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Plattform »Wir sind Kirche«  Austria
Verein zur Förderung von Reformen in der römisch-katholischen Kirche
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| 30.05.2012, Alvaro Riveros-Polanco |
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Alvaro Riveros-Polanco So versuche ich mir die Widersprüche zwischen der Lehre (z.B. Soziallehre) der Kirche und ihrem Verhalten auf politischer Ebene zu erklären: Wie wir wissen, sind die hierarchischen kirchlichen Strukturen, die wir heute kennen, eine Anpassung an die weltlichen Strukturen des Römischen Reiches und haben sich allmählich entfaltet, seitdem das Christentum als Staatsreligion anerkannt wurde.
Die Demokratisierung des politischen Bereiches hat die Kirche nicht vollzogen, auch wenn sie ein hervorragendes Gespür entwickelt hatte, sich mit der jeweiligen Macht zu arrangieren. Dadurch haben sie Sicherheit und Privilegien für die Institution gewonnen. Deswegen ist die Kirche auch ein Stabilitätsfaktor, die von den Eliten benützt wird, das Status quo zu erhalten. Die Zusammenarbeit mit den schlimmsten Diktaturen (in Europa oder Lateinamerika, z. B.) war für die Autoritäten der Kirche kein Problem, ihre Strukturen waren ja sehr ähnlich.
Auch die Autoritäten der Kirche können aber nicht anders als das Evangelium zu verkünden. Die Gleichheit aller Menschen als Kinder Gottes können sie aus ihrer Agenda nicht streichen. Dann versuchen sie mindestens darüber zu reden, auch wenn aus der Verkündigung keine Taten folgen.
Als in Lateinamerika die Theologie der Befreiung sich entwickelte, steigerte sich das Unbehagen der Kirchenautoritäten. Teile der Kirche Lateinamerikas begannen das Evangelium und die Impulse des Konzils in die Tat umzusetzen. Die Angst des Imperiums – USA hat sich immer als Nachfolge des Römischen Reiches verstanden – war sehr groß. Die Angst der Kirchenautoritäten war auch sehr groß. Rom hat in der Folge der CIA mehr als seinen eigenen Bischöfen (Romero, Arns, Mendes Arceo, usw.) vertraut.
Rom versuchte immer vor der Gewalt zu warnen. Darunter wurde aber die Gewalt der Unterdrückten verstanden. Die Gewalt der Mächtigen wurde aber als Notwendigkeit hingenommen. Alles muss stabil bleiben, auch wenn durch die strukturelle und die offene Gewalt Millionen Menschen sterben.
Darin sehe ich den Zusammenhang zwischen die Demokratisierung der Strukturen der Kirche und den Kampf für Gerechtigkeit in der ganzen Welt. Dass Priester und Laien sich gegen ungerechte Strukturen in der Kirche auflehnen, ist ein Beitrag zur Auflehnung gegen alle ungerechten Strukturen.
Die Kirche versucht sich als Gegenpol zur Welt zu geben. Die böse Welt gegenüber der guten Kirche. Wie weltlich die Kirche ist, können wir es am besten in der Kirchengeschichte auch in der jüngsten Kirchengeschichte beobachten. Offenlegung von ungerechten Strukturen und Kampf für gerechtere Formen des Zusammenlebens, ob innerhalb der Kirche oder in der Welt, ist eine gemeinsame Aufgabe.
Die Sorgen der Menschen in der verarmten Teile der Welt sind zwar dringender – keine Frage – aber der Kampf ist derselbe, Kampf für Gerechtigkeit, für Teilhabe. Eine demokratischere Kirche in Europa würde auch einen viel glaubwürdigeren Beitrag für eine gerechtere Welt leisten, als eine hierarchische Kirche.
Soweit meine Überlegungen zum gemeinsamen Kampf. Dass die Methoden des Kampfes inspiriert von der Gewaltlosigkeit Jesu sein sollten, ist vorauszusetzen. Allerdings ohne die Ambivalenz der Kirche, die gewisse Gewalt verurteilt und andere Gewalt befürwortet, wenn sie daraus profitiert. |
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