Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Frauen sollten nach den Worten des Münchner Kardinals Reinhard Marx mehr Führungspositionen im Vatikan bekleiden. Die Dikasterien im Vatikan müssten nicht zwingend von einem Kardinal oder Bischof geleitet werden, sagte er. An der Spitze einer Kurienbehörde könnten auch Frauen stehen, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in einer NDR-Talkshow und fügte hinzu: „Wenn ich Papst wäre, würde ich es machen.“ Der deutsche Kardinal gehört dem derzeit sechsköpfigen Beratungsgremium des Papstes an, das im Auftrag von Franziskus eine Kurienreform vorbereitet und jüngst zur permanenten Einrichtung erklärt wurde. (kna u. vn v. 2. 7.)

 

Bei einem Besuch in der Redaktion von Radio Vatikan sagte Pater Josef Sayer, der eng in die Vorbereitungen der Amazonas-Bischofssynode im Oktober eingebunden ist: „Es geht hier gar nicht gegen den Zölibat oder den zölibatären Priester, das steht nicht zur Frage. Sondern dass der zölibatäre Priester tatsächlich in die Lage versetzt wird, seinen Auftrag zu erfüllen – nämlich seine Kirche zu bauen, ausgehend von den Sakramenten. […] Und wenn wir solche Erfahrungen machen, dass Priester nur alle zwei bis drei Jahre kommen: Was heißt denn dann noch Eucharistie für die Gemeinde?“ Es sei eine „institutionelle Sünde“, wenn die Kirche es nicht schaffe, „die Voraussetzungen für die Eucharistie, die Sündenvergebung, aber auch die Krankensalbung zu schaffen“. Im Amazonasgebiet lebten die Menschen in einer äußerst schwierigen Lage. „Und die Eucharistie ist einfach weg. Das kann es nicht sein! […] Wenn im Amazonasgebiet mehr als die Hälfte der Gemeinden von den Evangelikalen besetzt ist, dann können wir das nicht hinnehmen.“ Das sei die Ausgangslage für die Synode. „Wie kann die Gemeinde in die Lage versetzt werden, dass sie eine Eucharistie hat und Sakramente feiern kann?“ Sayer skizziert einen Vorschlag: „Ein Modell ist es, Priester zu haben, die aus den Gemeinden kommen und die nicht herumreisen. Denn wenn ein Priester eine Gemeinde verlassen hat, dann hinterlässt er [geweihte] Presbyter. Und der zölibatäre Priester bringt diese Presbyter, die für die einzelnen Gemeinden zuständig sind, zusammen, schult sie und schaut, dass ein Band der Einheit da ist.“ Geweihte Presbyter: Das wäre der Rückgriff auf ein Leitungsamt, das es in der frühen Kirche schon gegeben hat. „Und eine solche Gemeinde, die so zusammengehalten wird, weiß sich auch zu verteidigen gegenüber Leuten, die Holz abschlagen oder Bergwerke aufmachen!“ Papst Franziskus habe – vor allem in seiner Schöpfungsenzyklika Laudato si‘ von 2015 – klargemacht, dass das Umweltthema nicht zu trennen ist vom Thema Kirche. Der emeritierte deutsche Kurienkardinal Walter Kasper bestätigte, dass es hier „um die Zukunft einer bedrohten Ortskirche und deren Inkulturation“ geht. „Angesichts der pastoralen Notsituation“ am Amazonas müsse man auch „über eine Dispens für die Weihe von verheirateten Männern als Möglichkeit“ nachdenken, so Kasper. (vn v. 3. 7.)

 

Der aus Vorarlberg stammende emeritierte Bischof der brasilianischen Amazonas-Diözese Altamira-Xingu, Erwin Kräutler, im ORF-Interview: Von der Amazonas-Synode im Oktober erwartet er, dass Frauen „wenigstens Diakoninnen“ werden können: „Wenn zwei Drittel dieser Gemeinden von Frauen geleitet werden, wieso kann die Frau dann nicht auch die Weihe bekommen und am Sonntag der Eucharistie vorstehen?“ Auch darüber wird es in der Amazonien-Synode Debatten gehen, ebenso wie über die Frage von Laienpriestern - verheirateten Männern („viri probati“, „erprobte Männer“). Kräutler spricht lieber von „personae probatae“, denn dies inkludiere Frauen und Männer. Er sei „voll der Hoffnung, dass da was rausschaut“. (religion.ORF.at v. 12. 7.)

 

Die Kirche muss beginnen, alternative Konzepte der Machtausübung nach dem Vorbild der Bibel zu entwickeln und einzuüben. Wie die deutsche Neutestamentlerin Bettina Eltrop in einem Beitrag für die theologische Website „feinschwarz.net" darlegte, gehe es dabei darum, „Macht an echte Autorität zu binden und zu demokratisieren". Es genüge nicht mehr, die Legitimität von Machtausübung allein an das Vorhandensein einer Weihe oder einer formalen Beauftragung zu binden. „Wessen Worte zu leeren Formeln verkommen sind, [...] dem wird das Volk die Macht entziehen - mag er noch so sehr die formale Beauftragung für sich beanspruchen können". Die Kirche müsse der „vertikalen Machtschiene" entsagen, schreibt Eltrop, auch um den Preis des Kontrollverlusts, und stattdessen die von Jesus vorgelebte „Beziehungsmacht" wieder ins Zentrum stellen. Erst dann könne sie für Menschen wieder glaubwürdig wirken. Vor der Hintergrundfolie des Imperium Romanum habe Jesus seinen Jüngern eingeschärft: „Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und ihre Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein" Die sich auf das Apostelamt gründende Amtsnachfolge in der römisch-katholischen Kirche bewertete der renommierte Tübinger Neutestamentler Michael Theobald so: Die „behauptete Kette männlicher Leitungsvollmacht" hat es nicht gegeben, Frauen hätten von Anfang an beim Aufbau der Gemeinden und ihrer Leitung eine wichtige Rolle gespielt. (Mk 10,42ff). (www.feinschwarz.net v. 12. 7)

 

Die Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK), Sr. Katharina Kluitmann, fordert die Möglichkeit einer ökumenischen Eucharistie-Teilnahme. „Auch wenn das katholische Lehramt das anders sieht. So kämen wir der Einheit näher“, sagte die 54-jährige Franziskanerin im Interview mit der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur KNA. Kluitmann äußerte sich zum Abschluss der „OttmaringerTage“. Bei dieser internationalen und ökumenischen Konferenz bei Augsburg kamen vom 1. bis 5. Juli rund 100 Mitglieder von Orden und geistlichen Gemeinschaften aus mehreren europäischen Ländern zusammen. Organisatoren waren die Fokolar-Bewegung und die DOK. Unterstützung kam von den „Ordensgemeinschaften Österreich“. Pater Alois Schlachter, Moderator der Veranstaltung und Mitglied des Ordens der Missionare vom Kostbaren Blut, sagte, der Anstoß von Papst Franziskus, das Thema ökumenische Eucharistie als eine eigene Gewissensentscheidung zu sehen, werde zunehmend gelebt. So nahmen an den römisch-katholischen Eucharistiefeiern bei der Tagung auch Protestanten teil. „Und es gab dazu keine Abwehrreaktionen.“ Dies ist auch insofern bemerkenswert, als unter den Teilnehmern der Konferenz auch der Kurienpräfekt der Ordenskongregation, Kardinal Joao Braz de Aviz, war. „Man hätte da als Katholik empört sein können - war aber niemand. Es war einfach stimmig“, so Katharina Kluitmann. (JA v. 21. 7.)

 

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) startet die Aktion „Maria, schweige nicht!“ Sie knüpft an die Initiative „Maria 2.0“ an, die sich mit bundesweiten Protestaktionen für den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern einsetzte. KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth erklärte, Frauen sollten in Welt und Kirche gleichberechtigt Verantwortung übernehmen, auch geistliche Verantwortung. „Reformen sind notwendig, wenn die Kirche wieder an Bedeutung gewinnen und eine Zukunft haben will. Die Frage nach Ämtern und Strukturen gehört eindeutig dazu.“ Namensgeberinnen der Aktion seien Maria Magdalena, erste Zeugin der Auferstehung und Apostolin der Apostel, und Maria, die Mutter Jesu. „Beide haben, ebenso wie andere Frauen in der Bibel, gerade nicht geschwiegen, sondern mit ihren Worten das Heil von Gott her erfahrbar gemacht“, so Flachsbarth. Beide Marien regten Frauen heute an, „mutig ihre Stimme zu erheben und sich für eine partnerschaftliche Kirche und für Veränderungen einzusetzen“. (kath.ch u. vn [=Vatican News] v. 19. 7.; JA v. 4. 8.)

 

Slawomir Dadas, Generaldechant der Diözese Linz, stellt bei der Sommerakademie der Katholischen Männerbewegung Österreichs das „Neue Linzer Modell" vor: 35 von Priestern geleitete „neue Pfarren" mit 487 „Pfarrgemeinden", die auch von Laien-Seelsorgern geführt werden. „Wir sehen die Laien als Verantwortungsträger des Glaubens auf allen Ebenen der Kirche. […] Wir lösen keine Pfarren in der Diözese Linz auf und fusionieren auch keine Pfarren". Er verwies auf die positiven Rückmeldungen der 88 „Resonanztreffen" in der Diözese Linz. Änderungsvorschläge und Rückmeldungen werden laut Dadas im Sommer durch die von ihm geleitete Arbeitsgruppe „Zeitgemäße Strukturen" eingearbeitet. So könnten sich Laien „am Bau der neuen Strukturen unserer Diözese aktiv beteiligen". Den Rekurs auf das Neue Testament bei der Bewältigung kirchlicher Ressourcenknappheit empfahl Johann Wimmer, Direktor der Pastoralen Dienste der Diözese Sankt Pölten, im zweiten Referat des Tages. „Wir müssen in Zukunft mit den Charismen arbeiten, die in unseren Gemeinden vorhanden sind". Es gelte „Charismen-Ressourcen" ausfindig zu machen zum Wohl aller. (kap v. 19. 7.)

 

Der emeritierte Innsbrucker Pastoraltheologe Franz Weber sagte bei der Weltkirche-Fachtagung in Puchberg (Oberösterreich): Die kommende Amazonassynode kann einen Türspalt für neue Weiheämter öffnen. Eine Entwicklung hin zu neuen Ämtern und Diensten in der Kirche, ausgehend von der Amazonas-Region, halte er für einen Schritt in die richtige Richtung: „Die Träger der Pastoral - die vielen kleinen Gemeinden in der Amazonasregion sowie viele ihrer Bischöfe und theologischen Begleiter - versuchen die Tür, die über lange Zeit verschlossen war, einen Spalt breit zu öffnen. Viele von ihnen scheinen entschlossen zu sein, ihren Fuß nicht mehr aus diesem Spalt zurückzuziehen". Von Papst Franziskus werde Unterstützung erhofft, durch eine „Öffnung des Weges für eine regionalkirchliche Veränderung der Zulassungsbedingungen für Männer und Frauen zu den kirchlichen Weiheämtern". Hier seien auch Schritte europäischer Bischofskonferenzen erforderlich, weil prekäre pastorale Situationen in Europa keinen Aufschub mehr erlaubten. Theologisch festzuhalten sei, „dass das Sakrament der Ehe und das Sakrament der Weihe sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern tragen und dass diese doppelte Sakramentalität zur Quelle pastoraler Fruchtbarkeit werden kann", sprach sich der Theologe für Lockerungen beim Zölibat aus. Dazu kämen Veränderungen beim Rollenverständnis der Frau: In Amazonien und Lateinamerika würden mindestens zwei Drittel der Gemeinden von Frauen geleitet, weshalb sich das Synodenpapier richtigerweise für die Anerkennung neuer Ämter für Frauen ausspreche. „Frauen von der Weihe auszuschließen, führt nach meiner Wahrnehmung zu einer tiefen Verletzung der Frauen. Ich halte diesen Ausschluss für eine tiefe Wunde am Leib der Kirche." Der Diakonat für Frauen wäre ein „eigenständiges Amt", das in der Kirchengeschichte bereits existiert habe und wiederbelebt werden sollte. Theologisch gut begründbar sah der Theologe solche Reformen vor allem durch die zentrale Bedeutung der Eucharistiefeier, welche „seit urchristlichen Zeiten für jede Gemeinde grundlegend wichtig, wesentlich und konstitutiv [sei. …] Daran wird niemand rütteln können.". (kap v. 19. 7.)

 

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx kann sich künftig auch Laien als PredigerInnen vorstellen. Das sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in München bei einer Begegnung mit Lektoren. „Es muss sich weiterentwickeln“, forderte er. In evangelischen Kirchen kommen bereits seit Jahrzehnten geschulte und beauftragte Laienprediger zum Einsatz. „Wollen wir nicht sagen, wer eine Begabung hat, der soll sprechen?“, fragte Marx. Auch „Zeugnisse von Menschen“ oder Visualisierungen könnten in Predigten einbezogen werden. (www.domradio.de u. vn v. 21. 7.)

 

Polens römisch-katholische Bischofskonferenz hat die Angriffe von Hooligans in Bialystok auf den Marsch für Homosexuellen-Rechte verurteilt. „Gewalt und Verachtung können auf keinen Fall gerechtfertigt und akzeptiert werden", sagte ihr Sprecher Pawel Rytel-Andrianik. Aggressionen wie in Bialystok müssten eindeutig abgelehnt werden. Die Polizei nahm nach Angaben des Innenministeriums 25 der gewalttätigen Hooligans vorübergehend fest. Rytel-Andrianik zitierte den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki: „Diese Menschen sind nicht in erster Linie Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle. Sie sind vor allem unsere Brüder und Schwestern, für die Christus sein Leben gab und die er zur Erlösung führen will.“ (kna u. vn v. 22. 7.)

 

Die Bedeutung der für Oktober geplanten Amazonien-Synode hat die Katholische Frauenbewegung im Anschluss an die „weltkirche.tagung" im kirchlichen Bildungshaus Schloss Puchberg (OÖ) unterstrichen. Diese gemeinsame Veranstaltung der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission, der Ordensgemeinschaften und der MIVA am 19./20. Juli blicke auf die Bischofsversammlung im Amazonasgebiet voraus und habe auch für die Teilnehmerinnen aus den Reihen der Katholischen Frauenbewegung (kfbö) „fruchtbare Impulse" gegeben, so Generalsekretärin Regina Augustin in einer Stellungnahme. Besonders hob sie den pastoralen Notstand hervor: „In Österreich ist die Situation längst nicht so prekär wie im Amazonasgebiet und doch machen viele die Erfahrung, dass die Eucharistiefeier am Sonntag nur mehr möglich ist, wenn man ein Auto besitzt". Dass Frauen Kirchengemeinden leiten, sei „zu einer Realität geworden", die offizielle Anerkennung dessen stehe jedoch noch aus. Die kfbö regt an, „in der Hoffnung auf den Heiligen Geist" die Diskussion über Leitungsmodelle und Ämter in der Kirche unabhängig vom Geschlecht und offen zu führen. Augustin erinnerte daran, dass auch die drei Referenten im Rahmen der Weltkirche-Tagung – Sr. Aline Silva dos Santos, Sr. Birgit Weiler und P. Franz Weber – die Notwendigkeit unterstrichen, neue Leitungsmodelle für Kirchengemeinden zu entwickeln. Der Missionstheologe und Ordensmann P. Franz Weber hatte dabei den Ausschluss der Frauen von den Weiheämtern als "eine tiefe Wunde am Leib Christi" bezeichnet. (kap v. 22. 7.)

 

Für den Luzerner Univ.-Prof. für Kirchengeschichte, Markus Ries, steckt die römisch-katholische Kirche in einer der größten Krisen ihrer Geschichte. Es stellt sich brennender denn je die Frage, was sich ändern muss, damit sie als Institution bestehen kann. Hier einige Zitate des Interviews mit „www.horizonte-aargau.ch“: „Ihrem Selbstverständnis nach ist die Kirche prophetisch, sie hat ihre Berufung von Christus und soll nicht angepasst sein. Es geht eher darum, dass sie sich auf den jeweiligen sozialen Kontext einlässt. Dies ist in einem hohen Maß gefragt. Stabilität hingegen ist ideell gefordert, in Rückbindung an die Berufung, Salz der Erde zu sein und dies in Vorwegnahme der endzeitlichen Sendung präsent zu machen. Dieser Verpflichtung muss die Kirche treu bleiben. In Bezug auf den Rest hat sie sich dialogisch mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen; anders geht es nicht. […] Authentische Reform kommt in unserer heutigen Sicht zustande, wenn sie das Ergebnis eines fortdauernden Aushandlungsprozesses ist. Jürgen Habermas spricht vom «kommunikativen Handeln». Die Verwirklichung dessen, wofür die Kirche von Christus berufen ist, muss immer wieder am Kontext gemessen werden. Um dem Ursprung treu zu sein, müssen wir uns der Veränderung stellen und auf die Debatte einlassen“, so Ries. (www.horizonte-aargau.ch v. 22. 7.)

 

Die Ordensfrauen sollen bei Bischofssynoden ein Stimmrecht erhalten. Mit diesem Ziel wird am 3. Oktober 2019 in Rom – kurz vor Beginn der Amazonas-Synode – ein Austauschtreffen von Ordensfrauen stattfinden. Unter den Referierenden des Treffens, zu dem die Organisation „Voices of Faith“ einlädt, sind die Schweizer Ordensfrau Irene Gassmann, Priorin des Klosters Fahr, und der Basler Bischof Felix Gmür, Vorsitzender der Schweizer Bischofskonferenz. Ordensfrauen mit Führungsverantwortung aus der ganzen Welt sind eingeladen. „Es ist nach wie vor unverständlich, weshalb Ordensbrüder, die nicht Priester sind, ein Stimmrecht haben, Ordensfrauen jedoch nicht“, zitiert die Agentur „kath.ch“ die Priorin Gassmann. Gerade in Gebieten des Amazonas engagierten sich viele Ordensfrauen in Projekten. Die Synode könne von diesem Potenzial nur profitieren. Etwas weiter fasst Chantal Götz, Geschäftsführerin von „Voices of Faith“, das Ziel des Treffens: Es gehe darum, „von einer Vielzahl von Schwestern zu hören, die ihre Gemeinden leiten und Ideen haben, wie sie dazu beitragen können, die Kluft zwischen den Geschlechtern zu schließen. Dies insbesondere dann, wenn es um die Rolle der katholischen Kirche bei Entscheidungsprozessen geht.“ (kath.ch u. vn v. 23. 7.)

 

Der Pressesaal des Vatikan hat eine neue Vize-Chefin. Papst Franziskus hat die brasilianische Journalistin Cristiane Murray (57) zur stellvertretenden Leiterin gemacht. Murray hat einen Studienabschluss in Management an der Päpstlichen Universität in Rio de Janeiro. Sie wirkt seit 1995 als Redakteurin im brasilianischen Programm von Radio Vatikan, dem heutigen „Vatican News“. Neben Portugiesisch und Italienisch spricht Murray Englisch, Spanisch und Französisch. Sie ist verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder. Der „Pressesaal“ ist dem Dikasterium für Kommunikation zugeordnet. Dieses bündelt sämtliche Medienangebote des Vatikan einschließlich der sozialen Medien, des Vatikanverlags und der Druckerei. Die Kurienbehörde wird seit 2018 von dem Italiener Paolo Ruffini geleitet, dem ersten Laien im Rang eines Präfekten an der Römischen Kurie. (vn v. 25. 7.)

 

Altbischof Miklos Beer von Vac (Ungarn) plädiert in einem Zeitungsinterview für eine stärkere Einbindung von Laien. Denn einer für fünf Gemeinden verantwortliche Pfarrer ist zwar „überall anwesend, aber nirgendwo präsent. […] Wir müssen aus der Falle der klerikalen Kirchenstruktur heraus", sagte er. In seiner Diözese Vac gebe es heute um ein Drittel weniger Pfarrer als früher. Lebendige Gemeinden aber bräuchten Personal vor Ort. Daher müssten die gewohnten Kirchenstrukturen überdacht werden, das sei auch den Verantwortlichen in der ungarischen Kirche klar. Beer sprach sich dafür aus, vom zentralisierten Amt eines Bischofs, der alles entscheidet und versucht, die vorhandenen Priester zu verwalten, Abschied zu nehmen. In der Diözese Vac habe man mit der Ausbildung männlicher Laien zu Gottesdienst-Leitern und zu Akolythen auf Dauer begonnen, die auch Gemeinschaften aufbauen könnten. Darüber hinaus würden verheiratete Männer zu Ständigen Diakonen ausgebildet. Dies alles gehöre zur „Suche der Kirche nach dem Weg, aber wir ahnen, dass dies nicht die Zukunft ist". Wichtig wäre, die Leiter der Kirchengemeinschaften vor Ort zu finden, betonte Beer. Die Kirche müsse den Menschen nahe sein und brauche Priester, die als „Hirten inmitten der Herde mit dem Geruch der Schafe" sind, erinnerte er an ein Zitat von Papst Franziskus. „Und sie müssen eine neue Sprache sprechen. […] Wir brauchen also eine neue Sprache, wir müssen die wirklichen Probleme wirklich verstehen, darüber sprechen und versuchen, den Menschen gemäß unseren christlichen Werten zu helfen." (kap v. 30. 7.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat die Bedeutung der kulturellen und akademischen Austauschprogramme zwischen dem Moskauer Patriarchat und dem Vatikan gewürdigt. Kyrill empfing am 28. August die Teilnehmer des 5. Sommerkurses für römisch-katholische Priester und Ordensleute. Sie waren Gäste des von Metropolit Hilarion (Alfejew) geleiteten Theologischen Kyrill-Method-Instituts. Die Mitglieder der vatikanischen Delegation besuchten u. a. das Nowospasskij-Kloster und die Synodalabteilung für die Beziehungen der Kirche zur Gesellschaft und zu den Medien, die von Wladimir Legojda, geleitet wird. Man setzt besonders auf eine Zusammenarbeit im Bereich der Caritas-Arbeit, weil dies der beste Weg für die Kirchen ist, einander näher zu kommen. (kap u. vn. v. 1. 9.)

     

  • Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) kündigten an, den interreligiösen Dialog zwischen Islam und Christentum intensivieren zu wollen. Dazu soll ausgehend vom sogenannten „Geschwisterlichkeitsdokument“, das Papst Franziskus und der Großimam der Kairoer Al-Azhar-Universität, Scheich Ahmad Al-Tayyeb, am 4. Februar in Abu Dhabi unterzeichnet hatten, ein „Hohes Interreligiöses Komitee“(HIK) als ein neues Gremium für interreligiösen Dialog gegründet werden. Die Islamische Weltliga begrüßt dieses Vorhaben. Aufgabe des Komitees sei es, Vorschläge und Ziele der katholisch-islamischen Absichtserklärung umzusetzen. In dem „Dokument über die Geschwisterlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ verurteilen der Papst und der Großimam Extremismus im Namen Gottes und werben für die Menschenrechte sowie praktische Zusammenarbeit der Religionen bei der Lösung von Konflikten, in Sachen Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit – besonders Frauen gegenüber. Muhammad bin Abdul Karim Issa, Generalsekretär der Islamischen Weltliga, darüber im Interview mit Vatican News: „Wir haben die Konzepte des Dokuments sehr positiv aufgenommen. Es ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Vatikan, der Al-Azhar-Universität und der islamischen Einrichtung in Mekka. Wir teilen dieselben hohen Menschenwerte. Alle islamischen Theologen der Welt sind sich somit darüber einig, was in dem Dokument über Geschwisterlichkeit festgeschrieben steht.“ Über 1.200 islamische Theologen und Muftis hätten ein gemeinsames Dokument unterzeichnet, in dem das Dokument von Abu Dhabi gewürdigt wird, erinnert er. „Die Islamische Weltliga unterstützt alle Bemühungen, die die Würde und das Leben der Menschen fördern, egal in welcher Gegend der Welt sie leben und welche Religionszugehörigkeit sie haben. Wir sind dankbar für den Einsatz, den Papst Franziskus diesbezüglich zeigt. Er fördert wahrlich die Geschwisterlichkeit unter den Menschen und ist ein Brückenbauer.“ Auch das „Haus der Abrahamitischen Familie“ in Abu Dhabi fördert interreligiöse Aktivitäten. Die Zeitung „The National“ zitiert Kronprinz Mohamed bin Zayyed, demzufolge das neue Gremium HIK nicht nur in den Emiraten, sondern auch in anderen Teilen der islamischen Welt „Toleranz, Zusammenarbeit und Zusammenleben“ fördern soll. Derzeit setzt es sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Bischof Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog; Prof. Dr. Mohamed Hussein Mahrasawi, Präsident der Universität Al-Azhar, Papst-Sekretär Yoannis Lahzi Gaid; Richter Mohamed Mahmoud Abdel Salam, Berater des Großimams; Mohamed Khalifa Al Mubarak, Vorsitzender des Ministeriums für Kultur und Tourismus in Abu Dhabi; Sultan Faisal Al Rumaithi, Generalsekretär des Muslimischen Ältestenrates; und Yasser Hareb Al Muhairi, Schriftsteller und Medienpersönlichkeit aus den Emiraten. (or v. 20. 8.; vn v. 23. 8)

     

  • Im römisch-katholischen Bistum Osnabrück übernehmen auf den Inseln Juist und Langeoog statt eines Priesters jetzt Frauen die Leitung der Gemeinden. Bischof Franz-Josef Bode ernannte auf Juist die Pastorale Mitarbeiterin Michaela Wachendorfer zur Pfarrbeauftragten, auf Langeoog Pastoralreferentin Susanne Wübker. Auf Norderney wurde mit Markus Fuhrmann ein Diakon zum Pfarrbeauftragten ernannt. Schon im vergangenen Dezember wurde Michael Göcking für die Gemeinden Wellingholzhausen und Gesmold im Kreis Osnabrück in dieses Amt berufen. Im kommenden Dezember wird die Gemeindereferentin Christine Hölscher die Leitung der Pfarreiengemeinschaft Bad Iburg/Glane übernehmen. Pfarrbeauftragte leiten die Gemeinden und haben auch die Personalverantwortung. Normalerweise ist diese Tätigkeit einem Geistlichen vorbehalten. Das Kirchenrecht erlaubt aber Ausnahmen bei Priestermangel. Allerdings sind für das Spenden der Sakramente und der Feier des Abendmahls nach wie vor Priester notwendig. Susanne Wübker sehe sich eher als Seelsorgerin: Zum 1. Januar 2018 sei sie vom Bischof in den Kirchenvorstand und auch zur Vorsitzenden berufen worden. „Ich finde es eine tolle Sache, dass es jetzt auch einen offiziellen Anstrich hat“, sagte sie. Allerdings sind die neue Pfarrbeauftragten nicht die ersten Frauen in Deutschland, die eine Kirchengemeinde leiten. Ursula Lux war beispielsweise bereits vor 20 Jahren Pfarrbeauftragte in einer kleinen Gemeinde bei Schweinfurt im Bistum Würzburg. (www.welt.de v. 6. 8.)

     

  • Nordrhein-Westfalen weitet im neuen Schuljahr den gemeinsamen Religionsunterricht von römisch-katholischen und evangelischen SchülerInnen aus. Voraussichtlich 356 Schulen werden den sogenannten „konfessionell-kooperativen Religionsunterricht“ anbieten, teilte das Schulministerium in Düsseldorf mit. Nach Maßgabe der Kirchen dürfen die konfessionellen Grenzen aber nicht verwischt werden. Ein verpflichtender Wechsel zwischen römisch-katholischen und evangelischen FachlehrerInnen soll gewährleisten, dass die SchülerInnen beide konfessionellen Perspektiven kennenlernen. Auf diese neue Form des Religionsunterrichts hatten sich die drei evangelischen NR-WF-Landeskirchen im Rheinland, in Westfalen und Lippe sowie die römisch-katholischen Bistümer Aachen, Essen, Münster und Paderborn geeinigt. „Dieses Angebot stärkt die Gemeinsamkeiten der Konfessionen“, erklärte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Die Zahl der teilnehmenden Schulen steigt in den Grundschulen von 30 (2018/19) auf heuer 59, in den Gesamt-/Sekundarschulen von 46 auf 82, in den Gymnasien von 23 auf 50. (vn [=Vatican News] v. 16. 8.)

     

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