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Johannes Paul II. Johannes Paul II, der Medienpapst aus Polen, wird am 1. Mai dieses Jahres "in Rekordzeit" seliggesprochen. Er war eine Person des Widerspruchs. In den mehr als 26 Jahren seines Pontifikats profilierte er sich als Medienpapst und reiste als „eiliger Vater“ durch die ganze Welt. Die Erwartung den Dialog damit weltweit in der Kirche zu fördern und so die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils weiter voranzutreiben wurde enttäuscht. „Wir sind Kirche“ verlangt, dass künftige Kanonisierungen von „oben“ zumindest einer ebenso formellen Bestätigung von „unten“ durch das Kirchenvolk bedürfen.
Trotzdem gilt Karol Wojtyla als äußerst populärer Pontifex. Zu seinen Verdiensten gehören die Weiterentwicklung der scharfen Kapitalismuskritik von Paul VI. beim Einsetzen des "Neoliberalismus", oder das Festhalten am Anti-Kriegs-Standpunkt seiner Vorgänger, selbst gegenüber den USA. Auch der erste Versuch eines öffentlichen Bußaktes für die Verbrechen der Kirche zur Jahrtausendwende oder die Einladung zu geschwisterlichen Treffen aller Weltreligionen in Assisi und eine besondere Verbundenheit mit dem Judentum im Sinne von Johannes XXIII. gehören zu den positiven Zeichen seiner Bilanz.
In seiner Heimat Polen hat er mitgewirkt, diese aus der kommunistischen Diktatur zu befreien und in eine Demokratie hinüber zu führen. Innerhalb der Kirche hat er aber trotz seiner unendlichen Machtbefugnis die Hardliner nicht gestoppt, die alle Versuche menschenfreundlichere und menschenrechtskonforme, demokratischere Strukturen einzuführen verhindert haben. Er hat seinem Attentäter verziehen. Priester die heiraten wollten hat er aber Dispens oder Laiisierung verweigert oder deren Ausstellung jahrelang verzögert. Die Wahl von Karol Wojtyla im Jahr 1978 hat aber innerhalb der römisch-katholischen Kirche vor allem einen neuen autoritären Führungsstil und ein Abrücken vom letzten Reformkonzil (1962-1965) eingeleitet. In seine Amtszeit fallen zahlreiche Verurteilungen von Reformtheologen wie Hans Küng (1979), Eugen Drewermann (1991/92) oder Leonardo Boff (1985 und 1992) und Gotthold Hasenhüttel (2004). Neue antimodernistische Gehorsamsversprechen der Amtsträger wurden wieder eingeführt, eine vorkonziliare oder gar ausufernde Interpretation päpstlicher Machtbefugnis und Unfehlbarkeit wurden ausgerufen. Die Kaltstellung der lateinamerikanischen Kirche der Armen und der Theologie der Befreiung waren ganz im Sinne der Reagan-Administration, mit welcher der Vatikan bei seiner Ostpolitik kooperierte. Er setzte flächendeckend romhöriger Bischöfe ein, zum Teil gegen den Widerstand der Ortskirchen. In Österreich leitete er die konservative Kurskorrektur ein, deren katastrophale Auswirkung mit den zahlreichen Kirchenaustritten 2010 sichtbar wurden.
Johannes Paul II. erließ ein neues Kirchengesetzbuches, in dem die völlige Rechtlosigkeit der sogenannten Laien festgeschrieben wird und von der kollegialen Kirchenleitung aller Bischöfe nur noch Anhörungsformalia übrigbleiben. In lehramtlichen Verkündigungen wird ein reaktionäres Frauenbildes gezeigt, ein Diskussionsverbot zum Frauenpriestertum und ein - von seinem Präfekten Joseph Ratzinger durchgeführtes - Abrücken von der Ökumene, mit den evangelischen Christen ausgesprochen, deren Kirchen mit einem Dekret gar das Kirchesein abgesprochen wurde.
Subsidiarität – die Selbstgestaltungsfreiheit der Kleinräume – wurde in seiner Ära nur den anderen gepredigt. Im inneren Kirchenschiff waltet fortan ein eiserner Zentralismus, den er zumindest zuließ. Zuletzt ist vor allem eine nachlässige Haltung von Karol Wojtyla gegenüber sexualisierter Gewaltverbrechen von römisch-katholischen Klerikern bekannt geworden. Dies ist besonders im Zusammenhang mit seiner engen Verbindung zu dem Ordensgründer Marcial Maciel Gegenstand der Kritik gewesen.
In Anknüpfung an die ultramontane Massenmobilisierung im Katholizismus des 19. Jahrhunderts hatte Johannes Paul II. einen außerordentlich ausgeprägten Sinn für breitenwirksame Medienstrategien. Bilder wie er Kinder küsst, sich schauspielernd der Jugend präsentiert oder tief im Gebet versunken ist sind vielen in Erinnerung. Aber auch die Bilder, wie er Ernesto Cardenal öffentlich am Flughafen rügt, mit dem Diktator Pinochet Eucharistie feiert während Demonstranten erschossen werden oder er beim Besuch des KZ Mauthausen Franziska Jägerstätter nur beiläufig die Hand reicht.
„Wir sind Kirche“ sieht in der Seligsprechung von Johannes Paul II. keine Hilfe für die Kirche der Zukunft. Zwei kurzfristige Effekte sind abschätzbar: Die Seligsprechung wird ein großes Medienspektakel und das rasche Einschwenken auf die „santo subito“ Rufe wird zudem eine kleine Gruppe romtreuer Katholiken besänftigt.
Seit dem Pontifikat von Karol Wojtyla sind außerdem die Seligsprechungen einer starken Inflation unterlegen. Der Papst aus Polen ist Weltmeister der Selig- und Heiligsprechungen. Er hat mehr Menschen zu den „Ehren der Altäre“ erhoben als alle seine Vorgänger in den letzten 400 Jahren. In seiner Amtszeit sind diese Prozesse mehr denn je zu einem völlig willkürlichem Instrument der zentralistischen Kirchenpolitik Roms geworden. Dabei sind finanzielle Potenz und mächtiger Einfluss in Rom entscheidende Voraussetzungen.
Leider kommen dabei glaubwürdige Frauen und Männer, deren Beispiel unserer Zeit wirklich neue Wege des Christseins zeigen könnten, bei der zentral durchgeführten Kanonisierung nur selten zum Vorschein. So sind seit langem die Prüfungen von Oscar Arnulfo Romero, dem Martyrer und Bischof der Armen in San Salvator, oder der verheirateten Mutter, Politikerin und Ordensgründerin Hildegard Burjan im Vatikan noch immer nicht abgeschlossen.
„Wir sind Kirche“ fordert, dass die Vorbilder, die in der gesamten Kirche zur Nachfolge Jesu inspirieren und ermutigen, dem Sinn aller Glaubenden (sensus fidelium) entsprechen müssen. Das Kanonisierungsverfahren von oben, das oft mit enormen Geldsummen vorangetrieben wird, ist zumindest mit einer demokratischen Erhebung von unten zu ergänzen.
Für den Vorstand der Plattform „Wir sind Kirche“: Hans Peter Hurka
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Medienreaktionen: 30. April 2011: Oberösterreichische Nachrichten , |