„Katholisch - also weltumspannend - sein bedeute per se das Aushalten von Pluralität“, betonte der Pastoraltheologe Univ.-Prof. Christian Bauer von der Universität Innsbruck.

Anders als bei seinen beiden Vorgängern entwickelt sich unter Papst Franziskus eine „neue katholische Streitkultur“. Der Papst habe dies etwa bei der Weltbischofssynode zu Ehe und Familie im vergangenen Herbst selbst gefördert, als er die Synodalen dazu aufforderte, über durchaus kontroverse Themen „mit Freimut zu sprechen“ und andere Standpunkte „mit Demut zu hören“. Und in seiner Schlussansprache habe Franziskus in realistischer Einschätzung angemerkt, manches der besprochenen Themen sei für den einen Bischof „normal“, für den anderen aber „ein Skandal“. Bauer erinnerte in seinem Vortrag über „Inspirationen für den pastoralen Umgang mit Pluralität“ auf der diesjährigen österreichischen Pastoraltagung unter dem Thema „Pluralität in Gesellschaft und Kirche“ in Salzburg daran, dass der Kirche „Pluralität im eigenen Haus“ gleichsam eingeschrieben sei: Schon in den Anfängen des Christentums sei Petrus für „Sammlung“ eingetreten, Paulus hingegen für „Sendung“. (redaktion.kathpress.at v. 9. 1.; http://religion.orf.at vom 9. 1.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der Sultan von Oman, Qabus bin Said, hat wesentlichen Anteil an der Freilassung des indischen Salesianerpaters Thomas Uzhunnalil in Jemen. Der von jemenitischen IS-Terroristen im März 2016 entführte Priester wurde am 12. September freigelassen, nachdem sich Sultan Qabus sehr energisch für ihn eingesetzt hatte. Auch die Indische Diplomatie war seit Monaten darum bemüht. (CSI-Zeitung 10/2017)

     

  • In einer Kirche zu Mittag essen – darf man das? Diese Frage kam nach dem Papstbesuch in Bologna am 1. Oktober auf. Dort nämlich lud Papst Franziskus Flüchtlinge, Bedürftige und Gefängnisinsassen zum Mittagessen in die Basilika des heiligen Petronius unweit der Kathedrale. Die Bilder des Mahls in der Kirche erhitzten die Gemüter, ob damit nicht die „Sakralität des Ortes“ entweiht werde. Das Kirchenrecht verbietet im Kirchenraum alles, „was mit der Heiligkeit des Ortes unvereinbar ist“. Der Papstvertraute Antonio Spadaro, Leiter der Jesuiten-Zeitschrift „Civiltà Cattolica“, hat eine klare Antwort: „Die Heiligkeit des Ortes wird in keiner Weise durch die karitative Handlung angegriffen. Das gilt vor allem in einer geordneten Situation, wie es am Sonntag geschehen ist […] Papst Franziskus hat im Kirchgebäude mit Armen und Benachteiligten gegessen, das ist eine hohe Handlung der barmherzigen Liebe und somit ein grundlegendes Prinzip des Christentums. Ich würde sogar sagen, diese Geste unterstreicht den Einsatz der Kirche am Dienst an den Nächsten. […] Der Herr hat doch gerade dieses Bild des Mahles am Tisch für die Eucharistie ausgewählt. Deshalb finde ich es sehr schön, dass das Brot miteinander geteilt wird. Das schenkt doch der Eucharistiefeier sogar noch mehr Würde und Güte.“ In diesem Zusammenhang wurde in den Kommentaren kritisiert, dass die derzeitige Eucharistiefeier viel zu wenig eine „Essensfeier“ wäre. (rv v. 4. 10.; JA v. 15. 10.)

     

  • Die römisch-katholische und die evangelische Kirche von Berlin und Brandenburg bietet nun auch einen konfessionsübergreifenden Religionsunterricht an. Die Bischöfe Heiner Koch und Markus Dröge werden am 6. Oktober einen entsprechenden Vertrag unterzeichnen. Der kooperative Unterricht sei jedoch nur für diejenigen Fälle gedacht, wo die erforderliche Gruppengröße für konfessionellen Unterricht nicht erreicht wird oder aufgrund von Lehrermangel nicht unterrichtet werden kann. In beiden Bundesländern ist Religion kein ordentliches Schulfach. (kna u. rv [= de.radiovaticana.va] v. 4. 10.; JA v. 15. 10.)

     

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