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Weniger Kirchenaustritte, kein Grund zum Jubeln PDF Drucken E-Mail
11.01.2012, Hans Peter Hurka

Image Die Zahl der Kirchenaustritte ist 2011 ist zwar um ein Drittel zurückgegangen, das ist aber trotzdem kein Grund zum Jubeln. Mit 58.603 ist dies nach rund 86.000 Austritten im Vorjahr der zweithöchste Wert seit 1945.

Die Skandalgeschichten über sexuelle Übergriffe und Gewaltexzesse an Kindern durch Vertreter der Kirche haben Gott sei Dank die Schlagzeilen verlassen. Dies ist der guten Arbeit der Opferschutzanwaltschaft zu verdanken. Damit ist aber erst ein Teil, zugegebener Maßen ein wichtiger Teil, bearbeitet. Was noch fehlt ist die Bearbeitung der strukturellen Begünstigungen dieser Verbrechen.

Die weiterhin hohe Zahl der Kirchenaustritte ist eine Abstimmung mit den Füßen durch die Katholikinnen und Katholiken. Grund dafür ist die Unverständlichkeit im Ausdruck und die oftmalige Unbarmherzigkeit mit der die Botschaft Jesu durch die Kirchenleitung vermittelt wird. Die Kluft zwischen Botschaft und Praxis, zwischen Hierarchie und Lebensrealität in den Pfarren verschärft die Problematik. Deutlich wird hier, wer die Fragen des Lebens nicht einleuchtend und hilfreich beantworten kann, verliert Kompetenz und Vertrauen bei den Menschen.

Diese Kluft entsteht, weil sich die Kirchenleitung jedem Dialog verweigert und keine sachbezogene ergebnisoffene Diskussion mit den Menschen und ihren Lebensrealitäten zu führen bereit ist. „Wir sind Kirche“ meint, hier liegt der Schlüssel zur Bewältigung der Krise.

50 Jahre nach dem Konzil brauchen wir dringender denn je eine breite Diskussion zwischen der Basis der Kirche und ihrer Leitung, um auf die Fragen der Menschen des 21. Jahrhunderts eine spürbare, praktisch hilfreiche sowie nachvollziehbare und verständliche Antwort geben zu können. Dazu gehören vor allem die konkrete Beachtung der Menschenwürde – auch in der Kirche – und ein Rechtssystem in der Kirche, welches zumindest den Standards des zivilen Rechts entsprechen müsste.

Die Gleichberechtigung aller Menschen, insbesondere zwischen Frauen und Männern, Laien und Klerikern, verheirateten und unverheirateten, hetero und homosexuell lebenden Menschen sind Eckpfeiler im Reformkanon der katholischen Kirche. Diese Fragen standen hinter den Forderungen des Kirchenvolks-Begehrens vor fast 17 Jahren und stehen heute hinter dem Aufruf der Pfarrer-Initiative. Sie werden so lange das kirchliche und gesellschaftliche Leben und Wirken behindern, bis sie zufriedenstellend gelöst sind, wenn nötig auch ohne Zustimmung der Kirchenleitung.

Für den Vorstand der Plattform „Wir sind Kirche“: Hans Peter Hurka


 

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Medienreaktionen:

10. Jänner 2012: ZIB 24Kleine Zeitung ; Die Presse ; DER STANDARD ;

11. Jänner 2012: DER STANDARD ;