Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral…)

Mehr Laien soll es in Zukunft in den vatikanischen Gremien geben. Dieses Ziel hat der Präfekt des neuen Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, Kardinal Kevin Joseph Farrell, genannt. In der Verfassung des Dikasteriums ist festgelegt, „dass Untersekretäre Laien seien müssen und Sekretäre Laien seien können“, sagte Kardinal Farrell der Nachrichtenagentur CNA. Sein Dikasterium ist auch für das Weltfamilientreffen 2018 in Dublin, die Jugendsynode im selben Jahr und den Weltjugendtag 2019 in Panama zuständig. Für das Treffen junger Gläubiger aus der ganzen Welt, aber auch für die Synode im Vatikan sollen die Jugendlichen umfassend befragt und daran beteiligt werden. „Wir wissen schon, was die Bischöfe und Priester sagen; jetzt wollen wir wissen, was die jungen Menschen sagen wollen“, sagte Kardinal Farrell. Der entsprechende Fragebogen werde Ende Mai online gestellt. (cna u. rv v. 8. 5.)

 

Für eine Chancengleichheit von Frauen gegenüber Männern hat sich Kurienkardinal Jean-Louis Tauran ausgesprochen. Frauen seien nicht nur zur Mutterschaft, sondern auch zur Wahrnehmung anderer gesellschaftlicher Aufgaben berufen, erinnert der Präsident des Päpstlichen Rates für Interreligiösen Dialog im Interview mit Radio Vatikan. Er äußerte sich am Rande der laufenden Vollversammlung des Dialogrates: „Die Frau hat nicht allein diese Aufgabe der Zärtlichkeit, der Mutter, sondern auch ihren Platz in der Gesellschaft. Frauen sind in der Lage dazu, Verantwortlichkeiten zu haben wie Männer.“ Die Rolle von Frauen bei der Friedenserziehung ist Thema der derzeitigen Vollversammlung des Päpstlichen Dialogrates. Die TeilnehmerInnen spannten einen weiten Bogen von Frauenfiguren der Bibel bis zu heutigen Friedensaktivistinnen und Akteurinnen in Wirtschaft und internationalem Recht. Dazu Tauran: „Es ist gut, diese Perspektiven wahrzunehmen, um einen vollständigen Blick auf die Frau zu erhalten, verstanden als gleichwertig zum Mann gegenüber Gott und in der Gesellschaft. Frauen müssen die gleichen Verantwortlichkeiten haben, die Möglichkeit, dieselben Verantwortlichkeiten wahrzunehmen.“ (rv 8. 6.)

 

„Die Frauenfrage hat Sprengpotential und das muss man auch ernst nehmen“, warnt die Tübinger Professorin für Dogmatik, Johanna Rahner, die Amtskirche. In einem Interview mit dem Portal „katholisch.de“ forderte sie deswegen unter anderem die Priesterweihe für Frauen. Die „Kirche kann es sich auf Dauer weder theologisch noch soziologisch leisten, Frauen nicht zu weihen“, sagte sie. Rahner wirft der römisch-katholischen Kirche in dieser Frage vor, eigene Prinzipien nicht einzuhalten. Sie verweist auf die hohe Zahl von Pastoralreferentinnen in Deutschland: „Auch diese Berufungen wären eigentlich ein Weiheamt, wenn man es ernst nimmt.“ Denn die pastorale Aufgabe sei das Kerngeschäft der Kirche, eine sakramentale Aufgabe, für die es eine Weihe brauche. Professorin Rahner stellt die Kirche deswegen vor eine Entscheidung: „Entweder Frauen gar nichts tun zu lassen oder das, was sie tun, endlich als das zu akzeptieren was es ist, nämlich sakramentales.“ Die einzige und endgültige Konsequenz müsse laut Rahner deswegen die Weihe zu Priesterinnen sein. Auch in Österreich setzt sich – neben der Plattform „Wir sind Kirche“ und der „Laien-Initiative“ auch die „Priester-Initiative“ für die Öffnung des Priesteramtes für Frauen ein. Bei einer Pressekonferenz in Wien forderte am 4. Mai der Vorsitzender der Initiative, Pfarrer Helmut Schüler, dass auch Frauen geweiht werden sollten: „Und zwar nicht wegen des Priestermangels, sondern wegen der Gleichwertigkeit von Mann und Frau.“ (katholisch.de u. rv v. 4. 5.; JA v. 14. 5.)

 

Die Ordensgemeinschaften in Österreich drängen auf eine Lockerung bei den Zulassungsbedingungen zum Priesteramt: Um der „dramatischen Reduzierung der geistlichen Berufe" wirksam entgegenzutreten, brauche es „neue und zukunftsweisende Wege für die Zulassung zum priesterlichen Dienst", heißt es in einer Presseaussendung der Ordensgemeinschaften Österreichs vom 5. Mai. Anlass ist der „Weltgebetstag für geistliche Berufe", den die römisch-katholische Kirche am 7. Mai begeht. Ganz dem Motto des diesjährigen Weltgebetstages entsprechend – „Sei mutig!" – sei die Kirchenleitung im Blick auf die Berufungen in die Pflicht zu nehmen, so Abtpräses Christian Haidinger: „ ;Seid mutig!' – dieses Motto des diesjährigen Gebetstages möchte ich auch dem allseits geliebten Bischof von Rom und seinen vielen Mitbischöfen in aller Welt zurufen". Sonst werde es „von Jahr zu Jahr schwerer, Menschen zum Gebet um geistliche Berufe aufzurufen und zu motivieren". In den vergangenen Jahrzehnten seien die geistlichen Berufungen „dramatisch zurückgegangen […] Viele Pfarren sind verweist und werden notversorgt, Ordensleute müssen sich aus wichtigen Werken zurückziehen und diese an andere Einrichtungen und Institutionen übergeben." (www.katholisch.at u. www.kathpress.at v. 5. 5.; JA v. 14. 5.)

 

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, wünscht sich in der Frage eines möglichen Frauendiakonates auf Seiten der deutschen Bischöfe mehr Entschiedenheit. Das höchste repräsentative Gremium der römisch-katholischen Laien in Deutschland bittet die deutschen Oberhirten, sich in Rom für den sakramentalen Diakonat der Frau einzusetzen. Für einen entsprechenden Antrag sprach sich bei der Frühjahrsvollversammlung des ZdK am 5. Mai in Berlin eine große Mehrheit aus. Sternberg sagte am 6. Mai nach Abschluss der Vollversammlung im Interview mit Radio Vatikan, er orte in der Bischofskonferenz diesbezüglich „mehr Bewegung und Engagement […] Wir leben in einer männergeleiteten, aber zunehmend weiblichen Kirche. Und wenn es da Bewegungen gibt auch in der Ämterfrage und wenn wir mit weiblichen Ämtern weiterkämen, wäre das sicherlich ein ganz bedeutender Schritt.“ Die Argumentation zum Ausschluss von Frauen aus dem Diakonenamt kann Sternberg nicht teilen: „Der Hinweis darauf, das ginge deswegen nicht, weil das dreigestufte Amt ein einheitliches Weiheamt sei, trägt insofern nicht, als dass doch im Zweiten Vatikanischen Konzil, was den Zölibat betrifft, [mit der Wiedereinführung der Amtes des ständigen auch verheirateten Diakons] eine Ausnahmeregelung getroffen wurde: Das Zweite Vatikanische Konzil hat gesagt, für den Diakonat setzen wir den Zölibat zumindest zu Teilen aus.“ (rv v. 6. 5.)

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Zu einem gemeinsamen Fastenbrechen haben sich Anfang Juni in Jakarta Muslime, Christen und Buddhisten getroffen. Sie wollen damit ein Zeichen für kulturelle und religiöse Vielfalt im Land setzen. Wie die Nachrichtenagentur Fides berichtet, stand das Zusammenkommen der Gläubigen und ihrer Religionsführer im Zeichen der „Pancasila“. Das bedeutet „fünf Prinzipien“ und ist die offizielle Staatsideologie Indonesiens. Man wolle mit dem gemeinsamen Fastenbrechen Solidarität bekunden mit den Opfern des Anschlags von Surabaya im Osten Javas, bei dem mindestens 23 Menschen gestorben sind. Das Attentat geht auf das Konto der Jemaah Ansharut Daulah. Doch der Islam stehe im Einklang mit der Pancasila und respektiere religiöse und kulturelle Vielfalt, erklärte James Smith Carrington, auch bekannt als Ustaz James, Mitglied der Nahdlatul Ulama und des „Majlis Ulama Indonesia“. Das Land erlebe jetzt eine Zeit der Intoleranz. „Jeder glaubt im Recht zu sein, schiebt anderen die Schuld für Missstände in die Schuhe und widerspricht damit auch der Charta von Medina“, einer Erklärung Mohammeds, der darin Anhänger andere Religionen, wie Juden und Christen, willkommen hieß, ihre Religionen frei auf islamischen Boden zu praktizieren. Bei einem anderen interreligiösen Treffen wurde ein ähnlicher Impuls gesetzt: Der Islamwissenschaftler Sumanto al Qurtuby betonte während einer Veranstaltung der Theologischen Fakultät der Jesuiten-Universität „Sanata Dharma“ in Yogyakarta: „Indonesien ist unser aller Zuhause. Wir müssen gemeinsam darauf aufpassen.“ Der erste der fünf Grundsätze der Pancasila lautet: „An einen Gott glauben“: Jeder Indonesier hat demnach das staatlich garantierte Recht, eine Religion seiner Wahl auszuüben. Es geht um Religionsfreiheit. (fides u. vn v. 5. 6.)

     

  • Die Synodalität ist eines der großen Anliegen von Papst Franziskus. Er will das synodale Element in der Kirche stärken und dafür auch Anleihen bei der Orthodoxie nehmen. Die Internationale Theologenkommission hat ein Grundsatzpapier zum Thema Synodalität erstellt. „Synodalität“ ist vom Begriff „Demokratie“ zu unterscheiden. „Es geht vielmehr darum, immer da, wo Macht in der Kirche ausgeübt wird, den Communio-Charakter der Kirche zu wahren“, sagte der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke im Gespräch mit dem Kölner Domradio. „Die Universalkirche darf sich nicht gegenüber den Ortskirchen verselbständigen. […] Die Apostelnachfolger können nur dann erfolgreich Gehorsam erwarten, wenn sie ihrerseits auf den sogenannten Glaubenssinn der Gläubigen hören. […] Gewiss, man kann die Kirche nicht an einer Stelle versammeln. Es muss Delegierte geben – Delegierte, die ihren Glauben kirchlich leben. […] Die Synodalität von Entscheidungsprozessen in der Kirche ist strikt zu unterscheiden von dem demokratischen Prinzip, dass stets die Mehrheit entscheidet. Man kann über die Wahrheit, die Christus ist, nicht nach dem Mehrheitsprinzip abstimmen. Jeder weiß, dass die Wahrheit oft nur von einer Minderheit verstanden und gelebt wird. Das gilt übrigens nicht nur für die Wahrheit des Glaubens.“ Und trotzdem: Auch die Synodalität kommt nicht ohne demokratie-ähnliche Elemente aus. „Wenn man in der katholischen Kirche versucht, alle Ebenen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und den von Papst Franziskus immer wieder beschworenen Glaubenssinn der Gläubigen ernst zu nehmen, dann wird man in Zukunft weniger deduktiv als induktiv denken und verfahren. […] Man kann vieles, was Organisation und Struktur in der Kirche betrifft, auch demokratisch regeln. […] Doch wenn es um Glaubensfragen geht, dann entscheiden letztendlich nur die Bischöfe; auch sie nicht einfach durch Mehrheitsbeschluss, sondern in Einheit mit dem vom Papst.“ Das steht in einer Spannung zum Wunsch des Papstes, auch den Bischofskonferenzen eine gewisse lehramtliche Autorität zuzusprechen. Das geht einher mit dem Willen des Papstes zur Dezentralisierung, dass nicht mehr Rom alles und jedes entscheiden muss. (www.domradio.de u. vn v. 26. 5.)

     

  • Papst Franziskus lehnt jeden Versuch ab, in Russland orthodoxe Gläubige für die katholische Kirche abzuwerben. Das sagte er vor einer Delegation des Moskauer Patriarchen Kyrill I., die er am 30. Mai im Vatikan empfing. Der Vatikan gab die Worte des Papstes am 2. Juni zur Veröffentlichung frei. „Ich freue mich, mit euch den Weg der Einheit zu beschreiten“, sagte Franziskus vor der 20-köpfigen Delegation orthodoxer Würdenträger unter Metropolit Hilarion. In Moskau gebe es nur ein einziges Patriarchat, nämlich das der russisch-orthodoxen Kirche. „Wir werden kein weiteres haben“, sagte der Papst. Auch für ihn sei es „schmerzhaft“, wenn „einige katholische Gläubige, seien es Laien, Priester oder Bischöfe, das Banner des Uniatismus tragen“, das heißt, in der orthodoxen Kirche Getaufte für die katholische Kirche abwerben. Uniatismus entspricht bereits seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) nicht mehr der römisch-katholischen Theologie. Es sei ein Fehler zu glauben, Ökumene beginne mit einem dogmatischen Abkommen, das alle Streitfragen kläre, und dann könne man gemeinsam vorangehen. Abermals schlug der Papst die umgekehrte Reihenfolge vor: „Die Ökumene geschieht im gemeinsamen Unterwegssein, im Gebet, bei der Heiligenverehrung und den Werken der Nächstenliebe.“ Wann eine Übereinkunft in lehrmäßigen Fragen erzielt werde, sei offen. Gleichzeitig versicherte der Papst der russischen Delegation, dass die katholische Kirche die Eigenständigkeit der russisch-orthodoxen Kirche respektiere: Sie dürfe „sich nicht in die internen Belange der russisch-orthodoxen Kirche einmischen.“ Und das persönliche Gebet füreinander sei wichig, betonte Franziskus, der den Besuchern anvertraute: „Nachdem ich den Patriarchen getroffen habe [2016 in Havanna], hat er mir eine Reliquie des heiligen Seraphim zukommen lassen. Ich habe diese Reliquie auf meinem Nachttisch, und abends, bevor ich ins Bett gehe, und morgens, wenn ich aufstehe, verehre ich sie und bete für unsere Einheit.“ (vn v. 2. 6.: JA v. 17. 6.)

     

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