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25.05.2012, Lothar Lenz

Lothar Lenz
Lothar Lenz
Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:  Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.
Apg 2, 4 – 11

Faszinierend muss es gewesen sein, was damals geschehen ist. Und genauso faszinierend ist es, immer wieder Neues aus der Schrift erfahren zu können. So ist es mir ergangen – heute, am Pfingsttag:  

Was muss das für eine Stadt gewesen sein – diese Vielfalt an Nationen, Völkern, Stämmen! Diese Möglichkeit, die unterschiedlichsten Menschen kennenzulernen – ihre Besonderheiten aber auch ihre Eigenheiten, ihre Kultur, ihr Verhalten, ihre Sprachen und die Möglichkeiten der Verständigung.

Sie alle aber haben plötzlich hingehört, haben Interesse gezeigt, was diese paar Männer zu sagen hatten. Es dürfte sie berührt haben, was sie erfahren hatten, schließlich gerieten (zumindest die meisten von Ihnen) außer sich. Warum das?

Hatte sie bislang noch niemand in ihrer Sprache angeredet? Das war es, so glaube ich nicht. In Jerusalem hielten sich viele Händler auf und auch zahlreiche andere Menschen, von deren beruflicher Basis – zumindest grundlegende – Fremdsprachenkenntnisse nicht wegzudenken waren.

Zweifellos waren es auch die Inhalte, die die Menschen beweg hatten. Aber ich bin mir ganz sicher, dass da noch etwas war. Es muss daran gelegen haben, dass diese Männer zu ihnen sprechen, mit ihnen Kontakt haben wollten. Sie hatten plötzlich das Gefühl, da sind Leute, denen wir bislang fremd waren, die sich vielleicht  sogar etwas abgeschottet hatten. Nun sind sie aber auf uns aufmerksam geworden, haben eine Botschaft für uns. Wir scheinen ihnen wichtig geworden zu sein.

Das macht neugierig, stellt eine Verbindung her, vertreibt die Abwehr von Fremdem.

Es waren nicht nur die Muttersprachen, die Staunen erzeugten. Da waren auch einladende  Gesten, ein Lächeln, Augen, in denen sich Begeisterung und Zuwendung spiegelten. All das erklärt uns, wie jeder sie in seiner Sprache reden hören konnte.

Auch in unseren Städten gibt es Menschen, die uns bisher vielleicht fremd gewesen sind, denen wir uns so aber so verständlich machen können, wie die zwölf Männer das vor knapp mehr als 2000 Jahren zuwege gebracht haben. Wir sollten es nur wollen. Den Geist, den wir dazu brauchen – er ist uns gegeben worden.

Dr. Lothar Lenz                                                                                    Pfingsten 2012