Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedenene, Moral…)

Die deutschen Bischöfe wollen die Ehe- und Familienpastoral neu ausrichten. Dabei buchstabieren sie Vorschläge des Papstschreibens Amoris laetitia für die deutsche Praxis durch. Zwar gehöre die Unauflöslichkeit der Ehe „zum unverzichtbaren Glaubensgut der Kirche“, doch zugleich sollten „die Betroffenen“ erfahren, „dass ihre Kirche sie nicht fallen lässt […] Im Umgang mit den wiederverheiratet Geschiedenen muss deutlich werden, dass sie zur Kirche gehören, Gott ihnen seine Liebe nicht entzieht und sie gerufen sind, die Gottes- und Nächstenliebe zu praktizieren.“ In Einzelfällen könnten Geschiedene, die wiedergeheiratet hätten, zu Beichte und Kommunion zugelassen werden. Doch eine solche Entscheidung brauche genaue Selbstprüfung und einen von einem Seelsorger begleiteten „Prozess der Entscheidungsfindung“. „Zu vermeiden sind sowohl die Haltung eines Laxismus ohne intensives Hinsehen […] als auch eine rigoristische Haltung“. Natürlich sei es „wichtig“, über die „Sinnhaftigkeit“ des Ehesakraments zu predigen, doch genüge es nicht, „sich auf die Verkündigung von Prinzipien zurückzuziehen“. Paare und Familien hätten es heute in vielerlei Hinsicht schwer, entsprechend breit müsse das „Hilfeangebot“ aufgestellt sein. „Nur so kann Kirche menschenfreundlich und hilfsbereit im Alltag der Menschen erlebt werden.“ (dbk u. www.de.radiovaticana.va v. 1. 2.)

 

Mit Martina Kraml gehört erstmals seit dem Tod von Dekanin Herlinde Pissarek-Hudelist (1932-1994) wieder eine Frau dem Kollegium der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Innsbruck an. Martina Kraml übernimmt am 1. März die Professur für „Katechetik/Religionspädagogik und Religionsdidaktik“ und folgt am Institut für Praktische Theologie auf den emeritierten Universitätsprofessor Matthias Scharer. Die in Vorarlberg geborene Martina Kraml ist seit ihrem Doktoratsstudium an der Innsbrucker Fakultät tätig, zuletzt als assoziierte Universitätsprofessorin am Institut für Praktische Theologie. Sie bleibt weiterhin Studienbeauftragte der Fakultät für das Studium der katholischen Religionspädagogik und das Lehramtsstudium. (religion.ORF.at u. KAP v. 22. 2.)

 

Kurienkardinal Gianfranco Ravasi hält einen Diakonat der Frau für möglich. „Aber natürlich muss darüber diskutiert werden, die historische Tradition ist sehr komplex“, sagte der Präsident des Päpstlichen Kulturrates am 24. Februar im Interview mit der KNA. Der Kurienkardinal kritisierte zugleich eine Fixierung auf das Frauenpriestertum als „klerikal“. Stattdessen sollte über andere wichtige Funktionen von Frauen in der Kirche nachgedacht werden: Etwa den Bereich der Katechese, der Freiwilligenarbeit, der Finanzen und der architektonischen Planung könne sich Ravasi gut unter der Führung von Frauen vorstellen. Auch in den Vatikan-Behörden könnten Frauen stärker vertreten sein. Das sei ein Wunsch des Papstes, so der Kurienkardinal, der am Päpstlichen Kulturrat erstmals ein rein weibliches Beratergremium einrichten ließ. Für Veränderungen in diesem Bereich brauche es jedoch Geduld, so der 74-jährige Kardinal weiter. Papst Franziskus hatte im August 2016 eine wissenschaftliche Kommission zur Untersuchung der Geschichte des Frauendiakonats berufen. Sie soll sich mit dem Amt weiblicher Diakone befassen, „vor allem mit Blick auf die frühesten Zeiten der Kirche“. (kap v. 24. 2. u. kna v. 25. 2.)

 

Polens Kirche ruft zum ersten Gebetstag für Missbrauchsopfer auf. Am ersten Freitag in der Fastenzeit soll landesweit für die Opfer von sexuellem Missbrauch durch Priester gebetet werden. So wollen sich die Kirche und besonders die Priester für die „Sünde mancher unserer Brüder entschuldigen“, sagte Erzbischof Wojciech Polak am 24. Februar der polnischen Nachrichtenagentur KAI. Zudem gehe vom Bußgebetstag die Botschaft „null Toleranz für Pädophilie“ aus. In Polen wurden in den vergangenen Jahren mehrere Priester wegen Sexualverbrechen zu Haftstrafen verurteilt. Mit dem Bußgebetstag entspreche man einer Bitte von Papst Franziskus an alle Bischofskonferenzen, so Polak. Anlass sei die Fastenzeit, die den Menschen zur Bekehrung ihrer Herzen dienen solle. (www.de.radiovaticana.va v. 25. 2.)

 

Zum Weltfrauentag am 8. März diskutieren Frauen im Vatikan über Perspektiven für eine stärkere weibliche Präsenz in Führungspositionen der römisch-katholischen Kirche. Die Tagung wird vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst, der Initiative „Voices of Faith“ („Stimmen des Glaubens“), sowie von der Fidel-Götz-Stiftung im Vatikan organisiert. Im Mittelpunkt der eintägigen Veranstaltung stehen die Berichte von vier Frauen, die sich für Flüchtlinge, Menschenrechte und Abrüstung einsetzen. Eröffnet wird sie vom Generaloberen des Jesuitenordens, Pater Arturo Sosa. Papst Franziskus hat sich wiederholt für eine stärke Präsenz von Frauen in kirchlichen Führungspositionen ausgesprochen. Im Dezember berief er erstmals eine Frau zur Leiterin der Vatikanischen Museen. Bereits zum vierten Mal organisiert die in Liechtenstein ansässige Fidel-Götz-Stiftung zum Weltfrauentag eine Konferenz im Vatikan; in diesem Jahr erstmals in Kooperation mit dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst. Die Stiftung setzt sich nach eigenen Angaben für die Rechte von Frauen und Mädchen ein. (kna v. 28. 2.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Papst Franziskus hat Kirche in Bangladesch zur Friedensarbeit gemeinsam mit anderen Religionen ermutigt. Die Bischöfe sollten unablässig das Gespräch und den Kontakt mit anderen Religionsgemeinschaft suchen und mittels Bildungsarbeit zur interreligiösen Verständigung beitragen, sagte der Papst in einer Rede am Sitz des Erzbischofs von Dhaka. „Bemüht euch unablässig, Brücken zu bauen und den Dialog zu fördern. Das erleichtert nicht nur die Verständigung zwischen verschiedenen religiösen Gruppen, sondern weckt auch neu die geistlichen Kräfte, die für die Aufbauarbeit des Landes in Einheit, Gerechtigkeit und Frieden nötig sind. […] Wenn die religiösen Oberhäupter sich öffentlich mit einer einzigen Stimme gegen Gewalt unter dem Deckmantel der Religion aussprechen und danach trachten, die Kultur des Konfliktes durch die Kultur der Begegnung zu ersetzen, schöpfen sie dabei aus den tiefsten geistlichen Wurzeln ihrer verschiedenen Traditionen“, sagte der Papst. (rv v. 1. 12.; JA v. 10. 12.)

     

  • Papst Franziskus hat zwei Frauen als Untersekretärinnen der Vatikanbehörde für Laien, Familie und Leben bestellt. Für den Bereich Leben wird die Bioethik-Professorin Gabriella Gambino zuständig sein, für den Bereich Laien die Kirchenrechtlerin Linda Ghisoni, die bisher als Richterin am römischen Diözesangericht wirkte. Ghisoni studierte unter anderem in Tübingen, wo sie das Vordiplom in Philosophie und Theologie erlangte. Die 52-Jährige aus Piacenza ist zweifache Mutter. Frau Gabriella Gambino stammt aus Mailand und ist ausgebildete Politikwissenschaftlerin und Bioethikerin. Sie lehrte bisher Bioethik an der juridischen Fakultät der römischen Universität Tor Vergata. Sie ist 49 Jahre alt und hat fünf Kinder. Untersekretäre gehören zusammen mit Sekretär und Präfekt zum Leitungsteam einer päpstlichen Behörde. Derzeit wirken im Vatikan zwei weitere Frauen als Untersekretärinnen: Flaminia Giovanelli am Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen sowie Schwester Nicla Spezzati an der Ordenskongregation. Die Zahl von vier weiblichen Untersekretären wurde noch nie zuvor erreicht. (rv v. 7. 12.)

     

  • Das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., ist mit der Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität Jerusalem ausgezeichnet worden. Bei einem Festakt in Jerusalem rief der Ökumenische Patriarch am 6. Dezember zum vertieften Dialog der Religionen und einer Kultur der Solidarität auf. Interreligiöser Dialog könne „Vorurteile abschaffen und zu gegenseitigem Verständnis sowie friedlicher Konfliktlösung beitragen“, sagte der 77-Jährige. Die Welt habe in den vergangenen Jahren „eine ernsthafte wirtschaftliche, soziale und politische, mit dem Prozess der Globalisierung und ihren Auswirkungen verbundene Krise erlebt“. Den Herausforderungen könne nur gemeinsam begegnet werden. „Wir brauchen einander, wir brauchen eine gemeinsame Mobilisierung, gemeinsame Bemühungen, gemeinsame Ziele, einen gemeinsamen Geist“, so der Patriarch wörtlich. Die gegenwärtige komplexe Krise sei daher „eine Gelegenheit, Solidarität zu üben“. (kna u. rv v. 7. 12.)

     

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