Der Vatikan hat den Großimam von der Kairoer Al-Azhar-Universität, Sheikh Ahmed el-Tayyeb, in den Vatikan eingeladen.

Diese Idee war eine gute Wahl zum rechten Zeitpunkt. So kommentiert der ägyptische Jesuit und Islamforscher Pater Samir Khalil Samir im Gespräch mit Radio Vatikan den jüngsten Besuch einer vatikanischen Delegation in der Kairoer Universität: „Die islamische Welt erlebt heute vielleicht ihre tiefste Krise in den letzten Jahrzehnten […]  ausgelöst von der Ideologie, die der sogenannte Islamische Staat (IS) verbreitet. Eine inakzeptable Ideologie, die der islamischen Welt Unrecht antut. Genau deshalb hilft es, die islamische Welt zu unterstützen. Sie zu bekämpfen, führt nicht weiter, vielmehr muss man die eigene Erfahrung anbieten, wo wir doch in der katholischen Kirche ähnliche Probleme erfahren haben.“ Die Grundfrage im islamischen Denken sei heute die Auslegung des Korans, diagnostiziert der ägyptische Jesuit. „Die wörtliche Auslegung besonders jener Passagen, die Gewalt betreffen, ist heute unmöglich. Unmöglich ist folglich auch die Anwendung dieser Prinzipien, wie der IS sie predigt. Die Universität Al-Azhar stellt sich dieser wörtlichen Koran-Auslegung rundweg entgegen.“ Er selbst bemühe sich im Gespräch mit muslimischen Islamgelehrten immer daran zu erinnern, dass der Islam diesen Streit selbst bereits im Mittelalter beigelegt habe, fuhr Samir fort. „Man war zu dem Schluss gekommen: der Text muss interpretiert werden. Und erst seit einem Jahrhundert dominiert die Tendenz, ihn wörtlich zu nehmen. […] Deshalb halte ich es für hochbedeutsam, die Freundschaft mit Al-Azhar zu erhalten, um dieser Bildungsstätte zu helfen und sie zu ermutigen, diesen Tendenzen entgegenzutreten.“ Auf diese Weise könne man dazu gelangen, Terrorismus nur noch als Terrorismus anzusehen, „ohne Verbindung zum wahren Islam“, so der Jesuit. „Den Islam neu auszulegen, ist heute der Weg des Heils. Wir als Christen können diesen Prozess unterstützen, indem wir zeigen, dass auch in unserer Tradition die wörtliche Auslegung der Bibel überwunden wurde“, so Pater Samir. (www.de.radiovaticana.va vom 23. 2.; JA v. 28. 2.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • In Deutschland ist am 26. Juli erstmals eine christlich-muslimische Kindertagesstätte (Kita) eröffnet worden. Sie hat in Gifhorn (Niedersachsen) unter dem Namen „Abrahams Kinder“ als Träger die römisch-katholische Gemeinde Sankt Altfrid, die evangelische Dachstiftung Diakonie und die deutsch-türkische Moscheegemeinde Ditib. Die Einrichtung soll zur Begegnung der beiden Kulturen beitragen. Die Mitinitiatorin, Schwester Mary Prema Pierick, ist die Generaloberin der Missionarinnen der Nächstenliebe in Kalkutta und hält fest: Die Einrichtung soll zur Begegnung der beiden Kulturen beitragen, aber „keine Bibel-Koran-Schule“ sein. Unter den jetzigen Anmeldungen ist das Verhältnis von Christen und Muslimen in etwa ausgeglichen, auch konfessionslose Kinder sind dabei. Von den vier Erzieherinnen sind zwei christlich und zwei muslimisch. Das Essen in der Einrichtung wird halal-zertifiziert. (JA v. 5.8.)

     

  • Konfessionsverschiedene Ehepartner sollten bei der Eucharistie nicht getrennt werden, fordert der italienische Kardinal Francesco Coccopalmerio in einem Interview mit der Zeitung La Stampa. Nach Ansicht des ehemaligen Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gesetzestexte gibt es keine „berechtige Notwendigkeit“, nichtkatholische Ehepartner von der Kommunion auszuschließen. Der Kardinal reagiert damit auf eine Anfrage der deutschen Bischofskonferenz. Ein „delikates Problem“ sei, dass nach katholischer Lehre beim Sakramenten-Empfang eine Gnadenvermittlung erfolge. Dieser Aspekt müsse mit dem Prinzip der Kircheneinheit abgewogen werden, wobei nach Aussage Coccopalmieros gerade im Fall von Eheleuten der gemeinsame Empfang der Kommunion ein Hoffnungszeichen mit Blick auf eine Vereinigung der Kirchen sein könnte. Einzige Voraussetzung ist für den Kardinal, dass die Nicht-Katholiken glauben, „dass das Brot und der Wein im Eucharistiesakrament Leib und Blut Christi", also der ganze Jesus Christus sind. Die sogenannte „Transsubstantiation“ – die wesenhafte Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut – müsse hingegen nicht unbedingt geglaubt werden. (vn v. 2. 8.; JA v. 12. 8.)

     

  • In Österreich haben Spitzenvertreter der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche sowie der Islamischen Glaubensgemeinschaft und der Israelischen Kultusgemeinde eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der es heißt: „Es gehört untrennbar zu unserem Selbstverständnis als religiöse Menschen, Vertriebenen und Heimatlosen Trost und Hilfe zu geben.“ (KircheIn 08/2018)

     

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