Geheim geweiht
Wolfgang Bergmann

Roman, ca. 200 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Wieser Verlag (31. August 2016), ISBN-10: 399029203X

EUR 18,80

Nach langem wieder einmal ein Buch, das ich nicht mehr aus der Hand gelegt habe, bis ich es ausgelesen hatte. Hier werden alle unsere Forderungen nach einer Erneuerung unserer Kirche, all unsere Kritikpunkte, auch all unsere Hoffnungen in spannender Romanform zur Sprache gebracht. Dazu kommt, dass wir ja wissen, dass die Grundlage dieser Erzählung sehr real ist. Ich erinnere mich deutlich, wie sehr wir versucht haben, mit Ludmilla Jawarowa, einer geheim geweihten katholischen Priesterin, nach dem Fall des kommunistischen Regimes in Tschechien Kontakt aufzunehmen – und wie sie geschwiegen hat. Damals haben wir das nicht verstanden.

Also: UNBEDINGT LESEN!!! (mh)

 

Aus dem Klappentext:

Zur Zeit des kalten Krieges entschließt sich die römisch katholische Kirche hinter dem Eisernen Vorhang, eine Untergrundkirche aufzubauen. Im Geheimen werden auch Frauen geweiht. Davon will Rom nach dem Fall des kommunistischen Systems nichts mehr wissen. Auf dieser historischen Grundlage erzählt dieser Roman die Geschichte Katjas, der Tochter eines Geheimbischofs, die noch knapp vor dessen Deportation von ihm zur Priesterin geweiht wurde. Nach dem Umbruch versucht der Vatikan ihr Schweigen zu erkaufen. Sie schwankt zwischen Gehorsam, dem Wunsch nach Anerkennung und ihrer Liebe zu dem krebskranken Daniel, der sie bei ihrem Comingout unterstützen möchte. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Unterdessen bemüht sich in Rom eine päpstliche Kommission, das Thema Frauenpriestertum wieder aus der Welt zu schaffen.

Überraschend tauchte ein vatikanischer Gesandter an Katjas Wohnungstür auf. Sie wimmelte ihn schon am Eingang unter dem Vorwand einer dringenden Erledigung ab und vereinbarte einen Kaffeehaustermin für den nächsten Tag. Sie schloss mit einem unangenehmen Gefühl die Tür und horchte lang, ob der Besucher tatsächlich fortgegangen war. Instinktiv hatte sie sich wie bei einem StB-Mitarbeiter, dem gefürchteten Personal der Staatssicherheit, verhalten. Es war ein Grundsatz, sie möglichst nicht in die eigene Wohnung zu lassen. Man wusste nie, ob sie einen heimlich verwanzen wollten. Man wusste nie, ob nicht in der Wohnung irgendwas herumlag, das einen doch verraten konnte. Man wusste nie, ob sie ihre Macht ausnutzend nicht auch übergriffig werden wollten. Katja erschrak bei dem Gedanken, dass sie dem Kirchen-Mann, der so tadellos gekleidet erschienen war, alle drei Gefahrenmomente zutraute.

Wolfgang Bergmann, geboren 1963, ist Magister der Theologie. Nach einer kirchlichen Laufbahn als Sprecher der Caritas, Kommunikationschef der Erzdiözese Wien und Gründer von Radio Stephansdom übernahm er die Geschäftsführung der Tageszeitung Der Standard. Ab 2017 wird Bergmann kaufmännischer Geschäftsführer der Österreichischen Galerie Belvedere.

 

 

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