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„Wir sind Kirche“: Priester sollen Lebensform frei entscheiden PDF Drucken E-Mail
08.02.2011, Hans Peter Hurka

Image „Wir sind Kirche“ tritt einmal mehr für die Aufhebung des Pflichtzölibats ein. Anlass ist die Ankündigung des Pfarrers von Straden/Steiermark, Christof Kalcher, seinen Dienst aufzugeben, weil er nicht länger auf Ehe und Familie verzichten will.

Seine Lebensgeschichte zeigt, dass junge Männer den Pflichtzölibat in Kauf nehmen, damit sie ihren Dienst als Priester für die Menschen leisten können. Heute, 36 jährig, trennt er sich von der Ehelosigkeit, weil "der Wunsch nach einer engen Partnerschaft mit einer Frau, vielleicht die Gründung einer eigenen Familie, in den letzten Jahren so stark geworden ist, dass ich mich zu dieser Entscheidung durchgerungen habe", berichtet Kalcher im jüngsten Pfarrblatt.

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Die willkürliche und zwangsweise Verknüpfung von priesterlichen Diensten und Ehelosigkeit ist biblisch nicht zu begründen. Dort heißt es, wer es fassen kann der fasse es. Sie entspricht auch nicht den Menschenrechten, weil zumindest ein persönliches Freiheitsrecht verweigert wird: Entweder das Recht auf Familiengründung oder das Recht auf freie Berufswahl.

Die unglaubwürdige Diskussion, dass der Zölibat das deutlichste Zeichen der Ganzhingabe des Lebens an den Willen Gottes sei qualifiziert nicht nur alle verheirateten Laien ab sondern ist schlicht falsch. Sie tut so, als ob Mütter und Väter, die für Kinder sorgen und sie auch in eine Beziehung zum liebenden Gott führen, nicht ebensolche Zeichen der Ganzhingabe sind wie ehelos lebende Priester. Dasselbe gilt für Menschen, die sich selbstlos in sozialen Diensten engagieren oder für solche, die in Wissenschaft und Kunst auf der Suche nach Wahrheit und Gotteserkenntnis sind.

„Die Kirche braucht auch verheiratete Priester und Frauen im kirchlichen Amt“, sagen die mittlerweile mehr als 200 Universitätsprofessorinnen und – professoren der Theologie in ihrem Memorandum „Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch“. Bereits 1970 hat der damalige Theologe und heutige Papst die Überprüfung des „Zölibatsgesetzes“ für notwendig erachtet. Jeder Gesetzgeber müsse die „faktischen Folgen seiner Anordnungen mitbedenken“, meinte er. Weiters zählten Joseph Ratzinger und seine Kollegen die fehlende „häusliche Versorgung“, die „zunehmende Vereinsamung“, den Verlust echter "Anerkennung" vieler Priester, die „Unsicherheit des Priesterbildes“ sowie „Entscheidungsschwäche und die psychische Labilität vieler junger Menschen“ auf, um „in der heutigen sexuell überreizten Gesellschaft ein "gesundes" eheloses Leben führen zu können“.

Das Argument, mit der Aufhebung des Pflichtzölibats können nicht alle Probleme der Kirche gelöst werden ist ein Scheinargument. Mit keiner Lösung können alle Probleme behoben werden. Dieses Scheinargument entlarvt die Absicht, nichts am Status quo ändern zu wollen. Wenn es den Bischöfen wirklich ernst wäre, anstelle von Strukturfragen zu diskutieren den Glauben in den Gemeinden vertiefen zu wollen, müssten sie mehr Priester(innen) einsetzen und nicht die Pfarren zusammenlegen. Also schon mit der Aufhebung des Pflichtzölibats wäre der Kirche sehr gedient. Der Theologe und Papst-Schüler, Wolfgang Beinert, nährt aber die Hoffnung auf Veränderung. Er sagte einem deutschen Radiosender: Nach seinen Informationen denke der Vatikan tatsächlich über eine Änderung beim Thema Zölibat nach.

„Wir sind Kirche“ fordert daher neuerlich die Bischöfe auf, endlich mit einem ernstgemeinten, lösungsorientierten Dialog zu beginnen und die freie Entscheidung der Priester über ihre Lebensform zu ermöglichen.

Für den Vorstand der Plattform „Wir sind Kirche“: Hans Peter Hurka