Ökumene

Die römisch-katholische und die evangelische Kirche von Berlin und Brandenburg bietet nun auch einen konfessionsübergreifenden Religionsunterricht an. Die Bischöfe Heiner Koch und Markus Dröge werden am 6. Oktober einen entsprechenden Vertrag unterzeichnen. Der kooperative Unterricht sei jedoch nur für diejenigen Fälle gedacht, wo die erforderliche Gruppengröße für konfessionellen Unterricht nicht erreicht wird oder aufgrund von Lehrermangel nicht unterrichtet werden kann. In beiden Bundesländern ist Religion kein ordentliches Schulfach. (kna u. rv [= de.radiovaticana.va] v. 4. 10.; JA v. 15. 10.)

 

Das Kirchenrecht muss sich permanent dem Kirchenbild anpassen, das sich durch das Zweite Vatikanische Konzil weiterentwickelt hat. Das schreibt Papst Franziskus in einem Brief zur Hundertjahrfeier des ersten Kodex des Kirchenrechts. Wichtig seien ihm dabei die Punkte „Kollegialität, Synodalität, mehr Verantwortung für die Ortskirchen und Mitverantwortung aller Christgläubigen für die Mission der Kirche“. Es sei „nötig, dass das Kirchenrecht immer der konziliaren Ekklesiologie entspricht“. Er habe die Hoffnung, dass das Kirchenrecht zu einem „Werkzeug“ werde, um eine „langfristige Rezeption“ des Zweiten Vatikanischen Konzils zu erleichtern. Der erste Kodex des Kirchenrechts wurde im Mai 1917 vom damaligen Papst Pius X. in Kraft gesetzt. (rv v. 7. 10.)

 

Es ist ein besonderer Abschluss für die Ökumene-Initiativen im Reformationsgedenkjahr 2017 auf römischem Boden: Am 10. Oktober wurde in der deutschsprachigen römisch-katholischen Kirche Santa Maria dell’Anima eine dreiwöchige Ausstellung rund um Luther und die Reformation eröffnet. Initiiert von der deutschen Botschaft in Rom und in Zusammenarbeit mit der deutschen lutherischen Gemeinde wurde die Ausstellung mit dem Titel „Here I stand“ auf 15 ausziehbaren Leinwänden erarbeitet. Damit möchte man in den nächsten Wochen gezielt den Römern die Person Martin Luthers, seine Zeit und die Vielschichtigkeit des deutschen Reformators näherbringen. Doch warum geschieht dies ausgerechnet in einer römisch-katholischen Kirche? Der evangelische Pfarrer in Rom, Jens-Martin Kruse, dazu: „Das ist an sich schon ein starkes ökumenisches Zeichen und macht deutlich, wie weit und wie gut heute die Ökumene in Rom ist. Dafür darf man dankbar sein“. „ Es geht vor allem um das gegenseitige Verständnis. In dieser Ausstellung wird wirklich sehr viel präzises Wissen vermittelt in einer sehr anschaulichen Weise“, erklärt der Rektor der deutschsprachigen Gemeinde, Franz Xaver Brandmayr. „Polemik hatten wir genug, die hat uns nicht weitergebracht. Je mehr man Fakten sammelt und versteht, und je mehr man dann über diese Fakten einander versteht, und je mehr wir darüber hinaus miteinander arbeiten an dem, was uns aufgetragen ist im Reich Gottes, desto mehr kommen wir zusammen.“ (rv vom 10. 10.)

 

Mögliche Impulse des Reformationsjubiläums 2017 für die Ökumene wurden bei einem Symposion am 18. Oktober in Wien diskutiert. Der Vorsitzende der Wiener Diözesankommission für ökumenische Fragen, Univ.-Prof. Rudolf Prokschi, erinnerte an die historische Begegnung in der Kathedrale von Lund am 31. Oktober 2016. Damals unterzeichneten Papst Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof Mounib Younan, eine Erklärung anlässlich des gemeinsamen katholisch-lutherischen Reformationsgedenkens. Darin sei festgehalten, dass die Ökumene für alle Kirchen bzw. Christen eine Pflicht sei. Im Grunde seien die Kirchen durch die gegenseitige Anerkennung der Taufe auch bereits eine Gemeinschaft. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in der himmlischen Herrlichkeit auch keine getrennten Abteilungen haben werden", so Prokschi. „Reformiert sein bedeutet immer auch ökumenisch sein", betonte der reformierte Landessuperintendent und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Thomas Hennefeld: „Unsere Gründungsväter in Zürich und Genf haben immer schon klar erkennen lassen, dass es nur diese eine Kirche Jesu Christi gibt.“ Eine zerrissene Kirche sei letztlich etwas, worunter alle leiden würden. Das habe schon Johannes Calvin erkannt. Die ökumenische Bewegung in Österreich sei vorbildhaft. Er sprach von einem „neuen Schwung" durch das Jubiläumsjahr 2017, weil man vor allem auch der römisch-katholischen Kirche die Reformationsbewegung habe näher bringen können; sowohl auf Ebene der Kirchenleitungen wie auch in den Pfarrgemeinden. So würden etwa auch viele Gottesdienste am kommenden Reformationstag (31. Oktober) ökumenisch begangen. „Und das ist schon ein sehr schönes Zeichen." Auch die evangelisch-lutherische Theologin Dorothea Haspelmath-Finatti zog eine sehr positive Bilanz zum Jubiläumsjahr. Das Thema ihres Referats war "Die Liturgie und ihre Funktion für die Ökumene". Der Grinzinger Pfarrer und Neutestamentler Prof. Hubert Ritt betonte, dass man jetzt mehr voneinander wisse und einander noch besser kenne. Vor allem im sozialen Bereich könne man viel gemeinsam tun. In Diözesen, wo es annähernd gleich viele Katholiken wie Protestanten gibt, sollte man etwa auch eine stärkere Zusammenarbeit bis hin zur Zusammenlegung von Caritas und Diakonie andenken. Auch in der Bildungs-, Jugend- und Bibelarbeit gebe es in der Ökumene noch viel Luft nach oben, so der Bibelwissenschaftler, der auch Mitglied der Päpstlichen Bibelkommission ist. Zu dem Symposion hatte die Wiener Diözesankommission für ökumenische Fragen gemeinsam mit dem Ökumene-Ausschuss des Vikariats Wien-Stadt und der Stiftung „Pro Oriente" eingeladen. (www.erzdioezese-wien.at u. kathpress.at vom 19. 10.)

 

Fünfzig Jahre fruchtbaren Dialog zwischen Katholiken und Methodisten würdigte Papst Franziskus am 19. Oktober bei seinem Treffen mit einer Delegation des Methodistischen Weltrates im Vatikan. Der Papst erinnerte in seiner Ansprache an die bereits errungenen Fortschritte in den Beziehungen. „Dank dieser 50 Jahre geduldigen und geschwisterlichen Dialoges können wir uns wahrhaft gegenseitig mit den Worten des Heiligen Paulus sagen: ,Ihr seid nicht mehr Fremde.´ “ Dieses gelte nicht nur für das Herz, sondern – dank der gegenseitig anerkannten Taufe - auch für die Teilhabe am Herrn. Damit sei es jedoch nicht getan, der Dialog müsse insbesondere im Hinblick auf Versöhnung und volle Einheit weiter vertieft werden, betonte Franziskus vor den rund fünfzig Delegierten des Weltrates, der 80 Millionen Methodisten vertritt. „Möge eure Arbeit für die Versöhnung ein Geschenk sein“, so der Papst, „und dies nicht nur für unsere Gemeinschaften, sondern für die Welt: möge es alle Christen anspornen, überall Vertreter der Versöhnung zu sein.“ Im Anschluss an seine Ansprache betete er gemeinsam mit den Besuchern das Vaterunser. (rv v. 19. 10.)

 

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. lobt Papst Franziskus. Dessen Pontifikat sei in positiver Weise „radikal“. Es gebe nichts Radikaleres, als an einen Gott zu erinnern, der die Welt aus Liebe erschaffe, bekräftigte der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel in einem Zeitungsinterview. Das tue in besonderer Weise Papst Franziskus. Bartholomaios I. hob in dem Interview das besondere Verhältnis zwischen ihm und dem Papst hervor. Dieses könne die gewachsenen kanonischen und theologischen Grenzen der beiden Kirchen zwar nicht auflösen, aber das persönlich gute Verhältnis spiele eine „belebende Rolle auf dem Weg zur Wiederversöhnung“. (kna u. rv v. 20. 10. u. JA v. 29. 10.)

 

Papst Franziskus gibt in der Morgenmesse im Vatikan Martin Luther recht: Gnade wird dem Menschen geschenkt, durch die eigenen Werke kann er nur darauf antworten, „mehr nicht". Franziskus griff in seiner Predigt eine theologische Zentraleinsicht des Reformators auf: „Sola fide" markiert die lutherische Grundüberzeugung, dass der Mensch nicht durch seine Werke, sondern allein durch seinen Glauben gerechtfertigt, also von Gott angenommen ist. Dieser Kern der sogenannten „Rechtfertigungslehre" war über Jahrhunderte einer der zentralen Streitpunkte zwischen Katholiken und Lutheranern, über den es erst 1999 eine theologische Einigung gab. Die Gnade Gottes sei immer „kostenlos", also ohne Gegenleistung. Niemand könne diese Gnade von sich aus erlangen, führte Papst Franziskus unter Verweis auf das vierte Kapitel des Römerbriefes aus. „Unsere Werke sind die Antwort auf die kostenlose Liebe Gottes, die uns rechtfertigt und uns immer vergibt." (kap v. 21. 10. u. JA v. 29. 10.)

 

Drei Oberhäupter altorientalischer Kirchen haben am 21. Oktober zusammen mit Vertretern der evangelischen, römisch-katholischen und orthodoxen Kirchen in einem Gottesdienst im Berliner Dom für die Christen und für den Frieden im Nahen Osten gebetet. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, betonte, es sei für ihn eine „große Freude und Ehre“, dass die Kirchenführer die Einladung der EKD zum ökumenischen Gebet und zu einer Konferenz über die Zukunft des Christentums im Nahen Osten angenommen hätten. Der römisch-katholische Ökumene-Bischof Gerhard Feige der Diözese Magdeburg mahnte eine weltweite Religionsfreiheit an. Der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. war aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend, jedoch nahmen der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Afrem II., der Katholikos der Armenischen Apostolischen Kirche, Karekin II., und der indisch-orthodox-syrische Katholikos Baselios Marthoma Paulose II. teil. Der syrische Patriarch Ignatius Afrem würdigte die Unterstützung der EKD und Deutschlands bei der Anerkennung des Völkermords an den Armeniern. Die Feier im Berliner Dom wurde musikalisch von einem armenischen, einem syrischen, einem koptischen und einem äthiopischen Chor gestaltet. (kna u. rv v. 22. 10.)

 

Ungarns Regierung setzt sich für die Christen – unabhängig von ihrer Konfession – im Nahen Osten ein und organisierte eine internationale Konferenz mit hochrangigen Kirchenführern in Budapest. Der chaldäisch-katholische Erzbischof Baschar Warda bangt nach seinen Erfahrungen um die Existenz der Christen im Irak und bittet um Unterstützung der Rückkehrwilligen. An der von dem „Staatssekretariat zur Hilfe verfolgter Christen“ organisierten Tagung nahmen auch der syrisch-orthodoxe Patriarch Mar Ignatius Aphrem II., der syrisch-katholische Patriarch von Antiochien, Mar Ignatius Yousif III. Younan und der Außenamtschef des orthodoxen Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion teil. (JA v. 22. 10.)

 

Zum Ende des Reformationsgedenkjahres findet im schwedischen Uppsala Ende Oktober ein ökumenisches Jugendtreffen statt. Dazu laden die Lutherische Schwedische Kirche sowie die römisch-katholische Kirche ein. Im Mittelpunkt des Treffens soll das 2013 vorgestellte Dokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ stehen, das als Basis einer verstärkten Zusammenarbeit der Kirchen in Schweden dienen soll. Das Jugendtreffen endet mit einer Vesper in der Kathedrale von Lund unter Mitwirkung von Kardinal Anders Arborelius und der Erzbischöfin von Uppsala, Antje Jackelén. Das Studiendokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ des Lutherischen Weltbunds und des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen war am 17. Juni 2013 in Genf von Kardinal Kurt Koch und Generalsekretär Martin Junge der Öffentlichkeit vorgestellt worden. (rv v. 24. 10.)

 

Luther habe nicht die Gründung einer neuen Kirche oder Konfession im Sinn gehabt, „sondern allein das Zeugnis für die Kraft des Evangeliums hat ihn bewegt“, betonte Kardinal Christoph Schönborn vor den Festgästen der Feierlichkeiten der evangelischen Kirchen in Österreich zum Jubiläum „500 Jahre Reformation" am 24. Oktober in Wien im Goldenen Saal des Musikvereins. Mit unermüdlicher Energie habe Luther den Kern des Evangeliums verkündigt und verteidigt. Die große Kirchenspaltung habe nicht zuletzt Luther selbst erschreckt. Der Kardinal erinnerte an ein Wort von Papst Benedikt XVI., der in Bezug auf die Ökumene sagte, dass es vor allem darum gehe, aufeinander zu hören und voneinander zu lernen, „was es heißt, ein Christ zu sein". Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker sagte, Luther habe mit seinen 95 Thesen eine Aufbruchstimmung in Europa angestoßen, die alle gesellschaftlichen Bereiche erfasst habe und deren Auswirkungen bis heute zu spüren seien. Auch heute brauche es Reformation. Freiheit und Verantwortung - unter diesem Motto steht das Jubiläumsjahr - seien dabei jene beiden Pole, an denen sich evangelisches Leben orientiert. Das Mündigwerden des Einzelnen, der Ruf nach individueller und politischer Freiheit habe eine seiner Wurzeln in der Reformation, erklärte Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei dem Festakt. In ihrer Festrede ging die Berliner Schriftstellerin und Religionswissenschaftlerin Sibylle Lewitscharoff auf die Rolle Martin Luthers als Bibelübersetzer und Sprachgestalter ein. Das musikalische Rahmenprogramm beschloss das internationale "Peace Drums Project", bei dem Jugendliche aus Israel und Palästina gemeinsam mit dem Orchester der Johann Sebastian Bach Musikschule Wien auf Steeldrums spielten und mit Standing Ovations bedacht wurden. Von Seiten der römisch-katholischen Kirche nahmen am Reformationsempfang die Bischöfe Manfred Scheuer, Klaus Küng, Werner Freistetter, Franz Scharl, Stephan Turnovszky und Helmut Krätzl teil. Die Orthodoxe Kirche in Österreich wurde von Metropolit Arsenios (Kardamakis) repräsentiert. Auch alle anderen im Ökumenischen Rat der Kirchen vertretenen Konfesssion bzw. gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften waren höchstrangig vertreten. (kap v. 25. 10.)

 

Einen neuen Vorschlag zur Lösung der ukrainischen Kirchenkrise hat der emeritierte Grazer orthodoxe Theologe Grigorios Larentzakis unterbreitet. Sein Blick richtet sich auf die gesamte ukrainische Christenheit byzantinischer Tradition: Die autonome ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats (die einzige derzeit von der Weltorthodoxie anerkannte Jurisdiktion), das „Kiewer Patriarchat“ (an dessen Spitze Patriarch Filaret steht, einst russisch-orthodoxer Bischof in Wien, dann Metropolit von Kiew), die derzeitige „Autokephale Ukrainisch-orthodoxe Kirche“, die ukrainischen „Eparchien“ der Diaspora in Nordamerika (die dem Ökumenischen Patriarchat Konstantinopel zugeordnet sind) und die Ukrainische Griechisch-katholische Kirche (die auf der Union von Brest des Jahres 1596 beruht). Der Ansatz des aus Kreta stammenden Grazer orthodoxen Theologen besteht nun darin, dass er eine Einigung aller fünf Jurisdiktionen anpeilt zu einer einzigen unabhängigen autokephalen orthodoxen Kirche, wie er gegenüber dem Pressedienst der Stiftung Pro Oriente betont. Wenn dies gelänge und eine umfassende ukrainische Kirche der byzantinischen Tradition die Autokephalie mit allen Rechten erhielte, würde das zum einen die volle Kirchengemeinschaft mit der Gesamtorthodoxie bedeuten, womit ein großes innerorthodoxes Probleme beseitigt wäre. Zugleich würden auch die besten „hoffnungsvollen Voraussetzungen“ auf dem Weg zur „vollen Communio mit Rom“ geschaffen, so der aus der Schule von Chalki kommende Theologe Larentzakis. Denn dann wäre auch einer der gravierendsten Stolpersteine auf dem Weg zur Einheit zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche aus dem Weg geräumt: der „Uniatismus“ [= Wiedereingliederung der orthodoxen Kirchen]. Eine umfassende ukrainische Lösung könnte Vorbildwirkung auch für andere Kirchengebiete erlangen. (kap u. rv v. 29. 10.)

 

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hat sich in einem Grußwort zum Reformationstag für eine „sichtbare Einheit“ von römisch-katholischer und evangelischer Kirche ausgesprochen. Das große Zeugnis zum Reformationsjahr 2017 werde die Erfahrung sein, dass die christlichen Kirchen sich mit ihrer Spaltung nicht abfinden wollten und gemeinsam um die Einheit ringen würden, sagte er am 31. Oktober. Er dankte dem evangelischen Landesbischof Markus Dröge für die Geste, ihn als Redner zu diesem Reformationsgottesdienst eingeladen zu haben. Das Gedenkjahr zum 500. Jahrestag von Luthers Thesenanschlag habe auch ihm geholfen, römisch-katholische und evangelische Standpunkte verstehen zu lernen. In dem Zusammenhang verwies Koch auf die Entscheidung der deutschen Bischöfe, die Frage des gemeinsamen Abendmahls von gemischt-konfessionellen Paaren an die verantwortlichen Kommissionen zu übergeben, um eine Lösung auszuarbeiten. (www.welt.de v. 31. 10.)

 

Der Vatikan würdigt Martin Luther zum 500. Jahrestag des Reformationsbeginns mit einer Ein-Euro-Briefmarke. Sie zeigt das Bild über dem sogenannten Thesenportal der Wittenberger Schlosskirche aus dem 19. Jahrhundert. Zu sehen ist dort Christus am Kreuz vor der Stadt. Links daneben kniet Luther mit der deutschen Bibel; rechts vom Kreuz Philipp Melanchthon mit dem Augsburger Bekenntnis. Das vatikanische Presseamt informiert am Reformationstag über die Gedenkmarke; erhältlich ist sie ab dem 23. November. (rv v. 31. 10.)

 

500 Jahre nach dem Beginn der Reformation haben Protestanten und Katholiken ihren Willen zu einer umfassenderen Annäherung unterstrichen. Papst Franziskus und die evangelisch-lutherische Kirche kündigten am 31. Oktober an, auch nach Ende des Reformationsjahres das ökumenische Ziel eines gemeinsamen Abendmahles weiterzuverfolgen. „Für die Zukunft verpflichten wir uns, [...] unseren gemeinsamen Weg zur größeren Einheit fortzusetzen", erklärten der von Rom eingesetzte Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen sowie der Lutherische Weltbund in einer gemeinsamen Stellungnahme. Beim zentralen Festgottesdienst der deutschen Protestanten in der Wittenberger Schlosskirche wandte sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, in seiner Rede direkt an Papst Franziskus: „Wann immer du einmal hierher nach Wittenberg kommst, dann werden wir dich ein halbes Jahrtausend nach der Verbrennung der Bannbulle von ganzem Herzen willkommen heißen!" Papst Franziskus und der frühere Präsident des Lutherische Weltbundes, Munib A. Younan haben vor einem Jahr in einer gemeinsamen Stellungnahme erklärt, viele Christen sehnten sich danach, „die Eucharistie an einem Tisch zu empfangen als konkreten Ausdruck der vollen Einheit". (dpa u. www.sueddeutsche.de v. 31. 10.)

 

Der steirische Bischof Wilhelm Krautwaschl bittet die Evangelischen für ihr „unsägliches Leid" um Vergebung. Er predigte auf Einladung der evangelischen Gemeinde in der Grazer Heilandskirche. Wenn die Christen Jesu Botschaft besser verstehen und glaubwürdig in der Gesellschaft verkünden wollen, dann sei das nur gemeinsam möglich. Es sei ein „Zeichen großen Vertrauens", wenn zu einem so „durch und durch evangelischen" Jubiläumstag ausgerechnet der römisch-katholische Bischof eingeladen wird, die Predigt zu halten, sagte Krautwaschl. Er wolle Martin Luther dafür danke sagen, dass er „das Wort Gottes in die Hände des Volkes legte". Er erinnerte an eine ökumenische Jugendreise zum Papst nach Rom im Jahr 2016. Dabei habe Franziskus den Jugendlichen die Frage gestellt: „Was ist besser, katholisch oder evangelisch?" Diese Frage habe der Papst dann selbst in deutscher Sprache beantwortet: „Besser ist beides zusammen", also katholisch und evangelisch. Der Grazer Bischof erinnerte auch an Bischof Martin Brenner, der vor vier Jahrhunderten im Auftrag und mit Hilfe des Landesfürsten Erzherzog Ferdinand unerbittlich gegen alles „Lutherische" vorgegangen sei. Wer weiterhin seinen evangelischen Glauben offen bekennen wollte, „musste unser Land verlassen, nicht nur Hab und Gut zurücklassen, sondern auch minderjährige Kinder. Wie groß mag der Schmerz in diesen Familien gewesen sein!" Er schäme sich für das unmenschliche Vorgehen seines Vorgängers und „bitte um Vergebung für all das unsägliche Leid, das katholische Kirchenführer evangelischen Menschen in diesem Land angetan haben […] Bleiben wir achtsam, bleiben wir offen füreinander, hören wir aufeinander, unterstützen wir einander in Demut mit den Gaben, die der Heilige Geist unseren Kirchen und Gemeinschaften und jedem und jeder Einzelnen von uns gegeben hat und gibt." (www.kleinezeitung.at v. 31. 10.)

 

Der „Ökumene-Minister" des Vatikan, Kardinal Kurt Koch, hat Martin Luther als einen „Zeugen des Glaubens" gewürdigt: „Er hat wesentliche Elemente des christlichen Glaubens wiederentdeckt in seiner damaligen Zeit", sagte Koch am 31. Oktober dem Kölner „domradio.de“. Luther habe „natürlich auch seine Schattenseiten", sagte der Kardinal unter Hinweis auf seine Ausfälle gegenüber Papsttum und Juden. Zentral aber sei sein Wille gewesen, die Kirche zu erneuern. Der Vorsitzende des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen sprach sich erneut dafür aus, mit den evangelischen Kirchen an einer neuen gemeinsamen Erklärung über Kirche, Eucharistie und Amt arbeiten. „Ich stelle dankbar fest, dass daran schon viel gearbeitet wird." Die vielen regionalen Vorarbeiten dazu seien wichtig, um dann zu einer weltweiten Einigung zu kommen, sagte er. (kap u. KNA v. 1. 11.)

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der Sultan von Oman, Qabus bin Said, hat wesentlichen Anteil an der Freilassung des indischen Salesianerpaters Thomas Uzhunnalil in Jemen. Der von jemenitischen IS-Terroristen im März 2016 entführte Priester wurde am 12. September freigelassen, nachdem sich Sultan Qabus sehr energisch für ihn eingesetzt hatte. Auch die Indische Diplomatie war seit Monaten darum bemüht. (CSI-Zeitung 10/2017)

     

  • In einer Kirche zu Mittag essen – darf man das? Diese Frage kam nach dem Papstbesuch in Bologna am 1. Oktober auf. Dort nämlich lud Papst Franziskus Flüchtlinge, Bedürftige und Gefängnisinsassen zum Mittagessen in die Basilika des heiligen Petronius unweit der Kathedrale. Die Bilder des Mahls in der Kirche erhitzten die Gemüter, ob damit nicht die „Sakralität des Ortes“ entweiht werde. Das Kirchenrecht verbietet im Kirchenraum alles, „was mit der Heiligkeit des Ortes unvereinbar ist“. Der Papstvertraute Antonio Spadaro, Leiter der Jesuiten-Zeitschrift „Civiltà Cattolica“, hat eine klare Antwort: „Die Heiligkeit des Ortes wird in keiner Weise durch die karitative Handlung angegriffen. Das gilt vor allem in einer geordneten Situation, wie es am Sonntag geschehen ist […] Papst Franziskus hat im Kirchgebäude mit Armen und Benachteiligten gegessen, das ist eine hohe Handlung der barmherzigen Liebe und somit ein grundlegendes Prinzip des Christentums. Ich würde sogar sagen, diese Geste unterstreicht den Einsatz der Kirche am Dienst an den Nächsten. […] Der Herr hat doch gerade dieses Bild des Mahles am Tisch für die Eucharistie ausgewählt. Deshalb finde ich es sehr schön, dass das Brot miteinander geteilt wird. Das schenkt doch der Eucharistiefeier sogar noch mehr Würde und Güte.“ In diesem Zusammenhang wurde in den Kommentaren kritisiert, dass die derzeitige Eucharistiefeier viel zu wenig eine „Essensfeier“ wäre. (rv v. 4. 10.; JA v. 15. 10.)

     

  • Die römisch-katholische und die evangelische Kirche von Berlin und Brandenburg bietet nun auch einen konfessionsübergreifenden Religionsunterricht an. Die Bischöfe Heiner Koch und Markus Dröge werden am 6. Oktober einen entsprechenden Vertrag unterzeichnen. Der kooperative Unterricht sei jedoch nur für diejenigen Fälle gedacht, wo die erforderliche Gruppengröße für konfessionellen Unterricht nicht erreicht wird oder aufgrund von Lehrermangel nicht unterrichtet werden kann. In beiden Bundesländern ist Religion kein ordentliches Schulfach. (kna u. rv [= de.radiovaticana.va] v. 4. 10.; JA v. 15. 10.)

     

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