Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral…)

Immer mehr Frauen besetzen Führungspositionen an US-Universitäten in römisch-katholischer Trägerschaft. Ihr Anteil stieg seit dem Jahr 2000 um 137%, wie aus einer Erhebung der Vereinigung der katholischen Hochschulen und Universitäten der USA hervorgeht. Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass vor allem starke Rollenvorbilder in der eigenen Familie römisch-katholische Frauen motiviert hätten, nach Spitzenämtern zu streben. Von den 220 Hochschulen in römisch-katholischer Trägerschaft wurden 2016 bereits 46 von Laienpräsidentinnen geleitet. (kna u. rv v. 3. 4.; KircheIn 05/2017)

 

Kardinal Christoph Schönborn sieht Spielraum für mehr Frauen in kirchlichen Ämtern. „Unzweifelhaft“ stehe für ihn fest, „dass es mehr Frauen in kirchlichen Ämtern braucht und hier bei weitem die Möglichkeiten nicht ausgeschöpft sind“, sagte Schönborn in einem Interview für die Wiener Zeitung vom 8. April. Der Wiener Kardinal plädierte dafür, die Ergebnisse der vom Papst eingesetzten Kommission zu diesem Thema abzuwarten. Die Tatsache, dass es Diakoninnen gegeben hat und in der Ostkirche bis heute gibt, „muss uns in der lateinischen Kirche zu denken geben“. Zum ersten Jahrestag der Veröffentlichung des nachsynodalen Schreibens „Amoris laetitia“ bekräftigte er auch seine Position zum Sakramentenempfang von wiederverheirateten Geschiedenen und forderte erneut den genauen Blick auf die Lebenssituation der Betroffenen: Er selbst werde „niemanden von der Kommunionbank wegweisen […] Ich kann nicht ins Gewissen von Wiederverheirateten schauen und vertraue darauf, dass sie verantwortungsvoll entscheiden.“. (kna u. rv v. 8. 4.)

 

Die Dechanten der Salzburger Erzdiözese haben den Mut, sich öffentlich vom Hirtenbrief ihres Weihbischofs Andreas Laun zu distanzieren. Im Hirtenbrief an die – schon lange untergegangene nordafrikanische Diözese Libertina – prangert Laun die „Gender-Ideologie“ als „Lüge des Teufels“ an. Außerdem nennt er homosexuell empfindende Menschen als „irgendwie gestörte Männer und Frauen“. (JA v. 9. 4.)

 

Sr. Dr. Beatrix Mayrhofer, 68, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden und als solche die Sprecherin der Ordensfrauen sieht „theologisch keinen Grund, warum eine Frau nicht Priester sein kann. Wir machen Fortschritte. Papst Franziskus hat im vorigen Jahr auf der Versammlung der Höheren Ordensoberinnen in Rom reagiert. Er will sich mit der Frage des Diakonats der Frau historisch befassen. Es gibt ja dazu einen Forschungskreis, es wird untersucht, wie das mit den Diakoninnen in der frühen Kirche war. […] Ich glaube, dass auf die Dauer die katholische Kirche auf die Frauen, auch im Weihsakrament, nicht verzichten kann. […Ich glaube], dass es der Kurie gut täte, wenn Frauen in der Kurie Positionen beziehen würden und der Vatikan ein bisschen aufgemischt würde,“ so das Interview in der Wochenzeitschrift „Ganze Woche“ vom 11. April. (Ganze Woche v. 11. 4. u. kathpress v. 13. 4.

 

In einer formalen Bitte haben die Generaloberen der vier großen franziskanischen Orden Papst Franziskus darum gebeten, Laienbrüdern Leitungsämter in ihrem Orden zu ermöglichen. Papst Franziskus zeigt sich für den Vorschlag offen und sucht bereits nach Lösungen, um diese Idee zu verwirklichen, so der Generalminister der Franziskaner Michael Perry. Laut Kirchenrecht müssen Leitungsämter eines Ordens, der aus Priestern und Laien besteht, von Klerikern besetzt werden. Vertreter der Franziskanerorden drängen schon länger auf eine Änderung; so sei auch Ordensgründer Franz von Assisi nie zum Priester geweiht worden. Das Charisma des Ordens beziehe sich in erster Linie auf die radikale Nachfolge des Evangeliums und nicht auf die Weihe. (rv v. 11. 4.)

 

Die Kirchenreform-Bewegung „Wir sind Kirche“ erneuert zum „Tag der Diakonin 2017“ die Aufforderung an die deutschen Bischöfe, sich gemeinsam in Rom für den Diakonat für Frauen einzusetzen. Da Papst Franziskus die Bischofskonferenzen ermutigt, in pastoralen Fragen konkrete Vorschläge einzureichen, sollten die deutschen Bischöfe den Vorstoß von Bischof Gebhard Fürst aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart aufgreifen und im Vatikan einen Antrag einreichen, am besten gemeinsam mit den Bischofskonferenzen in Österreich und in der Schweiz. „Dabei können sich die deutschen Bischöfe auf das Votum der ‚Würzburger Synode‘ aus dem Jahre 1975 stützen, in dem sich die Synodenversammlung einschließlich der damaligen Bischöfe angesichts der pastoralen Notwendigkeiten und auch unter Berufung auf die Praxis in der frühen Kirche für das Frauendiakonat ausgesprochen hatte. […] In einer Kirche, die sich ihrer dienenden Funktion neu bewusst wird, ist ganz grundsätzlich auch die Ämterfrage insgesamt neu zu stellen und zu erforschen, inwieweit die Ämter heute den Diensten in der Urkirche entsprechen bzw. inwieweit sie eine legitime Weiterentwicklung sind und inwieweit nicht.“ Seit 1998 begeht der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) am 29. April, dem Festtag der Katharina von Siena, den „Tag der Diakonin“ Die Kirchenreform-Bewegung setzt sich seit 1997 mit der „Aktion Lila Stola“ für einen gleichberechtigten Zugang der Frauen zu allen Ämtern ein, so „Wir sind Kirche“ in einer Pressekonferenz nach der Fachtagung „Ein Amt mit Zukunft – auch für Frauen. Impulse und Perspektiven zum Diakonat“ am 29. April 2017 in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. (www. wir-sind-kirche.de v. 29. 4.)

 

Auch Katholische Frauenverbände in Deutschland fordern die Zulassung von Frauen zu kirchlichen Weiheämtern. Bei einer Konferenz am „Tag der Diakonin 2017" am 29. April in Stuttgart hieß es laut einem Bericht der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), die Geduld in dieser Frage sei „nahezu erschöpft". Organisatoren der Tagung in der Akademie des Bistums Rottenburg-Stuttgart waren die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und das Netzwerk Diakonat der Frau. Auch mehrere Bischöfe seien zu der Veranstaltung eingeladen worden, sagte Akademiechefin Verona Wodtke-Werner, doch alle hätten sich entschuldigen lassen. Wodtke-Werner stellte die Frage, ob die Zulassung von Frauen zu Ämtern nicht nur deshalb Thema werde, weil es angesichts des Priestermangels immer schwerer werde, Personal für die Arbeit in den Gemeinden zu finden. Frauen hätten dann wieder nur eine „Lückenbüßerfunktion". In einem Papier der Veranstalter heißt es weiter, die Kirche müsse Frauen in die Weiheämter einbeziehen, wenn sie zukunftsfähig sein wolle. Zugleich dankten die Organisatoren dem Papst, weil er die Bischöfe ermuntert habe, auf lokaler Ebene eine Neugestaltung zu testen. Von dieser Möglichkeit sollten die deutschen Bischöfe aber auch Gebrauch machen. Der Unternehmensberater Thomas von Mitschke-Collande rief die deutschen Bischöfe auf, „zu tun, was der Konzernchef gesagt hat, nämlich mutige Vorschläge nach Rom zu schicken". Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf bezeichnete es als historisch belegt, dass es im Laufe der Kirchengeschichte „in verschiedenen Ausformungen Diakoninnen gegeben" habe. Die Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, Katharina Ganz, stellte die Frage, „was die deutsche Kirche wirklich hindert, im Vatikan eine Zulassung von Frauen als Diakoninnen zu beantragen". (www.kathpress.at v. 30. 4.

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Papst Franziskus hat Kirche in Bangladesch zur Friedensarbeit gemeinsam mit anderen Religionen ermutigt. Die Bischöfe sollten unablässig das Gespräch und den Kontakt mit anderen Religionsgemeinschaft suchen und mittels Bildungsarbeit zur interreligiösen Verständigung beitragen, sagte der Papst in einer Rede am Sitz des Erzbischofs von Dhaka. „Bemüht euch unablässig, Brücken zu bauen und den Dialog zu fördern. Das erleichtert nicht nur die Verständigung zwischen verschiedenen religiösen Gruppen, sondern weckt auch neu die geistlichen Kräfte, die für die Aufbauarbeit des Landes in Einheit, Gerechtigkeit und Frieden nötig sind. […] Wenn die religiösen Oberhäupter sich öffentlich mit einer einzigen Stimme gegen Gewalt unter dem Deckmantel der Religion aussprechen und danach trachten, die Kultur des Konfliktes durch die Kultur der Begegnung zu ersetzen, schöpfen sie dabei aus den tiefsten geistlichen Wurzeln ihrer verschiedenen Traditionen“, sagte der Papst. (rv v. 1. 12.; JA v. 10. 12.)

     

  • Papst Franziskus hat zwei Frauen als Untersekretärinnen der Vatikanbehörde für Laien, Familie und Leben bestellt. Für den Bereich Leben wird die Bioethik-Professorin Gabriella Gambino zuständig sein, für den Bereich Laien die Kirchenrechtlerin Linda Ghisoni, die bisher als Richterin am römischen Diözesangericht wirkte. Ghisoni studierte unter anderem in Tübingen, wo sie das Vordiplom in Philosophie und Theologie erlangte. Die 52-Jährige aus Piacenza ist zweifache Mutter. Frau Gabriella Gambino stammt aus Mailand und ist ausgebildete Politikwissenschaftlerin und Bioethikerin. Sie lehrte bisher Bioethik an der juridischen Fakultät der römischen Universität Tor Vergata. Sie ist 49 Jahre alt und hat fünf Kinder. Untersekretäre gehören zusammen mit Sekretär und Präfekt zum Leitungsteam einer päpstlichen Behörde. Derzeit wirken im Vatikan zwei weitere Frauen als Untersekretärinnen: Flaminia Giovanelli am Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen sowie Schwester Nicla Spezzati an der Ordenskongregation. Die Zahl von vier weiblichen Untersekretären wurde noch nie zuvor erreicht. (rv v. 7. 12.)

     

  • Das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., ist mit der Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität Jerusalem ausgezeichnet worden. Bei einem Festakt in Jerusalem rief der Ökumenische Patriarch am 6. Dezember zum vertieften Dialog der Religionen und einer Kultur der Solidarität auf. Interreligiöser Dialog könne „Vorurteile abschaffen und zu gegenseitigem Verständnis sowie friedlicher Konfliktlösung beitragen“, sagte der 77-Jährige. Die Welt habe in den vergangenen Jahren „eine ernsthafte wirtschaftliche, soziale und politische, mit dem Prozess der Globalisierung und ihren Auswirkungen verbundene Krise erlebt“. Den Herausforderungen könne nur gemeinsam begegnet werden. „Wir brauchen einander, wir brauchen eine gemeinsame Mobilisierung, gemeinsame Bemühungen, gemeinsame Ziele, einen gemeinsamen Geist“, so der Patriarch wörtlich. Die gegenwärtige komplexe Krise sei daher „eine Gelegenheit, Solidarität zu üben“. (kna u. rv v. 7. 12.)

     

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