Der Feldkircher Bischof Benno Elbs, der derzeit als Vertreter der österreichischen Bischofskonferenz an der Familiensynode im Vatikan teilnimmt, plädiert für mehr Verantwortung für die Ortskirchen.

Die Kirche brauche eine "heilsame Dezentralisierung", um Lösungen für die vielfältigen Probleme der Weltkirche zu finden. Elbs äußerte sich im Interview mit "Radio Vatikan". In den vergangenen Tagen sei allen Synodenteilnehmern klar geworden, dass wiederverheiratete Geschiedene oder der Umgang mit Homosexualität nicht die brennenden Themen aller Kulturkreise sind. Den Bischöfen in ihren Regionen, wo sie die Verantwortung tragen, müsse zugetraut werden, „dass sie den Weg mit den Menschen in einer guten Art und Weise gehen", betonte der Feldkircher Bischof. Mehr Verantwortung für die Ortskirchen aber nicht die Gefahr einer Kirchenspaltung. Der Papst als „Garant für die Einheit" halte die Ortskirchen trotz regional unterschiedlicher Entscheidungen zusammen. Die Realitäten der westlichen Kirche dürften angesichts der weltkirchlichen Dimension der Synode freilich nicht vergessen werden. Auf der Synode müssten jedenfalls Lösungen und Hilfen für die Menschen gefunden werden. „Es gibt nicht die Geschiedenen, die Wiederverheirateten, sondern es gibt Einzelsituationen." Auf diese müsse „in einer großen Wertschätzung" und „mit großem Respekt" geachtet werden. Er werde in der dritten Woche der Synode, wenn es um die praktischen Probleme rund um Ehe und Familie geht, auch in seinem Statement sehr für Einzelfalllösungen plädieren, kündigte Elbs an. Wenn Menschen scheitern, müsse die Kirche immer zwei Dinge im Blick behalten: Einerseits die Lehre bzw. die Wahrheit, auf der anderen Seite die Barmherzigkeit für die konkrete Situation eines Menschen. (Kathweb/KAP vom 9. 10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Erstmals wurde der Kurt-Schubert-Gedächtnispreis an einen Muslim vergeben: Der Islamwissenschaftler und Religionspädagoge Zekirija Sejdini wird für interreligiöse Verständigung ausgezeichnet. Laudatorin Martina Kraml, Professorin am Institut für Praktische Theologie an der Universität Innsbruck, beschrieb den diesjährigen Preisträger als „Pionier, Wegbereiter und Brückenbauer […und als] ein Modell für das Gelingen interreligiöser Verständigung und Zusammenarbeit“. Der Preisträger Sejdini sagte, dass die zunehmende Polarisierung, der Antisemitismus, die Islamfeindlichkeit und die Christenverfolgungen die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs zeigen. Es gelte, gemeinsame Werte zu kultivieren, sich zur Vielfalt zu bekennen und „den je eigenen Beitrag für eine plurale Gesellschaft zu leisten“. Konkret gelte es, Verschiedenheiten zu artikulieren und zu akzeptieren und Gemeinsamkeiten zu entdecken. Er erhielt die Auszeichnung für seine „Verdienste um eine zeitgemäße Erforschung und Vermittlung islamischer Glaubenslehren“, so das „Forum für Weltreligionen", das den Preis 2010 ins Leben gerufen (kap u. Die Furche v. 1. 3.)

     

  • Die befreiende Botschaft Jesu kann viele Frauen nicht erreichen, weil sie in der römisch-katholischen Kirche eine Barriere frauenfeindlicher Ablehnung wahrnehmen. Das bedauert die junge deutsche Theologin Alina Oehler am 8. März in Rom. In der Kirche gebe es „vom Glauben her für die moderne Frau sehr wohl einen Platz“, sagte sie, die in Tübingen und Rom katholische Theologie, Politikwissenschaft und Philosophie studierte, im Gespräch mit „Vatican News“. „Es ist schmerzhaft, aber es ist Realität: in der Kirche herrscht an vielen Stellen […] eine Frauenfeindlichkeit, eine Abwertung von Weiblichkeit.“ Dabei widerspreche Frauenfeindlichkeit „der Tradition und dem Glauben, weil in der Kirche andererseits Frauen so hochgehalten werden“, wie z. B. Maria und die Kirchenlehrerinnen Katharina von Siena, Teresa von Avila und Hildegard von Bingen. Daher sei es ihr ein Anliegen, Männer in der Kirche aufzurütteln, dass sie Frauen ernst nehmen. (vn v. 8. 3.)

     

  • Papst Franziskus hat am 12. März die baptistische Pastorin Bernice King (54 Jahre) in Audienz empfangen. Sie ist Tochter des vor 50 Jahren ermordeten US-amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King Jr. (JA v. 25. 3.)

     

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