Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral…)

Papst Franziskus hat zwei Frauen als Untersekretärinnen der Vatikanbehörde für Laien, Familie und Leben bestellt. Für den Bereich Leben wird die Bioethik-Professorin Gabriella Gambino zuständig sein, für den Bereich Laien die Kirchenrechtlerin Linda Ghisoni, die bisher als Richterin am römischen Diözesangericht wirkte. Ghisoni studierte unter anderem in Tübingen, wo sie das Vordiplom in Philosophie und Theologie erlangte. Die 52-Jährige aus Piacenza ist zweifache Mutter. Frau Gabriella Gambino stammt aus Mailand und ist ausgebildete Politikwissenschaftlerin und Bioethikerin. Sie lehrte bisher Bioethik an der juridischen Fakultät der römischen Universität Tor Vergata. Sie ist 49 Jahre alt und hat fünf Kinder. Untersekretäre gehören zusammen mit Sekretär und Präfekt zum Leitungsteam einer päpstlichen Behörde. Derzeit wirken im Vatikan zwei weitere Frauen als Untersekretärinnen: Flaminia Giovanelli am Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen sowie Schwester Nicla Spezzati an der Ordenskongregation. Die Zahl von vier weiblichen Untersekretären wurde noch nie zuvor erreicht. (rv v. 7. 12.)

 

Über Dienste und Ämter für Frauen in den christlichen Kirchen haben sich in Osnabrück Theologinnen, Kirchenrechtlerinnen und Seelsorgerinnen ausgetauscht. An dem ökumenischen Kongress „Frauen in kirchlichen Ämtern“ nahm auch der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode teil, der zugleich Vorsitzender der Frauen-Unterkommission der deutschen Bischofskonferenz ist. Er will diese Frage in die Bischofskonferenz hineintragen, wie er beim Kongress erklärte. Auch die römische Glaubenskongregation könne sich durchaus damit befassen, ergänzte der Bischof im Gespräch mit Radio Vatikan. In die gesamte Frage der Ämtertheologie ist Bewegung gekommen, erklärt die Osnabrücker Dogmatikerin Margit Eckholt, die den internationalen Kongress zusammen mit drei weiteren Theologie-Professorinnen ausrichtete: „Es gibt sehr viel Möglichkeiten in der pastoralen Praxis, wie wir an der ‚best practice‘ in der Diözese Osnabrück sehen, die eine Teilhabe von Frauen auch an Leitungsfunktionen vorsieht: als Pastoralreferentin, als Gemeindereferentin, in der Leitung einer Pfarrei. […] Da ist eine Dynamik hineingekommen in der Debatte nach Ämtern und Diensten auch für Frauen.“ Das Argument, dass Jesus ein Mann war und deshalb nur Männer ins sakramentale Amt berufen seien, ist aus heutiger theologischer Sicht überholt, sagt die Kölner Religionsphilosophin Saskia Wendel. Beim Diakonat sei „viel stärker funktional anzusetzen, das heißt, beim konkreten Vollzug, beim Handeln, bei der Praxis. Was ist die Aufgabe? Was steht im Zentrum des Amtes? Und da würde ich sagen: das Amt bezeugt. Es geht um Zeuginnen und Zeugen für die Botschaft Jesu, für das Evangelium, für das Leben in Fülle, in der Praxis der Nachfolge Jesu. So das Amt zu bestimmen, ist etwas, das erst einmal allen zukommt und nicht eine elitäre Angelegenheit ist.“ Der Bischof Bode kann dem zustimmen. „Ich denke, dass die Repräsentation Christi nicht allein durch einen Mann gegeben sein kann, denn jeder Gläubige repräsentiert Christus. Jeder kann Christus so in sich aufnehmen, wie Paulus sagt, nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ In der Abschlusserklärung des Kongresses formulierten die Veranstalterinnen sieben „Osnabrücker Thesen". Darin heißt es etwa, die Unterscheidung von Diensten innerhalb des einen sakramentalen Amtes habe sich geschichtlich entwickelt und könne nun „in ökumenischer Perspektive weiterentwickelt werden“. Alle Dienstämter sollten „für Frauen geöffnet werden“. (rv v. 11. 12.; KI 01/2018)

 

19 pensionierte Nürnberger Geistliche fordern die römisch-katholische Kirche zu Reformen auf und zwar in Bezug auf die Priesterweihe für Verheiratete und den Frauendiakonat. Doch auch bei den Pfarrgemeinden sehen sie Erneuerungsbedarf. Laut dem am 14. Dezember veröffentlichten zweiseitigen Schreiben der Geistlichen mit dem Titel „Träume für eine Kirche von heute und für morgen" sollten Gemeinden künftig ihre Leitung selbst wählen dürfen. Diese Amtsträger würden dann von den Bischöfen für jeweils eine Wahlperiode approbiert und mit den nötigen Vollmachten ausgestattet. Für diese Reformen wünschen sie sich "mutige, verantwortliche Bischöfe und Bischofskonferenzen". Die Geistlichen sprechen sich auch für veränderte Zugänge zu den Weiheämtern aus. So sollte die Priesterweihe wie bei orthodoxen und mit Rom unierten Ostkirchen auch Verheirateten offen stehen. Auch seien die Diakonen- oder andere Weihen für die Frau „nach göttlichem Recht nicht undenkbar". Zudem forderten die Priester ein Mitentscheidungsrecht der Gläubigen bei Pfarreizusammenlegungen und wären „dankbar, wenn den einzelnen Gemeinden diese Eigenverantwortlichkeit gewährt wird". Die Kirche sollte sich zu einer dienenden Kirche wandeln. Dabei berufen sich die 19 Unterzeichner ausdrücklich auf Papst Franziskus. (rv u. kna v.14. 12.)

 

Papst Franziskus hat in der Weihnachtsansprache an seine Mitarbeiter die Verräter in der römischen Kurie kritisiert und warnte vor „Personen, die […] die Größe ihrer Verantwortung nicht verstehen und sich von Ehrgeiz und Ruhmessucht korrumpieren lassen. […] Und wenn sie sanft aus ihrem Amt entfernt werden, erklären sie sich zu Märtyrern des Systems, des ‚schlecht informierten Papstes' und einer ‚alten Garde', anstatt ;mea culpa' zu sagen." Es sei sehr wichtig, diese „unausgeglichene und degenerierte Logik der Komplotte und der kleinen Gruppen [zu überwinden,] „die in Wirklichkeit ein Krebsgeschwür darstellen, das zur Selbstbezogenheit führt". „In Rom Reformen zu machen, ist wie die ägyptische Sphinx mit einer Zahnbürste zu putzen“, sagte Franziskus über die mühsamen Reformen der römischen Kurie. (dpa u. vn v. 21. 12. u. viele Medien)

 

„Ich sehe keinen zwingenden theologischen Grund, warum der Papst keine Frau [zum Kardinal, P. W.] ernennen könnte“, sagte der Erzbischof von Newark (USA), Kardinal Joseph Tobin, im Weihnachtsinterview der „New York Times“. Er verwies auf Fälle von Laien, die bis ins 19. Jahrhundert die Kardinalswürde erhalten haben. Der 65-Jährige verwies auf die wiederholte Ankündigung des Papstes, die Rolle von Frauen in der römisch-katholischen Kirche aufzuwerten. Vereinzelt gebe es inzwischen Frauen in hohen Leitungsposten in der römischen Kurie, „aber ich denke, da muss noch mehr gehen“, so Tobin. (vn u. kna v. 24. 12.)

 

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx fordert einen neuen Umgang mit der kirchlichen Sexualmoral und betont die eigene Gewissensentscheidung. Er wendet sich gegen blinden Rigorismus, denn es sei falsch, „von außen zu sagen, jemand sei in einem Zustand der Todsünde“, das gelte auch bei der Bewertung von Homosexualität. Ohne Blick auf die Gewissenssituation des Einzelnen, ohne Blick auf die konkreten Umstände sei eine Beurteilung von Verhalten nicht möglich, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz im Interview in der „Herder Korrespondenz“. „Natürlich geht es auch um die Verantwortung vor dem Evangelium und der gesamten Lehre der Kirche. Aber dann muss es einen Respekt vor der Entscheidung geben, die einer in Freiheit trifft“. (vn v. 27. 12.)

 

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat sich für mehr Nicht-Priester in der Kirchenleitung ausgesprochen. Für die Leitung von Kongregationen oder Räten im Vatikan gäbe es keine theologische Notwendigkeit einer Weihe, machte Marx in einem Interview der „Herder-Korrespondenz“ deutlich: „Es ist nicht so, als müssten wie in den vergangenen Jahrzehnten alle Kongregationen und Räte nur von Kardinälen geleitet werden. Dafür gibt es keine theologische Notwendigkeit. […] Es schädigt langfristig die Rolle der Priester, wenn wir einen falschen Klerikalismus befördern, wo die einen leiten und die anderen geleitet werden.“ (religion.ORF.at u. APA/KAP v. 27. 12.; KI 01/20181)

 

Der Linzer Alt-Bischof Maximilian Aichern hofft auf baldigen Durchbruch beim Frauen-Diakonat. Schon in seiner aktiven Amtszeit habe er sich dafür eingesetzt und dieses Anliegen in Rom vorgebracht, erklärte er der Linzer „Kirchen-Zeitung“ in einem Interview. „In der Praxis erfüllen ja schon lange viele Frauen den diakonalen Dienst in der Kirche“, so Aichern. Die „Beseitigung der Bremsen, mehr Mut und ein größeres Tempo bei notwendigen neuen Wegen“ sei in der römisch-katholischen Kirche wünschenswert. (JA v. 31. 12.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat die Bedeutung der kulturellen und akademischen Austauschprogramme zwischen dem Moskauer Patriarchat und dem Vatikan gewürdigt. Kyrill empfing am 28. August die Teilnehmer des 5. Sommerkurses für römisch-katholische Priester und Ordensleute. Sie waren Gäste des von Metropolit Hilarion (Alfejew) geleiteten Theologischen Kyrill-Method-Instituts. Die Mitglieder der vatikanischen Delegation besuchten u. a. das Nowospasskij-Kloster und die Synodalabteilung für die Beziehungen der Kirche zur Gesellschaft und zu den Medien, die von Wladimir Legojda, geleitet wird. Man setzt besonders auf eine Zusammenarbeit im Bereich der Caritas-Arbeit, weil dies der beste Weg für die Kirchen ist, einander näher zu kommen. (kap u. vn. v. 1. 9.)

     

  • Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) kündigten an, den interreligiösen Dialog zwischen Islam und Christentum intensivieren zu wollen. Dazu soll ausgehend vom sogenannten „Geschwisterlichkeitsdokument“, das Papst Franziskus und der Großimam der Kairoer Al-Azhar-Universität, Scheich Ahmad Al-Tayyeb, am 4. Februar in Abu Dhabi unterzeichnet hatten, ein „Hohes Interreligiöses Komitee“(HIK) als ein neues Gremium für interreligiösen Dialog gegründet werden. Die Islamische Weltliga begrüßt dieses Vorhaben. Aufgabe des Komitees sei es, Vorschläge und Ziele der katholisch-islamischen Absichtserklärung umzusetzen. In dem „Dokument über die Geschwisterlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ verurteilen der Papst und der Großimam Extremismus im Namen Gottes und werben für die Menschenrechte sowie praktische Zusammenarbeit der Religionen bei der Lösung von Konflikten, in Sachen Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit – besonders Frauen gegenüber. Muhammad bin Abdul Karim Issa, Generalsekretär der Islamischen Weltliga, darüber im Interview mit Vatican News: „Wir haben die Konzepte des Dokuments sehr positiv aufgenommen. Es ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Vatikan, der Al-Azhar-Universität und der islamischen Einrichtung in Mekka. Wir teilen dieselben hohen Menschenwerte. Alle islamischen Theologen der Welt sind sich somit darüber einig, was in dem Dokument über Geschwisterlichkeit festgeschrieben steht.“ Über 1.200 islamische Theologen und Muftis hätten ein gemeinsames Dokument unterzeichnet, in dem das Dokument von Abu Dhabi gewürdigt wird, erinnert er. „Die Islamische Weltliga unterstützt alle Bemühungen, die die Würde und das Leben der Menschen fördern, egal in welcher Gegend der Welt sie leben und welche Religionszugehörigkeit sie haben. Wir sind dankbar für den Einsatz, den Papst Franziskus diesbezüglich zeigt. Er fördert wahrlich die Geschwisterlichkeit unter den Menschen und ist ein Brückenbauer.“ Auch das „Haus der Abrahamitischen Familie“ in Abu Dhabi fördert interreligiöse Aktivitäten. Die Zeitung „The National“ zitiert Kronprinz Mohamed bin Zayyed, demzufolge das neue Gremium HIK nicht nur in den Emiraten, sondern auch in anderen Teilen der islamischen Welt „Toleranz, Zusammenarbeit und Zusammenleben“ fördern soll. Derzeit setzt es sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Bischof Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog; Prof. Dr. Mohamed Hussein Mahrasawi, Präsident der Universität Al-Azhar, Papst-Sekretär Yoannis Lahzi Gaid; Richter Mohamed Mahmoud Abdel Salam, Berater des Großimams; Mohamed Khalifa Al Mubarak, Vorsitzender des Ministeriums für Kultur und Tourismus in Abu Dhabi; Sultan Faisal Al Rumaithi, Generalsekretär des Muslimischen Ältestenrates; und Yasser Hareb Al Muhairi, Schriftsteller und Medienpersönlichkeit aus den Emiraten. (or v. 20. 8.; vn v. 23. 8)

     

  • Im römisch-katholischen Bistum Osnabrück übernehmen auf den Inseln Juist und Langeoog statt eines Priesters jetzt Frauen die Leitung der Gemeinden. Bischof Franz-Josef Bode ernannte auf Juist die Pastorale Mitarbeiterin Michaela Wachendorfer zur Pfarrbeauftragten, auf Langeoog Pastoralreferentin Susanne Wübker. Auf Norderney wurde mit Markus Fuhrmann ein Diakon zum Pfarrbeauftragten ernannt. Schon im vergangenen Dezember wurde Michael Göcking für die Gemeinden Wellingholzhausen und Gesmold im Kreis Osnabrück in dieses Amt berufen. Im kommenden Dezember wird die Gemeindereferentin Christine Hölscher die Leitung der Pfarreiengemeinschaft Bad Iburg/Glane übernehmen. Pfarrbeauftragte leiten die Gemeinden und haben auch die Personalverantwortung. Normalerweise ist diese Tätigkeit einem Geistlichen vorbehalten. Das Kirchenrecht erlaubt aber Ausnahmen bei Priestermangel. Allerdings sind für das Spenden der Sakramente und der Feier des Abendmahls nach wie vor Priester notwendig. Susanne Wübker sehe sich eher als Seelsorgerin: Zum 1. Januar 2018 sei sie vom Bischof in den Kirchenvorstand und auch zur Vorsitzenden berufen worden. „Ich finde es eine tolle Sache, dass es jetzt auch einen offiziellen Anstrich hat“, sagte sie. Allerdings sind die neue Pfarrbeauftragten nicht die ersten Frauen in Deutschland, die eine Kirchengemeinde leiten. Ursula Lux war beispielsweise bereits vor 20 Jahren Pfarrbeauftragte in einer kleinen Gemeinde bei Schweinfurt im Bistum Würzburg. (www.welt.de v. 6. 8.)

     

  • Nordrhein-Westfalen weitet im neuen Schuljahr den gemeinsamen Religionsunterricht von römisch-katholischen und evangelischen SchülerInnen aus. Voraussichtlich 356 Schulen werden den sogenannten „konfessionell-kooperativen Religionsunterricht“ anbieten, teilte das Schulministerium in Düsseldorf mit. Nach Maßgabe der Kirchen dürfen die konfessionellen Grenzen aber nicht verwischt werden. Ein verpflichtender Wechsel zwischen römisch-katholischen und evangelischen FachlehrerInnen soll gewährleisten, dass die SchülerInnen beide konfessionellen Perspektiven kennenlernen. Auf diese neue Form des Religionsunterrichts hatten sich die drei evangelischen NR-WF-Landeskirchen im Rheinland, in Westfalen und Lippe sowie die römisch-katholischen Bistümer Aachen, Essen, Münster und Paderborn geeinigt. „Dieses Angebot stärkt die Gemeinsamkeiten der Konfessionen“, erklärte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Die Zahl der teilnehmenden Schulen steigt in den Grundschulen von 30 (2018/19) auf heuer 59, in den Gesamt-/Sekundarschulen von 46 auf 82, in den Gymnasien von 23 auf 50. (vn [=Vatican News] v. 16. 8.)

     

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