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Re: Weinachtswunsch
#507
Offline Reinhard Gonaus
Bewertung: 0
Re: Weinachtswunsch 29.12.2011 22:11
Leo Piral schrieb:
Mein Weihnachtswunsch - mehr Menschlichkeit in der Kirche

Das christliche Leben in den Pfarren wieder glaubhafter und humaner zu machen ist das Ziel. Doch dazu bedarf es der Befreiung von den traditionellen Bestimmungen der Amtskirche.(...) Auch Geschiedenen wird seitens der Amtskirche die Kommunion verweigert, begründet durch das einmal gegebene Eheversprechen. Die berufliche Gleichberechtigung der Frau im Kirchenbereich sollte im 21. Jahrhundert endlich Realität werden.

Die Dogmen und Glaubensätze der katholischen Kirche entsprechen nicht mehr dem heutigen Verständnis und bedürfen einer ehrlichen Hinterfragung und Revitalisierung. (...)

Weihnacht ist auch die Zeit der Besinnung und des Nachzudenkens. Der Heilige Vater, Stellvertreter Jesus Christus auf Erden, ist gemäß Dogma der katholischen Kirche in Glaubensfragen „unfehlbar“. Möge doch Ihm und seinen verantwortlichen Würdenträgern bewusst werden, dass die Eigenschaft „unfehlbar“ unmenschlich und somit der größte Fehler der Geschichte ist.

Bedarf es der Befreiung von den traditionellen Bestimmungen der Amtskirche?
Welche wären das?
Wenn wir den Zölibat aufheben (Ich bin sehr dafür), werden wir nicht wirklich mehr Priester bekommen.
Wenn wir die Geschiedenen (und Wiederverheirateten, das wird meist unterschlagen) zur Kommunion zulassen (Ich bin erstens sehr dafür, und zweitens tun wir's ja mehr oder weniger offen und weitgehend sanktionslos eh längst), werden sie nicht in Scharen zur Kirche strömen.
Wenn wir die Gleichberechtigung der Frau durchsetzen (Ich bin sehr dafür, und irgendwann wird's dem weltlichen Gesetzgeber zu blöd werden, und er wird's uns einfach aufzwingen, Konkordat hin oder her, sowas kann man aufkündigen), wird deswegen nicht allgemeiner weiblicher Zulauf zu kirchlichen Ämtern losbrechen.

Was wir wirklich brauchen, sind Pfarrgemeinden, die sich ohne viel zu fragen selber organisieren, sich die eine oder andere Befugnis (z. B. Wort-Gottes-Feiern abzuhalten) auch mal ertrotzen. Fürs Erschleichen, was durchaus möglich wäre, bin ich ja grad nicht, aber auch das wird hin und wieder passieren, wenn das Volk Gottes anfängt, sich auf die Füße zu stellen. Allerlei "Grenzkatholisches" wird wohl auszuhalten sein, ist aber unvermeidlich, wenn die Obrigkeiten das Erwachsenwerden der Schäfchen missbilligen. Werden sie's tun, wenn sie merken, dass sie samt den altehrwürdigen Gebäuden übrig bleiben, wenn die Gläubigen anfangen, sich wie am Anfang in ihren Häusern zu treffen? (Stell dir vor, es ist bischöfliche Visitation und keiner geht hin! Anders als der Krieg im ursprünglichen Brecht-Zitat kommt der Bischof dann nicht zu mir. Er weiß ja nicht, wo ich bin.)

Und was die zu hinterfragenden und zu revitalisierenden Dogmen betrifft, frag ich wieder: Welche denn?
Das von der Dreifaltigkeit?
Oder das von der leibhaftigen Gegenwart Jesu in den eucharistischen Zeichen?
Es gab viele dogmatische Festlegungen im Laufe der Kirchengeschichte, von denen heute kein Mensch mehr spricht, zum Beispiel jenes, nach dem absolut sicher ist, dass alle Nichtkatholiken der Teufel holt, und alle Ungetauften sowieso.
Hat man's abgeschafft? Nein. Man spricht bloß nicht mehr davon.
Und was die "Unfehlbarkeit" betrifft: Ich hab's oft und oft gelesen, und es sagt meiner Meinung nach nichts anderes, als dass die Kirche hinsichtlich dessen, was sie glaubt und für sittlich in Ordnung hält, nicht irren kann.
So lehrt's auch das zweite Vaticanum, und es ist eine Binsenwahrheit. Auch ich kann hinsichtlich dessen, was ich glaube und für sittlich in Ordnung halte, nicht irren. Wie denn auch? Das ist ja denk-unmöglich!
Es gibt zwar welche, die unterstellen mir, dass ich in Wirklichkeit die Astarte oder die Venus verehre, weil ich zu Maria gelegentlich Himmelskönigin sage, aber ich meine doch, dass die Abwegigkeit des Denkens in dem Fall bei denen liegt. Die versuchen doch tatsächlich, mich darüber zu belehren, was ich wirklich glaube! Sie meinen, sie wüssten das besser als ich.
Ob dieses Dogma aber nun besser totgeschwiegen oder neu formuliert werden müsste, das weiß ich nicht. Die Aussage des 2. Vaticanums über die grundsätzliche Irrtumslosigkeit des Gottesvolkes in Glaubens- und Sittenfragen in seiner Gesamtheit kann man wohl als den Versuch einer Neuformulierung einschätzen. Sie ist aber bisher nicht wirklich rezipiert worden, und deshalb hat auch noch niemand über Wege zur praktischen Umsetzung nachgedacht.

Ok. Warten wir, bis uns die Oberen was vorkauen, oder wagen wir es, selber zu denken?
Und was Weihnachten betrifft:
Das Kind ist schon geboren, die Zeit des Wünschens für sich selber ist schon vorbei.
Die Hirten, staunend und Gott lobend, waren schon da. Unsere Hirten auch, aber ob die gemeint sind?

Was noch kommt, sind die Weisen: Sie wünschen sich nichts, sie bringen was mit:
Gold: Lauteres, Unveränderliches, dennoch Geschmeidiges, Wertvolles, Gewichtiges, was immer das konkret sein mag.
Weihrauch: Gemeinschaftliche, öffentliche, auf Formen bedachte Anbetung Gottes. Das g'hört schon dazu.
Myrrhe: langer Atem, Belastbarkeit des Glaubens, ein Maß an Leidensfähigkeit im Umgang mit Mitmenschen und Mitchristen jeglicher Rangstufe. Ohne das wird's nicht gehen.
Papstbesuch
Thema Autor Datum
Keine neuen Antworten seit dem letzten Besuch Ein hoch interessantes Spiegelinverview
Josef Berens 23.12.2011 15:49
Keine neuen Antworten seit dem letzten Besuch Weinachtswunsch
Leo Piral 25.12.2011 15:16
Keine neuen Antworten seit dem letzten Besuch Re: Weinachtswunsch
Reinhard Gonaus 29.12.2011 22:11
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