Das von Sant’Egidio organisierte Friedenstreffen der Religionen in Assisi

Zum achten Mal schon ist Jaron Engelmayer, ein Rabbiner aus dem israelischen Galiläa, bei dem von Sant’Egidio organisierten Friedenstreffen der Religionen in Assisi dabei. „Es sind wunderbare Freundschaften entstanden“, erzählt er Radio Vatikan. Assisi sei sozusagen „ein Geist, der rollt“: Es komme darauf an, dass „dieser Geist des Zusammenseins und Kooperierens, des Zusammenlebens und Verstehens“ noch mehr Menschen mit sich ziehe. Im Dialog träfen nicht nur „Theorien oder Glaubensaussagen“ aufeinander: „Es sind immer die Personen, das ist die Basis“. Jeder der Teilnehmer von Assisi könne ein wichtiger „Multiplikator“ sein, „jemand, der die Begeisterung weiterträgt an die Gemeinschaft, an die Freunde, an viele weitere Leute“. Das Judentum kenne durchaus das gemeinsame Gebet mit Vertretern anderer Religionen und Überzeugungen. „Es gehört zum Respekt, dass wir zueinander sagen: Du glaubst an das Eine, ich glaube an das Andere. Das heißt nicht, dass wir nicht miteinander sprechen und nebeneinander leben und Freundschaften führen können; es heißt aber auch nicht, dass wir den Glauben des anderen übernehmen müssen!“ (www.de.radiovaticana.va v. 19. 9.)

 

Vor seiner Abreise zum Friedenstreffen der Religionen in Assisi am 20. September erklärte Papst Franziskus, worin aus seiner Sicht der innere Sinn des Friedenstreffens liegt: Die Welt braucht Frieden, und um Frieden zu bitten, ist Pflicht für jeden Menschen, erst recht für jeden, der glaubt. Der Papst hält am Nachmittag in der Basilika des heiligen Franziskus ein ökumenisches Gebet mit Vertreten der christlichen Konfessionen ab. Die nichtchristlichen Delegationen beten unterdessen an anderen Orten. Anschließend treffen sich alle Teilnehmer auf dem Platz vor der Kirche, um einen Friedensappell zu verlesen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen am 20. September saßen auch zwölf Kriegsopfer mit am Tisch. Mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. führte der Papst Einzelgespräche, sowie auch mit dem anglikanischen Erzbischof Welby, mit dem syrisch-orthodoxen Patriarchen Aphrem II. und islamischen und jüdischen Repräsentanten, darunter Abbas Shuman, dem Vizepräsidenten der Kairoer Al Azhar-Universität, und dem Oberrabbiner Roms, Riccardo Di Segni. Um 17.15 Uhr ist die Abschlusszeremonie auf der Piazza San Francesco angesetzt: Grußworte richtet Bischof Sorrentino an die Anwesenden, danach sprechen Andrea Riccardi, Patriarch Bartholomaios I., ein Kriegsopfer sowie je ein muslimischer, ein jüdischer und ein buddhistischer Repräsentant. Nach der Rede von Papst Franziskus wird ein weltweiter Friedensappell veröffentlicht. Nach einer Schweigeminute für die Opfer der Kriege folgt die Unterzeichnung des Friedensappells. Daraus einige Zitate: „Wir Männer und Frauen verschiedener Religionen sind als Pilger in der Stadt des heiligen Franziskus zusammengekommen. […] Der Friede ist der Name Gottes. Wer den Namen Gottes anruft, um den Terrorismus, die Gewalt und den Krieg zu rechtfertigen, beschreitet nicht den Weg des Herrn: Der Krieg im Namen der Religion wird zu einem Krieg gegen die Religion selbst. […] Wir haben auf die Stimme der Armen, der Kinder und der jungen Generationen gehört, auf die der Frauen und so vieler Brüder und Schwestern, die unter dem Krieg leiden. Mit ihnen rufen wir aus voller Kraft: Nein zum Krieg! […] Alle können ‚Handwerker‘ des Friedens sein. Von Assisi aus erneuern wir voller Überzeugung unser Vorhaben, dies zu sein, mit Gottes Hilfe und gemeinsam mit allen Männern und Frauen guten Willens.“ (www.de.radiovaticana.va u. zahlreiche weitere Medien v. 20. 9.; JA v. 2. 8.)

 

Die Vizepräsidentin der Gemeinschaft von Sant’Egidio, die Belgierin Hilde Kieboom, würde auch einen Islamisten zum Friedenstreffen in Assisi einladen, vorausgesetzt, er bekennt sich zur Gewaltfreiheit: Das sagte sie im Interview mit Radio Vatikan am 20. September in Assisi: „Alle sind eingeladen. Aber wir bitten alle, sich zur Gewaltlosigkeit und zum Frieden zu bekehren. Und das kann man in jeder Religion tun.“ (www.de.radiovaticana.va v. 20. 9.)

 

„Ein unglaubliches Erlebnis“, sagt der Pfarrer der deutschen lutherischen Gemeinde von Rom, Jens-Martin Kruse, über das gemeinsame Mittagessen der Religions- und Kirchenführer mit Papst Franziskus in Assisi. „Ein Bild des Friedens. Ganz einfach, aber herzerfüllend […] Die letzten zwei Tage waren geprägt von einem ganz intensiven Austausch zwischen ganz unterschiedlichen Religionsvertretern, von ganz unterschiedlichen Kontinenten.“ Papst Franziskus sei „von seinem Auftreten her ganz bescheiden und zurückgenommen“. Das erleichtere den Dialog. Den Vorwurf der Beliebigkeit weist der lutherische Geistliche zurück. „Es ist sehr ehrlich und auch sehr kontrovers diskutiert worden.“ Doch das Besondere von Assisi liege auch darin, dass man sich trotz aller Unterschiedlichkeit des Gemeinsamen vergewissere. (www.de.radiovaticana.va v. 20. 9.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die bisherige anglikanische Bischöfin von Gippsland, Kay Goldsworthy, übernimmt ab Februar 2018 in Perth das Amt der ersten Erzbischöfin Australiens. Wie Kathpress berichtet, tritt die 61jährige die Nachfolge von Erzbischof Roger Herft an, der im Dezember 2016 auf sein Amt verzichtet hat. Goldsworthy ist verheiratet und zweifache Mutter. Den gleichgeschlechtlichen Ehen, die in Australien wegen einer anstehenden Volksabstimmung viel diskutiert werden, steht sie nach eigener Aussage offen gegenüber. Allerdings wolle sie mit konservativen Vertretern ihrer Diözese „nicht auf Konfrontationskurs“ gehen. (kap u. rv v. 31. 8.; JA v. 10. 9.)

     

  • Die römisch-katholische Kirche begrüßt ein Gesetz in Indien, das erzwungene oder durch materielle Versprechen begünstigte Konversionen verbieten will. Die Regierung des Bundesstaates Jharkhand hat ein entsprechendes Gesetz am 1. August verabschiedet; bei einer Zustimmung durch das Parlament in Ranchi wäre der ostindische Bundesstaat der siebte mit einer entsprechenden Regelung zum Glaubenswechsel. Der Erzbischof von Ranchi, Kardinal Telesphore Toppo, betonte, das Gesetz solle „nicht Konversionen allgemein verbieten, sondern erzwungene Konversionen“. Alle Menschen seien frei in ihrem Willen und in ihrem Gewissen. Niemand könne „jemand anderen zwingen, den Glauben zu wechseln“. Die Strafe von bis zu drei Jahren erhöht sich auf bis zu vier Jahre, wenn es sich bei den Konvertiten um Minderjährige oder um Frauen aus unterprivilegierten, z. B. indigenen Gruppen handelt. (asianews u. rv v. 3. 8.)

     

  • Bischof Manfred Scheuer der Diözese Linz ernennt eine Frau als neue Pastoralamtsdirektorin. Die 46-jährige Theologin Gabriele Eder-Cakl folgt dem langjährigen Direktor Wilhelm Viehböck nach. Sie will als Seelsorgerin „für die Menschen da sein, Segen spenden, Farbe ins Schwarz-Weiß-Denken bringen, den interreligiösen Dialog fördern sowie soziale Stimme in der Gesellschaft sein“, so die neue Direktorin. Nach Wien, Klagenfurt und Innsbruck ist Linz jetzt die vierte Diözese mit einer Frau an der Spitze der Pastoralämter. (KircheIn 08/2017)

     

  • Es wird bis 2021 einen „Durchbruch“ beim gemeinsamen Abendmahl von Protestanten und Katholiken geben. Davon zeigt sich der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber (75), überzeugt. Bis zum ökumenischen Kirchentag 2021 werde es soweit sein, sagte am 12. August der frühere evangelische Bischof von Berlin. Er könne sich den Kirchentag nicht ohne einen solchen Durchbruch vorstellen. Nach Hubers Einschätzung werden die nächsten Schritte in Sachen Eucharistie und Abendmahl „dezentral“ passieren. „Mein Gefühl ist, dass Papst Franziskus die Spielräume einzelner Bischofskonferenzen für ökumenisch relevante Entscheidungen erweitern möchte und diesen Weg für erfolgversprechender ansieht als einen zentralen Weg für die ganze Weltkirche“. (kna u. rv [=de.radiovaticana.va] v.12. 8.)

     

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