Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedenene, Moral…)

Die römisch-katholische Kirche in Kerala (Südindien) initiiert eine Gruppe von Priestern, Ordensschwestern und Laien, um auf die pastoralen Bedürfnisse transsexueller Menschen einzugehen. In Indien leben nach Angaben der römisch-katholischen Agentur ucanews geschätzte 500.000 Transsexuelle, die oft von ihren Familien geächtet werden. Sie würden bettelnd auf der Straße enden oder durch den Sexhandel ausgebeutet werden, weil sie keine Unterstützung bezüglich Erwerbstätigkeit, Gesundheit und Bildung erfahren. Mitte Dezember stellten die Schwestern vom Berg Karmel ihre Räumlichkeiten in Kochi als Schule für Aussteiger unter den Transsexuellen zur Verfügung, sagte Pater Madassey vom Kerala Catholic Bishops´ Council. (ucanews u. www.de.radiovaticana.va v. 3. 1.2017)

 

Papst Franziskus ist aus Sicht des brasilianischen Befreiungstheologen Leonardo Boff ein „Befreiungstheologe in der argentinischen Version“. Jorge Mario Bergoglio, der jetzige Papst, habe als Student zu den begeistertsten für diese Art der Befreiungstheologie gehört, sagte Boff. „Er hat schon damals dafür votiert: Einmal pro Woche sollte man einen Besuch in einem Elendsviertel organisieren. Und tatsächlich, das ganze Leben hindurch hat er das durchgehalten.“ Boff hatte in den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts die sogenannte „Theologie der Befreiung“ mitentwickelt. Die vatikanische Glaubenskongregation distanzierte sich in einer Instruktion 1984 von Boffs Ausformung der Befreiungstheologie. Dann wurde er gemaßregelt und trat aus dem Franziskanerorden aus. Boff sagte in dem „taz“-Interview, dass Papst Franziskus ihm erklärt habe: „Ich will die ungerechte Strafe kompensieren, die über Sie verhängt wurde.“ Dies sei von Franziskus „mutig“ gewesen. (www.de.radiovaticana.va v.  7. 1.)

 

Im Bistum Rom können wiederverheiratete Geschiedene in bestimmten Einzelfällen die Kommunion empfangen. Das geht aus Richtlinien von Kardinalvikar Agostino Vallini zur Anwendung des päpstlichen Schreibens „Amoris laetitia“ hervor, aus denen das Internetportal „Vatican Insider“ am 7. Jänner zitierte. Die Priester sollten übermäßige Strenge ebenso wie Laxheit vermeiden, so Vallini. Franziskus habe in seinem Schreiben keineswegs gesagt, wiederverheiratete Geschiedene müssten die Kommunion bekommen. Er habe nur nicht ausgeschlossen, dass dies unter bestimmten Bedingungen möglich sei, betonte der Kardinal. Vallini ist der Stellvertreter von Papst Franziskus als Bischof von Rom. (www.de.radiovaticana.va v. 8. 1.)

 

Jugend, Glauben, Berufung: Um dieses Thema kreist das Vorbereitungsdokument für die nächste Bischofssynode im Oktober 2018. Der etwa zwanzig Seiten schlanke Text, zu dem auch wieder ein Fragebogen gehört, soll in Bistümern, Pfarreien, Orden und Verbänden weltweit das Nachdenken über eine Neujustierung der kirchlichen Jugendpastoral anstoßen. Auch Jugendliche können sich über eine Internetseite an der Vatikanumfrage beteiligen. Das erhöht die Chancen, dass ihre Vorstellungen in den Grundlagentext der Synode einfließen werden. Dieser Grundlagentext war noch nicht das „Instrumentum laboris“ für die Synode, sondern nach eigenen Angaben „eine Art Karte, ... um eine Suchbewegung zu fördern“. Ein erster Blick des Textes gilt der Lage von Jugendlichen in der rapide sich ändernden Welt von heute; die Rede ist von einer „hyper-vernetzten Generation“, umgeben von Multireligiosität, „Flüchtigkeit und Vorläufigkeit“. Der zweite Textteil bietet Anregungen, wie man jungen Menschen heute helfen kann, Entscheidungen im Bereich von Ehe oder religiöser Berufung zu treffen. Das dritte Kapitel heißt „Die pastorale Tätigkeit“ und bemüht sich um einige konkrete Hinweise für Jugendpastoral, etwa den, dass „die Jugendlichen Subjekt und Objekt der Pastoral“ zugleich sein sollten. Die Gesellschaft behandle Jugendliche „oft wie eine unnütze oder unbequeme Sache“. Diesen Fehler dürfe die Kirche nicht machen. Im Fragebogen gibt es erstmals eigene Sparten für einzelne Kontinente; das soll den Redakteuren, die später das „Instrumentum laboris“ zusammenstellen, die Arbeit erleichtern. (www.de.radiovaticana.va v. 13. 1.)

 

Zu ihrem 50jährigen Priesterjubiläum kritisieren elf Kölner Priester den derzeitigen Reformstau in der römisch-katholischen Kirche. In ihrem Offenen Brief wenden sie sich gegen die Bildung von Großpfarren, den Pflichtzölibat und den Ausschluss von Frauen von den Weiheämtern. Ihre Erwartungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil sind leider enttäuscht worden. Besonders bedrückt sie ihre derzeitige Einsamkeit als „alternde Ehelose“. (http://www.sueddeutsche.de v. 13. 1.; JA v. 29. 1.)

 

Der Erzbischof von Malta, Charles Scicluna wehrt sich gegen Kritik an der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten. Er und sein Amtsbruder Mario Grech, Bischof der zu Malta gehörenden Insel Gozo, hätten sich eng an das päpstliche Schreiben „Amoris laetita“ gehalten. Die Richtlinien an die Priester Maltas enthielten umfangreiche Zitate aus dem Dokument und konzentrierten sich auf den vom Papst betonten Begriff „Unterscheidung“, sagte Scicluna gegenüber der maltesischen Zeitung „Times of Malta“. Wiederverheiratete Geschiedene können zur Kommunion gehen und auch beichten, wenn sie „im Frieden mit Gott“ leben. Dem muss laut den Leitlinien eine ehrliche Gewissensprüfung vorausgehen. Wenn eine getrennt oder geschieden lebende Person, die in einer neuen Beziehung ist, mit einem „aufgeklärten Gewissen“ glaube, dass sie mit Gott im Frieden sei, könne sie „nicht von der Teilnahme an den Sakramenten der Versöhnung und der Eucharistie ausgeschlossen werden“. (kna u. www.de.radiovaticana.va v. 17. 1.; JA v. 29. 1.)

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Das deutsche Bundesinnenministerium will stärker gegen eine ausländische Einflussnahme auf in der Bundesrepublik lebende Muslime vorgehen, kündigte Staatssekretär Markus Kerber an. In einem Interview des „Tagesspiegels“ am 3. September sagte er, „wir haben viel zu lange dabei zugesehen, wie Kräfte aus dem Ausland den deutschen Muslimen vorschreiben, wie sie ihre Religion zu leben haben. […] Wir wollen für die deutschen Muslime mehr Gesprächsformate schaffen. Auch der Minister wird die deutschen Muslime offensiv ermuntern, die Debatte um einen deutschen Islam zu führen. […] Wir wollen helfen, dass Muslime in Deutschland ihre eigene Religiosität finden. Das wird Ankara womöglich nicht gefallen und zu Konflikten führen. Aber das werden wir aushalten.“ Kerber sagte weiter, er sei „begeistert“, wie groß die Zahl der „sachkundigen muslimischen Gesprächspartner“ in der Zwischenzeit geworden sei. Sie nähmen für sich in Anspruch, „ihre deutsche Heimat“ mitzugestalten. Dabei wolle er sie unterstützen. (kna u. vn v. 3. 9.)

     

  • Für eine offene und vielfältige Kirche hat sich der der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München-Freising, Kardinal Marx, ausgesprochen. „Wir können keine Kirche sein, die uniform ist, sondern wir müssen eine Kirche sein, die die Vielfalt annimmt, liebt und im Glauben gestaltet“, schrieb Marx in einem Gastbeitrag für die Freiburger Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“. Kirche sei niemals Selbstzweck. Der christliche Glaube sei „in der Gemeinschaft ausgerichtet auf die ganze Welt“. Im Blick auf Säkularisierungstendenzen seien Christen heute besonders gefordert, ihren Glauben öffentlich zu leben und damit andere zum Christentum einzuladen, erklärte er. (kna u. vn v. 6. 9.)

     

  • Der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatius Aphrem II. hat die Schweiz gebeten, bei den Bemühungen um die Freilassung der beiden vor fünf Jahren entführten Aleppiner Metropoliten Mor Gregorius Youhana Ibrahim und Boulos Yazigi eine führende Rolle einzunehmen. Die beiden Metropoliten werden möglicherweise in der Provinz Idlib, dem letzten unter der Kontrolle der islamistischen Milizen stehenden Gebiet Syriens, festgehalten. An dem Treffen nahmen alle im Libanon residierenden christlichen Patriarchen teil: der maronitische Kardinal-Patriarch Mor Bechara Boutros Rai, der griechisch-orthodoxe Patriarch Youhanna X., der syrisch-katholische Patriarch Mor Ignatius Yousef III. Younan, der griechisch-katholische Patriarch Yousef Absí und der armenmisch-apostolische Katholikos von Kilikien, Aram I. Auch der Apostolische Nuntius im Libanon, Erzbischof Joseph Spiteri, war anwesend. Bei der Begegnung wurden die guten Beziehungen zwischen dem Libanon und der Schweiz betont. (kap u. vn v. 1. 9.)

     

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