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Wie es war vor aller Zeit? Oder: Siehe, ich mache alles neu?
Was ist das für ein Gott, an den wir glauben? Ist er wirklich ein unveränderlicher Fels in der Brandung der Geschichte oder ist er/sie, orientiert an Entwick- lung und Beziehung, mit uns "auf dem Weg" und selber immer wieder neu? Ob unser Glaube eine Hilfe sein kann im Umgang mit Veränderungen, hängt grundsätzlich mit der Frage nach unserem Gottesbild zusammen. Das hat sich auf unterschiedliche Weise im Laufe unseres Lebens gebildet, wieder verändert, modifiziert, gestaltet, ist durch Kämpfe gewachsen, vielleicht in Stürmen zerstört und wieder aufgebaut worden. Die Frage nach unserem eigenen Gottesbild ist eine sehr individuelle und ist an unsere Lebensgeschichte gebunden. Dennoch gibt es auch eine Menge von uns selbst unabhängiger Aussagen über unseren Gott: Die finden wir in der Bibel. Was sagt uns also der unverän- derliche Gott der Bibel über unseren Umgang mit Veränderungen? Denn dass Gott "bleibt" in Ewigkeit, sein Ratschluss, seine Gerechtigkeit, seine Liebe, sein Bund mit uns Menschen, dafür gibt es Zitate vom ersten Buch der Bibel, der Genesis, bis zum letzten, der Offenbarung. Darauf ist Verlass. Jako- bus z.B. schreibt: "Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Lichter, bei dem kein Wechsel ist oder ein Schatten von Veränderung." (Jk 1,17) Und doch kommt gerade von diesem bleibenden Gott immer auch die Erneuerung. Über Gottes Weisheit steht z.B. geschrieben: "Obwohl in sich selbst verbleibend, erneuert sie doch alles." (Weisheit 7,27). Bei Propheten Jesaja kündet Gott leidenschaftlich Neues an: "Gedenkt nicht mehr des Früheren, und die Vergan- genheit kümmere euch nicht! Seht, ich schaffe Neuartiges! Jetzt sprießt es, merkt ihr es nicht?" (Jes 43,18-20) und in Jes 65,17: "Denn seht, einen neuen Himmel erschaffe ich und eine neue Erde; da gedenkt man des Vergangenen nimmermehr, und es kommt nicht mehr in den Sinn. Frohlocken aber wird man und jubeln auf ewig über das, was ich schaffe. Denn siehe, Jerusalem will ich umschaffen zum Jubel und sein Volk zum Frohlocken." Diese Erneuerung betrifft aber auch die Menschen selbst, sagt Ezechiel: "Ich gebe euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in eure Brust; ich entferne das Herz aus Stein und gebe euch ein Herz aus Fleisch." (Ez 11,19 und 36,26) Immer wieder ist die Aufforderung zu lesen, auch uns selbst, nicht nur unser Verhalten verwandeln, erneuern zu lassen: "Fegt hinweg den alten Sauerteig, damit ihr ein neuer Teig seid!" (1Kor 5,7) Zu all den biblischen Aussagen steht die Praxis der Kirchen in einer hohen Spannung. Denn in den Kirchen, vor allem in der römisch-katholischen, wird dem Wunsch nach Beständigkeit ein hohes Gewicht beigemessen. Die Tradition scheint viel zu oft das Maß aller Dinge zu sein. Allerdings ist angesichts der langen Kirchengeschichte nicht immer klar, was Tradition ist, bzw. welche der vielen Tra- ditionen als Argumentationshilfe herangezogen wird. Aber: "Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, hat schon in ihre Selbst- zerstörung eingewilligt und so die Gottesliebe mit ihrem Ungenügen am Gege- benen verraten." (Dorothee Sölle) Aus: "Gestern no hamm d’Leit ganz anders g’redt". Gedanken zu einer Spiritualität der Veränderung. In: Christian KANZIAN (Hg.), Gott finden in allen Dingen. Theologie und Spiritualität, Druck-und Verlagshaus Thaur 1998, S 60-69 |