Der deutsche römisch-katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff tritt erneut für eine Neubewertung der Homosexualität ein:

„Wo immer Werte wie Freundschaft, Verlässlichkeit, Treue, Füreinander-Einstehen und Verantwortung gelebt werden, verdient dies moralische Anerkennung, unabhängig davon, unter dem Vorzeichen welcher sexuellen Orientierung dies geschieht.“ Diese moralische Anerkennung gelte dann nicht nur den jeweiligen Partnern als Individuen oder Privatleuten, „sondern auch der öffentlichen Lebensform (eingetragene Lebenspartnerschaft), die sie gewählt haben, um ihrem Zusammensein rechtliche Verbindlichkeit und institutionellen Schutz zu geben“. Die naturrechtliche Betrachtungsweise – der Naturzweck der Sexualität ist die Zeugung von Nachkommenschaft – vermöge nicht zu erklären, warum die nicht realisierte Fortpflanzungsfunktion menschlicher Sexualität die anderen Sinndimensionen entwertet, die ebenso zur Bedeutungsfülle menschlicher Sexualität gehören: die Lustfunktion, die Beziehungsfunktion und die „identitätsverbürgende Funktion im Sinne der existenziellen Erfahrung von Intimität und Geborgenheit“. Der Moraltheologe stellt hier für seine theologische Disziplin einen „Wechsel in der Argumentationsweise“ in Richtung einer „Beziehungsethik“ fest. Nimmt man die Grundthese der mehrdimensionalen Sinnhaftigkeit menschlicher Sexualität ernst, führe dies zur „Abkehr von einer objektivistischen Aktmoral“, schrieb er in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Linzer „Theologisch-praktischen Quartalschrift“ (ThPQ). (religion.ORF.at vom 21. 10.; KAP vom 21. 10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • In Deutschland ist am 26. Juli erstmals eine christlich-muslimische Kindertagesstätte (Kita) eröffnet worden. Sie hat in Gifhorn (Niedersachsen) unter dem Namen „Abrahams Kinder“ als Träger die römisch-katholische Gemeinde Sankt Altfrid, die evangelische Dachstiftung Diakonie und die deutsch-türkische Moscheegemeinde Ditib. Die Einrichtung soll zur Begegnung der beiden Kulturen beitragen. Die Mitinitiatorin, Schwester Mary Prema Pierick, ist die Generaloberin der Missionarinnen der Nächstenliebe in Kalkutta und hält fest: Die Einrichtung soll zur Begegnung der beiden Kulturen beitragen, aber „keine Bibel-Koran-Schule“ sein. Unter den jetzigen Anmeldungen ist das Verhältnis von Christen und Muslimen in etwa ausgeglichen, auch konfessionslose Kinder sind dabei. Von den vier Erzieherinnen sind zwei christlich und zwei muslimisch. Das Essen in der Einrichtung wird halal-zertifiziert. (JA v. 5.8.)

     

  • Konfessionsverschiedene Ehepartner sollten bei der Eucharistie nicht getrennt werden, fordert der italienische Kardinal Francesco Coccopalmerio in einem Interview mit der Zeitung La Stampa. Nach Ansicht des ehemaligen Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gesetzestexte gibt es keine „berechtige Notwendigkeit“, nichtkatholische Ehepartner von der Kommunion auszuschließen. Der Kardinal reagiert damit auf eine Anfrage der deutschen Bischofskonferenz. Ein „delikates Problem“ sei, dass nach katholischer Lehre beim Sakramenten-Empfang eine Gnadenvermittlung erfolge. Dieser Aspekt müsse mit dem Prinzip der Kircheneinheit abgewogen werden, wobei nach Aussage Coccopalmieros gerade im Fall von Eheleuten der gemeinsame Empfang der Kommunion ein Hoffnungszeichen mit Blick auf eine Vereinigung der Kirchen sein könnte. Einzige Voraussetzung ist für den Kardinal, dass die Nicht-Katholiken glauben, „dass das Brot und der Wein im Eucharistiesakrament Leib und Blut Christi", also der ganze Jesus Christus sind. Die sogenannte „Transsubstantiation“ – die wesenhafte Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut – müsse hingegen nicht unbedingt geglaubt werden. (vn v. 2. 8.; JA v. 12. 8.)

     

  • In Österreich haben Spitzenvertreter der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche sowie der Islamischen Glaubensgemeinschaft und der Israelischen Kultusgemeinde eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der es heißt: „Es gehört untrennbar zu unserem Selbstverständnis als religiöse Menschen, Vertriebenen und Heimatlosen Trost und Hilfe zu geben.“ (KircheIn 08/2018)

     

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