Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral…)

Bischof Manfred Scheuer der Diözese Linz ernennt eine Frau als neue Pastoralamtsdirektorin. Die 46-jährige Theologin Gabriele Eder-Cakl folgt dem langjährigen Direktor Wilhelm Viehböck nach. Sie will als Seelsorgerin „für die Menschen da sein, Segen spenden, Farbe ins Schwarz-Weiß-Denken bringen, den interreligiösen Dialog fördern sowie soziale Stimme in der Gesellschaft sein“, so die neue Direktorin. Nach Wien, Klagenfurt und Innsbruck ist Linz jetzt die vierte Diözese mit einer Frau an der Spitze der Pastoralämter. (KircheIn 08/2017)

 

In der Diözese Rouryn-Norand (Kanada) hat eine Ordensfrau mit vatikanischer Genehmigung eine römisch-katholische Trauung geleitet. Englischsprachige Medien deuten den Vorgang als eine besondere Geste von Papst Franziskus, um die Stellung der Frau in der Kirche zu stärken. Dagegen betont der zuständige Ortsbischof Dorylas Moreau im Gespräch mit der US-Presseagentur CNS, es handele sich um eine seit langem bestehende Regelung des Kirchenrechts. Danach können Bischöfe per vatikanischer Sondergenehmigung Laien mit der Leitung einer Trauungszeremonie beauftragen, wenn es vor Ort zu wenig Priester gibt. Gegenseitige Spender des Ehesakraments sind ja die Brautleute selbst. Schwester Pierette Thiffault hatte Ende Juli im Auftrag von Bischof Moreau die Trauung geleitet. Sie hatte das Paar zuvor auf die Spendung des Ehesakramentes vorbereitet. (kna u. rv v. 3. 8.; JA v. 13. 8.)

 

In der August-Ausgabe der „Herder Korrespondenz“ argumentiert die römisch-katholische Dogmatikerin der Universität Tübingen, Johanna Rahner, erneut gegen den Ausschluss der Frauen vom Weiheamt: Der göttliche Logos/Christus sei in erster Linie nicht Mann, sondern Mensch geworden. Selbstverständlich können Frauen Christus „in persona“ repräsentieren. Deshalb ist der Ausschluss nicht zu vertreten und der „katholische gesunde Menschenverstand“ könne hier nur „definitiv nein!“ sagen. (JA v. 6. 8.)

 

Der ungarische Diözesanbischof von Vác, Miklos Beer, glaubt, dass auch verheiratete Männer nach einer entsprechenden Ausbildung als Priester geeignet wären. „Ich glaube, es ist an der Zeit“. Er könne momentan zehn freie Pfarrerstellen in seiner Diözese nicht besetzen. „Es ist nicht länger möglich, so weiter zu machen, dass wir Priester aus dem Ausland, aus Polen oder aus Indien erwarten“, meint Beer. Stattdessen würde er auf Männer zugehen, „die ein glaubwürdiges, schönes Familienleben führen“, und denen man die Leitung einer Kirchengemeinde anvertrauen könne. Mit seinem Anliegen will Beer sich auch an den Papst wenden, sagte der Bischof nach Angaben der Nachrichtenagentur Kathpress in einem Interview. (kap u. rv v. 11. 8.; JA v. 20. 8.; Die Furche v. 17. 8. u. viele Medien.)

 

Die Vatikanzeitung „L‘Osservatore Romano" befasst sich erneut mit der Debatte um das Papstschreiben „Amoris laetitia" zu Ehe und Familie. In ihrer Ausgabe vom 23. August bringt die Zeitung einen Aufsatz des argentinischen Erzbischofs Victor Manuel Fernandez, den er als Gastbeitrag für die Zeitschrift „Medellin" verfasst hat, die der Lateinamerikanische Bischofsrat CELAM herausgibt. Fernandez sieht in dem Papstdokument keinen Bruch mit der Kirchenlehre. Es gehe darum, eine „neue Logik abseits von starren Schemata" zu akzeptieren. Der Erzbischof ist Rektor der Päpstlich-Katholischen Universität Argentiniens (UCA) und ein enger Berater von Papst Franziskus. Eine seelsorgliche Einzelfallentscheidung, die dem Gewissen der Person Rechnung trägt, könne praktische Konsequenzen für den Umgang mit Sakramenten haben. Dies stelle keinen „Bruch, sondern eine harmonische Entwicklung und eine kreative Kontinuität gemäß der Lehre vorhergehender Päpste" dar, so der Erzbischof. (kap u. rv v. 23. 8.)

 

In der Linzer Kirchenzeitung setzt sich der Wiener emeritierte Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner für verheiratete nebenberufliche Pfarrer ein: Er rechne in Zukunft mit „tiefgreifenden“ Veränderungen in der Kirche, z. B. damit, dass es in Zukunft immer mehr „Kirchenbauvereine“ geben werde, die Kirchen in ihrer Gemeinde erhalten wollen, weil sie Teil ihrer Identität sind. Leider „meistert“ die Kirche das Problem des Priestermangels nicht. Dabei hätte sie „alle Möglichkeiten, z. B. Ehrenamtliche, Verheiratete, gut ausgebildete oder neu auszubildende Leute zu weihen“. Zulehner verwies auf einen Vorschlag eines Bischofs in Südafrika: Die priesterlosen Gemeinden sollten ihm einen Dreiervorschlag präsentieren, aus dem er dann Personen zum Priester weiht und zum Pfarrer bestellt. So könne er dann ein „Team von gemeideerfahrenen Personen ordinieren, die nebenberuflich Pfarrer sind“. (JA v. 27. 8.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • In Deutschland ist am 26. Juli erstmals eine christlich-muslimische Kindertagesstätte (Kita) eröffnet worden. Sie hat in Gifhorn (Niedersachsen) unter dem Namen „Abrahams Kinder“ als Träger die römisch-katholische Gemeinde Sankt Altfrid, die evangelische Dachstiftung Diakonie und die deutsch-türkische Moscheegemeinde Ditib. Die Einrichtung soll zur Begegnung der beiden Kulturen beitragen. Die Mitinitiatorin, Schwester Mary Prema Pierick, ist die Generaloberin der Missionarinnen der Nächstenliebe in Kalkutta und hält fest: Die Einrichtung soll zur Begegnung der beiden Kulturen beitragen, aber „keine Bibel-Koran-Schule“ sein. Unter den jetzigen Anmeldungen ist das Verhältnis von Christen und Muslimen in etwa ausgeglichen, auch konfessionslose Kinder sind dabei. Von den vier Erzieherinnen sind zwei christlich und zwei muslimisch. Das Essen in der Einrichtung wird halal-zertifiziert. (JA v. 5.8.)

     

  • Konfessionsverschiedene Ehepartner sollten bei der Eucharistie nicht getrennt werden, fordert der italienische Kardinal Francesco Coccopalmerio in einem Interview mit der Zeitung La Stampa. Nach Ansicht des ehemaligen Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gesetzestexte gibt es keine „berechtige Notwendigkeit“, nichtkatholische Ehepartner von der Kommunion auszuschließen. Der Kardinal reagiert damit auf eine Anfrage der deutschen Bischofskonferenz. Ein „delikates Problem“ sei, dass nach katholischer Lehre beim Sakramenten-Empfang eine Gnadenvermittlung erfolge. Dieser Aspekt müsse mit dem Prinzip der Kircheneinheit abgewogen werden, wobei nach Aussage Coccopalmieros gerade im Fall von Eheleuten der gemeinsame Empfang der Kommunion ein Hoffnungszeichen mit Blick auf eine Vereinigung der Kirchen sein könnte. Einzige Voraussetzung ist für den Kardinal, dass die Nicht-Katholiken glauben, „dass das Brot und der Wein im Eucharistiesakrament Leib und Blut Christi", also der ganze Jesus Christus sind. Die sogenannte „Transsubstantiation“ – die wesenhafte Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut – müsse hingegen nicht unbedingt geglaubt werden. (vn v. 2. 8.; JA v. 12. 8.)

     

  • In Österreich haben Spitzenvertreter der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche sowie der Islamischen Glaubensgemeinschaft und der Israelischen Kultusgemeinde eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der es heißt: „Es gehört untrennbar zu unserem Selbstverständnis als religiöse Menschen, Vertriebenen und Heimatlosen Trost und Hilfe zu geben.“ (KircheIn 08/2018)

     

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