Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf fordert eine Abänderung des Kirchen-Strafrechts , weil Missbrauch ein Verbrechen darstelle und es deshalb falsch sei, dies nur als „sexuelles Vergehen“ abzutun. In zu vielen Missbrauchsfällen hätten die zu Tätern gewordenen Priester ihre Taten verbal religiös verbrämt, argumentiert der Bischof im Gespräch mit der Zeitung Mainzer Allgemeine/Wiesbadner Kurier. Die Sanktionen für Missbrauch durch Kleriker seien oft viel zu milde. „Die Weltkirche ist gefragt, wir müssen den Katalog der Kirchenstrafen überdenken, und wir brauchen zudem einheitliche Standards“, so Bischof Kohlgraf. Die bundesweite Studie über sexuellen Missbrauch römisch-katholischer Kleriker an Kindern und Jugendlichen dokumentiert 3.677 Opfer und 1.670 Täter. Die Dunkelziffer sei wesentlich höher, stellten die ausführenden Wissenschaftler fest. Bischof Peter Kohlgraf hatte bereits vor einigen Tage vorgeschlagen, die Abschaffung des Zölibats anzudenken. (vn v. 1. 10.)

 

Kardinal Pietro Parolin, vatikanischer Staatssekretär, sagte der italienischen Zeitung Il Fatto Quotidiano, der Zölibat der Priester könne sehr wohl in Frage gestellt werden. Die kirchliche Lehre sei ein „lebender Organismus, der wächst und sich entwickelt“. Die Lehre vom kirchlichen Zölibat gehe auf die apostolische Tradition zurück und werde in einigen ostkatholischen Kirchen jedoch nicht angewendet. Es müsse gefragt werden, ob der Pflichtzölibat „in seinem vollen Potenzial gelebt und auch geschätzt werde“. Allerdings sollten wir keine „drastische Veränderung“ in dieser Frage erwarten, sondern eine „allmähliche Vertiefung“ zum Wohle aller und zur Verkündigung des Evangeliums. Bereits 2013 hatte Kardinal Parolin bekräftigt, dass der Zölibat der Priester „kein Dogma“ sei. Die Frage des Zölibats könnte während der Sondersynode vom Oktober 2019 zur Sprache kommen. Sie befasst sich mit dem Amazonasgebiet, wo drückender Priestermangel herrscht. (cath.ch u. vn v. 3. 10.)

 

Nach Auffassung des österreichischen Jugendbischofs und Synodenteilnehmers Stephan Turnovszky muss die römisch-katholische Kirche in der Vermittlung ihrer Ehe- und Sexualmoral genauer differenzieren. Dies sei auch eine Aufgabe für die derzeitige Jugendsynode im Vatikan, sagte er in seiner Predigt am 7. Oktober in der deutschsprachigen Gemeinde Santa Maria dell' Anima in Rom. Es gebe unverfügbare Gebote und Sachverhalte, gleichzeitig müssten Auslegungen und Bewertungen mit Blick auf Betroffene differenzierter geschehen. Das gelte etwa beim Thema geschlechtliche Identität oder für den Zusammenhang von Sünde und Sexualität. Die biologische, psychologische, soziale und kulturelle Komplementarität der Menschen als Männer und Frauen sei gottgewollt und dürfe nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden. Gleichzeitig müssten kritische Anfragen der Gender-Debatte gehört werden. Es gelte aufmerksam zu sein, wenn ein Mensch in seiner geschlechtlichen Identität unsicher sei. „Eine christliche Ehe kann es immer nur zwischen einem Mann und einer Frau geben, egal was der Gesetzgeber entscheidet", betonte der Wiener Weihbischof. Gleichzeitig müsse die Kirche aber empathisch sein gegenüber homosexuellen Menschen und ihnen gegebenenfalls helfen, dorthin zu finden, „wo sie ihren größeren Frieden mit Gott und mit sich selbst finden". Turnovszky warnte davor, „bei Sexualität und Sünde alles in einen Topf zu werfen". Gerade mit Blick auf gescheiterte Ehen, nach denen Partner erneut heirateten, habe die Familiensynode 2015 differenziert und hilfreich beraten. Ähnlich müsse die Jugendsynode 2018 beim Thema Sexualität und Ehe gut zuhören und unterscheiden. Vor allem aber müsse sie das Wohl von Kindern und Jugendlichen stets im Blick behalten. (kap u. vn v. 7. 10.)

 

Das Verhältnis der Geschlechter sowie die Rolle von Frauen in der Kirche sind bei der derzeit im Vatikan tagenden Jugendsynode viel diskutierte Themen. Das berichtete die französische Theologin und Ordensfrau Nathalie Becquart am 9. Oktober vor Journalisten im Vatikan. Vor allem junge Teilnehmer, aber auch etliche Bischöfe sprächen das Thema offensiv an und verlangten ausführliche Beratungen dazu. Um glaubwürdiger zu werden, müsse „die Kirche ihre beiden Gesichter zeigen, das männliche wie das weibliche", so die Theologin. Es gehe darum, in dieser Hinsicht „inklusiv Kirche zu sein". Kardinal Gracias von Mumbai (Indien), Mitglied des „K9" genannten Kardinalsrates von Papst Franziskus, ergänzte: „Wir müssen weiter nach Wegen suchen, um Frauen mehr Verantwortung in der Kirche zu geben." Becquart, die als Auditorin an der Welt-Bischofssynode zum Thema Jugend teilnimmt, erinnerte an die Vorsynode, die im März in Rom stattfand: Die 300 Jugendlichen und jungen Erwachsenen hätten kritisiert, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern lasse weltweit zu wünschen übrig, besonders auch in der römisch-katholischen Kirche. Becquart war Leiterin für die Jugend- und Berufungspastoral der Französischen Bischofskonferenz. (kna u. vn v. 9. 10.)

 

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick setzt sich für mehr Frauen in Leitungspositionen der Kirche und für eine großzügige Dispens-Lösung beim Zölibat ein: „Ich denke, die Lösung könnte die Dispens sein. Der Zölibat soll für das Priesteramt bleiben, aber bewährte Männer können durch Dispens davon entbunden werden. Das gibt es auch schon jetzt, wenn ein evangelischer Pfarrer katholischer Priester wird. Das könnte man erweitern. Die Dispens vom Zölibat wäre eine Möglichkeit.“ Und zu den Frauen in der Kirche sagt er: „In den Pastoralteams auf Pfarreiebene haben wir mittlerweile einen guten Frauenanteil. Wir brauchen sie noch mehr in den Leitungsgremien, zum Beispiel in den Ordinariatskonferenzen, aber auch in der römischen Kurie, denn Frauen haben einen anderen Blick. Wichtig wäre mir auch, dass bei der Ausbildung der Priester mehr Frauen mitwirken.“ (KNA v. 7. 10.)

 

Für den Weihbischof von Brüssel, Jean Kockerols, sind auch verheiratete Männer zum Priestertum berufen. Er geht davon aus, dass einige junge Menschen, die nach der Taufberufung und der Verpflichtung zur Ehe, gern „hier bin ich“ antworten würden, wenn die Kirche sie zum priesterlichen Dienst zulassen würde. Der Sprecher der belgischen Bischofskonferenz, Pater Tommy Scholtes, SJ, betonte, dass der Weihbischof im Namen der Konferenz spreche: Die Ordination verheirateter Männer könne indirekt eine Antwort auf die weltweite Berufungskrise sein. Es handele sich jedoch nicht um die einzige Lösung, so Scholtes. (cathobel u. vn v. 12. 10.)

 

In einem Brief äußern Repräsentanten der römisch-katholischen Theologie-Professoren in Deutschland Kritik an Vatikanischen Institutionen. Dabei geht es um das Ausbleiben einer erneuten Unbedenklichkeitserklärung („Nihil obstat“) aus Rom für den bisherigen Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Frankfurt-St. Georgen, Ansgar Wucherpfennig. Der Jesuit ist im Februar zum zweiten Mal als Rektor der Hochschule des Ordens wiedergewählt worden. In einem Zeitungsinterview hatte er sich 2016 zur Frage geäußert, wie biblisches Sprechen über Homosexualität heute verstanden werden müsse. Er engagiert sich ebenfalls in der Seelsorge für Homosexuelle in Frankfurt. In dem gemeinsamen Brief solidarisieren sich der Katholisch-theologische Fakultätentag, die Arbeitsgemeinschaften für Katholische Theologie, die Deutsche Sektion der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie und das Forum katholischer Theologinnen mit Pater Wucherpfennig. In der „Verweigerung“ des „Nihil obstat“ sehen sie „einen in Form und Inhalt nicht zu rechtfertigenden Angriff auf einen verdienten Theologen, Seelsorger und Ordensmann“. Theologisch und pastoral drängende Themen dürften nicht disziplinarisch erledigt werden, so die Theologinnen und Theologen in dem Brief. (vn v. 15. 10.)

 

Die Benediktinerinnen des Klosters Fahr bei Zürich befürworten ein Stimmrecht für Frauen bei der derzeit laufenden Bischofssynode im Vatikan. Ein auf sozialen Medien veröffentlichtes Foto zeigt 15 Nonnen mit je einem Schild in den Händen, auf dem „Votes for Catholic Women“ (Wahlrecht für Katholikinnen) zu lesen steht. Bei der laufenden Synode sind zwei Laienbrüder als stimmberechtigt zugelassen. Die beiden Ordensoberen ohne Priesterweihe sind unter den zehn gewählten Delegierten der Union der Ordensoberen (USG) und scheinen als solche auf der Teilnehmerliste unter den „Synodenvätern“ auf. Anders die beteiligten Ordensfrauen: Sie nehmen als Expertinnen oder Hörerinnen an der Synode teil und verfügen daher nach jetzigem Stand nicht über ein Stimmrecht. „Was ist denn der Unterschied zwischen einem Ordensbruder und einer Ordensschwester?“, zitiert dazu der Schweizer „Tagesanzeiger“ die Sprecherin des Klosters Fahr, Priorin Irene Gassmann. „Deshalb stehen wir hier mit diesen Plakaten.“ Die Priorin und ihre Mitschwestern beteiligen sich an einer in den sozialen Medien gestreuten Unterschriftenaktion, die das Stimmrecht für Ordensfrauen bei der Synode einfordert. (vn v. 15. 10.)

 

Der Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Frankfurt-St. Georgen, Ansgar Wucherpfennig, sieht ablehnende Aussagen in der Bibel zur Homosexualität als an ihre Zeit gebunden an. „Das Verständnis von Homosexualität hat sich gegenüber Paulus komplett geändert", sagte Wucherpfennig in einem Interview der „Frankfurter Neuen Presse". Die scharfen Aussagen des Apostels Paulus im Neuen Testament gegen „gleichgeschlechtliche Begierde“ träfen „nur sehr bedingt die Situation Homosexueller heute“, sagte Wucherpfennig. Innerhalb der römisch-katholischen Kirche sei es „tatsächlich ein Schritt, der für viele neu ist“. Er betonte, „dass ich in der Zuwendung zu Schwulen und Lesben ganz auf dem Weg bin, den Papst Franziskus auch eingeschlagen hatte, mit seinem berühmten Satz: 'Ein Homosexueller? Wer bin ich, ihn zu verurteilen'?“ Wucherpfennig fügte hinzu: „Das hat mir Auftrieb gegeben. Ich hatte den Eindruck, dass wir den Weg gehen, den Papst Franziskus mit der Kirche gehen will.“ Auf die Frage, was er mache, falls Rom seine Ernennung zum Rektor tatsächlich verweigere, sagte er: „Dann bin ich fröhlich und munter weiter Professor. Und Jesuit, Priester und Seelsorger.“ (kna u. vn v. 17. 10.)

 

Der Schweizer Jugendbischof Alain de Raemy hat sich bei der Jugendsynode in Rom für die Schaffung eines Päpstlichen Rates für die Jugend ausgesprochen. Außerdem kritisierte er die spärliche Anwesenheit von Frauen bei der Synode. In dem von ihm vorgeschlagenen Rat sollten junge Frauen und Männer aus allen fünf Kontinenten vertreten sein, sagte der Weihbischof von Lausanne-Genf-Freiburg laut einem Bericht des Portals „kath.ch" in seinem Redebeitrag vor den versammelten Synodenmitgliedern. Ihm schwebt ein Gremium vor, das in beständigem Austausch mit den anderen vatikanischen Kurienbehörden ist, um die richtige Sprache und Haltung zu finden im Umgang mit den jungen Menschen. An der Spitze des Rates sollte eine junge Frau stehen und der Präsident oder die Präsidentin den Leitern der anderen Päpstlichen Räte gleichgestellt sein. Die Kirche rief de Raemy dazu auf, alles zu tun, damit junge Menschen sich nicht ausgeschlossen fühlten. „Zuhören, besser verstehen, nicht richten, niemals verurteilen." De Raemy kritisierte auch die geringe Vertretung von Ordensfrauen bei der Synode. Wolle man „vollständig" von Jesus verkünden, müsse man auch die Frauen berücksichtigen. „Aber das tun wir leider nicht genügend. Und wir tun es auch nicht in dieser Aula", sagte der Bischof. (kap u. vn v. 19. 10.)

 

Der Bischof von Münster, Felix Genn, hält ein Stimmrecht für weibliche Ordensobere bei Bischofssynoden für vorstellbar: „Angesichts der drängenden Frage, wie auch Frauen Anteil an Leitungsdiensten in der Kirche haben, scheint mir das ein Problem, das man lösen könnte", sagte er im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Rom. Genn verwies darauf, dass an der aktuellen Synode im Vatikan auch zwei männliche Ordensobere, die keine Priester sind, mit Stimmrecht teilnehmen. Daher sei die Frage berechtigt, warum weibliche Ordensobere nicht ebenfalls dieses Recht haben könnten. Es sei wichtig, die Betroffenen so viel wie möglich einzubeziehen. Hier gebe es bereits „eine positive Stilveränderung", die jedoch „weiter vervollkommnet werden" müsse. Zuvor hatte auch der Wiener Erzbischof Kardinal Schönborn Offenheit für ein Stimmrecht für Ordensoberinnen bei der Synode signalisiert. „Ich bin ziemlich sicher, dass sich das ändern wird“, sagte der Kardinal im Gespräch mit „Vatican News“ und bekräftigte, aus seiner Sicht sei weibliche Teilhabe an der Kirche eines der derzeit wichtigsten Themen der römisch-katholischen Kirche. Bei der 15. ordentlichen Bischofssynode unter dem Titel „Die Jugendlichen, der Glaube und die Erkenntnis der Berufung " sind ausgewählte Jugendliche und Frauen als Redner zugelassen, haben aber kein Stimmrecht. (kap u. vn. v. 19. 10.)

 

Die Rolle der Frau in der Kirche nimmt als Thema bei der Jugendsynode an Gewicht zu: Nun hat sich auch der kanadische Kurienkardinal Marc Ouellet vor den Synodenvätern dazu geäußert. Um das Priesteramt für Frauen gehe es nicht, aber man müsse dringend über mehr Frauen auch in kirchlichen Führungsrollen nachdenken. Bei der Jugendsynode wird über vieles diskutiert, was Jugendliche und junge Leute heute beschäftigt. Dazu gehört auch die Rolle der Frau in der Kirche. Statistisch betrachtet, stellen die Frauen bei der Jugendsynode acht Prozent der Teilnehmenden. Viel zu wenig, erklärt Kardinal Ouellet im Interview. „Es gibt wahrlich nicht viele Frauen auf dieser Synode, und das haben wir alle unterstrichen. Das ist eine der Grenzen unserer kirchlichen und synodalen Erfahrung, die limitierte Präsenz von Frauen. Wir dürfen nicht vergessen, dass über die Hälfte der Menschheit Frauen sind! Meines Erachtens müssten Frauen in allen Bereichen der Kirche vertreten sein. […] Auch stelle ich mir vor, dass Frauen in den Ortskirchen, aber auch an der römischen Kurie mehr Verantwortung bekommen sollten.“ (vn v. 19. 10.)

 

Rund 1.500 Menschen haben am 20. Oktober gegen die Bildung von Großpfarreien im Bistum Trier demonstriert. Kirchengemeinden dürften nicht gegen ihren Willen aufgelöst werden, forderten die auf Einladung der „Initiative Kirchengemeinde vor Ort" zum Domfreihof gekommenen Gläubigen. „Die Kirche muss im Dorf bleiben", heißt es in einer Resolution. Die von den Katholiken gewählten und dadurch legitimierten örtlichen Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräte seien beizubehalten. 264 Pfarreien hätten sich in Schreiben an die Initiative dafür ausgesprochen, die für Januar 2020 geplante Pfarreien-Reform auszusetzen, erklärte ein Sprecher der Initiative. Gemeinsam mit der Bistumsleitung solle in Ruhe eine „vernünftige Reform" ausgearbeitet werden. (kna u. vn v. 20. 10.)

 

Zum ersten Mal seit 20 Jahren werden im Bistum Augsburg verheiratete Familienväter zu Priestern geweiht. Bischof Konrad Zdarsa spendet das Sakrament am 28. Oktober den beiden Diakonen Andre Schneider (44) und Andreas Theurer (51), wie die Diözese am 22. 10. mitteilte. Die Weihekandidaten waren jahrelang evangelische Pfarrer. Schneider wirkte in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Thüringen, Theurer in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Beide sind verheiratet; Schneider hat vier, Theurer zwei Kinder. Sie erhielten von Papst Franziskus eine Dispens vom Zölibat. Nach ihrer Weihe sollen die beiden dann als römisch-katholische Priester in Augsburg in der Pfarrseelsorge eingesetzt werden. Theurer bleibt zudem Referent am Institut für Neuevangelisierung. (kna u.vn v. 22. 10.)

 

Die Bischofssynode ist dazu da, „dass die Kirche sich ändert“, sagte Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, am 24. Oktober im Vatikan. Er erneuerte bei dem Anlass kraftvoll seine Forderung, Frauen in Führungspositionen der Kirche zuzulassen. „Die Kirche muss anders werden“, so der Erzbischof von München und Freising, der als Angehöriger des K9-Kardinalsrates als enger Berater von Papst Franziskus gilt. „Die Jugendlichen erwarten, so haben sie in der Vorsynode gesagt, eine authentische Kirche, eine Kirche, die bereit ist zum Gespräch, eine Kirche, die zuhören kann“. Das stehe in allen Synoden-Zwischenberichten, dürfe aber nicht nur Papier bleiben. Eine neue Form des Kirche-Seins müsse sich auch „zeigen in Strukturen, in Institutionen, in konkreten Begegnungen. […] Nicht von oben her, dass wir als Bischöfe den anderen sagen, wie Gott über sie denkt. Sondern gemeinsam unterwegs sein, aufeinander hören, jeder mit seiner Aufgabe, mit seiner Berufung, auch mit seinem Amt, das Amt des Bischofs, des Papstes – aber gemeinsam.“ Angesprochen auf die Frage der Frau in der Kirche, bekräftigte Kardinal Marx, es sei „allerhöchste Zeit“, in diesem Punkt voranzuschreiten und mehr Frauen in verantwortlichen Positionen der Kirche zuzulassen. Er verstehe das Zögern in diesem Punkt überhaupt nicht. „Die Beteiligung von Frauen in Führungsaufgaben ist eine dringliche Aufgabe für die ganze Kirche. […] Wir wären töricht in der Kirche, wir wären verrückt, wenn wir dieses Potential an hochbegabten, engagierten, geistlich tief empfindenden Frauen beiseitelassen würden in der Verantwortung der Kirche.“ Auch durch die besondere ökumenische Erfahrung in Deutschland sei das Frauenthema wichtig. (vn v. 24. 10.; KircheIn11/2018)

 

Die Generaloberinnen von 34 Frauenorden aus Österreich, Deutschland, Schweiz und Luxemburg haben sich für mehr Mitbestimmung von Frauen in der römisch-katholischen Kirche ausgesprochen. Frauen sollten zu allen kirchlichen Ämtern und Diensten zugelassen und bei Bischofssynoden mit Stimmrecht einbezogen werden, forderten die Ordensfrauen der deutschsprachigen Kongregationen der weltweiten Ordensfrauen-Vereinigung UISG am 24. Oktober in einer Aussendung. Sie äußerten sich nach einem fünftägigen Treffen im Innsbrucker „Haus Marillac“. Inhaltlich unterstützten die Ordensfrauen damit mehrheitlich die Forderungen der im Dezember 2017 veröffentlichten sogenannten „Osnabrücker Thesen“, die bei einem ökumenischen Frauenämterkongress entstanden waren. Die Forderung einer Ämteröffnung war damals als „Zeichen der Ökumene und Schritte auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirchen“ begründet worden. Eine neue „Kultur des Dialogs, der Partizipation und der Geschlechtergerechtigkeit“ sei in der römisch-katholischen Kirche nötig, hieß es in der neuerlichen Erklärung. Frauen in Leitungspositionen der katholischen Kirche könnten ihre Autorität, ihre Kompetenzen und ihren Einfluss geltend machen, so die Oberinnen. Speziell die Ordensgemeinschaften könnten hier in ihrer Geschichte und Gegenwart Beispiele liefern, „wie Männer und Frauen im geschwisterlichen Miteinander segensreich für die Menschen gewirkt haben und wirken“. Die weltweite Organisation UISG umfasst 2.000 Vertreterinnen apostolisch tätiger Kongregationen mit mehr als 900.000 Mitgliedern und trifft sich alle drei Jahre in Rom. (kap u. vn v. 24. 10.; JA v. 4. 11.)

 

Es sei im Lauf der Jugendsynode deutlich geworden, dass die Strukturen in der Kirche verändert werden müssen, meinte der Prior der ökumenischen Taizé-Gemeinschaft, Frère Alois, am 26. Oktober im Gespräch mit „Vatican News“. Der Deutsche hat an der Synode als „Sondergast“ teilgenommen. Papst Franziskus hatte ihn eigens eingeladen, damit er seinen Beitrag zum Gelingen des Bischofstreffens leisten konnte. Es ginge nämlich darum, „wirklich das umzusetzen, was die Bischöfe wollen, nämlich den Jugendlichen nahe zu sein,“ betonte Frère Alois zum Ende der Bischofssynode im Vatikan. Ganz klar müsse auf die größere Beteiligung von Laien gesetzt werden. Es gebe schon viele positive Beispiele aus den einzelnen Ortskirchen. Z. B.: „Ein vietnamesischer Bischof sagte, wir haben 400 jugendliche Katecheten, und die gehen in die Dörfer und beten mit den Leuten. Ein Bischof aus Burundi sagte: Die kleinen Basisgemeinschaften bei uns, die werden von Frauen geleitet, denn die Priester können das gar nicht alles leisten. Und es sind meistens Frauen, die diese Gebets- und Solidaritätsgruppen animieren.“ Auf die Frage nach mehr Frauen in Leitungspositionen der Kirche sagte Frère Alois: „Ich sehe dann auch zuallererst die Frage, wie das Weihesakrament zusammengehen kann mit Leitungsverantwortung für Laien. […] Wir denken zu wenig über die Frage nach, was heißt eigentlich Weihesakrament und Leitung von Gemeinden? Sind das nicht Fragen, die wirklich aufgeteilt werden könnten auf verschiedene Menschen und verschiedene Verantwortungen?“ (vn v. 26. 10.)

 

Angesichts des Missbrauchsskandals in der römisch-katholischen Kirche fordert Erzbischof Nikola Eterovic, Nuntius des Vatikans in Deutschland, eine Debatte um die umstrittene Verpflichtung der Priester zur Ehelosigkeit. „Der Zölibat ist kein Tabu“, sagte er in einem Interview in der Monatszeitschrift „Herder Korrespondenz“. „Es gibt keine Patentlösung in dieser Frage. Wir müssen einfach darüber diskutieren, was das Beste für die Kirche ist“. (www.faz/news u. www.spiegel.de v. 26. 10.)

 

Kardinal Reinhard Marx von München sieht im Schlussdokument der Jugend-Bischofssynode einen spürbaren Schritt zur Veränderung der Kirche. „Der Gesamtduktus des Textes ist eine Ermutigung, eine erneuerte Art der Kirche zu entwickeln, eine Kirche, die mit den Menschen geht“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in Rom. Natürlich sei auch deutlich geworden, dass es unterwegs je nach Kultur nach wie vor unterschiedliche Positionen gebe. Bei der Abstimmung für das Schlussdokument hatten aber auch die Absätze über Homosexualität, kirchliche Synodalität, Gewissen und Frauen mindestens eine Zweidrittelmehrheit erhalten. Er hatte in seinem Synodenbeitrag offensiv für mehr Beteiligung von Frauen in Leitungsfunktionen in der Kirche geworben. Er sei froh, dass die überwiegende Mehrheit der Bischöfe überhaupt dazu bereit war, „den Begriff ,in Leitungspositionen´ mitzutragen. Das war mir wichtig“, sagte Marx. (vn v. 28. 10.)

 

Die römisch-katholische Kirche will beim Klimaschutz mithelfen. Dazu haben am Rande der Jugendsynode Bischöfe aus verschiedenen Ländern gemeinsam aufgerufen. Die Auseinandersetzung der deutschen römisch-katholischen Kirche mit dem Thema Klimawandel reiche schon einige Jahre zurück. Das sagte im Gespräch mit dem Kölner Domradio Mattias Kiefer, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten der deutschen Diözesen und Umweltbeauftragter des Erzbistums München und Freising. Auf der letzten Bischofskonferenz Ende September in Fulda haben sich die Bischöfe „in die Pflicht genommen, um die Schöpfungsverantwortung noch viel systematischer und energischer in Angriff zu nehmen, als es bislang der Fall war“, so Kiefer. Einen Schub hat das Ganze durch die Enzyklika „Laudato si'“ (2015) von Papst Franziskus erhalten. Deswegen glaube er auch, dass die deutschen Bischöfe einen Ökologie-Appell, wie er von der Jugendsynode kommt, guten Gewissens unterschreiben könne. Was er wahrnehme, sei, „dass sich die Bischöfe im Vorfeld zu den großen internationalen Klimaverhandlungen prononciert zu Wort gemeldet hatten“. Die letzten Male sogar auch ökumenisch. Und ansonsten sei es so, dass sich die Laiengruppierungen einerseits zu Wort melden, aber unter anderem auch das Bischöfliche Hilfswerk Misereor eine ganz eindeutige Position zum Thema Kohleausstieg in Deutschland vertrete, sagte Kiefer. (www.domradio.de u. vn v. 27. 10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog organisiert in Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Singapur und der Taoistischen Föderation Singapur das zweite christlich-taoistische Kolloquium vom 5. bis 7. November 2018 in Singapur. Schwerpunkt der Gespräche wird das Thema der „christlichen und taoistische Ethik im Dialog“ sein, so eine Mitteilung des vatikanischen Rates. Es sollen verschiedene Aspekte anhand von Beiträgen von 70 Wissenschaftlern und Experten des interreligiösen Dialogs untersucht werden. Die Teilnehmer des Kolloquiums kommen aus der christlichen und taoistischen Tradition: aus Singapur, China, Frankreich, Indien, Malaysia, Südkorea, Schweiz, Vatikan und Taiwan. Der Sekretär des Vatikan-Rates, Miguel Ángel Ayuso Guixot, und der Unterstaatssekretär für den Taoismus, Indunil Janakaratne Kodithuwakku Kankanamalage, vertreten den Vatikan, Erzbischof Felix Machado und Peniel Rajkumar die Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen bzw. den Ökumenischen Rat der Kirchen. (vn v. 1. 11. u. JA v. 11. 11.)

     

  • Die Diözese Cremona (Italien) verteidigt die für den 18. November vorgesehene Dialogveranstaltung zum Thema "Welchen Platz haben junge LGBT [Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender] in der Kirche?". Die für Mitte November geplante Gesprächsrunde stößt laut Medienberichten auf Protest traditionalistischer Kreise. Die Diözese verteidigt jedoch die Veranstaltung, die zum zweiten Mal stattfindet. Rund 300 Unterzeichner einer Protestpetition hätten Cremonas Bischof Antonio Napolioni und den Direktor des Wallfahrtsortes Santa Maria del Fonte di Caravaggio aufgefordert, die Veranstaltung abzusagen, berichtete die Zeitung "Corriere della Sera" am 2. November. In einer Antwort verteidigt der Priester Antonio Facchinetti, ein Seelsorger der Diözese, die geplante Veranstaltung. Dabei beruft er sich unter anderem auf die jüngst beendete Jugendsynode im Vatikan. Deren Abschlussdokument empfehle ausdrücklich „Wege der Begleitung im Glauben für homosexuelle Personen". „Unsere Diözese nimmt die Aufforderung der Synode auf und setzt ihre Bemühungen fort, (Menschen) zuzuhören und zu begleiten", schreibt Facchinetti. Im Übrigen sei das Angebot von Dialog und Begleitung homosexueller Katholiken „im Licht des Wortes Gottes und des kirchlichen Lehramts" bereits vom Vorgängerbischof begonnen worden. (kathpress.at v. 2.11.)

     

  • Nach Ansicht des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf haben die seit dem Reformationsjahr 2017 erreichten Schritte im ökumenischen Dialog dauerhaft Bestand. Das Gedenkjahr zur Reformation habe evangelische und katholische Christen „in einer Weise verbunden, die mir unumkehrbar scheint“, sagte er in Mainz beim zentralen Gottesdienst der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau zum Reformationstag 2018. Außerdem: „Der Vatikan trat im September 2018 erstmals in den Dialog mit einer europäischen, also regionalen, Gemeinschaft von Kirchen ein, der evangelischerseits lutherische, reformierte, unierte und methodistische Vertreter angehören“. Dies sei möglich gewesen, weil die vorausgehenden Konsultationen zwischen der Gemeinschaft evangelischer Kirchen Europas (GEKE) und dem Vatikanischen Einheitsrat „zu dem für sie selbst erstaunlichen Ergebnis führten, dass man in ekklesiologischen Fragen einander näher ist, als man bis dahin angenommen hatte“, so Kohlgraf. (kna u. vn v. 1. 11.)

     

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