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Machtmissbrauch offensiv bekämpfen PDF Drucken E-Mail
08.03.2010, Hans Peter Hurka

Image Forderungskatalog von „Wir sind Kirche“ zur Vermeidung von Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt in der Kirche.

„Wir sind Kirche“ sieht die Ankündigungen der Bischofskonferenz als ersten Ansatz. Sie bedürfen aber dringend umfassender Ergänzungen. Entschlossene und offensive Problembewältigung ist erforderlich. Es sind nicht nur „Bekenntnis und Reinigung“ erforderlich, sonder ganz wesentlich auch die Änderung der Strukturen!

ORF ZIB 2 am 5. März 201

ORF Wien heute am 11. März 2010

Der Standard vom 12. März 2010: Video Interview mit kardinal Schönborn und Hans Peter Hurka

ATV AmPunkt vom 17. März 2010

 


- Kirche und Gesellschaft müssen lernen, die Vorfälle aus der Sicht der Opfer zu sehen. Ihnen gilt die dringendste und erste Zuwendung.

Ombudsstellen unterstützen Heilungsprozesse für schwer und lang anhaltend verletzte Menschen. Sie müssen unabhängig sein und sind deshalb außerhalb der kirchlichen Strukturen einzurichten und öffentlich bekannt zu machen. Wer von einem Priester missbraucht wurde, wird sich nicht von einem Priester betreuen lassen wollen. Auf der Titelseite jeder diözesanen Homepage sind Links zu diesen Stellen anzubieten und in jeder Kirche sind die Orientierungshilfen zur Verhinderung sexuellen Missbrauchs aufzulegen. Die Stellen brauchen einen niederschwelligen Zugang. Kontakte müssen leicht und einfach für Opfer und Täter ohne langwierige Rückfragen herstellbar sein.
 
- Die autoritären Strukturen müssen endlich aufgebrochen werden. Macht braucht auch in der Kirche Begrenzung und Kontrolle. Das gilt für alle und deshalb auch für Papst, Bischof oder Priester. Das geltende Kirchenrecht muss z.B. in Fragen des Verfahrensrechts den staatlichen Normen angepasst werden.

- Wir brauchen ein offenes Gesprächsklima, in dem Widerspruch normal und nicht verwerflich ist. Anordnungen brauchen Begründungen und sollen rechenschaftspflichtig sein. Wir brauchen in der Kirche ein Gesprächsklima, in dem Sexualität in seinen vielfältigen Formen nicht vorverurteilt oder tabuisiert wird,  sondern der verantwortliche Umgang mit den vielfältigen Formen der Sexualität Thema ist.

-Die „sexualisierte Gesellschaft“ darf nicht die Ausrede für den Missbrauch sein, vielmehr soll der Abbau von Tabuisierung und autoritären Strukturen in Familie, Gesellschaft und Kirche die Übergriffe erschweren und sie offenbar machen.

- „Wir sind Kirche“ verlangt von der Kirchenleitung, den Priestern die Lebensform freizustellen, weil auch die Bibel keine Verpflichtung kennt. Eine in Fehleinschätzung übernommene Verpflichtung zum Zölibat kann bis zur Zerstörung des eigenen oder fremden Lebens führen. Wenn der Zölibat nicht verpflichtend ist, können Menschen, deren Umgang mit ihrer Sexualität noch nicht ausgereift ist, ihn auch nicht als „Schutzmantel oder Versteck“ benützen. Der priesterliche Dienst soll auch in ehelicher Partnerschaft möglich sein.

- Kardinal Schönborn verlangt zu Recht von der Politik die in der Kreisky-Zeit in Österreich versprochenen „begleitenden Maßnahmen“ im Zusammenhang mit der Straffreistellung der Abtreibung. Ohne sachlich fundierte Grundlagen können kaum wirkungsvolle Hilfestellungen entwickelt werden. „Wir sind Kirche“ unterstützt diese Forderung und verlangt parallel dazu zur Verhinderung künftigen sexuellen Missbrauchs in der Kirche eine anonymisierte, differenzierte und sachlich brauchbare, öffentlich zugängliche Dokumentation bekanntgewordener Übergriffe. Mit solchen Statistiken sollen Häufigkeit, Art der Übergriffe, die Täter und die Rahmenbedingungen der Tat analysiert werden können. Werden Maßnahmen dieser Art im eigenen Bereich gesetzt, wird auch die Notwendigkeit und Glaubwürdigkeit der politischen Forderung unterstützt.

- „Wir sind Kirche“ verlangt von der Kirchenleitung, die Meldung an den Vatikan als Sachverhaltsdarstellung auch an die Staatsanwaltschaft zu übermitteln. Jede Doppelgerichtsbarkeit ist zu vermeiden.

- Und wir brauchen eine Verlängerung der Verjährungsfristen. Taten, über die Opfer erst viele Jahre später sprechen können und die mitunter ein Leben lang anhaltende Schäden verursachen, sollten nicht nach fünf oder zehn Jahren verjährt sein. Die Kirchenleitung soll einen angemessenen Vorschlag der Gesetzgebung machen.

- „Wir sind Kirche“ verlangt, auch die Täter zu begleiten und sie nicht mit ihren Verfehlungen alleine zu lassen.


„Wir sind Kirche“ ist davon überzeugt, dass diese Punkte in den Aufgabenkatalog der einzurichtenden Arbeitsgruppe aufgenommen werden müssen und dass bis zum Juni entsprechende Vorschläge unterbreitet werden können.


Im Namen des Vorstandes der Plattform „Wir sind Kirche“: Hans Peter Hurka & Martha Heizer


 "Wir sind Kirche" hat jedem Bischof in Österreich diesen Forderungskatalog per mail übermittelt. Zusätzlich haben wir diesen Brief an Kardinal Schönborn als Vorsitzendender ÖsterreichischenBischofskonferenz übermittelt.


 Weitere Medienberichte:

"Täter statt Opfer geschützt " Tiroler Tageszeitung vom 5. März 2010

"Resignationstatt Revolution " Tiroler Tagenzeitung vom 11. März 2010