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Ägidius Zsifkovics revidiert Bischof Iby's Weg des Dialogs PDF Drucken E-Mail
12.09.2010, Hans Peter Hurka

Eduard Posch
Eduard Posch
Mag. Eduard Posch, Mitglied des Pastoralrates, Ratsvikar und Dekanatsratsvikar aus Pinkafeld, Delegierter beim PGR-Kongress in Mariazell, Mitglied der Laieninitiative und Mitglied der Plattform "Wir sind Kirche" kritisiert mit nachstehendem Brief vom 8. September 2010 an seinen künftigen Bischof die Absage des bereits terminisierten Diözesantages und eines Treffens der Ratsvikare ([Stellvertretende] Vorsitzende der Pfarrgemeinderäte).

Sehr geehrter Herr Bischof!
Lieber Ägidius!

Mit großem Erstaunen, Befremden und Unverständnis habe ich – und viele andere auch - vernommen, dass Du den Diözesantag anlässlich „50 Jahre Diözese Eisenstadt“ am 23. Oktober in Oberwart abgesagt und das geplante Treffen der Ratsvikare im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten am 30. Oktober auf unbestimmte Zeit verschoben hast.

  1. Seit April 2009 beschäftigt sich der Pastoralrat der Diözese Eisenstadt mit der Planung des Diözesantages am 23. Oktober 2010, welcher integrierender Bestandteil des gesamten Jubiläumsjahres ist. Im Frühjahr 2010 wurden auch alle (!) Pfarrgemeinderäte der Diözese mit der inhaltlichen Vorbereitung befasst und eingebunden. Alle Pfarrgemeinderäte wurden eingeladen, pastorale Schwerpunkte zu diskutieren, zu beraten und zu reihen. Ausdrücklich wurde hingewiesen, dass die Ergebnisse als Grundlage für die weitere inhaltliche Diskussion am Diözesantag dienen sollten. Als Pfarrer von Wulkaprodersdorf müsste Dir das bekannt sein.
  2. Das geplante Treffen der Ratsvikare der Diözese am 30. Oktober 2010 ist direktes Ergebnis des Pfarrgemeinderatskongresses in Mariazell (13. – 15. Mai 2010), bei dem Du ja auch anwesend warst. Am Ende dieses Kongresses wurden die einzelnen Diözesen eingeladen konkrete weitere Schritte zu beraten, wie die Ergebnisse und der Geist dieses Kongresses in den einzelnen Diözesen weiter bearbeitet wird. Die burgenländische Delegation unter der Leitung von Bischof Paul Iby und Pastoralamtsleiter Johann Haider hat beschlossen, in einem ersten Schritt am 30. Oktober 2010 ein Treffen der burgenländischen Ratsvikare zu organisieren. Dabei sollten die Inhalte des PGR-Kongresses kommuniziert und die Weiterarbeit im Burgenland beraten werden.
Als Mitglied des Pastoralrates, als Ratsvikar und Dekanatsratsvikar sowie als Delegierter beim PGR-Kongress in Mariazell möchte ich dir mitteilen, dass mich deine diesbezüglichen Entscheidungen und Handlungen betroffen machen und ich kann diese deine Vorgangsweise so nicht akzeptieren.

  • Ich empfinde es als eine Missachtung, Geringschätzung und Brüskierung der Arbeit des Pastoralrates und aller PfarrgemeinderätInnen im Burgenland, die sich in Vorbereitung für diesen Diözesantag mit den inhaltlichen Punkten auseinandergesetzt, daran gearbeitet und die Ergebnisse auftragsgemäß über das Dekanat an die Diözese rückgemeldet haben.
  • Ebenso finde ich deine einseitige Verschiebung des Treffens der Ratsvikare ein Übergehen getroffener Vereinbarungen, die Arbeit der Pfarrgemeinderäte betreffend. Es wäre zudem eine gute Gelegenheit gewesen, einen Monat nach Deiner Weihe mit den ehrenamtlichen MitarbeiterInnen – den sog. Laien – die Verantwortung für die Kirche übernommen haben, zusammen zu kommen. Durch Deine Entscheidung wird viel Fleiß, Engagement und Bedeutung der „Laien“ in Frage gestellt.
  • Es hat den Anschein, dass du den Weg der Begegnung und des Dialogs von Bischof Paul Iby revidieren möchtest.
  • Eine geschwisterliche Kirche sollte die Beteiligung aller ermöglichen und auf den Prinzipien von Transparenz und Dialog gegründet sein. Im Gegensatz zu einer einseitig hierarchischen und klerikalen Auffassung von Kirche hat das 2. Vatikanische Konzil die gemeinsame Würde und Berufung aller im Gottesvolk betont. Jeder Christ hat Anteil am „priesterlichen, prophetischen und königlichen Amt Christi“. Danach kann es wohl keine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ in der Kirche geben, sondern eine gemeinsame Berufung, Sendung und Würde aller im Gottesvolk. (vgl. Klaus Ross: „Weichen stellen im Pfarrgemeinderat“). Nach Deinen bisherigen Signalen frage ich mich besorgt, wie Du das siehst?

Dass der traditionelle Seelsorgertag im September, diesmal zum Thema „Ethikkodex für Seelsorger/innen“ mit Prof. Dr. Sigrid Müller abgesagt wurde ist ebenso wenig einsichtig wie die Verschiebung des für 07. Oktober vorgesehenen Ökumenischen Pfarrertages im Haus der Begegnung in Eisenstadt.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch gleich zwei Punkte ansprechen, welche die bevorstehende Bischofsweihe betreffen (obwohl auch diesbezüglich mehr zu sagen wäre): Zu dem von Dir (gemeinsam mit der Bgld. Landesregierung) gegebenen Empfang ist laut Mitteilung des Ordinariats vom 28. August 2010 nur der „Klerus der Diözese Eisenstadt“ geladen, nicht aber „Nicht-Geweihte“. Für die Bischofsweihe sind im Dom offensichtlich zwar Plätze für die Kleriker (Priester und Diakone) vorgesehen, nicht aber für die pastoralen MitarbeiterInnen wie Pastoral- oder PfarrassistentInnen sowie RepräsentantInnen der Katholischen Aktion. Zwei-Klassen-Gesellschaft in unserer Kirche?

Ich liebe meine Kirche und bin ihr innig verbunden. Im Sinne der oben erwähnten Teilhabe jedes Christen am „priesterlichen, prophetischen und königlichen Amt Christi“, arbeite ich ihm Rahmen der mir übertragenen Aufgaben nach meinen Möglichkeiten gerne und auch mit ganzem Herzen mit. Wesentliche Leitlinie ist dabei mein persönliches Gewissen. Ganz im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils welches klar festgehalten hat, dass das Gewissen für den Einzelnen in seinen Handlungen die höchste Autorität ist.

Ich ersuche Dich, meine dargelegten Anliegen – die übrigens viele teilen, auch wenn sie sie aus welchen Gründen immer nicht artikulieren – ernst zu nehmen und hoffe auf diesbezügliche Gespräche und einen Dialog.

Herzlichst

Edi Posch


 

Dazu Medienmeldungen:

ORF Burgenland am 9. September 2010

religion.ORF vom 10. September 2010

 


Antwort Zsifkovics in:

kathpress vom 14. September 2010 und

religion.ORF vom 14. September 2010


Kommentar zur Antwort von Ägidius Zsifkovics:

Interessant an der Antwort von Ägidius Zsifkovics ist, er hat offensichtlich die bisherigen Vorarbeiten unter der Verantwortung von Bischof Paul Iby als Pfarrer von Wulkaprodersdorf und unter Mitwirkung breiter Teile der Diözese nicht so sorgfältig mitverfolgt oder war gar beeteiligt, dass er nahtlos fortsetzen könnte. Auch fehlen ihm offensichtlich Berater, denen er vertraut und die ihn in diese Vorarbeiten kurzfristig einführen könnten.

Die formalrechtliche Auflösung scheint hier eher Vorwand als echter Hindernisgrund zu sein. Oder beabsichtigt er eine völlig neue Zusammensetzung der Gremien?