Eva: Die erste Frau der Bibel: Ursache allen Übels?
Helen Schüngel-Straumann

Die erste Frau in der Bibel ("EVA" Gen 1-3) ist in der christlichen Geschichte und Tradition weitgehend zu einer negativen Figur gemacht worden, zum Symbol für die Unzuverlässigkeit von Frauen, zur Verführerin und Ursache allen Übels. Diese Tradition ist auch heute noch nicht verschwunden. Die abendländische Philosophie, die stark dualistisch geprägt war, etwa mit den Gegensätzen Himmel - Erde, Geist - Körper, stark - schwach, Mann - Frau, hat dem weiblichen Teil immer die schlechtere Seite zugewiesen, die positive dem Mann. Feministische Theologie und Genderforschung haben mittlerweile aber zu einem ganzheitlichen Verständnis von Körper, Leiblichkeit, Sexualität, Geschlechterrollen beigetragen. So ist es an der Zeit, vor diesem Hintergrund Eva neu zu betrachten. An den Bibeltexten selbst hat sich nichts geändert, aber das Bewusstsein einer einseitig auf den Mann fixierten, Auslegung und ihrer Folgen ist gewachsen, nicht nur bei Frauen, auch bei Männern. Die Auslegung der Texte selbst zeigt, dass die biblischen Verfasser nicht so frauenfeindlich waren, wie es oft dargestellt wird. Nur eine tendenziöse Auslegung, die die Vormachtstellung des Mannes stärken sollte, hat sie dazu gemacht.

 

Helen Schüngel-Straumann, Dr. theol., war nach Lehrtätigkeit an verschiedenen Schulen und Hochschulen im Rheinland von 1987 bis 2001 Professorin für Biblische Theologie an der Universität Kassel und Präsidentin der ESWTR (Europäische Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen) von 1995 bis 1997. Sie gründete in Basel die Helen Straumann-Stiftung für Feministische Theologie (www.feministischetheologie.at/).

 

Helen Schüngel-Straumann, Eva: Die erste Frau der Bibel: Ursache allen Übels?, Verlag: Schöningh Paderborn; Auflage: 1. Aufl. 2014 (17. September 2014), ISBN-10: 3506777939

 

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