Für den angesehenen früheren Kurienkardinal und Präfekt des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kasper, ist Martin Luther ein „Weckrufer“, der „den Weg zu Einheit und Versöhnung“ weist.

Dies schreibt Kasper in einem Gastbeitrag in der Zeitung „Die Zeit“ vom 18. Februar. „Für Katholiken war er [=Luther; P. W.] lange Zeit der Häretiker schlechthin, der die Schuld an der Spaltung der abendländischen Kirche trägt, mit allen schlimmen Folgen bis heute. Diese Zeiten sind vorbei. Heute erwarten viele Christen zu Recht, dass das Gedenken von 500 Jahren Reformation uns der Einheit näherbringt. Wir dürfen diese Erwartung nicht enttäuschen. […] Mit Wucht stellte er [Luther] die zentralste aller Fragen, die Gottesfrage, ins Zentrum. […] Seine Reform galt der katholischen Kirche, sie hatte keine eigene Reform-Kirche zum Ziel. […] Luthers Anliegen war das Evangelium der Herrlichkeit der Gnade Gottes. […] Damit war Luther mit seinem ursprünglichen Anliegen kein Reformator, sondern ein Reformer. Sein Ziel war die Erneuerung der gesamten Christenheit vom Evangelium her. Wie die frühen Briefe zeigen, ging es ihm um die Erkenntnis Christi und um das solus Christus. […] Das war ein Weckruf an die Kirche. Auf dieses ursprüngliche, evangelische wie katholische Anliegen Luthers müssen wir uns heute gemeinsam besinnen. […] Nur so kann das ursprüngliche, im Grunde ökumenische Anliegen Luthers zur Vollendung kommen. Wir haben noch keine gemeinsame Lösung; aber es tut sich ein gemeinsamer Weg nach vorne auf“, schreibt Kasper. (www.diezeit.de vom 18. 2.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Am 5. Mai findet an der Universität Wien eine hochkarätig besetzte Konferenz „Europa und seine Muslime“ statt. Ziel dieser internationalen Veranstaltung ist es, Herausforderungen der Integration der muslimischen Bevölkerung in Österreich und Europa zu diskutieren. Expertisen liefern u. a. der Religionsrechtler Richard Potz, die evangelische Theologin Susanne Heine, die beiden Soziologen Christoph Reinprecht, der kurdisch-türkisch-stämmige Kenan Güngör sowie Liselotte Abid, Orientalistin an der Universität Wien. (Die Furche v. 26. 4.)

     

  • Der für Liturgie zuständige US-Erzbischof Wilton Gregory hat sich dafür ausgesprochen, die in den Vereinigten Staaten gültige Übersetzung des Messbuchs zu überarbeiten. Einige „problematische Stellen“ bräuchten eine Revision, da sie nicht dazu imstande waren, „die ganze Kirche hinter sich zu versammeln“, sagte der Erzbischof im Gespräch mit der Jesuitenzeitschrift „America“. Die heute gültige Übersetzung ist in den Gottesdiensten der US-Diözesen seit 2011 in Gebrauch. Sie wurde von allen Gläubigen nicht gut angenommen, Kritiker bescheinigten den Texten sprachliche Mängel, die aus dem Bestreben entstanden, möglichst nahe an der lateinischen Vorlage ins Englische zu übersetzen. Bei einer Überarbeitung wäre eine Beratung mit Priestern und Laien „hilfreich“, sagte Erzbischof Gregory. Vergangenen Herbst hatte Papst Franziskus die Verantwortung für die Übersetzung von liturgischen Texten vom Vatikan ausgelagert und den Bischofskonferenzen übertragen. (vn v. 3. 5.)

     

  • Die im katholisch-orthodoxen Dialog engagierten „Ökumene-Player“ müssen auch mit den sogenannten fundamentalistischen Gruppen ihrer Kirchen das Gespräch suchen. Das hat der Ostkirchenkundler an der Wiener Universität, Rudolf Prokschi, am 2. Mai im Gespräch mit der Nachrichtenagentur kathpress betont. Prokschi bezog sich auf die dreitägige Tagung von Vertretern der offiziellen Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche und der verschiedenen regionalen Kommissionen bzw. Initiativen letzte Woche in der Orthodoxen Akademie in Kolymbari (Kreta). Was die „Fundamentalisten“ in der Orthodoxie betreffe, so müsse man unterscheiden. Es werde da gewisse Gruppierungen geben, „mit denen wird man nicht ins Gespräch kommen können“. Im Grunde gehe es darum, dass die in der Ökumene Engagierten „ihre Vorsteher - das heißt die Patriarchen und Erzbischöfe - unterstützen und klar sagen: Das ist ein guter Weg. Dass also die positiven Kräfte gestärkt werden“. Bei dem Treffen sei auch betont worden, dass Ziele und Grundlagen des Dialogs einmal klargestellt werden müssten. „Ein erster Schritt wäre z. B., dass wir alle sagen: Wir können mit gutem Gewissen gemeinsam das Vaterunser beten. Das ist noch nicht bei allen angekommen. Diejenigen aber, die dafür offen sind, müssen sich einmal sagen: Wir werden an dem jetzt festhalten und es auch tun. […] Wir haben versucht, die Möglichkeit einer gemeinsamen Zukunft unserer Kirchen zu skizzieren - in der Richtung, dass wir gesagt haben: Für uns sind viele Punkte, die immer wieder genannt werden, nicht kirchentrennend“, sagte Prokschi. (kap u. vn [=Vatican News] v. 2. 5.)

     

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