Ökumene

Das Moskauer Patriarchat will die Rolle der mit Rom unierten Ostkirchen aufarbeiten. Bei der bevorstehenden Vollversammlung der Internationalen Kommission für den offiziellen theologischen Dialog zwischen der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche soll es insbesondere um die „kanonischen und pastoralen Konsequenzen“ der Handlungen der griechisch-katholischen Kirche gehen. Die Versammlung findet vom 15. bis 22. September im italienischen Chieti statt. Extreme anti-russisch-orthodoxe Äußerungen in Bezug auf die „allukrainischen Kreuzprozession für Frieden, Liebe und Gebet“ seien der Grund für diesen Diskussionswunsch, wie die gutinformierte Stiftung „Pro Oriente“ am 3. August berichtet. Seit zwei Jahren – also nach der sogenannten Euromaidan-Revolution von 2014 in Kiew – wechseln etliche orthodoxe Pfarreien des Moskauers Patriarchats zur orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats. Dieser „Abwanderung“ entgegen zu treten, sei der Hauptgrund für die oben erwähnte jüngste Prozession der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats gewesen. Auch habe der griechisch-katholische Großerzbischof Schewtschuk dem Moskauer Patriarchat vorgeworfen, den Dialog mit der ukrainischen Gesellschaft zu verweigern und dadurch jegliche Bodenhaftung zu verlieren. (www.de.radiovaticana.va u. kap v. 3. 8.)

 

 

Die Philosophisch-theologische Hochschule „Benedikt XVI.“ in Heiligenkreuz (NÖ) wird im kommenden Studienjahr drei orthodoxe Studenten aus Syrien gratis studieren lassen. Sie stammen aus der umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo. Die Initiative erfolge auf Bitte des in Österreich tätigen syrisch-orthodoxen Chorepiskopos Emanuel Aydin, wie das Stift Heiligenkreuz auf seiner Website mitteilt. Es sei schon lange Tradition der Hochschule, dass man orthodoxe Studenten einlade und studieren lasse: „Da in Syrien gerade Horror und Chaos herrschen, wollen wir dieses Engagement verstärken“. Nach dem Studium sollten die jungen Leute dann einen Beitrag zum Wiederaufbau ihrer Heimat leisten können. Die Hochschule ist mit 300 Studierenden – davon mehr als 150 Ordensleute und Priesteramtskandidaten – die größte Priesterausbildungsstätte im deutschen Sprachraum. (www.de.radiovaticana.va u. kap 8. 8.)

 

In Jordanien wird eine ökumenische Initiative ins Leben gerufen, um gemeinsam den Flüchtlingen zu helfen. Das berichtet der vatikanische Pressedienst „Fides“ am 9. August. Die neue Hilfsinitiative wurde am 8. August in Amman vorgestellt. Das Projekt wird von der Caritas Jordanien und der US-Caritas „Catholic Relief Services“ (CRS) unterstützt und soll das Zusammenwirken der Kapazitäten zwischen den verschiedenen christlichen Kirchen in Jordanien fördern. Damit soll vor allem die Hilfe vor Ort in den verschiedenen Bereichen beschleunigt werden. Unter den insgesamt zehn Arbeitsgruppen, die sich an dem Projekt beteiligen, befinden sich die griechisch-orthodoxe Jungendbewegung und Nichtregierungsorganisationen, wie die „Orthodox Progress Association“. (www.de.radiovaticana.va u. fides v. 9. 8.)

 

Ein ökumenisches Novum in Deutschland: Erstmals unternehmen Mitglieder der römisch-katholischen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche eine gemeinsame Pilgerreise ins Heilige Land. Unmittelbar vor Beginn des Reformationsjahres 2017 soll die Fahrt den „gemeinsamen Auftakt zu dem zwischen beiden Kirchen verabredeten Christusfest“ bilden, teilten die beiden Kirchen mit. Vom 16. bis 22. Oktober nehmen je neun Mitglieder an der Pilgerreise teil. Zur EKD-Delegation gehören der bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm als Ratsvorsitzender, die westfälische Präses Annette Kurschus, die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, und der Catholica-Beauftragte der Lutheraner, Landesbischof Karl-Hinrich Manzke (Bückeburg). Von Seiten der Bischofskonferenz kommen u.a. ihr Vorsitzender, Kardinal Reinhard Marx (München), der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der emeritierte Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch und der Vorsitzende der Ökumenekommission, der Magdeburger Bischof Gerhard Feige. „Die Rückbesinnung auf die gemeinsamen Wurzeln unseres Glaubens [soll] im Zentrum“ so Marx. Nach Bedford-Strohm werde mit der Reise deutlich, „dass trotz der Trennungen der Reformationszeit beide Kirchen heute mehr verbindet als trennt und sie sich gemeinsam auf den einen Herrn Jesus Christus ausrichten“. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 19. 8.; JA v. 28. 8.)

 

Die Solidarität der Christen von Aleppo untereinander ist nach Angaben des syrischen Jesuitenpaters Ziad Hilal ungebrochen: „Einerseits ist die Lage unendlich traurig. Andererseits gibt es dort einen großen Zusammenhalt – gerade in den christlichen Gemeinden.“ Das sagte der Geistliche nach Angaben des Hilfswerks „Kirche in Not“ am 19. August. Die Kirchen stellten gemeinsam viel Hilfe und Unterstützung auf die Beine. Die humanitäre Situation ist in Aleppo katastrophal. Man biete den Menschen soviel Hilfe wie nur möglich an, „damit sie trotz allem Elend eine Zukunftsperspektive in ihrer Heimat haben“, unterstrich Hilal. Denn wenn sie wegzögen, setze sich ihr Leidensweg meist woanders fort. In einer Suppenküche von Aleppo würden täglich 7.500 Menschen mit warmen Mahlzeiten versorgt. „Das Team besteht aus Christen und Muslimen“, so der Priester. „Das ist ganz praktische Versöhnungsarbeit.“ Beide Religionen hätten in Syrien seit Jahrhunderten friedlich zusammengelebt, sie wollten es auch in Zukunft tun. „Alle eint die Angst vor dem Terror der Islamisten.“ In Aleppo, der zweitgrößten syrischen Stadt, leben dem Vernehmen nach noch rund 40.000 Christen. „Es sind nur noch die Ärmsten da“. Eine Lösung des Konflikts könne weder durch Waffen noch aus dem Ausland kommen. „Wir müssen zu einem Dialog innerhalb Syriens finden“, meint der Priester. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 19. 8.; JA v. 28. 8.)

 

Zum Auftakt der gemeinsamen Synode der Waldenser und Methodisten hat Papst Franziskus eine Grußbotschaft gesendet. Darin schreibt der Papst, dass er viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Katholiken und Protestanten sehe, z. B. bei der gemeinsam Hilfe für Arme, Kranke und Migranten. Gleichzeitig sei der gemeinsame Einsatz für den Umweltschutz und die Glaubensverkündung wichtig. Man dürfe nicht leugnen, dass es weiterhin Unterschiede zwischen den „Kirchen“ [sic!] gebe, doch er bete für den „Weg zur vollen Einheit“, heißt es in dem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichneten Schreiben zum Auftakt der Synode. Die Waldenser in Italien sind diesbezüglich zuversichtlich, es ist sogar die Rede von einer „neuen Zeit des Dialogs“ mit der römisch-katholischen Kirche. Das sagt Eugenio Bernardini, Moderator der „Tavola Valdese“, dem wichtigsten Gremium der Waldenser-Methodisten in Italien, gegenüber Radio Vatikan: „Es kommt eine Zeit der Öffnung auf uns zu und des zunehmenden Vertrauens im Austausch miteinander, der in den vergangenen Jahren ein wenig gestockt hat“. Die Einheit der Christen sei für die heutige, sich wandelnde Welt notwendig, fügt Bernardini an. „Zwar drückt sich das heute noch in getrennten kirchlichen Institutionen aus, aber hoffentlich sind wir alle in den wesentlichen Dingen einig“. Die Ökumene und das 500. Reformationsgedenken sind Themen der Synode der Waldenser- und Methodisten-Kirchen. Die im 12. Jahrhundert vom Lyoner Kaufmann Petrus Valdes (um 1140-1206) gegründete Glaubensgemeinschaft zählt heute rund 100.000 Mitglieder. Die meisten von ihnen leben in Italien. Unter den 180 Teilnehmern der Synode sind auch Abgesandte der Italienischen Bischofskonferenz. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 22. 8.)

 

Der orthodoxe Patriarch-Katholikos von Georgien hat eine schöne ökumenische Geste gesetzt und Papst Franziskus sein Mitgefühl mit dem Leid der Erdbebenopfer von Mittelitalien ausgesprochen. „In dieser schweren Zeit für Ihr Volk und Ihr Land möchte ich Sie wissen lassen, dass Sie auf unsere Unterstützung zählen können und wir Ihr Leid teilen“, schrieb Erzbischof Ilia II. im Namen der Georgisch-orthodoxen Apostelkirche. (www.de.radiovaticana.va v. 26. 8.)

 

Die Franziskanerhochschule Roms hält in Saloniki mit der dortigen orthodoxen theologischen Fakultät am 29. August ein ökumenisches Symposion ab. Dass in Europa viele Christen kaum etwas von ihrer Religion wissen oder am religiösen Leben ihrer Gemeinschaft teilnehmen, ist eine Herausforderung, schreibt Papst Franziskus in einer Gruß-Botschaft für das vierzehnte „interreligiöse Symposium“. Das Thema ist die „Wieder-Evangelisierung“ der christlichen Gesellschaft in Europa. In seinem Schreiben betont der Papst, er erhoffe sich, dass durch den offenen und ehrlichen Austausch auf Symposien wie dieser Wege einer erneuerten Verkündigung erschlossen würden. (www.de.radiovaticana.va v. 29. 8.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Communio" einen Beitrag zum christlich-jüdischen Dialog veröffentlicht. Ziel des Benedikt-Textes sei zunächst nur eine private Reflexion auf die nachkonziliare Absage an die sogenannte „Substitutionstheorie" – die Vorstellung, die Kirche sei an die Stelle Israels getreten – und über den „nie gekündigten Bund" „Beide Thesen […] sind im Grunde richtig, sind aber doch in vielem ungenau und müssen kritisch weiter bedacht werden". Denn es habe eine „Substitutionstheorie" „als solche nicht gegeben" und es komme dem Judentum aus christlicher Sicht stets ein besonderer Status zu, insofern das Judentum „nicht eine Religion unter anderen" sei, sondern „in einer besonderen Situation steht und daher auch als solches von der Kirche anerkannt werden muss". Es gibt aber auch bleibende Differenzen wie z. B. die Messias-Frage: Für das Judentum bleibe ein gewisser messianischer Verheißungsüberschuss, denn Jesus habe ja kein messianisches Friedensreich gegründet, sondern seine Messianität verstanden als „eine Zeit der Freiheit". Auch die Frage des „nie gekündigten Bundes" zwischen Gott und den Juden verlange nach Differenzierungen, etwa in dem Sinne, dass es nicht nur den einen Bund zwischen Gott und seinem Volk gab, sondern viele unterschiedliche Bünde. „Die Formel vom ‚nie gekündigten Bund‘ mag in einer ersten Phase des neuen Dialogs zwischen Juden und Christen eine Hilfe gewesen sein, taugt aber nicht auf Dauer, um die Größe der Wirklichkeit einigermaßen angemessen auszudrücken", so Benedikt XVI. (kap u. vn v. 6. 7.)

     

  • Weitere deutsche Bischöfe haben angekündigt, die Kommunion für evangelische Ehepartner im Einzelfall zuzulassen: der „Ökumene-Bischof“ Gerhard Feige, der Hamburger Erzbischof Stefan Heße und der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz Franz-Josef Bode. Der Magdeburger Bischof Feige erklärte, er bereite derzeit ein Schreiben vor, in dem er den Priestern seines Bistums die Beachtung der Orientierungshilfe der deutschen Bischofskonferenz nahelegt. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode will die Kommunion ebenfalls in Einzelfällen öffnen. Auch der Hamburger Bischof empfiehlt den Seelsorgern in seiner Diözese in einem Schreiben die Orientierungshilfe. Er persönlich sehe in dem dort angedeuteten Weg eine Möglichkeit, wie es zu einem verantworteten Sakramentenempfang im Einzelfall kommen könne, schreibt Heße. Auch aus Paderborn war bekannt geworden, dass Erzbischof Hans-Josef Becker in Einzelfällen die Teilnahme protestantischer Ehepartner an der Kommunion ermöglichen wolle. Die deutschen Bischöfe hatten in einer im Februar mit Dreiviertel-Mehrheit verabschiedeten „Orientierungshilfe“ betont, evangelische Ehepartner könnten im Einzelfall und unter bestimmten Voraussetzungen die Kommunion empfangen. Jeder Bischof soll selbst über den konkreten Umgang mit dem Thema in seiner Diözese entscheiden. (kap u. vn v. 3. 7.)

     

  • Die Internationale Anglikanisch-Katholische Kommission (ARCIC) hat eine Erklärung über die Kirche als lokale und universale Gemeinschaft veröffentlicht. In dem 68-seitigen Dokument geht es um die gemeinsamen theologischen Prinzipien beider Kirchen, um die unterschiedlichen Strukturen der Entscheidungsfindung sowie um die Möglichkeiten, voneinander zu lernen. Der Text „Walking Together on the Way: Learning to be Church - Local, Regional, Universal" wurde bereits bei einer Tagung im Mai 2017 in Erfurt verabschiedet, aber erst am 2. Juli veröffentlicht. Die Erklärung soll als Grundlage für weitere Diskussionen gelten. Der australische Theologe Ormond Rush legte das Papier im Namen des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen vor und betonte, es gebe viele Parallelen zwischen den Möglichkeiten des Lernens für die römisch-katholische Kirche, die in dem Dokument vorgeschlagen sind, und der Vision, die Papst Franziskus für die Erneuerung der Kirche gemäß des Zweiten Vatikanischen Konzils habe. Das Dokument legt auch die Notwendigkeit für die römisch-katholische Kirche nahe, die Autorität der Bischofskonferenzen klarer zu umreißen. Die Erklärung sei – methodisch und substanziell – ein bedeutender Schritt nach vorn für die katholisch-anglikanische Ökumene, hieß es von römisch-katholischen Beteiligten. Die anglikanischen Mitglieder lobten das „Bekenntnis zur Einheit". Sie schlugen zudem vor, die römisch-katholische Praxis eines gemeinsamen Heiligenkalenders zu übernehmen sowie einen weltweiten Katechismus und ein einheitliches Kirchenrecht zu entwickeln. ARCIC begann ihre Arbeit nach dem historischen Treffen 1966 zwischen Papst Paul VI. und dem anglikanischen Erzbischof von Canterbury, Michael Ramsey. (vn u. kap v. 5. 7.)

     

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