Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat eine Debatte zu Grundsatzfragen der Kirche gefordert. Themen wie Priesterbild und Weiheamt, Hierarchie, Zölibat, Frauenamt und Sexualmoral dürften nicht länger tabuisiert werden. Das sagte Overbeck in der Neujahrsmesse am 1. Jänner im Essener Dom. „Wir erleben eine Zeitenwende […] Es gibt diese Tabus nicht mehr, auch keine Fragen mehr, die nicht gestellt werden dürfen", sagte der Bischof. Es brauche jetzt dringend eine Erneuerung der Kirche. Overbeck appellierte an die Gläubigen und die Verantwortlichen in der Kirche, in schwierigen Zeiten achtsam miteinander umzugehen. Nicht wenige Menschen hätten die verständliche Sorge, dass „durch den Druck der gegenwärtigen Krise zu viel reformiert und unsere Kirche sich in die falsche Richtung entwickeln könnte". Zudem verwies der Essener Bischof auf Ermutigendes im Verlauf der „Zukunftsbildprozesse" im Bistum Essen. Ausdrücklich hob Overbeck die Begräbnisse durch Laien und die Segensfeiern für Neugeborene hervor. Besonders auch in Bezug auf das Priesterbild und -amt „sprieße" Neues. Es müsse auch weiter beraten werden, wie Frauen „gleichrangig an den Führungsaufgaben" der Kirche beteiligt werden könnten, „wenn das Weiheamt für sie nicht möglich bleiben soll". Overbeck rief dazu auf, auch Undenkbares zu denken. (kna u. vn v. 1. 1.)

 

Das vatikanische Frauenmagazin „Donne Chiesa Mondo" hat einen Synodenbeitrag des Münchner Kardinals Reinhard Marx abgedruckt, in dem dieser mehr Präsenz von Frauen auch in der römischen Kirchenleitung verlangt. Um der Glaubwürdigkeit der Kirche willen müssten Frauen auf allen Ebenen an Führungsaufgaben beteiligt werden. Dies gelte von Pfarreien über Bistümer und die Bischofskonferenz bis hin zum Vatikan. „Der Eindruck, dass die Kirche, wenn es um die Macht geht, letztlich eine Männerkirche ist, muss in der Weltkirche und auch hier im Vatikan überwunden werden“. Es sei „höchste Zeit“, mahnte Marx. Die Deutsche Bischofskonferenz, deren Vorsitzender Kardinal Marx ist, hatte den Redebeitrag auf Deutsch bereits am 11. Oktober veröffentlicht. Das monatlich erscheinende vatikanische Frauenmagazin „Donne Chiesa Mondo“ druckte den Text in italienischer Übersetzung als Einstiegsbeitrag in seiner Januar-Ausgabe, die sich dem Thema „Reformen, nicht Revolution“ widmet. Chefredakteurin der Zeitschrift ist die italienische Historikerin Lucetta Scaraffia, die an der römischen Sapienza-Universität Zeitgeschichte lehrt. Sie schreibt in ihrem Editorial, es sei keine Revolution vonnöten. Was es stattdessen brauche, sei „etwas Mut und die prophetische Fähigkeit, mit positiven Augen in die Zukunft zu schauen und Veränderungen zu akzeptieren, die oft schon in der Reihenfolge der Dinge eingeschrieben sind“. (vn v. 3. 1.)

 

Die römisch-katholische Kirche wende leider in der Causa Bischof Schwarz die bekannte Taktik der „Vertuschung und Versetzung" an, kritisiert Peter Pawlowsky, der stellvertretende Vorsitzende der sogenannten „Laieninitiative Wien/Klagenfurt/St. Pölten“. „Nur durch Transparenz bei Ernennung und Amtsführung von Bischöfen kann die beschädigte Glaubwürdigkeit der Kirche zurückgewonnen werden", hieß es in einer Aussendung. Die Vorgänge um die Amtsführung des Bischofs in Kärnten hätten einmal mehr gezeigt, dass die Kirche noch immer auf Vertuschung setze. Die Vorwürfe seien seit Jahren bekannt. Schwarz wurde nach St. Pölten versetzt, die Veröffentlichung eines Berichts über seine Amtsführung wollte Rom verhindern. Nun soll der Salzburger Erzbischof Franz Lackner die Vorgänge untersuchen und dem Vatikan berichten. (apa u. derstandard.at v. 10. 1.; Kirche In 02/2019)

 

Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem die Laien in der Kirche mehr Verantwortung als bisher übernehmen müssen, und das aus Verantwortung der Kirche gegenüber, schreibt Wunibert Müller, Theologe, Psychologe und früherer Leiter des Recollectio-Hauses der Abtei Münsterschwarzach in der Zeitung „Die Welt“. Der Missbrauchsskandal zeigt, dass sich viele Verantwortliche in der Kirche, vornehmlich die Bischöfe, in der Vergangenheit als nicht fähig erwiesen haben, die Kirche gemäß dem Evangelium zu leiten. Viele Bischöfe sind trotz gegenteiliger Beteuerungen nicht wirklich bereit, Macht abzugeben oder sie zu teilen. Ihre Machtstellung haben sie sich durch Regeln, etwa das Kirchenrecht, abgesichert, das für unantastbar und sakrosankt erachtet wird. Dazu kommt: Sie sind, einschließlich des Papstes, zu sehr Teil des Systems, als dass sie in der Lage wären, die notwendigen Veränderungen und Reformen durchzuführen, die jetzt notwendig wären. Bei der Revolution, die in der Kirche ansteht, geht es nicht darum, die Machtpyramide umzukehren, sondern, so der Benediktiner Bruder Steindl-Rast, sie abzubauen und durch ein Netzwerk gegenseitiger Unterstützung und Ermächtigung zu ersetzen. Im Netzwerk muss man keine Machtposition verteidigen, weil alle gleich würdig und gleichberechtigt sind – Frauen und Männer. Ein Anfang in Richtung der Entmachtung der Bischöfe wäre ein Abbau des Klerikalismus, ein einfaches Wohnen, ein Ablegen prunkvoller Kleidung und der Amtsinsignien sowie der Titel Eminenz, Exzellenz, Monsignore. Das würde etwas von der verloren gegangenen Glaubwürdigkeit der Kirche und ihrer Vertreter zurückgewinnen. Ein starkes Zeichen wäre auch, wenn Papst Franziskus verkünden würde, dass er nicht länger als „Heiliger Vater“ angesprochen werden will, da er, wie er es selbst einmal in einem Interview sagte, zuallererst ein Sünder ist und damit auf ihn zutrifft, was für alle anderen Kleriker zutrifft. (www.welt v. 10. 1.; JA v. 3. 1.)

 

Der erst vor vier Monaten zum Bischof von Hildesheim geweihte Heiner Wilmer (57) nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sprach er hinsichtlich der Missbrauchsfälle von einer „Struktur des Bösen“, die Konsequenzen für die Theologie haben muss. Um das Böse in der Kirche einzudämmen, bräuchte es eine wirksame Kontrolle der Macht in der Kirche. „Wir brauchen Gewaltenteilung.“ Wilmer berief sich bei seinen Aussagen unter anderem auf den von der Kirche verstoßenen Eugen Drewermann (79). Dessen dreiteiliges Werk „Strukturen des Bösen“ sei aus heutiger Sicht ebenso prophetisch gewesen wie sein Buch „Kleriker. Psychogramm eines Ideals“. Wilmer: „Eugen Drewermann ist ein von der Kirche verkannter Prophet unserer Zeit.“ Der Priester-Theologe Drewermann hatte Anfang der 1990er Jahre zunächst seine Lehrerlaubnis verloren und wurde dann als Priester suspendiert. 2005 trat er schließlich aus der katholischen Kirche aus. In diesem Zusammenhang nannte Wilmer auch den Jesuiten Klaus Mertes. „Propheten waren schon in der Bibel Menschen, die ungeschminkt die Wahrheit sagten“, so der Bischof. Auch heute bräuchte man solche Männer und Frauen, „die uns Bischöfen auf die Füße treten, und mag das noch so wehtun“. Auch sich selbst und seine Amtsbrüder nimmt der Hildesheimer Bischof in dem Interview in die Pflicht. „Alle Selbstherrlichkeit, alles Anspruchsdenken muss fallen.“ Die Bischöfe säßen immer noch zu sehr auf dem hohen Ross. Man tue immer noch so, als würde die Hierarchie das Katholische ausmachen und nur Bischöfe hätten das Recht auf dieses Label. „Falsch! Wir sind nicht die katholische Stiftung Warentest“, so Wilmer. Wenn er höre, Laien dürfen nicht über geweihte Amtsträger urteilen, dann könne er nur sagen: „Das stimmt so nicht.“ So seien etwa in den ersten Jahrhunderten immer wieder Diakone und Priester vom Volk per Akklamation zum Bischof gewählt worden. Es gab früher in der Kirche weitaus mehr Formen der Partizipation als heute. (JA v. 13. 1.)

 

Papst Franziskus überrascht mit einem Geschenk für den 2012 unter ungeklärten Umständen abgesetzten populären und als progressiv eingestuften slowakischen Erzbischof Robert Bezak. Der Besuch des slowakischen Präsidenten Andrej Kiska bei Papst Franziskus am 14. Dezember hat ein Nachspiel gehabt, das in der Slowakei mit einiger Verzögerung zu einem Medienhype geführt hat. Der Papst übergab Kiska eine Dose als Geschenk für Erzbischof Bezak. Sie enthält eine goldene Medaille mit einer Abbildung Marias mit dem Jesuskind sowie des Papstwappens (JA v. 13. 1.)

 

Elisabeth Stanggassinger, Gemeindereferentin im römisch-katholischen Pfarrverband München-Westend, ist das Warten leid: „In der Kirche wird immer gesagt, wir müssten die Zeichen der Zeit wahrnehmen. Aber das wichtigste Zeichen unserer Zeit ist die Gleichstellung der Frau! Und da schaut die Kirche weg." Um Diakon zu werden, muss man ein Mann sein. So gehe es nicht weiter. Am 23. Januar steht sie mit 21 Gleichgesinnten vor dem Eingangstor zum Exerzitienhaus Schloss Fürstenried, wo die Sprecher der Diakone aller deutschen Bistümer tagen. Die drei Reformgruppen "Münchner Kreis", "Gemeindeinitiative" und "Wir sind Kirche" haben dazu aufgerufen, ein Zeichen für die Gleichberechtigung zu setzen. Auf einem Transparent zitieren sie das Grundgesetz: Niemand dürfe wegen seines Geschlechts benachteiligt oder bevorzugt werden. Ein anderer Text fragt: „Was sagt ihr euren Töchtern, wenn sie euch fragen, warum schließt ihr Frauen aus?" Die ReformerInnen wollen die Diakone bitten, sich in Rom für ihre Sache einzusetzen. In München haben das die Diakone bereits 2017 getan: Sie baten Erzbischof Reinhard Marx um Fürsprache bei Papst Franziskus. Einige Diakone, die aus dem Schloss kommen, hören zu. Er selber würde das Diakonat der Frau begrüßen, sagt Thomas Nixdorf, Diakon aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Aber ob eine Demonstration helfe, sei fraglich. „Wir Diakone haben kein politisches Mandat", ergänzt Stefan Stürmer, Diakon aus Trier. Zudem habe der Papst 2017 eine Studienkommission eingesetzt; deren Ergebnisse solle man abwarten. (www.sueddeutsche.de v. 16. 1.; Kirche In 02/2019)

 

Nach der Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe sieht der Sekretär der deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, großen Reformbedarf und die Notwendigkeit eines Mentalitätswandels in der deutschen Kirche. Dazu gehöre eine breite Debatte über den Zölibat und die kirchliche Sexualmoral. Er fordert bei einer Podiumsdiskussion mit der Journalistin Christiane Florin vom Deutschlandfunk in der Karl-Rahner-Akademie auch ein kirchliches Straf- und Disziplinarrecht. Denn bei Missbrauchstätern nütze es wenig, wenn Fälle erst nach Jahren entschieden werden. Überdies muss es nach den Worten des Sekretärs mehr Gewaltenteilung in der Kirche geben, indem etwa in Deutschland eine kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit eingeführt wird. Bislang sei in strittigen Fragen nur ein Rekurs in Rom möglich. Nach vielen Jahren des Wartens gebe es dann oft kein Ergebnis. Das ganze kirchliche Gerichtswesen sollte stärker national gestaltet werden. (kna u. vn v. 17. 1.)

 

Im Dezember 2018 hatte das Bistum Eichstätt eine anonyme Online-Umfrage gestartet, bei der 82 Prozent der Teilnehmer angaben, Wort-Gottes-Feiern könnten eine wichtige Säule des Gemeindelebens sein, gerade in Zeiten von Priestermangel und wachsenden Pastoralräumen. In einem Drittel der Pfarreien gebe es bereits solche Feiern, so das Ergebnis der Umfrage, in 16 Prozent der Gemeinden sogar regelmäßig. Die Hälfte der Teilnehmer lebt aber in Gegenden, wo diese Gottesdienstform noch nicht angeboten wird. Mehr als zwei Drittel der Gläubigen beklagen, dass oft das geeignete Material fehle. Hier will die Diözese Eichstätt mehr Unterstützung anbieten. In der römisch-katholischen Kirche wurden bereits mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) „Wort-Gottes-Feiern“ als eigenständige Gottesdienste beschrieben, die auch von Nichtpriestern geleitet werden können. Der wesentliche Unterschied zur Heiligen Messe besteht darin, dass keine sakramentale Wandlung der Gaben von Brot und Wein in Leib und Blut Christi durch einen Priester stattfindet. (kna u. vn v. 18. 1.)

 

Mit Wirkung zum 1. Februar wird erstmals eine Frau, nämlich Margherita Onorato-Simonis, zur Leiterin der Hauptabteilung Pastoralpersonal bestellt. Die Beauftragung erfolgt zunächst kommissarisch, um gegebenenfalls inhaltliche und strukturelle Anpassungen der Personalarbeit vornehmen zu können. Onorato-Simonis hat einen Magisterabschluss in den Fächern Soziologie, Psychologie und Politikwissenschaften. Sie arbeitete seit 2009 im Bistum Aachen als Personalreferentin und setzte viele Projekte und Konzepte zur systematischen Weiterentwicklung der Personalarbeit im Bistum Aachen erfolgreich um. (www.bistum aachen u. vn v. 18. 1.)

 

Die Innsbrucker Leiterin des Seelsorgeamts, Elisabeth Rathgeb, ist für die Öffnung des Priesteramts. Die Kirche müsse überlegen, „wie wir mehr Menschen den Zugang zum Priesteramt ermöglichen können“, sagt Rathgeb in einem Interview mit der Kirchenzeitung „Tiroler Sonntag“. Die Zulassungsbedingungen würden viele ausschließen. Dadurch würden viele Talente und Charismen brachliegen und nicht zur Wirkung kommen: „Für mich ist das eine Sünde wider den Heiligen Geist“, so Rathgeb wörtlich. Die Kirche würde dadurch „ihren alten und verdienten Priestern oft nichts Gutes“ tun. (JA v. 20. 1.)

 

In einem Interview mit „katholisch.de“ bekräftigt der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode seine Forderung nach einer kirchlichen Segnung homosexueller Paare: „Wir dürfen Homosexualität nicht immer nur unter dem Aspekt schwerer Sünde behandeln“. Diese Frage sei wichtiger geworden, seit es in Deutschland die staatliche „Ehe für alle“ gebe: „Darauf müssen auch wir als Kirche bald reagieren“. Bode sprach sich außerdem dafür aus, den Laien mehr Macht in der Kirche zu geben. Die Kirche von Osnabrück sei bereits auf diesem Weg. Dass dort bundesweit erstmals ein hauptamtlicher Laie eine Pfarre leitet, bezeichnete der Bischof als „sehr wichtiges Mittel gegen den Klerikalismus“. Damit stelle sich auch die Frage, Verheiratete zu Priestern zu weihen. „Denn wenn Laien eine hohe Verantwortung tragen, muss die Frage gestellt werden, ob man das nicht auch sakramental würdigt. (JA v. 27. 1.)

 

Der Machtverlust der christlichen Kirchen ist eine Chance für die Ökumene und ermöglicht auf neue Weise Zeugnisse für die Kraft des Evangeliums. Mit diesem Befund hat Kardinal Christoph Schönborn am 29. Januar beim traditionellen „Ökumenischen Empfang“ anlässlich der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen aufhorchen lassen. Dankbar könnten die verschiedenen christlichen Kirchen heute feststellen, dass sie friedlich miteinander leben können. Dies sei im Rückblick keine Selbstverständlichkeit, zumal „jede Kirche von anderen Kirchen in der Vergangenheit verfolgt wurde und selbst verfolgt hat“. Im Hintergrund sei dabei meist eine weltliche Macht gestanden, die Christen für politische Zwecke missbraucht habe, so Schönborn vor den Spitzen der Ökumene im Wiener Erzbischöflichen Palais. Eine „Marginalisierung der Kirchen“ tut weh, „aber so seien die „Kirchen jetzt näher dort, wo der Herr selbst war: am Rand“. Für die Kirchen könne der Machtverlust daher auch als eine „gnadenhafte Zeit“ begriffen werden, denn: „Das Zeugnis des Evangeliums bekommt aus dieser Machtlosigkeit seine volle Kraft.“ (kap u. vn v. 30. 1.)

 

Die Skandale rund um sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche erschüttern die römisch-katholische Kirche weltweit. Die „klerikale Kultur“ und die Strukturen der Kirche seien Gründe für die massive Vertuschung, sagte Joseph Selling, der in Amerika geborene, belgische Moraltheologe an der katholischen Universität Leuven im ORF-Interview. „Das liegt an dieser katholischen Kultur und besonders der klerikalen Kultur innerhalb der katholischen Kirche. Das betrifft jetzt nicht alle religiösen Katholiken, sondern vor allem die Priester. Die sehen einander als natürliche Verbündete an. Bis herauf zum Zweiten Vatikanischen Konzil waren sie alle im Seminar, haben dort alle genau dieselbe Ausbildung durchlaufen, dasselbe pastorale Training erhalten, dieselben Regeln und Verhaltensrichtlinien gelernt. Sie haben da eine ganz eigene Lebensform praktiziert, eben das was man diese klerikale Kultur nennt, die Papst Franziskus seit seinem Amtsantritt ja immer wieder auch scharf kritisiert hat. In diesem klerikalen Umfeld schaut man aufeinander und man spielt die Verfehlungen von Mitbrüdern auch gerne einmal herunter.“ Und zu Verhütungsmittel, Sterilisation und Abtreibung meint Selling: „Ich finde, die Kirche sollte diesbezüglich überhaupt nichts machen. Sie sollte aufhören, darüber zu reden und die Leute dazu ermutigen, sich selbst eine Meinung dazu zu bilden […] anstatt ihnen einfach zu sagen: ‚Das ist richtig und das ist falsch.‘ […] Schauen Sie sich nur an, was die Kirche über Frauen gesagt hat – noch bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Dass sie keine Bildung bräuchten, dass sie schweigen und gehorchen sollten und nach der Pfeife ihres Ehemannes tanzen. Das Zeug haben wir tatsächlich gelehrt. Heute wäre das nicht mehr drin.“ (religion.orf.at v. 30. 1.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die italienische Post würdigt das historische Treffen zwischen dem heiligen Franz von Assisi und Sultan al-Malik zum 800. Jahrestag mit einer Sonderbriefmarke. Die Briefmarke bildet einen Ausschnitt aus dem Giotto zugeschriebenen Fresko in der Basilika von Assisi ab, auf dem der Heilige und der Sultan auf dem Thron zu sehen sind. Die begleitende Erläuterung zur Briefmarke nennt das Treffen „einen der entscheidenden Momente in der Menschheitsgeschichte, nicht nur des Heiligen von Assisi. Zur Zeit des Fünften Kreuzzuges, als Christentum und Islam keine Berührungs-, sondern nur Konfliktpunkte hatten, bot Franziskus der Welt ein Beispiel dafür, wie menschliche Beziehungen geführt und aufrechterhalten werden sollten.“ (vn v. 1. 3.)

     

  • Erzbischof Jean-Claude Hollerich, Leiter der EU-Bischofskommission COMECE, plädiert für eine stärkere Kontrolle von Bischöfen durch Laien. „Wir brauchen eine stärkere Pflicht zum Ablegen von Rechenschaft“, sagte er im Gespräch mit dem Internetportal „Vatican Insider“. „Dabei sollte auch eine Gruppe von Laien beteiligt werden. […] Ich habe kein Problem damit, dass mich eine Gruppe von Laien kontrolliert.“ Es sei wichtig, Klerikalismus zu überwinden: „Wir sind alle getauft und gehören alle zur selben Kirche.“ Der Luxemburger Erzbischof rührt damit an einen heiklen Punkt: Die US-Bischöfe hatten Ende 2018 die Einrichtung von Kontrollgremien zu Missbrauchsfällen beschließen wollen, bei denen Laien eine führende Rolle zugesprochen wurde. Die Abstimmung vertagten die vatikanischen Behörden auf den bevorstehenden Kinderschutz-Gipfel Anfang 2019, wo aber dazu kein Beschluss gefasst wurde. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die orthodoxe Kirche in Afrika hat im November 2018 erstmals wieder Frauen zum Diakonat zugelassen. Diese Entwicklung soll nun auch der äthiopisch-orthodoxen Kirche zugutekommen. Dazu traf sich der griechisch-orthodoxe Patriarch von Alexandria, Theodoros II., mit seinem äthiopisch-orthodoxen Amtsbruder Abuna Matias, um zu beraten, wie sich der Synodalbeschluss in Äthiopien umsetzen lässt. In den 1950er und 1960er Jahren, als die Zusammenarbeit der beiden autokephalen Kirchen besonders intensiv war, wurden in Athen an der damaligen Hochschule für Diakonissen Hagia Varvara besonders viele Äthiopierinnen zum Diakonat ausgebildet. Allerdings wurde die Ausbildungsstätte 2003 geschlossen. Inzwischen hat aber Patriarch Theodoros II. Ende Februar 2017 im kongolesischen Kolwezi drei Nonnen und drei Katechetinnen die Diakonatsweihe erteilt. (kna u. vn [=Vatican News] v. 5. 3.; JA v. 17. 3.)

     

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