Die meisten deutschen Katholiken fordern eine Liberalisierung der Einstellung der römisch-katholischen Kirche zur Homosexualität.

Für die am 12. August in Berlin präsentierte Studie hatten TheologiestudentInnen aus Münster und Berlin über 10.000 Katholiken aus 40 Ländern zu ihrem Familienbild befragt. 70 Prozent der deutschen Katholiken sprechen sich laut einer Umfrage für eine Anerkennung und Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aus. Die Kirche müsse den Unterschied zwischen Ideal und Wirklichkeit anerkennen und mit ihm aufrichtig umgehen, erklärte die Berliner Theologiestudentin Sarah Delere. 87 Prozent befürworten die Einführung des Diakonats der Frau. 72 Prozent gaben künstlichen Verhütungsmethoden vor natürlicher Empfängnisverhütung den Vorzug. Mehr als 85 Prozent sprachen sich für die Abschaffung des Pflichtzölibats für Priester aus. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode will die Umfrage auch bei der für Oktober geplanten Familiensynode einbringen. Ein Wortführer der TheologInnen ist Stephan Goertz, Professor für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Mainz. Er meint, dass endlich ein Weg aus der Erstarrung gefunden werden muss. Es genüge nicht, wenn die Kirche sich lediglich "gegen die Diskriminierung Homosexueller wendet, weil dies ihre Würde als Person verletze". Die Bibel jedenfalls tauge keinesfalls als Grundlage für die ablehnende Haltung der Kirche. Michael Theobald, Professor für Exegese an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen, schreibt: "Fundamentalistische Bezugnahmen auf die Heilige Schrift widersprechen der ureigenen katholischen Hermeneutik." Sein Kollege Magnus Striet, Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Freiburg, kritisiert die Bischöfe: "In weiten Teilen der Theologie ist es inzwischen (verschwiegen oder offen) zu Korrekturen gekommen, während die vom Lehramt vertretene Theologie meint, auf der Nichtakzeptanz homosexueller Partnerschaften insistieren zu müssen." (www.spiegel.de v. 16. 8.; http://de.radiovaticana.va vom 19. 8.; Kathweb/KAP v. 19. 8.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Das deutsche Bundesinnenministerium will stärker gegen eine ausländische Einflussnahme auf in der Bundesrepublik lebende Muslime vorgehen, kündigte Staatssekretär Markus Kerber an. In einem Interview des „Tagesspiegels“ am 3. September sagte er, „wir haben viel zu lange dabei zugesehen, wie Kräfte aus dem Ausland den deutschen Muslimen vorschreiben, wie sie ihre Religion zu leben haben. […] Wir wollen für die deutschen Muslime mehr Gesprächsformate schaffen. Auch der Minister wird die deutschen Muslime offensiv ermuntern, die Debatte um einen deutschen Islam zu führen. […] Wir wollen helfen, dass Muslime in Deutschland ihre eigene Religiosität finden. Das wird Ankara womöglich nicht gefallen und zu Konflikten führen. Aber das werden wir aushalten.“ Kerber sagte weiter, er sei „begeistert“, wie groß die Zahl der „sachkundigen muslimischen Gesprächspartner“ in der Zwischenzeit geworden sei. Sie nähmen für sich in Anspruch, „ihre deutsche Heimat“ mitzugestalten. Dabei wolle er sie unterstützen. (kna u. vn v. 3. 9.)

     

  • Für eine offene und vielfältige Kirche hat sich der der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München-Freising, Kardinal Marx, ausgesprochen. „Wir können keine Kirche sein, die uniform ist, sondern wir müssen eine Kirche sein, die die Vielfalt annimmt, liebt und im Glauben gestaltet“, schrieb Marx in einem Gastbeitrag für die Freiburger Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“. Kirche sei niemals Selbstzweck. Der christliche Glaube sei „in der Gemeinschaft ausgerichtet auf die ganze Welt“. Im Blick auf Säkularisierungstendenzen seien Christen heute besonders gefordert, ihren Glauben öffentlich zu leben und damit andere zum Christentum einzuladen, erklärte er. (kna u. vn v. 6. 9.)

     

  • Der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatius Aphrem II. hat die Schweiz gebeten, bei den Bemühungen um die Freilassung der beiden vor fünf Jahren entführten Aleppiner Metropoliten Mor Gregorius Youhana Ibrahim und Boulos Yazigi eine führende Rolle einzunehmen. Die beiden Metropoliten werden möglicherweise in der Provinz Idlib, dem letzten unter der Kontrolle der islamistischen Milizen stehenden Gebiet Syriens, festgehalten. An dem Treffen nahmen alle im Libanon residierenden christlichen Patriarchen teil: der maronitische Kardinal-Patriarch Mor Bechara Boutros Rai, der griechisch-orthodoxe Patriarch Youhanna X., der syrisch-katholische Patriarch Mor Ignatius Yousef III. Younan, der griechisch-katholische Patriarch Yousef Absí und der armenmisch-apostolische Katholikos von Kilikien, Aram I. Auch der Apostolische Nuntius im Libanon, Erzbischof Joseph Spiteri, war anwesend. Bei der Begegnung wurden die guten Beziehungen zwischen dem Libanon und der Schweiz betont. (kap u. vn v. 1. 9.)

     

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