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Treffen der Europäischen Basisgemeinden in Wien, Akkonplatz, Anfang Mai 2009
Obwohl die Spanier mit den Tschechen keine gemeinsame verbale Sprache finden konnten, klappte die Kommunikation hervorragend. So wurde von Tschechisch auf Englisch, Französisch, Spanisch oder Deutsch hin und her übersetzt. Letztlich war es die Sprache der Herzen, die alle miteinander verstehen ließ. Kaum zu glauben: 150 Menschen, aus 8 Ländern Europas, von Spanien bis Tschechien, von Ungarn bis Belgien treffen einander vielfach zum ersten Mal und spüren nach kurzer Zeit, wir sind eines Sinnes. Das war ein pfingstliches Ereignis, auch wenn es schon Anfang Mai stattgefunden hatte. „Heute Glauben leben“ war das Thema des Treffens. Martha Heizer hielt das Hauptreferat. Es fand großen Anklang. Besonders der darin enthaltene Fragenkatalog hatte es den Hörerinnen und Hörern angetan. Mit diesem „Beichtspiegel“, wie er schnell genannt wurde, wollen viele Gemeinden weiter arbeiten. Bereits die Eröffnungsimpulse aus 4 Ländern zeigten deutliche Konturen: • Teilen – „Eucharistie ohne Priester“ Was macht Eucharistie aus? Ist es die Gegenwart des Priesters oder das Bestehen einer Gemeinde die Jesus nachfolgen möchte: „Das ist mein Leben, das ich für Euch hingebe“? Die Erfahrungen der verschiedensten Gruppen in Belgien zeigen: Es sind nicht nur die Wandlungsworte die ausmachen, ob Eucharistie gefeiert wird und Gott gegenwärtig ist. Es ist das Engagement der Gemeinde, getragen vom Geist und Evangelium Jesu. Wenn eine Gemeinde in Verbundenheit mit anderen Gemeinden den einen Leib Christi bildet und Leben, Sterben und Auferstehen Jesu – in Worten und Taten – bedenkt und unter Gebet Brot und Wein teilt, feiert sie Eucharistie, ob ein geweihter Priester anwesend ist oder nicht.
• Solidarität – „Welches Europa wollen wir“ Tausende AfrikanerInnen erleben an den Grenzen Europas tragische Situationen, die zu Todesfällen, hunderten Verletzten und tätlichen Angriffen der Polizei führen. 7.000 haben ihr Leben auf See verloren, viele Afrikanerinnen werden in Europa in sklavenähnlichen Verhältnissen zu Prostituierten gemacht. Vom „Machtdreieck Berlusconi-Sarkozy-Merkel“ war die Rede, welches unter Einschränkung der Freiheits- und Bürgerrechte die einwandernden Menschen zu Sündenböcken mache. Das Beispiel Jesu und die Bergpredigt sehen anderes vor: Zärtlichkeit und Solidarität, Zivilcourage und Geschwisterlichkeit. • Pluralität – „Ökumene leben im Alltag“ „Der Pfarrgemeinderat, das Leitungsteam, die angestellten Mitarbeiter und die Gottesdienste sind ökumenisch“, wird aus einer Gemeinde in der Schweiz berichtet. Sie habe die Türen für eine noch weitergehende Ökumene geöffnet – nämlich für die unter verschiedenen Religionen. Bei Begegnungs- und Info-Abenden erfolgt der Austausch, auch mit Muslimen, Hindus, den Sikhs, den Juden, den Bahái u.a. Dabei werden Parallelen und Ähnlichkeiten zwischen den Riten der verschiedenen Weltreligionen erfahren. Eine Initiative von zehn Frauen hat sich zum Ziel gesetzt: 10 muslimische Frauen kennen zu lernen und dann weitere zehn aus anderen Kulturen usw. • Gleichberechtigung – „Frauen in der Kirche“ Welchen konstruktiven Impuls können wir noch leisten, wenn die Diskussion in den Basisgemeinden schon mehr als 20 Jahre dauert? Die Demontage des Sakralen ist nicht nur im feministischen Gedankengut zu finden; auch die Männer können verstehen, dass der „Schatten“, der Gott verhüllt und die Menschen unterdrückt, noch mehr die Frauen unterdrückt hat. Man muss von sich selbst ausgehen, von der leib-seelisch-gemüthaften Ganzheit. Echte Gender-Freiheit braucht aber die Überwindung der „klerikalen Herrenherrschaft“.
Höhepunkt war die gemeinsame Eucharistiefeier. In Wort und Tanz, mit Brot und Wein floss alles zusammen, was in den Gesprächsrunden besprochen, durch das Sprachengewirr noch unausgesprochen blieb und der Geist eingab. Viel Dank und Lob ernteten auch die Veranstalter, weil fast alle Gäste privat untergebracht werden konnten und Verpflegung und Organisation hervorragend klappten. |