„Frauen in der Kirche. Gleiche Würde – gleiche Rechte!“
Studientag der Reformgruppen am 15. November 2014 in St. Pölten

Beim Studientag der katholischen Reformgruppen am 15. November 2014 im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten wurde die nachstehende Resolution gefasst.

Anschließend der Pressebericht über den Studientag und ein Erfahrungsbericht über die Berufsaussichten nach dem Theologiestudium von Jacqueline Straub.

 

 

Frauen in der Kirche

Gleiche Würde – gleiche Rechte

 

Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten.

Warum könnt ihr die Zeichen der Zeit nicht deuten? (Lk 12, 56)

 

Die ungelösten Fragen nach der Stellung, der Würde und den Rechten der Frauen in der Kirche berühren zentrale Themen der Glaubwürdigkeit der Kirche.

In manchen Regionen der Erde hat Frauenverachtung furchtbare Folgen. Da kann die katholische Kirche nicht ohne Glaubwürdigkeitsverlust an der Diskriminierung der Frauen festhalten.

 

Gleiche Rechte für Männer und Frauen in der Kirche einzufordern, bedeutet keine Anpassung an einen beliebigen Zeitgeist. Vielmehr haben sich die Texte der Frohbotschaft den damals herrschenden patriar­cha­lischen Verhältnissen angepasst, obwohl gerade die Schöpfungstexte einen gleichrangigen Entwurf vom Menschen als Frau und Mann zeigen. Die Kirchenleitung muss die „Zeichen der Zeit“ wahrnehmen und ihr Menschen- und Geschlechter­verständ­nis gründlich überdenken, will sie nicht in eine hoffnungslose Situation geraten.

 

Daher darf auch die Priesterweihe für Frauen kein Tabu bleiben. In die Prüfung der Berufung zum Priesteramt müssen endlich auch Frauen einbezogen werden. Alle Erfahrungen der seelsorglichen Wirklichkeit belegen, dass die römische Kirche schon heute und erst recht in Zukunft Frauen in allen kirchlichen Ämtern braucht.

 

Der Ausschluss der Frauen von der Priesterweihe ist eine Diskriminierung, die man nicht Jesus mit dem Argument in die Schuhe schieben kann, er habe dazu keine Vollmacht erteilt. Schon auf aufgrund des natürlichen göttlichen Rechts ist jede Diskriminierung unzulässig; um sie abzustellen, bedarf es keiner besonderen Vollmacht.

 

 

Pressebericht

Frauen in der Kirche /Gleiche Würde – gleiche Rechte!

Studientag im Bildungshaus St. Hippolyt, St. Pölten, 15. November 2014

 

Protest und Ermutigung

 

Gleiche Würde wird den Frauen auch in der römisch-katholischen Kirche schon zugestanden, gleiche Recht werden ihnen aber immer noch verweigert. Die „Laieninitiative“, gemeinsam mit den anderen Reformbewegungen, richtete im Bildungshaus St. Hippolyt (St. Pölten) einen Studientag aus, der sich mit Ursachen und Folgen kirchlicher Frauendiskriminierung beschäftigte. Mit 130 TeilnehmerInnen war  die Tagung ein bemerkenswerter Erfolg.

 

Ist die Bibel schuld?

Während der Papst eine „vertiefte Theologie der Frauen“ fordert, wird in Rom übersehen, dass es diese schon längst gibt. Die Grazer Alttestamentlerin Univ.- Prof. Dr. Irmtraud Fischer zeigte, dass die Bibel für Frauendiskriminierung nicht in Anspruch genommen werden kann, obwohl sie in einer patriarchalischen Gesellschaft entstanden ist. Die Schöpfungstexte stellen Frau und Mann als ebenbürtig dar; das wird allerdings durch tendenziöse Bibelübersetzungen  verschleiert.

 

Behutsamkeit statt Ungeduld

Ein persönliches Bekenntnis legte der oberste Benediktiner Österreichs, Abtpräses Mag. Christian Haidinger ab: Seine Erfahrung lehrte ihn, dass Frauen durchaus zum Priesteramt berufen sind. Er ist überzeugt, dass alle Ämter in der Kirche schließlich auch Frauen offenstehen werden, aber er verwahrte sich dagegen, dass Frauen zur Selbsthilfe greifen und schon jetzt Eucharistiefeiern leiten.  Haidinger trat für ein behutsames Vorgehen ein und machte darauf aufmerksam, dass Frauenweihe in der römischen Kirche zu einem Bruch mit den Kirchen der Orthodoxie führen würde.

 

Eine Frage der Menschenrechte

Aktuelle Meinungsforschungen ergeben, dass der Hype des Feminismus längst vorbei ist und damit auch der Druck von außen auf Veränderungen in der Kirche geringer geworden ist. Dr. Petra Steinmair-Pösel, Habilitantin an der Wiener Theologischen Fakultät, folgerte daraus:  Umso wichtiger ist die Einsicht, dass es sich bei der Forderung nach gleichen Rechten für Frauen um keine Anpassung an den Zeitgeist handelt, sondern um eine Forderung der Menschenrechte, für die die Kirche nach außen gern ein tritt, während sie diese im Inneren nicht gelten lässt.

 

Eine klare Resolution

Die Tagung wurde durch knappe Erfahrungsberichte von Theologinnen und einer Ordensfrau angereichert und mit einer allein von Frauen gestalteten Wortgottesfeier abgeschlossen. Die Jahrzehnte lange  Unzufriedenheit mit der Stagnation in der Kirche  drückte sich schließlich in einer sehr deutlichen Resolution aus, die von den TeilnehmerInnen unterschrieben wurde (siehe oben). Während Statements und Diskussionen auch immer wieder ein härteres Vorgehen der Frauen forderten, blieb doch die Einsicht vorherrschend, dass den Frauen in den letzten Jahrzenten viele neuen Möglichkeiten zugewachsen sind. Die Ermutigung, alles Gegebene zu nutzen, würde auch die  Gleichberechtigung weiter vorantreiben.

 

Rückfragen:

Dr. Peter Pawlowsky

Stellvertretender Vorsitzender der Laieninititive

Buchfeldgasse 9

A-1080 Wien

+43 (0)664 403 76 40

 

 

Erfahrungsbericht über die Berufsaussichten nach dem Theologiestudium

von Jacqueline Straub

 

"Der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen". Irgendwie mache ich etwas falsch, dass ich eingeladen wurde, als junge Studentin über die Berufsmöglichkeiten nach einem Studium der Katholischen Theologie zu sprechen. Ob das dem heiligen Thomas von Aquin gefallen hätte? Nun ja, aber die Zeiten ändern sich – und mit den Zeiten auch die Vorstellung von Entfaltung und Möglichkeiten im Beruf. 700 Jahre nach dieser Beschreibung der beruflichen Möglichkeit der Frau oder besser: der Wesenszuschreibung einer Frau, sind sie heute selbstbewusster denn je. Frauen wählen, Frauen bestimmen und gestalten Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit und lassen sich nicht mehr nur auf das Dasein in der Küche und auf das Gebären von Kindern reduzieren – obwohl dies auf keinen Fall als etwas Negatives betrachtet werden darf. Der Frau von heute stehen in allen Bereichen alle Möglichkeiten offen: Sie kann eine Führungsposition in der Wirtschaft einnehmen, Chefin eines Weltkonzern werden oder eine politisch einflussreiche Frau.

 

Doch wie sieht es im kirchlichen Bereich aus? Ein Blick nach Rom verrät vieles: Die Kirche wird von Frauen getragen, aber von Männer beherrscht. Vor kurzem hielt ich einen Vortrag in Deutschland zum Thema „Macht und Kirche“, meinen Titel, den ich für diesen Vortrag wählte, war: „Mann hat Macht – Frau macht.“ Auch in Bezug auf die Berufsmöglichkeit in der Kirche ist dieser Titel, wie ich finde, sehr treffend. Aber ich möchte ja nicht alles schlecht reden, schließlich habe ich es vielen mutigen Frauen vor mir zu verdanken, dass ich heute als Frau Theologie studieren und zudem noch vor einem Publikum sprechen darf.

Mutige und starke Frauen der letzten zwei Generationen waren es, die meiner Frauengeneration Möglichkeiten in der Kirche eröffneten. Die meisten Frauen, die sich entschließen, Theologie zu studieren, wollen nach dem abgeschlossenen Masterstudium Pastoralreferentinnen werden. Das ist eine gute Berufsmöglichkeit in der Kirche – familienfreundlich und gut bezahlt. Sehr wenige entschließen sich für den Journalismus, die Wirtschaft oder die wissenschaftliche Forschung. Aber auch diese Bereiche stehen uns jungen Frauen offen - und: wir werden gesucht. Wir haben ein unendliches Repertoire an Möglichkeiten nach dem Studium. Noch vor 50 Jahren wäre undenkbar gewesen, dass Frauen an Universitäten lehren, dass sie eine Gemeinde leiten und es Ministrantinnen gibt. Frauen ist es nun auch erlaubt, leitende Funktionen in der Kirche wahrzunehmen, zum Beispiel als Caritasdirektorin oder als Leiterin eines Katholischen Büros. Sie kann Religionslehrerin werden und in einem kirchlichen Gericht einige Ämter wahrnehmen, z.B. als Richterin in einem Richterkollegium, als Beisitzerin oder Vernehmungsrichterin. Sie kann Kirchenanwältin und Ehebandverteidigerin werden. Innerhalb der Pfarrei kann sie Pastoralreferentin werden – diese gibt es erst seit den 70er Jahren, und auch dafür mussten die Frauen kämpfen. Ferner steht es ihr zu, in Beratungsgremien wie dem diözesanen Pastoralrat und Pfarrgemeinderat tätig zu sein und Frauen können gar an Konzilien und Synoden teilnehmen. Dass Frauen heute all diese Berufe ausüben können, haben wir dem Zweiten Vatikanischen Konzil und – damit einhergehend – der Änderung des Kirchenrechts zu verdanken.

Man sieht also, mir als Frau stehen nach meinem Theologiestudium eigentlich alle Türen offen. Ich kann eigentlich alles machen, was ich möchte – nur nicht das, was ich mir wünsche! Wenn ich nicht dieses bestimmte und beständige Brennen in meinem Herzen verspüren würde, würde ich den „einfachen“ Weg einschlagen: 6 Jahre Theologiestudium, 3 Jahre Ausbildung zur Pastoralassistentin und dann wäre ich Pastoralreferentin – klingt ganz einfach.

 

Doch meine Realität sieht etwas komplizierter aus, aber nichtsdestotrotz weniger schlecht: Ich habe mich mehrfach öffentlich dazu geäußert, dass es mein größter Wunsch ist, Priesterin in der römisch-katholischen Kirche zu werden. Das entspricht natürlich nicht der Lehre Roms – schließlich gibt es drei wichtige Schriften über den Ausschluss der Frau vom Priesteramt. Das katholische Lehramt bekräftigt immer wieder, dass die Kirche „keine Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden.“

Nun gut, abgesehen davon, dass ich mich zur Priesterin berufen fühle, könnte ich ja eigentlich noch Pastoralreferentin werden – das ist ja fast das gleiche, zumindest hätte ich viele Aufgaben, die ein Pfarrer auch hat, und hätte nach meinem langen Studium einen sicheren Job. Nun ja, wäre da eben nicht mein öffentliches Bekenntnis zu meiner Berufung. Denn in can. 1371 des katholischen Kirchenrechts steht die Leugnung dieser Lehren (also Inter Insigniores, Ordinatio Sacerdotalis und dem Antwortschreiben der Glaubenskongregation) unter Strafe. Ein Bischof wird wohl kaum jemanden, der diese, in den Augen der Kirche, definitiven, für immer und ewig zu haltende Lehre, Frauen keine Priesterweihe zu spenden, in den pastoralen Dienst seiner Diözese bestellen. Wenn man sich also zur Priesterin berufen fühlt und das auch noch öffentlich sagt, dann sehen die Berufsaussichten in der Katholischen Kirche eher spärlich aus. Schließlich könnte ich ja als Pastoralreferentin später einmal eine „Revolution“ anzetteln und dann mit meiner Gemeinde vor den Toren Roms das Frauenpriestertum einfordern. Das denken zumindest manche Gegner des Frauenpriestertums. Und da ich Theologie auf Master studiere, kann ich auch keine Lehrerin werden, da mir dazu das zweite Fach fehlt. Also ich könnte durchaus an der Schule unterrichten, aber da ich dann nur ein Fach, also Religion hätte, wäre ich wieder nur kirchlich angestellt. Ja, und so musste ich bereits im 3. Semester nach einer Alternativlösung suchen. Mir ist der Abschied vom kirchlichen Beruf schwer gefallen, aber da ich auch später noch öffentlich über das Frauenpriestertum und meine Berufung sprechen möchte, eben weil mir die Kirche am Herzen liegt, möchte ich frei und unabhängig sein und mir nicht von einem Bischof vorschreiben lassen müssen, was ich sagen bzw. machen darf und was nicht. Ich habe einen anderen Weg für mich gefunden – zumindest ist das jetzt der Stand der Dinge. Ich werde für die Kirche arbeiten, aber nicht in der Kirche.

 

Ich liebe die Katholische Kirche, denn sie ist meine Heimat. Und weil meine Liebe so groß zu ihr ist, werde ich mich weiterhin für eine erneuerte Kirche einsetzen, die für alle Menschen da ist und alle Menschen gleich behandelt. Und darum habe ich mich entschlossen, mich nach dem Theologiestudium dem Journalismus zu widmen. Ich habe vor. in einer kirchlichen Redaktion im Fernsehen zu arbeiten. Sehr viele Menschen stehen dem Glauben an den dreieinen Gott kritisch und der Kirche skeptisch gegenüber. Da es heute nicht mehr selbstverständlich ist, dass die Menschen in die Kirche bzw. zu dem Pfarrer kommen, müssen wir als Kirche hinausgehen und die Menschen ansprechen und sie dort abholen wo sie sind. Und ich glaube, dass die Medien ein durchaus großes Potential dafür bieten. Gute, aufgeklärte, aber auch kritische Berichterstattungen sind von Nöten, gerade bei krisenhaften und problematischen Themen in der Kirche. Ich möchte für den Glauben sensibel machen und zeigen, dass die Kirche keine machtsüchtige Institution ist, die nur Skandale aufzuweisen hat, sondern eben ein Ort der Heimat, der Gemeinschaft und der Liebe Gottes ist. Indem ich ein Volontariat beim Fernsehen oder bei einer Zeitung mache, bin ich weiterhin „frei“, um über meine Berufung zu sprechen und Vorträge über die Stellung der Frau in der Katholischen Kirche zu halten. Vielleicht könnte ich Pastoralreferentin werden – vielleicht. Aber das Risiko, nach meinem langen Studium ohne Arbeit dazustehen, ist mir einfach zu groß. Ich kann nicht schweigen, denn ich würde Gott und seinen Ruf, den er mir gegeben hat, verleugnen, wenn ich meine Berufung unter den Tisch kehren und schweigen würde.

Ich werde warten, hoffen und beten, dass der Heilige Geist auch heute in unsere Kirche hineinweht und wir als Kirche, insbesondere aber das Lehramt, die Zeichen der Zeit erkennen. Ich möchte als Frau dazu beitragen, dass die Kirche voran kommt, dass sie zu einer Kirche wird, in der Mann und Frau gleiche Rechte und Möglichkeiten haben – und deshalb kehre ich der Kirche nicht den Rücken zu, sondern bringe mich mit meinen Fähigkeiten ein, auch wenn ich mich später mit großer Wahrscheinlichkeit gegen eine kirchliche Anstellung entscheiden werde. Denn wir sind eine Kirche, bestehend aus Männern und Frauen – und jeder Dienst ist wichtig, mit oder ohne kirchliche Anstellung.

 

 

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