Auch die Muslime sollten eine „Heilige Pforte der Barmherzigkeit“ öffnen, so der ungewöhnliche Vorschlag aus dem Vatikan.

Das sagt der Missions-Verantwortliche des Papstes, Kardinal Fernando Filoni. „Im Herzen des Islam steht doch ein vor allem barmherziger Gott“, sagte Filoni im Gespräch mit Radio Vatikan. „Im Herzen des Islam steht Barmherzigkeit, auch wenn man ihr manchmal die Flügel beschneidet, sie vergisst oder beiseite schiebt. Wir wissen, dass Barmherzigkeit einer der 99 Namen ist, unter denen Gott, Allah, angerufen wird!“ Kardinal Filoni äußerte sich in dem Interview vor allem zur Papstreise nach Afrika. Franziskus hatte unter anderem in der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, Bangui, eine „Heilige Pforte“ geöffnet und damit eine Art Vorpremiere des „Heiligen Jahres der Barmherzigkeit“ geliefert, das offiziell erst am 8. Dezember von Rom aus startet. „Wir Christen öffnen eine Heilige Pforte, die die Pforte der Barmherzigkeit ist – und jetzt erwarten wir uns, dass auch unsere muslimischen Brüder, die an einen barmherzigen Gott glauben, ebenfalls eine Heilige Pforte öffnen. Auch für sie ist das die Pforte der göttlichen Barmherzigkeit, die angewandt, praktiziert werden muss, indem man die Waffen wegwirft“, sagte Kardinal Filoni. (http://de.radiovaticana.va vom 4. 12.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die italienische Post würdigt das historische Treffen zwischen dem heiligen Franz von Assisi und Sultan al-Malik zum 800. Jahrestag mit einer Sonderbriefmarke. Die Briefmarke bildet einen Ausschnitt aus dem Giotto zugeschriebenen Fresko in der Basilika von Assisi ab, auf dem der Heilige und der Sultan auf dem Thron zu sehen sind. Die begleitende Erläuterung zur Briefmarke nennt das Treffen „einen der entscheidenden Momente in der Menschheitsgeschichte, nicht nur des Heiligen von Assisi. Zur Zeit des Fünften Kreuzzuges, als Christentum und Islam keine Berührungs-, sondern nur Konfliktpunkte hatten, bot Franziskus der Welt ein Beispiel dafür, wie menschliche Beziehungen geführt und aufrechterhalten werden sollten.“ (vn v. 1. 3.)

     

  • Erzbischof Jean-Claude Hollerich, Leiter der EU-Bischofskommission COMECE, plädiert für eine stärkere Kontrolle von Bischöfen durch Laien. „Wir brauchen eine stärkere Pflicht zum Ablegen von Rechenschaft“, sagte er im Gespräch mit dem Internetportal „Vatican Insider“. „Dabei sollte auch eine Gruppe von Laien beteiligt werden. […] Ich habe kein Problem damit, dass mich eine Gruppe von Laien kontrolliert.“ Es sei wichtig, Klerikalismus zu überwinden: „Wir sind alle getauft und gehören alle zur selben Kirche.“ Der Luxemburger Erzbischof rührt damit an einen heiklen Punkt: Die US-Bischöfe hatten Ende 2018 die Einrichtung von Kontrollgremien zu Missbrauchsfällen beschließen wollen, bei denen Laien eine führende Rolle zugesprochen wurde. Die Abstimmung vertagten die vatikanischen Behörden auf den bevorstehenden Kinderschutz-Gipfel Anfang 2019, wo aber dazu kein Beschluss gefasst wurde. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die orthodoxe Kirche in Afrika hat im November 2018 erstmals wieder Frauen zum Diakonat zugelassen. Diese Entwicklung soll nun auch der äthiopisch-orthodoxen Kirche zugutekommen. Dazu traf sich der griechisch-orthodoxe Patriarch von Alexandria, Theodoros II., mit seinem äthiopisch-orthodoxen Amtsbruder Abuna Matias, um zu beraten, wie sich der Synodalbeschluss in Äthiopien umsetzen lässt. In den 1950er und 1960er Jahren, als die Zusammenarbeit der beiden autokephalen Kirchen besonders intensiv war, wurden in Athen an der damaligen Hochschule für Diakonissen Hagia Varvara besonders viele Äthiopierinnen zum Diakonat ausgebildet. Allerdings wurde die Ausbildungsstätte 2003 geschlossen. Inzwischen hat aber Patriarch Theodoros II. Ende Februar 2017 im kongolesischen Kolwezi drei Nonnen und drei Katechetinnen die Diakonatsweihe erteilt. (kna u. vn [=Vatican News] v. 5. 3.; JA v. 17. 3.)

     

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