Ägidius Zsifkovics „Der Bestellvorgang von Bischöfen ist völlig inakzeptabel“, sagt der Vorsitzende der Plattform „Wir sind Kirche“, Hans Peter Hurka, nach Bekanntwerden der bevorstehenden Ernennung von Ägidius Zsifkovics zum Eisenstädter Diözesanbischof. Das gelte sowohl für das Verfahren selbst als auch für das zu erwartende Ergebnis. Diese Entscheidung vertiefe zudem die Gräben in der Kirche.
Zsifkovics besitzt nicht die Akzeptanz im Kirchenvolk und hat keine Kompetenz zum Dialog. Diese Entscheidung zeigt, wie wenig die Kirchenleitung bereit ist, Reformen umzusetzen. „Wir sind Kirche“ ruft deshalb die Kirchenbürgerinnen und Kirchenbürger auf, die Erneuerung der Kirche in Eigenverantwortung und im Dialog untereinander selbständig umzusetzen. Wenn die Kirchenleitung nicht bereit ist auf das Kirchenvolk zu hören, verspielt sie jeden Anspruch auf Gehorsamkeit. „Wir sind Kirche“ hat einen ausgewogenen und aus demokratischer Sicht vertretbaren Vorschlag zur Bischofsbestellung bereits vor Jahren den Bischöfen und dem Nuntius übermittelt. Nach diesem soll ein aus Pfarrgemeinderäten demokratisch gewähltes „Diözesankonklave“ einen Dreiervorschlag erarbeiten. Dieser Diözesanversammlung liegt eine Liste an Kandidaten zugrunde, die vom Kirchenvolk in Pfarrversammlungen erstellt und in Dekanatskonferenzen gewichtet wurde. In einem mehrtägigen Prozess der Präsentation, Diskussion und im Gebet erstellt das „Diözesankonklave“ einen Dreiervorschlag aus dem der Papst den künftigen Bischof wählen kann.
Dieses Modell ist bewährt und kirchenrechtlich möglich. Teile davon werden etwa bei der Wahl der Bischofsvikare in der Erzdiözese Wien angewendet.
Diametral entgegen steht die in der Causa Zsifkovics angewendete Praxis. Hier wurden Personen befragt, die willkürlich ausgewählt wurden. Dies passiert unter strengster Geheimhaltung. Jeder Teilnehmer wird verpflichtet, weder die Tatsache der Befragung noch den Inhalt der Fragen und schon gar nicht seine Beurteilung irgendjemand bekannt zu geben. Auch das Ergebnis der Gesamtbefragung gibt die Kirchenleitung nicht bekannt. Die im Fragebogen gestellten Fragen sind zudem einseitig und zielen ganz bewusst auf kritiklose Gefolgschaft ab.
Das ist eine Geheim- und Personalpolitik, die in Diktaturen üblich ist. Ziel solcher Verfahren ist es, linientreue Personen in Entscheidungspositionen zu bringen, um den Willen des Volkes zu unterdrücken. Das entspricht weder der jesuanischen Botschaft noch der frühchristlichen Tradition und schon gar nicht demokratischen Standards. So sagte Papst Leo der Große noch 450 n. Ch., „was alle angeht soll auch von allen entschieden werden“.
Mit der Entscheidung Zsifkovics wurden eine Reihe besser geeigneter Kandidaten übergangen. In manchen Beraterkreisen der Kirchenleitung herrscht die Meinung vor, im Burgenland leben Menschen die obrigkeitshörig seien und sie würden die Entscheidung schon akzeptieren. Das Gegenteil wird eintreten. Die Menschen werden sich stärker als bisher von der Kirchenleitung abwenden und die Kirchenspaltung sowie die Austrittswelle werden noch größer werden. Mit Entscheidungen dieser Art schädigt die Kirchenleitung die Kirche!
Zsifkovics wird seit Jahren von zahlreichen Gläubigen „befürchtet“. Er wird als ideenloser Vollzieher römischer Entscheidungen eingeschätzt und hat sich als Karrierist einen Namen gemacht. Die Anforderungen eines Brückenbauers zwischen unterschiedlichen Positionen kann er wegen der fehlenden Akzeptanz bei vielen Menschen nicht erfüllen.
Nicht wertschätzend und undemokratisch ist auch der Umgang mit dem bisherigen „Amtsträger“. Bischöfe sind zwar verpflichtet regelmäßig Bischofskandidaten nach Rom zu melden. Im Anlassfall werden sie nicht einmal in die Entscheidungen eingebunden. Auf den Ratschlag eines der besten Insider zu verzichten ist ein Luxus. Ihm durch die Medien ausrichten zu lassen, wer ihn beerbt und seinen berechtigten Einwand der Nichtakzeptanz durch das Kirchenvolk, mit dem Spruch „Roma locuta, causa finita“ abzutun, ist alles andere als wertschätzend oder dankbar für seine bisherige Arbeit. Ob das die Retourkutsche für die Äußerungen des Eisenstädter Bischofs zum Pflichtzölibat sind?
„Wir sind Kirche“ ersucht die Österreichische Bundesregierung gegen die Ernennung von Zsifkovics als Diözesanbischof gemäß dem Konkordat Einwände zu erheben, weil die Art der Bestellung jeden demokratischen Ansatz vermissen lässt.
Für den Vorstand der Plattform „Wir sind Kirche“: Hans Peter Hurka und Mag. Georg Stockinger
Medienberichte vom 8. Juli 2010: DER STANDARD ORF Wiener Zeitung Die Presse Österreich Kleine Zeitung DER STANDARD Kopf des Tages Kleine Zeitung vom 10 Juli 2010: Oberösterreichische Nachrichte Kurier |