der langsam wieder Vertrauen und Verständnis zwischen Kirchenleitung und Kirchenvolk anbahnt. „Wir sind Kirche“ meint, nicht nur die Abberufung Krenns sondern auch seiner Handlanger und vor allem die Einleitung von Reformen sind dringend erforderlich.

Die bisherige Amtsführung von Bischof Küng lässt die Chance dafür nicht gerade groß, zum Glück aber auch nicht ganz aussichtslos erscheinen.

Martha Heizer
Hans-Peter Hurka
„Wir sind Kirche – Österreich“






Eine gute Wahl für St. Pölten?
Presseaussendung vom 5. Oktober 2004

Keine einsame Entscheidung!

Sorgen bereiten der Plattform „Wir sind Kirche“ die Spekulationen über den Nachfolger Krenns. Unabhängig von den genannten Personen wäre es fatal, wenn Rom wieder eine einsame Entscheidung träfe Sie würde zeigen, dass man im Vatikan nichts aus den Bischofsbestellungen der 80er Jahre gelernt hat. Jetzt ist es unverzichtbar für den Wiederaufbau der Diözese, dass der neue Bischof von vielen akzeptiert wird. Es reicht nicht, wenn er nur in Rom einen guten Namen hat.

Gemeinsamer Gesprächsprozess könnte Vertrauen bilden

Von außen aufgedrückte Entscheidungen sind eine Bevormundung. Die Katholikinnen und Katholiken der Diözese St. Pölten sind nüchtern, erfahren und kompetent genug, um in dieser schwierigen Situation miteinander darüber nachzudenken, welche Person in ihrer Diözese als Bischof hilfreich wäre.

Gerade jetzt wäre es dringend notwendig Vertrauen aufzubauen: untereinander, aber vor allem zur Kirchenleitung. Die Einbindung der Betroffenen in einen umfassenden Gesprächsprozess ist dafür eine Chance. Ein solcher Prozess braucht Zeit, keinen Schnellschuss. Gut begleitet kann er die Erfahrung ermöglichen, dass der Glaube an denselben Gott und die Liebe zur selben Kirche trotz unterschiedlicher Positionen gemeinsame Entscheidungen ermöglicht.

St. Pölten braucht einen guten Bischof, der wieder Mut macht und Unterschiedliches zulassen kann, der lernfähig ist und auf die Menschen hört. Wer nur Klerikalismus vor Augen hat, wird wieder Schiffbruch erleiden. Wir warten auf einen Bischof mit tiefem Glauben und weitem Herzen!

Nur mit echten Reformen ist ein Neuanfang möglich

Die Plattform „Wir sind Kirche“ ist überzeugt, dass ein echter Neuanfang nur möglich ist, wenn die Kluft zwischen Kleriker und Laien in einem geschwisterlichen Miteinander überwunden, wenn Frauen und Männer, verheiratet und unverheiratet, in Entscheidungen eingebunden werden und ihnen Verantwortung übertragen wird. Die Botschaft Jesu verträgt sich nicht mit Bevormundung und Diskriminierung. Sie ist und bleibt eine die Menschen bejahende „Frohbotschaft“! Nur so können sie die Menschen verstehen und akzeptieren.

Martha Heizer
Hans-Peter Hurka
„Wir sind Kirche – Österreich“






Rücktritt Krenns ist wichtige Etappe, nicht das Ziel!
Presseaussendung vom 30.September 2004

Rücktritt ist wichtig, unausweichlich und gut

Die Plattform „Wir sind Kirche“ ist erleichtert, dass mit dem Rücktritt Bischof Krenns ein wichtiger und unvermeidlicher erster Schritt für die Erneuerung in der Diözese St. Pölten gesetzt wird. Viele Menschen in und außerhalb der Diözese St. Pölten atmen auf und können nach langen Jahren endlich wieder hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. Allen, die daran mitgewirkt haben, ist zu danken!

Entschuldigung wäre angebracht

Mit einer schlichten Entschuldigung jener vatikanischen Stellen, die Krenn zum Bischof bestellt haben und jener Personen, die als „Einflüsterer des Papstes“ in Österreich bekannt geworden sind, könnte eine erste Handreichung und damit ein wichtiger Schritt in Richtung Aufarbeitung gesetzt werden. Gerade jetzt, in der beginnenden „Nach-Krenn-Ära“ wird es vieler offener Gespräche bedürfen, die dem Austausch von Wahrnehmungen und Einsichten, dem Verzeihen und Vergeben dienen.

Nachfolge Krenns über „Diözesankonklave“ regeln

Die Frage, wer Bischof Krenn nachfolgt, ist jetzt aktuell. Die Form, in der die Kandidaten gesucht, geprüft und zum Nachfolger ernannt werden, ist Wegweiser für die Zukunft. Gerade jetzt wäre es wichtig, möglichst alle Betroffenen einzubinden, um damit gegenseitiges Vertrauen und Verantwortung füreinander wieder wachsen zu lassen.

Die Plattform „Wir sind Kirche“ schlägt daher zur Kandidatenfindung den Prozess eines „Diözesankonklaves“ vor. In diesem sollen die Menschen in den Pfarren befragt werden und die Pfarrgemeinderäte die Vorschläge zusammentragen. Gewählte Frauen und Männer, Kleriker und Laien aus den Pfarrgemeinderäten könnten ihre Vorschläge in den Dekanaten austauschen und bündeln. Sie sollen in einer überschaubaren und gewählten, die Menschen der Diözese repräsentierenden Versammlung, übergeben werden. Diese tritt zu einem „Diözesankonklave“ zusammen um im Gebet, der Stille und Einkehr sowie im Gespräch und der fruchtbaren Auseinandersetzung einen „Dreiervorschlag“ an den Papst zu erarbeiten.

In einem solchen Prozess, wenn er ehrlich und transparent geführt wird, kann wieder viel Vertrauen wachsen, welches in den letzten Jahren verloren gegangen ist. Ein offener „Dialog-Prozess“, über alle Grenzen hinweg, kann die Basis für die notwendigen Reformen sein.

Nur mit echten Reformen ist ein Neuanfang möglich

Die Plattform „Wir sind Kirche“ ist überzeugt, dass ein echter Neuanfang nur möglich ist, wenn die Kluft zwischen Kleriker und Laien in einem geschwisterlichen Miteinander überwunden, wenn Frauen und Männer, verheiratet und unverheiratet, in Entscheidungen eingebunden werden und ihnen Verantwortung übertragen wird. Die Botschaft Jesu verträgt sich nicht mit Leibfeindlichkeit und Diskriminierung. Sie ist und bleibt eine lebensbejahende „Frohbotschaft“! Nur so könne sie die Menschen verstehen und akzeptieren.

Martha Heizer
Hans-Peter Hurka
„Wir sind Kirche – Österreich“






ENDLICH EINER, DER MUT HAT!
Presseaussendung vom 27.September 2004

Die Plattform „Wir sind Kirche“ begrüßt die Äußerung von Bischof Scheuer, dass er sich auch verheiratete Priester vorstellen kann. Damit könnte endlich ein „öffentliches Nachdenken“ innerhalb der Kirche einleitet werden.

Die Forderung des Kirchenvolks-Begehrens von 1995, den Priestern ihre Lebensform frei zu stellen, findet laut Umfragen inzwischen weltweit Zustimmung, und zwar bis zu 90 %. Dem schließen sich durchaus auch viele Priester an - nur eben bisher nicht in der Öffentlichkeit. Die Aussage von Bischof Scheuer könnte nun dafür sorgen, dass nicht nur hinter vorgehaltener Hand darüber diskutiert wird und alle Laien aus dem innerkirchlichen Meinungsbildungsprozess ausgeschlossen bleiben.

Es geht nicht um eine grundsätzliche Abschaffung des Zölibats (niemand muss heiraten), aber um eine Änderung des Kirchenrechts, das derzeit besagt, dass nur unverheiratete Männer zum Priesteramt zugelassen werden können. Wie das Beispiel der evangelischen Kirchen zeigt, gibt es dort keinen Mangel an Seelsorgern - weil sie heiraten dürfen, wenn sie wollen. Gleichzeitig stiege die Glaubwürdigkeit der Kirche, wenn Priester ihr Menschenrecht nach freier Wahl der Lebensform ausüben könnten: Lebenskompetenz lässt Aussagen bedeutungsvoller werden.

Martha Heizer
Hans-Peter Hurka
„Wir sind Kirche – Österreich“






„Wenn du geschwiegen hättest....!“
Presseaussendung, 02. August 2004

Die vatikanischen Reflexionen über das Zusammenarbeiten von Männern und Frauen in Kirche und Gesellschaft sind durchaus verzichtbar,

  • aus inhaltlichen Gründen: eine (nur so genannte biblische) Anthropologie, die „dem“ Mann und „der“ Frau aufgrund ihrer biologischen Gegebenheiten eindeutige Rollen zuweisen will, wird der heutigen Pluralität der Aufgaben von Männern und Frauen nicht gerecht und ist nicht hilfreich. Die jahrzehntelange differenzierte Diskussion zu diesem Thema ist offensichtlich noch nicht hinter die vatikanischen Mauern gedrungen;
  • aus Gründen der Glaubwürdigkeit: angesichts des Umgangs der Kirche mit Frauen sind noch so gut gemeinte Beteuerungen nicht wirklich überzeugend. Der Gesellschaft Ratschläge geben zu wollen, wie sie mit Frauen umzugehen habe, ist so lange kontraproduktiv, so lange die Ratschläge in den eigenen Reihen nicht eingehalten werden.
  • aus Gründen der Zeitwahl: in einem Augenblick, wo die Kirche auf Grund schwerwiegender Missstände (Priesterseminar St. Pölten) massiven Klärungs- und Säuberungsbedarf hat, kann sie nicht erwarten, dass irgendwelche theologischen Erläuterungen mit Wohlwollen gelesen werden, noch dazu wenn sie zum wiederholten Male damit Frauen (und auch Homosexuelle) angreift.


Martha Heizer
Hans-Peter Hurka
„Wir sind Kirche – Österreich“






Mailbox für päpstlichen Visitator DDr. Klaus Küng
Presseaussendung, 23. Juli 2004

Die Plattform „Wir sind Kirche“ begrüßt grundsätzlich die vom Vatikan angeordnete Untersuchung in der Diözese St. Pölten durch eine außerdiözesane Instanz. Diese Untersuchung darf jedoch nicht nur das Priesterseminar und die bekannten Vorfälle erfassen sondern muss die pastorale Situation in der gesamten Diözese beinhalten.

Um jede Einseitigkeit zu vermeiden, ist das Hören möglichst vieler Stimmen wichtig. Aus diesem Grund bietet die Plattform „Wir sind Kirche“ ab sofort auf ihrer Homepage eine „Mailbox“ an, über die „Erfahrungen – Anliegen –Vorschläge“ an den päpstlichen Visitator DDr. Klaus Küng herangetragen werden können.

http://www.we-are-chuch.org/at



Die Plattform „Wir sind Kirche“ verpflichtet sich, diese Nachrichten an den Päpstlichen Visitator - wenn gewünscht auch anonymisiert – heranzutragen und wird selbst auch ihre eigenen Vorschläge zur notwendigen Reform in der Kirche – in St. Pölten und darüber hinaus - Bischof Küng übermitteln.

Hans-Peter Hurka
„Wir sind Kirche – Österreich“







Nicht nur Missstände beseitigen,
sondern Reformen einleiten!
Presseaussendung, 21. Juli 2004

Im Anschluss an seine Bestellung zum apostolischen Visitator der Diözese St. Pölten hat der Feldkircher Diözesanbischof Klaus Küng angekündigt, "der Sachverhalt muss aufgeklärt und die entsprechenden Konsequenzen müssen gezogen werden" und er werde dies „mit Konsequenz und Bedacht“ tun. Bischof Küng hat im Auftrag des Papstes die gesamte Amtsführung von Bischof Krenn sowie alle diözesanen Einrichtungen zu überprüfen. Er hat umfassenden Vollmachten" und ist nur dem Papst verantwortlich; sein Bericht ist der "erste Schritt für weitere Maßnahmen".

Die Plattform „Wir sind Kirche“ begrüßt grundsätzlich die Bestellung eines päpstlichen Visitators verbindet aber damit den Wunsch nach lückenloser, unabhängiger Aufklärung. Nach Meinung der Plattform „Wir sind Kirche“ sind für die Behebung des „pastoralen Supergaus“ umfassende Reformen erforderlich. Die bloße „Entmachtung“ von Bischof Krenn löst die eigentlichen Probleme nicht.

Gerade die welt- und lebensfremde Art kirchlichen Lebens widerspricht nicht nur dem Evangelium sondern ist auch der Nährboden Menschen verachtender Auswüchse. Wer die Hoffnung und Trauer der Menschen nicht wahrzunehmen in der Lage ist, kann auch kein glaubwürdiger Wegweiser sein.

Die Plattform „Wir sind Kirche“ verlangt daher die Umsetzung der zum weltweiten Reformkanon gewordenen Forderungen des „Kirchenvolks-Begehrens“ als Grundlage zur Erneuerung der Kirche:

  • Aufbau einer geschwisterlichen Kirche, mit der Gleichwertigkeit aller Gläubigen und der Überwindung der Kluft zwischen Klerus und Laien
  • Volle Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche
  • Bejahung und Positive Bewertung der Sexualität
  • Eine zeitgemäße Priesterausbildung, die sich allen Fragen des Lebens und damit auch der Sexualität stellt
  • Freie Wahl zwischen zölibatär und nicht zölibatär Lebensform
  • Mitsprache bei der Ernennung von Funktionsträgern wie z.B. Pfarrer oder Bischof
  • Verkündigung unseres Glaubens als Frohbotschaft statt Drohbotschaft

Krise als Chance – aus Erfahrungen lernen

Nach der Causa Groer vor 9 Jahren hat die Kirche nun wieder eine Chance zur Kurskorrektur. Die Plattform „Wir sind Kirche“ hofft, dass nunmehr die Zeichen der Zeit vom päpstlichen Visitator verstanden werden. Der Erfolg der Visitation wird daran zu messen sein, welche Reformen im Anschluss daran umgesetzt werden.

Hans-Peter Hurka
Martha Heizer
„Wir sind Kirche – Österreich“







„Wir sind Kirche“: Der Skandal in St. Pölten
darf nicht das Ansehen der gesamten Kirche ruinieren
Presseaussendung, 20. Juli 2004

Die Plattform „Wir sind Kirche“ warnt vor jedem Pauschalverdacht gegen Priester und Priesteramtskandidaten. Die unakzeptablen Vorfälle im Priesterseminar St.Pölten dürfen nicht als exemplarisch für die ganze Kirche gesehen werden. Bischof Krenn und die anderen Personen seines Dunstkreises, die für die Missstände in St. Pölten verantwortlich sind, müssen sofort abgelöst werden. Die Plattform „Wir sind Kirche“ weist jedoch nachdrücklich darauf hin, dass die Mehrheit der Priester sich unter oft schwierigen Bedingungen ehrlich um die Verkündigung des Evangeliums bemüht und es nicht verdient, in Bausch und Bogen als „Sumpfblüten“ verdächtigt zu werden. Ebenso weisen wir darauf hin, dass eine Vielzahl von Laien, Frauen und Männern, die als Religionslehrer und Pastoralassistentinnen sowie unentgeltlich und uneigennützig ehrenamtlich arbeiten, seit Jahren die positive Arbeit der Kirche in großem Umfang mittragen. Sie setzen sich oftmals für Reformen ein und sollen jetzt nicht als „Trottel“ dastehen, die eine grundsätzlich reformunfähige und korrupte Struktur am Leben erhalten. Ihr Einsatz für eine zeitgemäße und glaubwürdige Glaubensverkündigung gehört – auch von den Bischöfen – in der gegenwärtigen Situation ausdrücklich gewürdigt.

Die Plattform „Wir sind Kirche“ sieht in der beständigen Verdrängung und Verhinderung dringend notwendiger struktureller Reformen in der römisch-katholischen Kirche eine wesentliche Ursache für die kirchenschädigenden Ereignisse im Priesterseminar St. Pölten. Die Untersuchung aller Vorfälle sowie die Außerdienststellung Krenns allein genügen nicht. Vielmehr ist eine grundsätzliche Revision der Bischofsbestellungsverfahren und der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt erforderlich , um auf lange Sicht wieder das volle Vertrauen des Kirchenvolkes und der Öffentlichkeit gewinnen zu können.

Die öffentlich gewordenen Geschehnisse in St. Pölten machen in erschreckender Weise deutlich, dass mit dem quantitativen Priestermangel auch ein qualitativer Priestermangel einhergeht. Angesichts dieser pastoralen Notsituation gewinnen die von zahlreichen Synoden, Fachtagungen und Konferenzen und von der Plattform „Wir sind Kirche“ seit langem erhobenen Forderungen nach Aufhebung des Pflichtzölibats sowie einer Öffnung der Zulassungsmöglichkeiten zum Priesteramt für verheiratete Männer (viri probati) und für Frauen eine unüberhörbare, brennende Aktualität. Die Kirchenleitung täte gut daran, die Diskussion darüber nicht von sich zu weisen, sondern sie aus dem gegebenen aktuellen Anlass mutig und zukunftsorientiert aufzugreifen.

Hans-Peter Hurka
Martha Heizer
„Wir sind Kirche – Österreich“






Außerdienststellung – Untersuchung – Reformen
Presseaussendung, 19. Juli 2004

Die Plattform „Wir sind Kirche“ fordert:

  • Sofortige Außerdienststellung Bischof Krenns
  • Untersuchung der Vorfälle und des pastoralen Status der Diözese St. Pölten
  • Umsetzung der Reformen des Kirchenvolks-Begehren
Sofortige Außerdienststellung Bischof Krenns


Wenn Bischof Krenn die Kirche liebt und ihr dienen will – worauf er immer wieder hinweist – legt er von sich aus sein Amt, zumindest vorübergehend, nieder. Tut er es nicht, sind die vatikanischen Stellen aufgerufen dies zu veranlassen. Die Geschäfte kann vorübergehend Weihbischof Fasching führen.

Unabhängige und Objektive Untersuchung der Vorgänge in der Diözese St. Pölten


In jedem staatlichen oder privaten Bereich ist es undenkbar, dass bei Vorfällen wie sie in der Diözese St. Pölten passiert sind, so lange keine Reaktion erfolgt und nach monatelanger Kenntnis des Verdachts eine vom Verantwortlichen abhängigen Kommission zur Untersuchung eingesetzt wird.

Im Sinne der Objektivität ist sofort eine unabhängige und objektive Kommission einzusetzen, die aus Vertretern verschiedener Diözesen und „Richtungen“ der Kirche zusammengesetzt ist.

Diese Kommission sollte nicht nur die konkreten Vorfälle im Priesterseminar prüfen, sondern auch einen „Statusbericht“ über die pastorale Situation der Diözese St. Pölten erstellen.

Eine unabhängige „Schiedskommission“, der Pastoraltheologen und Vertreter verschiedener Diözesen angehören, habe gemeinsam mit den Katholikinnen und Katholiken der Diözese die not-wendigen Reformen einleiten.

Reformen einleiten

Mit großer Unterstützung und im Auftrag der Unterzeichner des „Kirchenvolks-Begehrens“ verlangt die Plattform „Wir sind Kirche“ die Umsetzung der zum weltweiten Reformkanon gewordenen Forderungen:

  • Aufbau einer geschwisterlichen Kirche, mit der Gleichwertigkeit aller Gläubigen und der Überwindung der Kluft zwischen Klerus und Laien
  • Volle Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche
  • Bejahung und Positive Bewertung der Sexualität
  • Eine zeitgemäße Priesterausbildung, die sich allen Fragen des Lebens und damit auch der Sexualität stellt
  • Freie Wahl zwischen zölibatär und nicht zölibatär Lebensform
  • Mitsprache bei der Ernennung von Funktionsträgern wie z.B. Pfarrer oder Bischof
  • Verkündigung unseres Glaubens als Frohbotschaft statt Drohbotschaft
Unser Ziel ist eine Kirche, die allen Menschen Rückhalt und Geborgenheit bietet und keine wilde Kopfjagd. Dafür ist die Übertragung der Verantwortung auf Frauen und Männer, Kleriker und Laien sowie verheiratete und unverheiratete Menschen eine unverzichtbare Forderung. Sie haben ihre Handlungen vor Gott, ihrem Gewissen und der Gemeinschaft der Gläubigen zu verantworten.

Wenn dieser Weg nicht eingeschlagen wird, ist weiterer schwerer Schaden an der Kirche nicht abzuwenden.

Hans-Peter Hurka
Martha Heizer
„Wir sind Kirche – Österreich“






Es reicht: Bischof Krenn muss zurücktreten!
Presseaussendung, 15. Juli 2004

Bereits bei seiner Ernennung zum Weihbischof in Wien und vor seiner Weihe durch Erzbischof Groer gab es 1987 warnende Signale aus dem Gottesvolk. Starke Proteste, wie ein Schweigemarsch und sich vor die Tore des Stephansdoms legende Menschen, über die hinweg Bischof Krenn zur Weihe gestiegen ist, reichten nicht aus, um die Kirchenleitung von ihrem Vorhaben abzubringen. Bei Fernsehauftritten mit starken Sprüchen, wie z.B.: „Da müsse sich schon vorher Gott selbst ändern, bevor ich es tue“, gab Bischof Krenn vor, er kenne die volle Wahrheit und handle danach. Wohin uns dieser Weg führt, sehen wir jetzt.

An ihren Früchten werdet ihr sie (die falschen Propheten) erkennen (Mt 7,16)


Sind die Zeichen noch nicht genug? Die Diözese St. Pölten ist heute praktisch führungslos und gespalten. Bischof Krenn hat sich nicht als Brückenbauer erwiesen, sondern hat es zu Stande gebracht, dass Menschen wegen ihm in großer Zahl aus der Kirche austreten. Er ist in zahlreiche, öffentlich ausgetragene Konflikte verstrickt, die er oftmals selbst vom Zaun bricht und die keinen wirklichen Nutzen haben. Den von ihm abgesetzten Pfarrer P. Udo Fischer muss er weiterhin amtieren lassen, weil es offensichtlich keine Gründe für seine Absetzung gab. National wie international wird er wegen seiner Engstirnigkeit belächelt. Seine Vorgangsweisen bei der Priesterausbildung werden seit längerer Zeit innerkirchlich scharf kritisiert. Unappetitlich und zynisch klingt die Interpretation Bischof Krenns, es sei ein „Bruderschaftskuss“ und kein „Zungenkuss“ gewesen.

Bischöfe brauchen vor allem:

  • Liebe zu den Menschen
  • Kompetenz in theologischen und humanwissenschaftlichen Fragen
  • Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit sowie
  • Entschiedenheit und Kompromissfähigkeit


Überprüfung der Vorfälle ja, aber von unabhängigen Personen


Dass im Priesterseminar pornographische Bilder aus dem Internet herunter geladen wurden, ist seit Herbst vorigen Jahres bekannt. Was ist bisher geschehen? Erst jetzt eine Untersuchung anzukündigen, wirkt nicht beruhigend. Noch dazu, wenn diese unter der Leitung Bischof Krenns und dem stellvertretenden Leiter des Diözesangerichtes, Wolfgang Rothe, der als Subregens des Seminars selbst einer der Verdächtigten ist, erfolgen soll? Es bedarf wohl einer unabhängigen Prüfung. Hier zeigt sich, wie dringend der Bedarf nach Gewaltenteilung auch in der römisch katholischen Kirche ist.

Reformen sind notwendig! Wann, wenn nicht jetzt?


Der Plattform „Wir sind Kirche“ geht es nicht um die Verurteilung von Menschen. Die Vorkommnisse gehören unabhängig und sachlich geprüft. Strafbare Handlungen sind den dafür zuständigen unabhängigen Gerichten zuzuführen.

Wir sind aber überzeugt, die Entwicklungen in der Diözese St. Pölten sind nicht zufällig und waren vorhersehbar. Weil uns dieser Weg in die Irre führt, deshalb soll Bischof Krenn zurücktreten. Es wäre ein Dienst an der Kirche.

Mit einem Rücktritt alleine sind jedoch die Probleme nicht gelöst. Wir rufen daher den von der Plattform „Wir sind Kirche“ seit Jahren verlangten und weltweit anerkannten Reformkanon neuerlich in Erinnerung.

Die Plattform „Wir sind Kirche“ verlangt:

  • eine positive Bewertung der Sexualität
  • eine zeitgemäße Priesterausbildung, die sich allen Fragen des Lebens und damit auch der Sexualität stellt
  • ein erneuertes, zeitgemäßes Amtsverständnis
  • die freie Wahl zwischen zölibatärer und nicht zölibatärer Lebensform
  • die volle Gleichberechtigung der Frauen
  • den Aufbau einer geschwisterlichen Kirche, mit der Gleichwertigkeit aller Gläubigen und der Überwindung der Kluft zwischen Klerus und Laien
  • Mitsprache bei der Ernennung von Funktionsträgern wie z.B. Pfarrer oder Bischof
  • Frohbotschaft statt Drohbotschaft


Der Reformstau in der römisch katholischen Kirche gehört dringend behoben!

Wir sind bereit, daran mitzuwirken.

Hans-Peter Hurka
Martha Heizer
„Wir sind Kirche – Österreich“






ZULASSUNGSBEDINGUNGEN VERÄNDERN,
NICHT AUFNAHMEKRITERIEN !
Presseaussendung, 07. Juli 2004

Die Plattform "Wir sind Kirche" schaut eher mit Mitleid als verabscheuend auf die betroffenen Männer im Priesterseminar St. Pölten. Verurteilen ist nicht unsere Aufgabe. Dennoch zeigen diese Ereignisse, dass der Reformstau in der römisch-katholischen Kirche traurige Auswirkungen hat.

In Zeiten des Priestermangels einfach alle (männlichen!) Bewerber ins Priesterseminar aufzunehmen, ist verführerisch. Zukunftsweisender wäre es, die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt zu verändern – und nicht von unseren Priestern zu verlangen, asexuell zu leben. Das ist für die überwiegende Mehrheit der katholischen Bevölkerung weltweit nicht mehr nachvollziehbar und für einen großen Teil der Priester nicht mehr lebbar - mit oft fatalen Konsequenzen.

Hans-Peter Hurka
Martha Heizer
„Wir sind Kirche – Österreich“






ROM IN PANIK
Presseaussendung, 27. April 2004

Die neue Liturgie-Konstitution des Vatikan ist eine 41 Seiten lange und mit 290 Fußnoten versehene Anweisung für den hohen und niederen Klerus, wie er mit der „heiligsten Eucharistie“ umzugehen hat. Vor allem scheint dabei von Interesse zu sein, was alles verboten, nicht erlaubt, nicht rechtens, nicht angebracht, verwerflich, und deswegen zu unterbinden sei.

Das Wort „Missbrauch“ kommt 32 Mal vor (davon 14 Mal im Plural).

So macht dieses Werk vor allem eines deutlich: Der römische Klerus steht mit dem Rücken zur Wand und verteidigt Bereiche, die er selber gar nicht mehr ausfüllen kann. Das Schreiben klingt arrogant – und das Schlimme daran ist, dass die Verfasser das vermutlich gar nicht bemerken.

Niemand hat erwartet, dass Rom mit Dankbarkeit anerkennen würde, mit wie viel Engagement und Zeitaufwand sich die vielen abertausend Laien kompetent gemacht haben, damit die gemeinsame Feier der Eucharistie auch in Zeiten der Not (an Priestern) würdig und niveauvoll ablaufen kann. Niemand glaubt mehr daran, dass die römische Kirchenleitung mit liebevoller Aufmerksamkeit beobachtet, wie das Kirchenvolk - unentgeltlich - alle seine Charismen einbringt in die „Feier unserer Erlösung“.

Aber das Ausmaß der peinlich genauen Reglementierungen dafür, was die Laien alles NICHT dürfen, zeigt den Pegel der Panik: Groß ist die Angst, die sogenannten „Laien“ könnten sich verselbständigen und den Klerus, gar den höheren Klerus, immer weniger brauchen.
Mit Instruktionen dieser Art wird die Panik immer begründeter.

Die Verfasser rechnen offensichtlich selbst mit wenig Umsetzung ihrer Anordnungen. Dies zeigen die zahlreichen Hinweise auf Sanktionen. Wenn dann aber am Schluss des Dokuments Denunziation als „Recht“ aller Katholiken zur Meldung von Übertretungen zugestanden wird, ist klar sichtbar, was die Autoren von der Würde der Menschen halten.

Der Vorstand der Plattform „Wir sind Kirche“ ist daher froh, gerade zur rechten Zeit seine Broschüre „Ungehorsam – Dienst an der Kirche?!“ herausgebracht zu haben, um damit eindeutig zu dokumentieren, wie weit weg vom Leben sich bereits vatikanische Weisungen befinden, und will Laien und Klerikern Mut machen, nicht dieser weltfremden und lebensfeindlichen Instruktion sondern ihrem Gewissen zu folgen.





Weichenstellungen
Neue Führung der Plattform "Wir sind Kirche" und Vollversammlung
Presseaussendung, 18. April 2004

Unter dem Titel "Weichen stellen" lud die Plattform "Wir sind Kirche" am 17.4.2004 zur jährlichen Vollversammlung nach Salzburg ein. Dabei sollte die zukünftige Linie der Plattform, deren Arbeitsweise und Ziele neu überdacht werden. Statuten gemäß stand auch die Neuwahl des Vorstands auf dem Programm.

Die bisherige Vorsitzende Ingrid Thurner stellte sich nicht mehr der Wahl und legte auch ihre anderen Funktionen zurück. Mit großer Mehrheit wurde deshalb Herr Ing. Hans Peter Hurka aus Wien zum neuen Vorsitzenden gewählt. Ihm zur Seite stehen Frau Dr. Martha Heizer aus Innsbruck als Stellvertreterin, Frau Gertraud Marchewa aus Wien als Kassierin und Frau Mag. Gotlind Hammerer aus Innsbruck als Schriftführerin des Vereins.

Nach intensiven Überlegungen und Diskussionen beschlossen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Arbeitsprogramm für die nächsten Jahre und bestätigten zugleich mit großer Zustimmung die bisherige Linie der Plattform. Künftig wird bei konkreten Anlässen auf die bisher unerfüllten Forderungen des Kirchenvolks-Begehrens von 1995 mit Nachdruck hingewiesen. Zur Umsetzung werden verstärkt Partnerschaften, z.B. in Gemeinden und Gruppierungen, gesucht. Schwerpunkte zur Stärkung einer geschwisterlichen Kirche liegen neben dem Dialog mit der Kirchenleitung in der Zusammenarbeit mit den Menschen in den Gemeinden sowie in der Ökumene.

Zur Vorbereitung der 10-Jahres-Feier des Kirchenvolks-Begehrens im Jahr 2005 wird eine Projektgruppe eingerichtet. Geplant sind neben einer Reihe von Veranstaltungen die Herausgabe des 5. "Herdenbriefes".





Ein Freund Gottes und der Menschen
Presseaussendung 13.03.2004

Die Plattform "Wir sind Kirche" hält an der Bahre von Kardinal Franz König in aufrichtiger Wertschätzung und tiefer Trauer inne. Er hat mit seinen Bemühungen um eine Aussöhnung der katholischen Kirche mit moderner Wissenschaft und Kunst, mit unterschiedlichen Strömungen der Politik und mit allen Gruppen und Schichten der modernen Gesellschaft Geschichte geschrieben und der Kirche in einer Zeit der beginnenden Glaubensauszehrung noch einmal Ansehen und Glaubwürdigkeit verschafft.

Niemals hat er es an Loyalität gegenüber Päpsten und Entscheidungen des kirchlichen Lehramtes fehlen lassen, obwohl ihm diese Loyalität nicht immer gelohnt worden ist. Immer aber hat er das Schicksal konkreter Menschen höher bewertet als abstrakte Prinzipien und Gebote. Zweifelnden ist er ein verständnisvoller Begleiter, Kritikern ein kritischer Freund, Verunsicherten stets ein Herold der Hoffnung gewesen.

Wenn alle Amtsträger der katholischen Kirche die Gesinnung Kardinal Königs hätten, gäbe es nirgendwo die Mutlosigkeit und Resignation, die heute weite Teile der Kirche erfasst haben. Seine Offenheit war niemals Grundsatzlosigkeit. Er hat sich nie angebiedert und doch immer glaubhaft zum Ausdruck gebracht, dass er auch abweichende Standpunkte versteht und respektiert.

Kardinal König war ein leuchtendes Beispiel dafür, dass man durchaus nicht allen in allem Recht geben muss, um als Kirchenoberer geachtet und geliebt zu werden. Mit seinem Tod ist die katholische Kirche, mehr noch: ist die Gemeinschaft der christlichen Kirchen weit über Österreich hinaus ärmer geworden.





„Theologie um der Seelsorge willen“
Zum 100. Geburtstag des Theologen Karl Rahner am 5. März 2004
Presseaussendung 02.03.2004

Mit großer Dankbarkeit und Respekt gedenkt die Plattform „Wir sind Kirche“ gemeinsam mit der KirchenVolksBewegung in Deutschland in diesen Tagen Karl Rahners, einem der größten Theologen des 20. Jahrhunderts, der vor 100 Jahren geboren wurde. Durch sein Denken der Theologie vom Menschen her hat er das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) wesentlich beeinflusst, bei dem er persönlicher Berater des Wiener Kardinals Franz König war. Das Lebenswerk Karl Rahners ist und bleibt auch für kommende Generationen wegweisend. Für „Wir sind Kirche“ sind Person und Werk Rahners inspirierend, ermutigend und herausfordernd zugleich.

Sein entscheidender Beitrag für die Theologie ist die „anthropozentrische Wende“. Wie kein anderer stellte Rahner die Frage nach Gott konsequent vom Menschen, nicht vom rechtgläubig auftretenden Glaubenssystem her. Er hat sich nicht im elfenbeinernen Turm der Wissenschaft versteckt, sondern in die „Niederungen“ der Seelsorge eingelassen. „Ich habe immer Theologie betrieben um der Verkündigung, um der Predigt, um der Seelsorge willen“, wie er selber sagte. Nach Rahners Überzeugung sind es die existenziellen Fragen, die den Menschen über sich hinausführen und ihm eine Ahnung vom Ewigen vermitteln, dem er sich verdankt. Mit ganzem Herzen in ihrer Tradition beheimatet, kritisierte er aber auch die katholische Kirche aus Liebe zu ihr. „Vor Konzilsbeginn habe ich Rahner angerufen und gesagt: ‚Kommen Sie bitte mit mir nach Rom!’ Da hat er gemeint: ‚Ja, was fällt Ihnen ein, ich bin in Rom nicht gern gesehen! Die denken doch, dass ich zu liberal bin’“, erzählt Kardinal König in der „Furche“. Noch heute wird Rahner von verschiedenen Seiten angegriffen. In seinen letzten Lebensjahren wurde er immer mehr zum Kämpfer. Mit immensem Sachverstand stritt er gegen römischen Zentralismus und vorkonziliare theologische Ansichten, verteidigte die lateinamerikanische Befreiungstheologie. Er beklagte das paternalistische Verhalten der Mehrheit der Bischöfe genauso wie das Insistieren auf formaler Autorität in der Sexualmoral. Rahner forderte das freie Wort und den aufrechten Gang in der Kirche.

Hellsichtig warnte er vor der Versuchung, dass diese Kirche ihre zur Zeit des Konzils weit geöffneten Pforten wieder zusperrt, nicht mehr einladend und gesprächsbereit auf die Menschen zugeht. Als er den Elan der Konzilskirche verblassen sah, sprach er traurig von einer „Winterkirche“, die nur noch ängstlich abwehrend über die korrekte Lehre wacht.

Zu seinem 10. Todestag schrieb der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, der von 1964 bis 1967 Rahners Assistent in München war, dass „einer fehlt, der für viele ein Meister des Denkens und ein ungewöhnlicher Seelsorger war. Das Ausbleiben seiner Wegweisungen und Zwischenrufe, die für ein halbes Jahrhundert nicht wegzudenken waren, hat eine Lücke hinterlassen, die nicht geschlossen werden kann.“ – Sein unglaublich fruchtbares theologisches Lebenswerk umfasst über 4.000 Veröffentlichungen. Sein Schüler Johann Baptist Metz nannte ihn einen „Vater des Glaubens“, und Kardinal Schönborn betont in seinem Grußwort zum Symposion in Wien: „Wer heute Theologie betreibt, kommt um die Arbeit von Karl Rahner nicht herum“, und: „Ehrfurcht flößt die Weite des Denkens ein.“ Am 5. März 1904 in Freiburg am Breisgau geboren, trat Karl Rahner 1922 in den Jesuitenorden ein, wurde am 26. Juli 1932 in München zum Priester geweiht. Während des Krieges musste er in Wien im Geheimen Vorlesungen halten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1949 Professor für Dogmatik in Innsbruck, wechselte 1964 auf den Romano- Guardini-Lehrstuhl in München und wurde 1967 nach Münster berufen. Kurz nach seinem 80. Geburtstag starb er am 30. März 1984 in Innsbruck.





Das Ökumenische Sozialwort – eine Frucht konsequenten Dialoges
Presseaussendung, 27.11.2003

Mit Freude, Stolz und Dankbarkeit begrüßt die Plattform "Wir sind Kirche" das Erscheinen des Ökumenischen Sozialwortes der 14 christlichen Kirchen Österreichs. Vor 5 Jahren, beim Delegiertentreffen des "Dialogs für Österreich", wurde der Plan für ein kirchliches Sozialwort gefasst und festgelegt, dass es ökumenisch verfasst sein sollte. In geduldiger und konsequenter dialogischer Zusammenarbeit aller in Österreich vertretenen christlichen Kirchen und mit starker Einbindung der jeweiligen Basis wurde die soziale Praxis der Kirchen erhoben, Defizite festgestellt und Richtlinien für eine soziale Selbstverpflichtung der Kirchen und der einzelnen Christinnen und Christen erarbeitet. Obwohl die ökumenischen Bemühungen sonst starkem Gegenwind ausgesetzt sind, hat die Arbeit am Ökumenischen Sozialwort in Österreich ein Klima der Partnerschaft aller christlichen Kirchen geschaffen, das beispielhaft ist. Beispielhaft auch dafür, was durch ernst gemeinte dialogische Arbeitsweise erreicht werden kann.

Da das Ökumenische Sozialwort seine Wurzeln im (ansonsten lahmgelegten) "Dialog für Österreich" und damit letztlich im Kirchenvolks-Begehren hat, freut sich die Plattform "Wir sind Kirche" sehr über die Geburt dieses "Enkelkindes" des Kirchenvolks-Begehrens, dankt besonders der ökumenischen Steuerungsgruppe, der Katholischen Sozialakademie und allen Engagierten als den "Hebammen" dieses freudigen Ereignisses und wünscht dem Kind kräftiges und ungestörtes Wachstum.




Der Dialog geht weiter – aber wie ?
Presseaussendung, 12.11.2003

Der zuerst mühsam eingerichtete und dann so gelungene Prozess im „Dialog für Österreich“ und die Delegiertenversammlung im Oktober 1998 in Salzburg scheinen Geschichte zu sein – gleich wie Diözesansynoden oder der Österreichische Synodale Vorgang 1973 bis 1974: Sie hatten und haben keine Rechtsgeltung, Voten der Delegierten sind zwar „Meinungsbilder“, haben aber keinerlei Verbindlichkeit und können so leicht archiviert und „vergessen“ werden.

Das Bedauern von über 40 der seinerzeitigen Delegierten von Salzburg, dass der „Dialog für Österreich“ leider „gestorben“ sei, beantwortete Kardinal Dr. Christoph Schönborn mit knappen Worten: „Das stimmt nicht.“ Der Dialog gehe weiter, „nur findet er nicht in der Weise statt, wie es sich manche erwartet haben. “ In der gleichen Pressekonferenz – im Blick auf gelegentliche Unstimmigkeiten innerhalb der Bischofskonferenz – betonte er, „dass wir gelegentlich Dinge auch kontrovers diskutieren – aber wie in einer Familie.“

Als Mitglieder der „Familie Kirche“ werden Laien auch in Zukunft nicht nur schweigend zuhören, wenn die „Väter“ Meinungsverschiedenheiten austragen, sondern immer wieder versuchen, gemäß dem Auftrag des 2. Vatikanischen Konzils „ihre Möglichkeit, bisweilen auch die Pflicht“ wahrzunehmen und „ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, zu erklären.“ (vgl. LG 37) Im gleichen Artikel der „Dogmatischen Konstitution über die Kirche“ ist zu lesen: „Aus diesem vertrauten Umgang zwischen Laien und Hirten kann man viel Gutes für die Kirche erwarten.“ Der Umkehrschluss ist zulässig.

Der Dialog über Strukturen der römisch-katholischen Kirche, deren Erscheinungsbild und Wirken im Dienst der Menschen wird auf jeden Fall weiter gehen – es wird für die Kirche nicht nur gut und sinnvoll, sondern möglicherweise geradezu lebensrettend sein, wenn dieser Dialog nicht nur an der Basis, sondern gemeinsam mit der Kirchenleitung geführt wird.




Katholikinnen und Katholiken können für sich selbst sprechen

Zu den Vorwürfen, die Plattform „Wir sind Kirche“ wende sich mit „Humanisten und Freimaurern“ gegen die Kirchen- bzw. Dialogklausel des Amsterdamer Vertrags

Presseaussendung, 11.11.2003

„Deutlichen Erklärungsbedarf“ sieht Kardinal Dr. Christoph Schönborn auf Seiten der Plattform „Wir sind Kirche“ dafür, dass sie als Mitglied des „Europäischen Netzwerkes Kirche im Aufbruch“ auf einer Stellungnahme dieses Netzwerkes zur öffentlichen Diskussion über die Zukunft Europas aufscheint. In dieser Stellungnahme wird u.a. die Streichung des Artikels 51: Status der Kirchen und weltanschaulichen Gemeinschaften gefordert, in dem u.a. ein regelmäßiger, strukturierter Dialog der Kirche(n) mit den Institutionen der EU festgeschrieben werden soll. Erfahrungsgemäß wird ein derartiger institutionalisierter Dialog zwischen Kirchen und EU durch die Kirchenleitungen geführt, die Betroffenen selbst werden wenig bis gar nicht einbezogen. Katholikinnen und Katholiken in der ganzen Bandbreite der römisch-katholischen Kirche sind bekanntermaßen weder mit allen innerkirchlichen Haltungen des Lehramtes konform, noch fühlen sie sich in allen Belangen gesellschaftlichen Lebens durch die Haltung der Kirchenleitung vertreten.

Sie möchten zumindest in gesellschaftlichen Fragen nicht bevormundet werden und ihre eigene Meinung vertreten können. Dies gewährleistet der Artikel 46: Grundsatz der partizipativen Demokratie des Verfassungsentwurfs der EU:

(1) Die Organe der Union geben der Bürgerinnen und Bürgern und den repräsentativen Verbänden in geeigneter Weise die Möglichkeit, ihre Ansichten in allen Bereichen des Handelns der Union öffentlich bekannt zu geben und auszutauschen.

(2) Die Organe der Union pflegen einen offenen, transparenten und regelmäßigen Dialog mit den repräsentativen Verbänden und der Zivilgesellschaft.

(3) Um die Kohärenz und die Transparenz des Handelns der Union zu gewährleisten, führt

die Kommission umfangreiche Anhörungen der Betroffenen durch.

(4) Mindestens eine Million Bürgerinnen und Bürger aus einer erheblichen Zahl von Mitgliedstaaten können die Kommission auffordern, geeignete Vorschläge zu Themen zu unterbreiten, zu denen es nach Ansicht der Bürgerinnen und Bürger eines Rechtsakts der Union bedarf, um die Verfassung umzusetzen. Die Bestimmungen über die besonderen Verfahren und Bedingungen, die für eine solche Bürgerinitiative gelten, werden durch ein Europäisches Gesetz festgelegt.

Das „Europäische Netzwerk Kirche im Aufbruch“ spricht sich im Namen von 30 kirchlichen Reformgruppen, darunter auch die Plattform „Wir sind Kirche“, nach langen intensiven Überlegungen für die Streichung des Artikels 51 aus, da er als „überflüssig“ empfunden wird. Wenn fünf andere Europäische Netzwerke ähnliche Ansichten im öffentlichen Dialog um die Zukunft Europas vertreten, kann daraus weder ein Naheverhältnis der Plattform „Wir sind Kirche“ zu Freimaurern interpretiert, noch ihr die Dialogfähigkeit abgesprochen werden. Gerade der Dialog mit und zwischen allen Betroffenen wird von ihr vertreten, da mündige Christinnen und Christen ihre Meinung selbst äußern können und nicht ausschließlich durch die Hierarchie vertreten werden möchten.




Ein bewegender und gespaltener Papst

Zu 25 Jahren Pontifikat von Johannes Paul II.

Presseaussendung, 10.10.2003


Am 16. Oktober 1978 wurde Karol Wojtyla, Kardinal von Krakau, zum Papst gewählt. Die Wahl eines Papstes aus einem kommunistischen Land und die Tatsache, dass nach über 450 Jahren wieder ein Nicht-Italiener Oberhaupt der Kirche wurde, bewegten Kirche und Welt. 25 Jahre später bewegen fast nur mehr die Bilder eines kranken, erschöpften und gebrechlichen Papstes die Massen.

Johannes Paul II. hat das Erscheinungsbild der Kirche über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt und Veränderungen im politischen Gefüge der Welt gefördert. Er half mit, den Kommunismus zu stürzen, betete an der Klagemauer in Jerusalem, sprach das „Mea Culpa“ für manche Sünde der Kirche, setzte viel beachtete Signale für Frieden und Versöhnung zwischen Völkern, Weltanschauungen und Religionen, und hat mit seinem entschiedenen Eintreten für menschliches Leben, Menschenrechte und eine Weltordnung der sozialen Gerechtigkeit Millionen Menschen zu Hoffnung und Selbstvertrauen verholfen.

Innerkirchlich ist dieses Pontifikat allerdings durch Ängstlichkeit und tiefes Misstrauen dem Gottesvolk gegenüber geprägt, durch den Ausbau eines zentralistischen und rigiden Kontrollsystems und einer Flut von Vorschriften und Verboten, die die Kirche erstarren ließen und viele Menschen bewegte, ihr den Rücken zu kehren.

Streng im Gefolgschafts- und Moralanspruch, gütig in seiner Zuwendung zu benachteiligten, kranken, alten und jungen Menschen, wertet er in der kirchlichen Lehre Gesetz und Prinzip höher als die Erwartungen und Hoffnungen der Menschen, und mit seiner rigorosen Ablehnung von Empfängnisregelung, Zweitheirat, Priesterheirat und Frauenpriestertum hat er Millionen Menschen, vor allem Frauen, unbarmherzig vor den Kopf gestoßen.

Sein Bemühen um Ökumene aller christlichen Kirchen, ja aller bedeutenden Religionen der Erde und im Besonderen sein Eintreten für eine Aussöhnung mit den Juden hat Weltformat – sein Rigorismus in doktrinären und disziplinären Fragen trägt allerdings den Stempel autoritärer, kleingläubiger Engherzigkeit.

Johannes Paul II. symbolisiert in seiner Person den heutigen Zustand der Kirche: Die tiefe Kluft zwischen den Kräften der Beharrung und der Erneuerung, die die katholische Kirche der Gegenwart spaltet, verläuft vielfach nicht zwischen verschiedenen Gruppen, sondern durchzieht oft ein und den selben Menschen.

Bei aller Anerkennung seines Bemühens, alten und gebrechlichen Menschen durch sein Durchhalten ein Zeichen der Hoffnung zu geben, wäre es ein größeres Zeichen der Weisheit, der Erstarrung und Lähmung der Kirche durch einen Rücktritt ein Ende zu bereiten. Die katholische Kirche braucht so schnell wie möglich wieder frischen Wind, offene Türen und Fenster, um sich in der Welt glaubwürdig für die Frohe Botschaft einsetzen zu können.

Die Plattform „Wir sind Kirche“ wünscht Papst Johannes Paul II. einen friedlichen Lebensabend, frei von den Zumutungen eines anstrengenden Amtes, das er 25 Jahre lang sendungsbewusst, bewegend aber auch sehr zwiespältig erfüllt hat




„Hunger nach Eucharistie“?

Presseaussendung, 18.4.2003


Die Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“, die von Papst Johannes Paul II. am Gründonnerstag unterzeichnet wurde, sagt im Grunde nichts Neues. Im Wesentlichen werden nur die bereits bekannten Positionen des römisch-katholischen Lehramts wiederholt. Die Plattform „Wir sind Kirche“ fragt sich, warum erneut die Grenzen zwischen den christlichen Kirchen eingeschärft werden und damit – allen Beteuerungen zum Trotz, dies sei nicht der Fall – der ökumenische Prozess der Kirchen empfindlich gestört wird.

Wenn in Abschnitt 20 der Enzyklika begrüßenswerter Weise betont wird, dass durch die Eucharistie die Verantwortung in der ‚globalisierten’ Welt wachgerufen und Christen eingeschärft wird, ihrer Aufgabe nachzukommen, „mit dem Licht des Evangeliums zum Aufbau einer Welt nach dem Maßstab des Menschen und im Einklang mit dem Plan Gottes beizutragen“, kann dies doch nicht allein in der Sichtweise der römischen Kirche verwirklicht werden, und erst recht nicht durch Verbote, an der zentralen Feier des Glaubens in Schwesterkirchen teilzunehmen.

„Die Kirche lebt von der Eucharistie.“ Mit diesen Worten beginnt die Enzyklika. Wie Gemeinden in der jetzigen Seelsorgesituation konkret lebendig bleiben oder wieder werden können, sagt sie nicht, sondern hält eisern an einem ideologisch überhöhten Amtsverständnis fest. Wegen des Priestermangels können immer weniger Gemeinden am Sonntag Eucharistie in einer Form feiern, die der Enzyklika entspricht. Auf dieses Problem geht der Papst höchstens am Rande ein, indem er den Betroffenen den „Hunger nach der Eucharistie“ empfiehlt statt konstruktive Lösungsversuche anzubieten – etwa in der Frage der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt.

Noch so schöne Worte und Loblieder auf die dem Amtspriestertum vorbehaltene Eucharistiefeier sind kein Ausweg aus der pastoralen Krise. Und auch die ermüdend oft wiederholte Aufforderung zum Gebet um geistliche Berufungen ändert nichts daran, so lange Berufungen von verheirateten Männern oder Frauen zurückgewiesen oder als nicht existent bezeichnet werden.

Die Plattform „Wir sind Kirche“ befürchtet, dass in den vielen priesterlosen Gemeinden weniger der „Hunger nach Eucharistie“ wächst, sondern vielmehr Resignation, Ärger und Gleichgültigkeit, weil die gleiche Kirche, die den Wert der Eucharistie als zentrale Lebensquelle zu Recht betont, nicht fähig zu sein scheint, das Recht der Menschen auf Eucharistie anzuerkennen und dafür zu sorgen, dass dieses Sakrament wirklich ausreichend und seinem Wert entsprechend gefeiert werden kann.

Es gibt einen breiten Konsens der christlichen Basis, von ungezählten Menschen aller Kirchen, denen der gemeinsame Glaube und der gemeinsame Auftrag in der Welt wichtiger erscheint als unterschiedliche Auffassungen über die Verfasstheit der christlichen Kirchen. Sie leben in ihrer Gewissensentscheidung bereits eine Einheit in Vielfalt, von der insbesondere die oberste Leitung unserer römisch-katholischen Kirche noch meilenweit entfernt ist. In der vorliegenden Enzyklika jedenfalls setzt sich das römische Lehramt einmal mehr gegen die „Zeichen der Zeit“ zur Wehr und ignoriert den Geist Gottes, der „weht, wo er will.“




Ungehorsam als Pflicht

Ergebnisse der 2. Kirchenvolks-Konferenz der Plattform "Wir sind Kirche" und der Basisgemeinden im Raum Wien

Presseaussendung 02.04.2003


Blinder Gehorsam genügt nicht

Mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sprachen sich bei der 2. Kirchenvolks-Konferenz am 28. und 29. März in Wien für eine Kirche mit menschlichem Antlitz aus, in deren Leben Gottes Liebe sichtbar wird. Sie wollen nicht länger mit ansehen, dass sich Menschen durch rigorose Anwendung kirchlicher Vorschriften entmündigt, gekränkt, ausgegrenzt oder verletzt fühlen.

Kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – Laien wie Kleriker – erleben in ihrer Arbeit immer wieder, dass das Kirchenrecht sogar als dem Evangelium widersprechend empfunden wird. Hier muss um der Menschen und um Gottes Willen rasch Abhilfe geschaffen werden, will die Kirche wieder als Hort der Menschlichkeit erfahren werden und ihr Ansehen in der Gesellschaft sowie ihre moralische Autorität nicht gänzlich verlieren.

Konstruktive Kritik und persönliche Verantwortung

"Ungehorsam ist nicht bloß in Ausnahmesituationen legitim, sondern in gewisser Hinsicht eine Tugend", stellte der bekannte und angesehene Moraltheologe Univ.-Prof. Dr. Hans Rotter SJ im Eröffnungsreferat fest. Wenn "Kritik als Partizipation an der Verantwortung gegenüber dem Gemeinwohl" gesehen wird, können Gegensätze überwunden werden. Nicht nur im staatlichen sondern auch im kirchlichen Bereich ist es notwendig, "die Unterordnung unter eine legitime Autorität nach dem Urteil des eigenen Gewissens zu prüfen und zu verantworten", meint Rotter. "Gegen die Anmaßung von Menschen, im Namen Gottes zu richten, stellt Jesus die beinahe unbeschränkte Bereitschaft zu vergeben", stellte Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Langer in seinem Referat fest. "Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes und eigentlich seine Überwindung. Sie ist eine Antwort auf die Herausforderung der konkreten Situation und kennt keine vorherigen Unterscheidungen, was erlaubt oder unerlaubt ist", betonte er. Es gelte, "den inneren Sinn einer Norm zu erfassen und in einer geänderten Situation diesen zu verwirklichen, nicht den Wortlaut der Norm", meinte der Religionspädagoge und Katechet.

Um Gottes Willen ungehorsam

In 8 Workshops zu konkreten Fragen des kirchlichen Lebens listeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kirchenvolks-Konferenz die Breite der tatsächlich stattfindenden Regelübertretungen auf. Sie berichteten über ihre positiven Erfahrungen durch das Umgehen vorgegebener Normen. Aus diesen Gründen rufen sie die Mitglieder der römisch-katholischen Kirche auf, in ständigem Dialog miteinander und dem eigenen Gewissen folgend mutig und verantwortungsvoll ihr Leben und ihren Einsatz in der Kirche aus Liebe zu den Menschen zu gestalten. Sie erkennen Gott als das Zentrum ihres Lebens und Wirkens und nicht zuerst das Kirchenrecht.

Langer: "Angesichts des gegebenen pastoralen Notstands dürfen Christen nicht in unüberlegtem Gehorsam verharren. Für einen heiligen Ungehorsam müssen sie jedoch mit ihrer Person einstehen. Es geht um die Menschen, und es geht um die Sorge Gottes für die Menschen, die er Menschen anvertraut hat."




Mit bitterer Konsequenz
Zum Tod von Kardinal Groër


Presseaussendung 24.03.2003


Kardinal Hans Hermann Groër ist tot, und auch die Plattform „Wir sind Kirche“ erbittet und wünscht ihm Frieden und Erfüllung, die er in dieser Welt vielleicht nicht finden konnte.

Kardinal Groër war das klassische Beispiel eines Mannes, der – wahrscheinlich aus kirchenpolitischen Gründen – ohne Rücksicht auf seine Befähigung und Neigungen auf den falschen Platz gesetzt wurde, den er dann allerdings mit bitterer Konsequenz bis zum Schluss auszufüllen versuchte.

In ihm nahm die Kirche mit all ihrer Erstarrung, ihrem Schweigen bei Verfehlungen ihrer Mitarbeiter und ihrem Rückzug bei heiklen, aktuellen Problemen tragische Gestalt an. Er verkörperte nahezu perfekt ein Bild von Kirche, das keinerlei Missstände nach außen dringen lassen möchte – koste es, was es wolle – und wurde damit auch selbst zum Opfer eines Systems, das sich mehr an Gesetzen und Tradition als an den Erwartungen und Bedürfnissen der Menschen heute orientiert.

Seine Ernennung und die nie wirklich geklärten Vorwürfe gegen ihn machten zugleich die unterschiedlichsten Flügel der Kirche sichtbar und ihr Unvermögen, mit Sexualität auch in den eigenen Reihen gut und menschengerecht umzugehen.

Ohne Kardinal Groër hätte es weder ein Kirchenvolks-Begehren gegeben, noch gäbe es heute die Plattform „Wir sind Kirche“ mit ihren weltweit aktiven Schwesterorganisationen sowie viele neue Reformgruppen innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Wahrscheinlich wäre heute die Sensibilität gegenüber sexuellen Verfehlungen von Geistlichen auch nicht so groß ohne Kardinal Groër und das Kirchenvolks-Begehren, das durch ihn ausgelöst wurde.

Die Plattform "Wir sind Kirche" anerkennt, dass auch Kardinal Groër als Mensch unter den unbarmherzigen Strukturen in unserer Kirche sehr gelitten hat, ist in diesem Sinne versöhnt mit ihm und erbittet ihm die Fülle des Lebens und den Frieden bei Gott.