Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral…)

Der Vatikan ehrt in diesem Jahr eine Theologin des 18. Jahrhunderts mit einer Briefmarke. Das geht aus dem Programm des vatikanischen Münz- und Markenamtes vom 2. Jänner hervor. Die Briefmarke bezieht sich auf den 300. Geburtstag der Italienerin Maria Gaetana Agnesi (1718-1799), die auch als Mathematikerin und Wohltäterin wirkte. Sie war die erste Frau, die ein Buch über Mathematik veröffentlichte. In ihrer Heimatstadt Mailand nahm sich die tiefgläubige Gelehrte unbemittelter kranker Frauen an und hielt öffentliche Unterweisungen in Katechismus. Ein Studium in Theologie absolvierte sie nie, doch suchten auch Kirchenmänner wie Kardinal Giuseppe Pozzobonelli ihren Rat in der Beurteilung religiöser Schriften. (vn v. 2. 1.)

 

Der Wiener emeritierte Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner rechnet mit einer baldigen Öffnung des Priesteramtes für verheiratete Männer. „Ich vermute, dass dies lateinamerikanische Bischöfe auf der Amazonas-Synode 2019 beschließen werden. Der Papst dürfte ihnen die Rückendeckung geben", so Zulehner am 5. Jänner in einem Interview mit dem „Kurier". Das werde andere unter Druck setzten, dem Beispiel der Lateinamerikaner zu folgen und auf diese Weise die Kirche verändern. Rom sei heute bereit, in die „Schule der Regionen, der Kontinente und der Bischofskonferenzen" zu gehen, dort zu lernen und Entscheidungen regional zuzulassen, sagte Zulehner. (kap u. vn v. 6. 1.; JA v. 21. 1.)

 

Der Osnabrücker römisch-katholische Bischof Franz-Josef Bode spricht sich für eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Diakonat der Frau aus. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte er: „Ich glaube, dass sich die Bischofskonferenz noch stärker mit diesem Thema beschäftigen muss. […] Ich bin aber der Meinung, dass man nicht nur von der Tradition ausgehen sollte. Wir müssen auch der Tatsache gerecht werden, dass Frauen heute in hohem Maße verantwortungsvolle Tätigkeiten in der Kirche übernehmen.“ Er wünsche sich dazu ein Gespräch mit Expertinnen und den zuständigen Bischöfen in der Bischofskonferenz - und nach Möglichkeit auch mit der zuständigen Kommission in Rom. „Letztlich wird über diese Frage ein Konzil oder eine Synode entscheiden müssen.“ (kna u. vn v. 10. 1.)

 

Als „eine Art ökumenischen Primas“ sieht der scheidende Pfarrer der deutschen evangelischen Gemeinde in Rom, Jens-Martin Kruse, Papst Franziskus. Der Papst habe damit einen „entscheidenden Beitrag zur Annäherung unserer Kirchen geleistet“, so Kruse nach seinem Abschiedsbesuch beim Papst im Gespräch mit „Vatican News“. Es gelte, auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirchen „mutig und zuversichtlich“ weiterzugehen: „Wer den Papst hier in Rom aus der Nähe beobachten kann, den überzeugt diese Idee sehr. Man sieht einfach, wie Papst Franziskus im Alltag das Evangelium verkündet und seinen Dienst, seinen Primat gemäß dem Evangelium lebt. Zugleich erkennt man in Rom, denke ich, ganz gut, dass der Papst weltweit eine wichtige Rolle spielt und jemand ist, der aus dem Glauben heraus zu den großen Fragen und Herausforderungen, vor denen wir insgesamt stehen, Wichtiges zu sagen hat. Und ich glaube schon, dass die Christenheit jemanden braucht, der dies auf Weltebene tun kann – und das ist eben seit 2000 Jahren der Papst, langsam gewöhnen auch wir anderen uns daran.“ Ein derartiger „Ehrenprimat“ könnte vielleicht bei evangelischen Christen mittlerweile etwas von seiner Drohung verloren haben. Kruse erinnerte an eine Ansprache des Papstes am 13. März 2013, „wo er sich auf ein Zitat von Ignatius von Antiochien berufen hat, den Vorsitz in der Liebe. Das ist eine Vorstellung, die auch für orthodoxe Christen denkbar ist, genauso wie für lutherische Christen, und mir scheint, es ist sehr überzeugend, wie Papst Franziskus dieses Bild füllt, und von daher erleben wir im Moment eine ganz besondere Zeit in der Ökumene, weil bei Fragen, die über lange Jahre abgeschlossen schienen, oder wo sich nichts mehr zu bewegen schien, jetzt doch wieder Stück für Stück, langsam etwas in Bewegung kommt. Und mir imponiert das sehr.“ Papst Franziskus hatte Kruse samt dessen Ehefrau und Kindern im Apostolischen Palast empfangen, bevor er als Hauptpastor nach Hamburg wechselt. (kap u. vn v. 12. 1.; JA v. 21. 1.)

 

Der deutsche Bischof Gerhard Feige (Magdeburg) fordert eine stärkere Berücksichtigung der „Geschichtlichkeit" von Kirche und Theologie. Die Berücksichtigung der historischen Dimension aller Äußerungen und Entwicklungen könne zu einem besseren Verständnis der eigenen Identität und Geschichte führen. Nur so können man „Konflikte entschärfen und verantwortbare gemeinsame Lösungen für Gegenwart und Zukunft finden. […] Selbst die Dogmen als verbindliche Lehraussagen sind weder überzeitlich noch absolut formuliert." Vielmehr seien sie historisch bedingt und zumeist als „abwehrende Reaktion auf irgendwelche kritischen Herausforderungen" entstanden. Damit erwiesen sie sich „bei aller Wahrheit, die sie bezeugen, zugleich doch auch schon von vornherein als defizitär, und das heißt: sowohl formal als auch inhaltlich und sachlich begrenzt". Aufgrund dieser Geschichtlichkeit des Dogmas ergebe sich auch die Notwendigkeit, „es vielleicht - durch neuere und tiefere Einsichten begleitet - in einen anderen Kontext übersetzen zu müssen. […] Das muss bei allen Bemühungen um ein besseres Verständnis noch ernster genommen werden", so der Bischof. Feige äußerte sich bei einer Tagung zum 65. Geburtstag des Fundamentaltheologen Michael Gabel in Erfurt. (kap u. vn. v. 12. 1.)

 

In Teheran hat eine 24-jährige Frau die Diakonatsweihe der Armenisch-Apostolischen Kirche empfangen. Die Weihe durch den armenisch-apostolischen Erzbischof von Teheran, Sebouh Sarkissian, sei bereits im September erfolgt. Inzwischen zeigen Fotos die Geweihte beim Altardienst zum orthodoxen Weihnachtsfest. Dem Blog „oxbridgepartners.com“ zufolge ist die Diakonin Ani-Kristi Manvelian im Zivilberuf Anästhesistin. Die Weihe der jungen Iranerin erfolgt in einem Moment, in dem die Armenisch-Apostolische Kirche das Amt des Frauendiakonats formell noch nicht wiederbelebt hat. „Was ich getan habe, ist konform mit der Tradition der Kirche“, betonte Erzbischof Sarkissian. Er wolle mit der Weihe einer Diakonin auch „die Teilnahme der Frauen am liturgischen Leben revitalisieren“. Unter den Ostkirchen hat auch die Synode des griechisch-orthodoxen Patriarchats von Alexandria in Ägypten im November 2016 beschlossen, das Amt des Frauendiakonats wiederzubeleben. Zur Zeit prüft eine eigens ernannte Bischofskommission im Vatikan die Frage. (fides u. vn v. 15. 1.; JA v. 28. 1.)

 

Der Bischof von Little Rock, Anthony Taylor, wird nach eigenen Angaben nicht am lokalen „Marsch für das Leben“ im US-Bundesstaat Arkansas an diesem Freitag teilnehmen. Der Grund liege darin, dass die als Hauptrednerin vorgesehene Generalstaatsanwältin von Arkansas, Leslie Rutledge, römisch-katholische Forderungen nach Gnade für Gefangene in der Todeszelle abgelehnt habe. Sie habe „unermüdlich daran gearbeitet, die Hinrichtung von vier Kriminellen sicherzustellen, die keine weitere Bedrohung für die Gesellschaft darstellten. [… Deshalb sei] sie keine geeignete Sprecherin für das Leben“, hieß es in einem Brief des Bischofs an die Menschen in seiner Diözese, aus dem die deutsche katholische Nachrichtenagentur KNA am Freitag unter Berufung auf das US-Portal CNA zitierte. In den USA findet die größte Kundgebung zum „Marsch für das Leben“ am Freitag in der Hauptstadt Washington statt. Der Protest richtet sich wie seit der ersten Demonstration vor mehr als vier Jahrzehnten gegen die uneingeschränkte Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen im Jahr 1973. (kna u. vn v. 19. 1.)

 

Die Debatte über die Segnung homosexueller Paare in Deutschlands römisch-katholischer Kirche geht weiter: Nach der Anregung des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode von Mitte Januar gibt es jetzt auch in der Diözese Limburg einen konkreten Vorschlag. „Theologisch begründete Segensfeiern“ könne es auch für Paare geben, denen eine kirchliche Eheschließung nicht möglich ist. Einen entsprechenden Vorschlag habe der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz am 20. Jänner beim Stadtkirchenforum II ins Gespräch gebracht. Konkret gehe es um nach einer Scheidung zivil wiederverheiratete sowie um gleichgeschlechtliche Paare, aber auch um Menschen, die sich nach eigener Einschätzung für das Ehesakrament nicht ausreichend würdig sehen. Bei der Veranstaltung in Limburg, die Reformen für die Kirche vor Ort ausloten wolle, habe Eltz vor etwa 170 Teilnehmern betont, für eine solche Segensfeier müsse es verbindliche Richtlinien geben. (kna u. vn v. 21. 1.; JA v. 21. 1.)

 

Der Leiter der vatikanischen Kleruskongregation, Kardinal Beniamino Stella, macht in einem Interviewbuch einen Vorstoß für die Weihe von „Viri probati". Der Italiener Stella hält es für sinnvoll, über die Priesterweihe für ältere verheiratete Männer nachzudenken. Die sogenannten „viri probati" seien eine Hypothese, die „aufmerksam zu bewerten ist, durchaus offen und ohne Engstirnigkeit", sagt der Kardinal in einem Interviewbuch, das jetzt in Italien erschienen ist. Stella leitet die für den Klerus zuständige Vatikanbehörde seit 2013 auf Ernennung von Papst Franziskus. Der Papst selber habe gesagt: „Wir müssen darüber nachdenken, ob die 'viri probati' eine Möglichkeit sind." In dem Interview, in dem Franziskus sich dazu äußere, so Stella, ermahne er die Kirche, „den richtigen Moment zu erkennen, in dem der Geist ihr so etwas empfiehlt". Jüngster Anlass ist eine Synode im Jahr 2019 für die Kirche im Amazonasgebiet, wo wegen der großen Entfernungen starker Priestermangel herrscht. Auch Kardinal Stellas Vor-Vorgänger als Leiter der Kleruskongregation, der brasilianische Kardinal Claudio Hummes, hatte sich kurz vor seinem Amtsantritt im Vatikan 2006 offen für die Frage der „viri probati“ gezeigt. Hummes ist heute Präsident des 2014 gegründeten Amazonas-Netzwerks Repam und gilt gemeinsam mit dem austro-brasilianischen Bischof Erwin Kräutler sowohl als Befürworter der Zulassung ausgewählter verheirateter Männer zum priesterlichen Dienst. Beobachter vermuten, dass die Frage der „viri probati“ dort zur Sprache kommt. (kap u. vn v. 22. 1.; JA v. 4. 2.)

 

Die Deutsche Bischofskonferenz hat erstmals offiziell gewürdigt, dass sich der Verein „Donum Vitae“ für den Schutz des Lebens einsetzt und Erfolge in der Schwangerschaftsberatung erzielt. Weil der Verein den Beratungsschein ausstellt, der nach deutschem Recht für eine Abtreibung erforderlich ist, ist er seit dem Papst Johannes Paul II. (2006) kirchlich nicht anerkannt. Diese Änderung gegenüber dem Verein geht aus einem Schreiben von Kardinal Reinhard Marx an das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hervor. ZdK-Präsident Thomas Sternberg begrüßte die Entscheidung in einem Brief an die Mitglieder als „wichtige Klärung“ und „qualitativen Sprung“. In dem Schreiben an Sternberg heißt es: „Es besteht kein Zweifel, dass das Ziel von ‚Donum Vitae‘ ebenso wie das der bischöflich verantworteten Schwangerenberatung der Schutz des ungeborenen Menschen ist.“ Mit Blick auf kirchliche Arbeitsverhältnisse schreibt Marx: „Deshalb halte ich es für selbstverständlich, dass Personen, die in einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle des ‚Donum Vitae e.V.‘ gearbeitet haben, in bischöflich anerkannten Schwangerenberatungsstellen beschäftigt werden können [...] Ich stelle fest, dass es über die Jahre hinweg auch vielen Beraterinnen von Donum Vitae gelungen ist, zahlreichen Frauen bzw. Eltern Mut zu machen für ein Leben mit dem Kind, und dafür bestmögliche Hilfestellungen zu bieten.“ (kna u. vn v. 24. u. 25. 1.; JA v. 4. 2.)

 

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, sieht in der Debatte um die Weihe verheirateter Männer zu Priestern deutliche Impulse des Papstes, diese Frage anzugehen. „Wenn heute ein Bischof in Deutschland den Mut hätte, ein paar Männer, vielleicht Diakone, zu Priestern zu weihen, würde er aus Rom keinen Protest erfahren“, sagte Sternberg am 24. Jänner vor Journalisten in Nürnberg. Ihm gehe es darum, wie Gläubigen die Feier der Eucharistie ermöglicht werde. Auch Laien brauchen mehr Mut. Die Laien in der Kirche rief Sternberg zu mutigen Schritten in der Übernahme von Verantwortung auf. „Wir brauchen Menschen, die sich selbst ermächtigen, als zu oft zu fragen“, sagte er. Diese könnten Männer, Frauen, Ehren- oder Hauptamtliche sein, die eine entsprechende Begabung hätten, „unabhängig von der Frage, welche zugeschriebene Kompetenz sie haben“. Deshalb müssten diese auch keine Priester sein. (JA v 4. 2.)

 

Die römisch-katholische Kirche Südafrikas bittet um Vergebung für ihr Schweigen unter dem Apartheid-Regime. „Wir haben das Bedürfnis, die Zeit zu bereuen, in der wir stumm geblieben oder sogar zu einem Teil des Kolonialsystems und der Apartheid geworden sind.“ Das Apartheid-Regime in Südafrika, das eine strikte Rassentrennung durchsetzte und die schwarze Bevölkerung diskriminierte, ist 1991 zu Ende gegangen. Erzbischof Brislin sprach auch die Skandale von sexuellem Missbrauch von Minderjährigen durch Priester oder Kirchenmitarbeiter an. Auch hier bitte die Kirche um Entschuldigung. „Heute arbeiten wir mit allen Kräften daran, diese Sünde zu verhindern und die Kinder zu beschützen.“ (vn v. 26. 1.)

 

Der angesehene Jesuitenpater Klaus Mertes hat Papst Franziskus wegen seiner Bereitschaft gelobt, Fehler im Umgang mit chilenischen Missbrauchsopfern einzuräumen und sie um Entschuldigung zu bitten. In der Wochenzeitung „Die Zeit“ erklärte er das Dilemma: Einerseits seien Missbrauchsopfer darauf angewiesen, dass man ihnen glaube; andererseits hätten bezichtigte Personen das Anrecht auf ein faires Verfahren und auf die Unschuldsvermutung. Der Papst sagte während seines Chilebesuchs, für Vertuschungsvorwürfe gegen den chilenischen Bischof Juan Barros lägen keine Beweise vor und sprach dabei von „Verleumdung“. Dies hatte weltweit für Entrüstung gesorgt. Auch der Papstvertraute und Leiter der vatikanischen Kinderschutzkommission, Kardinal Sean O´Malley, hat die Wortwahl des Papstes öffentlich kritisiert. Auf dem Rückflug von seiner Lateinamerikareise sagte er vor Journalisten, die Formulierung, viele Missbrauchsopfer könnten keine Beweise für das Erlittene beibringen¸ sei unglücklich gewesen. Das Wort „Beweis“ habe die Opfer verletzt. Deshalb bitte er um Entschuldigung. (kna u. vn v. 26. 1.; JA v. 4. 2.; KI 2/2018)

 

Der ungarische Diözesanbischof von Vac, Miklos Beer, fordert mehr Offenheit in der römisch-katholischen Kirche gegenüber wiederverheiratet Geschiedenen und plädiert für eine Abkehr vom Pflichtzölibat. „Schlägt ein Mann seine Ehefrau, die sich dann von ihm scheiden lässt, warum sollte man dieser Frau die Sakramente verweigern, denn sie ist ja das Opfer“, zitiert die Zeitung „Zoom“ den 74-jährigen Bischof. Die Kirche dürfe sich „nicht hinter Paragrafen verschanzen“, um ihr Gewissen zu beruhigen, sondern müsse für jede einzelne Situation eine passende Lösung finden, sagte Beer. Vor dem Hintergrund des wachsenden Priestermangels plädierte der Bischof für eine Abkehr vom Pflichtzölibat. Geistliche sollten diesbezüglich in ihrer Wahl frei sein. Der Bischof ist dafür, geeignete verheiratete Männer nach einer entsprechenden Priesterausbildung zu weihen: „Ich würde solche Männer suchen, die angesehen, glaubwürdig, in ihrem Glauben und Beruf erwachsen und verheiratet sind.“ (JA v. 28. 1.)

 

Der emeritierte Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger plädiert dafür, verheiratete Priester zuzulassen. Er erinnert an einen Vorschlag kam aus dem Vatikan: Der Präfekt der Kleruskongregation, Kardinal Beniamino Stella, hatte sich vor Kurzem für die Weihe von bewährten verheirateten Männern zu Priestern ausgesprochen. Für Biesinger ist klar: Der Priester mit Zivilberuf wird kommen. „Mein Hauptanliegen ist es, dass es vor allem Priester mit zivilen Berufen gibt, weil wir in den Segmenten der Lebenswelten der Menschen präsenter sein müssen. Wir verlieren Schritt für Schritt die sakramentale Präsenz in der Fläche. Ob in den Krankenhäusern oder in den Dörfern – überall ist dies der Fall. […] Wenn ein Pfarrer fünf oder sechs Dörfer hat, dann ist doch gescheiter, er wäre der Leiter einer Kleingruppe von Priestern mit Zivilberuf, die in den Dörfern als Handwerker oder Lehrer oder Informatiker tätig sind, sich zum Priester ausbilden lassen und am Sonntag eine Gemeinde führen.“ Biesinger empfiehlt für diese Priester die Entwicklung eines theologischen Bachelor-Studiengangs, in dem grundlegende und für die Praxis notwendige Inhalte gelehrt werden müssten. „Wenn in einem Dorf im ländlichen Gebiet ein sehr anerkannter Bauer entscheidet, sich zum Priester zu weihen, dann ist das doch eine Aufwertung für das Priesteramt und nicht eine Frage von Zwei-Klassen-Priestern.“ (vn v. 30. 1.)

 

Das Bistum Passau will künftig junge Menschen erst mit 16 Jahren zur Firmung zulassen, schreibt Bischof Dr. Stefan Oster auf der Homepage des Bistums. Der Wunsch das Firmsakrament zu empfangen, soll zunächst aus einer bewussten, freien, aber auch verbindlichen Entscheidung der jungen Menschen kommen. Dann jedoch müssten sie auf die Feier des Sakraments gut vorbereitet werden. Ein neues, möglichst einheitliches Konzept werde in der kommenden Zeit auf breiter Basis ausgearbeitet. „Nach vielen Gesprächen und Überlegungen sind wir in verschiedenen Gremien, mit Priestern, Diakonen und pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu dem Ergebnis gekommen, das Firmalter heraufzusetzen“, so der Bischof. Für das Bistum Passau heißt das konkret, dass ab 2019 überall dort, wo bislang 12- bis 14jährige gefirmt wurden, die Feier der Firmung zunächst ausgesetzt wird. (bistum passau u. vn v. 31. 1.)

 

Liberale Auslegung von des päpstlichen Schreibens „Amoris laetitia" in Portugal: Neuer Leitfaden des portugiesischen Primas Erzbischof Jorge Ferreira da Costa Ortiga zur Familienseelsorge: Wiederverheiratete Geschiedenen sollen „nach mehreren Schritten und einem Prozess von mehreren Monaten" selbst eine „Entscheidung vor Gott" treffen. Bei diesem Prozess gebe es weder vorgefertigte Antworten noch festgelegte Ziele. (kap v. 30. 1.; JA v. 11. 2.)

 

Der orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) weihte am 31. Jänner zusammen mit dem Weihbischof Franz Scharl eine Marien-Ikone für die Kapelle „Raum der Stille“ am Wiener Hauptbahnhof. An der Segnungsfeier nahmen auch zahlreiche Geistliche und Gläubige beider Kirchen teil. Der ca. 30 Personen Platz bietende multikonfessionelle Raum steht allen Kirchen zur Verfügung. Durch einen verschiebbaren Altar ist er nicht nur religiös, sondern auch für kulturelle Veranstaltungen nutzbar. (JA v. 11. 2.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Zu einem gemeinsamen Fastenbrechen haben sich Anfang Juni in Jakarta Muslime, Christen und Buddhisten getroffen. Sie wollen damit ein Zeichen für kulturelle und religiöse Vielfalt im Land setzen. Wie die Nachrichtenagentur Fides berichtet, stand das Zusammenkommen der Gläubigen und ihrer Religionsführer im Zeichen der „Pancasila“. Das bedeutet „fünf Prinzipien“ und ist die offizielle Staatsideologie Indonesiens. Man wolle mit dem gemeinsamen Fastenbrechen Solidarität bekunden mit den Opfern des Anschlags von Surabaya im Osten Javas, bei dem mindestens 23 Menschen gestorben sind. Das Attentat geht auf das Konto der Jemaah Ansharut Daulah. Doch der Islam stehe im Einklang mit der Pancasila und respektiere religiöse und kulturelle Vielfalt, erklärte James Smith Carrington, auch bekannt als Ustaz James, Mitglied der Nahdlatul Ulama und des „Majlis Ulama Indonesia“. Das Land erlebe jetzt eine Zeit der Intoleranz. „Jeder glaubt im Recht zu sein, schiebt anderen die Schuld für Missstände in die Schuhe und widerspricht damit auch der Charta von Medina“, einer Erklärung Mohammeds, der darin Anhänger andere Religionen, wie Juden und Christen, willkommen hieß, ihre Religionen frei auf islamischen Boden zu praktizieren. Bei einem anderen interreligiösen Treffen wurde ein ähnlicher Impuls gesetzt: Der Islamwissenschaftler Sumanto al Qurtuby betonte während einer Veranstaltung der Theologischen Fakultät der Jesuiten-Universität „Sanata Dharma“ in Yogyakarta: „Indonesien ist unser aller Zuhause. Wir müssen gemeinsam darauf aufpassen.“ Der erste der fünf Grundsätze der Pancasila lautet: „An einen Gott glauben“: Jeder Indonesier hat demnach das staatlich garantierte Recht, eine Religion seiner Wahl auszuüben. Es geht um Religionsfreiheit. (fides u. vn v. 5. 6.)

     

  • Die Synodalität ist eines der großen Anliegen von Papst Franziskus. Er will das synodale Element in der Kirche stärken und dafür auch Anleihen bei der Orthodoxie nehmen. Die Internationale Theologenkommission hat ein Grundsatzpapier zum Thema Synodalität erstellt. „Synodalität“ ist vom Begriff „Demokratie“ zu unterscheiden. „Es geht vielmehr darum, immer da, wo Macht in der Kirche ausgeübt wird, den Communio-Charakter der Kirche zu wahren“, sagte der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke im Gespräch mit dem Kölner Domradio. „Die Universalkirche darf sich nicht gegenüber den Ortskirchen verselbständigen. […] Die Apostelnachfolger können nur dann erfolgreich Gehorsam erwarten, wenn sie ihrerseits auf den sogenannten Glaubenssinn der Gläubigen hören. […] Gewiss, man kann die Kirche nicht an einer Stelle versammeln. Es muss Delegierte geben – Delegierte, die ihren Glauben kirchlich leben. […] Die Synodalität von Entscheidungsprozessen in der Kirche ist strikt zu unterscheiden von dem demokratischen Prinzip, dass stets die Mehrheit entscheidet. Man kann über die Wahrheit, die Christus ist, nicht nach dem Mehrheitsprinzip abstimmen. Jeder weiß, dass die Wahrheit oft nur von einer Minderheit verstanden und gelebt wird. Das gilt übrigens nicht nur für die Wahrheit des Glaubens.“ Und trotzdem: Auch die Synodalität kommt nicht ohne demokratie-ähnliche Elemente aus. „Wenn man in der katholischen Kirche versucht, alle Ebenen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und den von Papst Franziskus immer wieder beschworenen Glaubenssinn der Gläubigen ernst zu nehmen, dann wird man in Zukunft weniger deduktiv als induktiv denken und verfahren. […] Man kann vieles, was Organisation und Struktur in der Kirche betrifft, auch demokratisch regeln. […] Doch wenn es um Glaubensfragen geht, dann entscheiden letztendlich nur die Bischöfe; auch sie nicht einfach durch Mehrheitsbeschluss, sondern in Einheit mit dem vom Papst.“ Das steht in einer Spannung zum Wunsch des Papstes, auch den Bischofskonferenzen eine gewisse lehramtliche Autorität zuzusprechen. Das geht einher mit dem Willen des Papstes zur Dezentralisierung, dass nicht mehr Rom alles und jedes entscheiden muss. (www.domradio.de u. vn v. 26. 5.)

     

  • Papst Franziskus lehnt jeden Versuch ab, in Russland orthodoxe Gläubige für die katholische Kirche abzuwerben. Das sagte er vor einer Delegation des Moskauer Patriarchen Kyrill I., die er am 30. Mai im Vatikan empfing. Der Vatikan gab die Worte des Papstes am 2. Juni zur Veröffentlichung frei. „Ich freue mich, mit euch den Weg der Einheit zu beschreiten“, sagte Franziskus vor der 20-köpfigen Delegation orthodoxer Würdenträger unter Metropolit Hilarion. In Moskau gebe es nur ein einziges Patriarchat, nämlich das der russisch-orthodoxen Kirche. „Wir werden kein weiteres haben“, sagte der Papst. Auch für ihn sei es „schmerzhaft“, wenn „einige katholische Gläubige, seien es Laien, Priester oder Bischöfe, das Banner des Uniatismus tragen“, das heißt, in der orthodoxen Kirche Getaufte für die katholische Kirche abwerben. Uniatismus entspricht bereits seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) nicht mehr der römisch-katholischen Theologie. Es sei ein Fehler zu glauben, Ökumene beginne mit einem dogmatischen Abkommen, das alle Streitfragen kläre, und dann könne man gemeinsam vorangehen. Abermals schlug der Papst die umgekehrte Reihenfolge vor: „Die Ökumene geschieht im gemeinsamen Unterwegssein, im Gebet, bei der Heiligenverehrung und den Werken der Nächstenliebe.“ Wann eine Übereinkunft in lehrmäßigen Fragen erzielt werde, sei offen. Gleichzeitig versicherte der Papst der russischen Delegation, dass die katholische Kirche die Eigenständigkeit der russisch-orthodoxen Kirche respektiere: Sie dürfe „sich nicht in die internen Belange der russisch-orthodoxen Kirche einmischen.“ Und das persönliche Gebet füreinander sei wichig, betonte Franziskus, der den Besuchern anvertraute: „Nachdem ich den Patriarchen getroffen habe [2016 in Havanna], hat er mir eine Reliquie des heiligen Seraphim zukommen lassen. Ich habe diese Reliquie auf meinem Nachttisch, und abends, bevor ich ins Bett gehe, und morgens, wenn ich aufstehe, verehre ich sie und bete für unsere Einheit.“ (vn v. 2. 6.: JA v. 17. 6.)

     

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