Ökumene

Ab dem 21. Oktober 2018 werden zum ersten Mal seit 500 Jahren wieder römisch-katholische Messen im Dom von Lund (Schweden) gefeiert werden. Dann nämlich wird die römisch-katholische Kirche Sankt Thomas wegen Renovierungsarbeiten vorrübergehend geschlossen. Dazu sagte die lutherische Pastorin des Doms, Lena Sjöstrand: „Das ist eine wahrlich einzigartige Kooperation zwischen der katholischen Gemeinde Sankt Thomas und uns, eine Fortsetzung der Freundschaft, die sich zwischen uns entwickelt hat“. Nach dem historischen Besuch des Papstes im Jahr 2016 haben sich die beiden Gemeinden aufeinander zubewegt. Ein Beispiel dieser Kooperation sind monatliche ökumenische Vespern, die wechselweise im Dom und der Sankt-Thomas-Gemeinde stattfinden. Die Gemeinde der Kathedrale interpretiert die ökumenische Zusammenarbeit als eine Möglichkeit, das Dokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ in die Tat umzusetzen. Dieses ökumenische Dokument reflektiert die 50-jährigen Gespräche zwischen Katholiken und Lutheranern. Das Dokument wurde von Bischof Munib Younan vom Lutherischen Weltbund sowie von Papst Franziskus unterzeichnet. „Das Treffen hat so viele Menschen berührt und wir freuen uns, dass es kein Ereignis der Vergangenheit war, sondern dass es eine echte Kontinuität gibt, die unsere Beziehungen stärkt“, sagte die Pastorin Sjöstrand. (vn v. 5. 4.)

 

Papst Franziskus segnete am 5. April eine Bronze-Statue des armenischen Kirchenlehrers Gregor von Narek in einer Feier in den Vatikanischen Gärten. Die Feier hatte auch eine wichtige ökumenische Dimension, gleich drei Patriarchen Armeniens nahmen an ihr teil: Karekin als Katholikos aller Armenier, Aram I., der Katholikos des „Großen Hauses von Kylikien“, und Krikor Bedros XX., der Katholikos der katholischen Armenier. Papst Franziskus erhob Gregor von Narek bei den Feiern zum Gedenken an den Völkermord an den Armeniern am 12. April 2015 zum 36. Kirchenlehrer der katholischen Kirche. Als Dank hierfür hat der armenische Künstler David Erevanci die Statue konzipiert und geschaffen. Damit die Verbundenheit zwischen Rom und Armenien noch weiter gefestigt wird, soll Ende dieses Jahres in den Gärten von Etschmiadsin in Armenien eine Kopie der Statue aufgestellt werden. Die zwei Meter große Gregor-Statue und zeigt den Heiligen, wie er Richtung Himmel schaut. Hinzu kommen noch die Symbole der armenischen Kirchen und ein Granatapfel, der das Symbol Armeniens darstellt. Mikayel Minasyan, der armenische Botschafter beim Heiligen Stuhl, im Gespräch mit „Vatican News“: „Die Statue des heiligen Gregor von Narek in den Vatikanischen Gärten ist ein Symbol der Geschwisterlichkeit und Nähe zwischen den Kirchen. Sie stellt aber auch die Einheit aller Christen dar und ist ein wichtiges Symbol für die Christen im Nahen Osten.“ Über die Reise des Papstes 2016 sagt er: „Das war vor allem eine Pilgerreise. […] Diese Statue ist eine Frucht dieser Papstreise.“ Gregor von Narek wurde 950 in Narek in der heutigen Türkei geboren und war Mönch und Priester. Er verfasste Schriften zu Theologie, Literatur, Musik, Astronomie und Mathematik. (vn v. 3. u. 5. 4.; JA v. 15. 4.)

 

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat seinen Einsatz für einen gemeinsamen Ostertermin versprochen. Bartholomäus empfing eine Gruppe von römisch-katholischen Priestern aus dem Bistum Rom in seinem Amtssitz, dem Phanar in Istanbul. Dabei wies er darauf hin, dass „seit dem 16. Jahrhundert der julianische und der gregorianische Kalender auseinanderklaffen“, was den Ostertermin betrifft. Er sei sich allerdings „sicher“, dass „unsere Kirchen“ zu einem gemeinsamen Termin fänden, „sobald die Zeit reif dafür ist“. Der Kairoer Pfarrer Joachim Schroedel betonte in einem Gespräch mit dem Kölner Domradio: „Ich kann also hier vor Ort als Katholik auch an den Osterfeierlichkeiten der Kopten teilnehmen. Es ist eine sehr reizvolle Geschichte, das Ganze noch einmal zu erleben und von der Sicht der Orthodoxie aus das Osterfest zu betrachten.“ Trotz aller Drohungen und trotz der verschärften Sicherheit: Die koptischen Christen bunkern sich an Ostern nicht ein. Gerade an ihrem größten Fest freuen sie sich über die Glückwünsche und Besuche von muslimischen Freunden. „Mir wurde in den letzten Tagen so oft von Muslimen gesagt: Frohe Ostern, feiert schön! Und es wurde auch noch mal gefragt, warum genau Ostern gefeiert wird. Man kommt auch in den Dialog und tauscht sich aus.“ (vn v. 4. 4.)

 

Römisch-katholische und protestantische Gruppen haben auf den Philippinen eine ökumenische Solidaritätsgruppe gegründet, deren Ziel es ist, „politisches Verständnis“ unter den ärmeren Bevölkerungsschichten zu fördern. Gegründet wurde die Gruppe am 6. April, im Rahmen eines Treffens zum 500. Jahrestag der Reformation. „Wir sahen die Notwendigkeit, die Einheit und Harmonie, die unter den christlichen Kirchen entstanden ist, in den Einsatz für die Armen umzuwandeln“, sagte der Karmelitenpriester Rico Ponce vom Institut für Spiritualität in Asien. Die Mitglieder hätten versprochen, ihr soziales Kapital, Organisationsstrukturen und materielle und finanzielle Hilfen mit den Armen zu teilen. (ucanews u. vn v. 9. 4.)

 

Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff verteidigt in der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ die Neuregelung, dem evangelischen Partner in einer konfessionsverbindenden Ehe den Empfang der Kommunion zu erlauben: Dass beide zur Kommunion gehen, „ist eine eingebürgerte Praxis in vielen Gemeinden. Wenn dies nun im Nachhinein vonseiten der Kirche auch theologisch anerkannt wird, ist das natürlich etwas Positives.“ Mit einer schweren geistlichen Notlage wird diese neue Praxis begründet „Das ist formal schlüssig. […] Jenes Denken entspricht aber nicht mehr unserem Sakramentenverständnis. […] Ich würde ekklesiologisch argumentieren, also von unserem Verständnis von Eucharistiegemeinschaft und Kirche her. Das Besondere der katholischen Sicht ist ja, dass wir glauben: Wenn man Jesus Christus in der sakramentalen Gestalt der Eucharistie empfängt, ist das nichts, was mich nur als Einzelnen betrifft. Vielmehr begegnet man ihm als dem Mittelpunkt der eucharistischen Gemeinschaft der Kirche, in die man zugleich eingefügt wird. Deshalb geht nach katholischer Auffassung die Kirchengemeinschaft der Eucharistiegemeinschaft voraus. Nun lässt sich aber fragen, ob das nicht genauso in umgekehrter Weise gilt, ob also die Vorwegnahme der vollen Kirchengemeinschaft in Form eucharistischer Gastfreundschaft eine zusätzliche Motivation sein kann, eine zusätzliche Quelle, aus der dann die tatsächliche Kirchengemeinschaft hervorgeht. Das ist nach meiner Überzeugung so, und es gilt in besonderer Weise für konfessionsverbindende Eheleute. Sie leben bereits jetzt in einer geistlichen, kirchlichen Weise miteinander Gemeinschaft, wie es die Großkirchen auch einmal haben sollten.“ Es ist heute „wertschätzend“, nicht mehr von „Mischehen“, sondern „von ‚konfessionsverbindenden Ehen‘ zu sprechen. […] Sie sind durch die Taufe und die sakramentale Realität ihrer Ehe bereits verbunden. Wenn sie nun den Wunsch nach einer noch größeren, intensiveren, sichtbaren Gemeinschaft haben: Warum sollen sie Christus nicht auch in Gestalt der sakramentalen Eucharistie begegnen? […] Alle Sakramente sind auf Christus bezogen. Er ist das Ursakrament, die Kirche das Ganzsakrament. Wer ihm durch Taufe und Ehe verbunden ist, kann ihn auch in der Eucharistie empfangen“, so Schockenhoff im Interview. (kathpress v. 17. 4.)

 

Zum ersten Mal waren Repräsentanten der offiziellen „Kommission für den Theologischen Dialog zwischen Katholischer und Orthodoxer Kirche“ und der verschiedenen regionalen Initiativen für diesen Dialog aus dem europäischen und nordamerikanischen Bereich gemeinsam versammelt. Der Titel der dreitägigen Konferenz in der Orthodoxen Akademie in Kolymbari (Kreta) war „Crossroads of Theological Dialogues“. Die Wiener Stiftung „Pro Oriente“ trug zusammen mit dem Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenismus in Paderborn und der Orthodoxen Akademie die Veranstaltung. Die Ko-Präsidenten der offiziellen katholisch-orthodoxen Dialogkommission, Kardinal Kurt Koch als Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen und Erzbischof Job als Repräsentant des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel beim Weltkirchenrat würdigten bei der Eröffnung am 24. April den bahnbrechenden Charakter der Initiative. Der Leiter des Johann-Adam-Möhler-Instituts, Johannes Oeldemann, schilderte, wie ihm bei der Vorbereitung seines Vortrags vor diesem Gremium über die Zukunftsperspektiven des orthodox-katholischen Dialogs bewusst wurde, dass es eine Fülle von orthodox-katholischen Dialog-Initiativen unterschiedlicher Art gibt, aber keinerlei „Netzwerk“, das sie verbindet. Daher soll diese Dialog-Initiative sich an einem Tisch versammeln, um einen Überblick über das ganze Spektrum des orthodox-katholischen Dialogs zu gewinnen und zugleich Fragen zu definieren, die bisher vernachlässigt wurden bzw. neue Aufgaben zu entdecken: Wo sollen die neuen Schwerpunkte liegen? Soll die Methode des Dialogs geändert werden? Wie können der offizielle Dialog, die „offiziellen“ regionalen Kommissionen und die „inoffiziellen“ Initiativen, durch die orthodox-katholische Begegnungen stattfinden, – darunter Klöster wie Bose, Niederaltaich oder Chevetogne, akademische Zentren wie Fribourg oder Frankfurt-St. Georgen – in ein konstruktives komplementäres Verhältnis zueinander gebracht werden? Die Orthodoxe Akademie von Kreta wurde im Jahr 2016 weltweit bekannt als Tagungsort der Panorthodoxen Synode. Dort tagt auch immer wieder der Weltkirchenrat. (kap u. vn v. 25. 4.)

 

Vertreter der römisch-katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland haben ein „Ökumenisches Netzwerk Klimagerechtigkeit“ gegründet. Ziel sei es, das kirchliche Engagement für Klimagerechtigkeit in Politik und Gesellschaft zu stärken, hieß es am 25. April in Münster. Als wichtige gesellschaftspolitische Akteure sollten beide Kirchen Verantwortung für die Zukunft der Erde wahrnehmen. Das Ökumenische Netzwerk werde den Klimapilgerweg 2018 unterstützen. Er soll ab dem 9. September von Bonn über Düsseldorf nach Katowice in Polen führen. Dort wird vom 3. bis 14. Dezember in der 24. UN-Klimakonferenz über die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 verhandelt. Träger des Ökumenischen Netzwerks sind das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), der kirchliche Entwicklungsdienst, die evangelische und katholische Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten, die Konferenz der Diözesanverantwortlichen Weltkirche, die katholischen Werke Misereor, Adveniat, Renovabis, Missio Aachen und München, Caritas International, das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“, die evangelischen Landeskirchen sowie die katholischen Orden. (kna u. vn v. 26. 4.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • In Deutschland ist am 26. Juli erstmals eine christlich-muslimische Kindertagesstätte (Kita) eröffnet worden. Sie hat in Gifhorn (Niedersachsen) unter dem Namen „Abrahams Kinder“ als Träger die römisch-katholische Gemeinde Sankt Altfrid, die evangelische Dachstiftung Diakonie und die deutsch-türkische Moscheegemeinde Ditib. Die Einrichtung soll zur Begegnung der beiden Kulturen beitragen. Die Mitinitiatorin, Schwester Mary Prema Pierick, ist die Generaloberin der Missionarinnen der Nächstenliebe in Kalkutta und hält fest: Die Einrichtung soll zur Begegnung der beiden Kulturen beitragen, aber „keine Bibel-Koran-Schule“ sein. Unter den jetzigen Anmeldungen ist das Verhältnis von Christen und Muslimen in etwa ausgeglichen, auch konfessionslose Kinder sind dabei. Von den vier Erzieherinnen sind zwei christlich und zwei muslimisch. Das Essen in der Einrichtung wird halal-zertifiziert. (JA v. 5.8.)

     

  • Konfessionsverschiedene Ehepartner sollten bei der Eucharistie nicht getrennt werden, fordert der italienische Kardinal Francesco Coccopalmerio in einem Interview mit der Zeitung La Stampa. Nach Ansicht des ehemaligen Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gesetzestexte gibt es keine „berechtige Notwendigkeit“, nichtkatholische Ehepartner von der Kommunion auszuschließen. Der Kardinal reagiert damit auf eine Anfrage der deutschen Bischofskonferenz. Ein „delikates Problem“ sei, dass nach katholischer Lehre beim Sakramenten-Empfang eine Gnadenvermittlung erfolge. Dieser Aspekt müsse mit dem Prinzip der Kircheneinheit abgewogen werden, wobei nach Aussage Coccopalmieros gerade im Fall von Eheleuten der gemeinsame Empfang der Kommunion ein Hoffnungszeichen mit Blick auf eine Vereinigung der Kirchen sein könnte. Einzige Voraussetzung ist für den Kardinal, dass die Nicht-Katholiken glauben, „dass das Brot und der Wein im Eucharistiesakrament Leib und Blut Christi", also der ganze Jesus Christus sind. Die sogenannte „Transsubstantiation“ – die wesenhafte Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut – müsse hingegen nicht unbedingt geglaubt werden. (vn v. 2. 8.; JA v. 12. 8.)

     

  • In Österreich haben Spitzenvertreter der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche sowie der Islamischen Glaubensgemeinschaft und der Israelischen Kultusgemeinde eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der es heißt: „Es gehört untrennbar zu unserem Selbstverständnis als religiöse Menschen, Vertriebenen und Heimatlosen Trost und Hilfe zu geben.“ (KircheIn 08/2018)

     

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