Ökumene

Ein gemeinsames Zeichen gelebter Ökumene setzt die Österreichische Bischofskonferenz bei ihrer Herbstvollversammlung ab 7. November in Eisenstadt: Erstmals findet aus Anlass des Reformationsgedenkens ein gemeinsamer Gottesdienst und ein Studientag der Bischöfe mit Spitzen der lutherischen, reformierten und methodistischen Kirche statt. „Neben dem Bedenken der geschichtlichen Entwicklung seit der Reformation und der Bilanz darüber, was in der Ökumene erreicht wurde, steht der gemeinsame Auftrag der Kirchen heute im Mittelpunkt. So soll ein Schritt auf dem Weg zur Einheit gesetzt werden“, heißt es in der offiziellen Einladung zu einem ökumenischen Gottesdienst am 8. November in Rust. (www.de.radiovaticana.va u. kap v. 7. 11.)

 

Christen der verschiedenen Konfessionen haben in Damaskus gemeinsam für ein Ende des Bürgerkrieges gebetet. Die Caritas von Syrien hat das gemeinsame Abendgebet in der griechisch-melkitischen Kirche organisiert und dabei vor allem römisch-katholische und lutherische Gläubige zusammengebracht. Der Päpstliche Nuntius und designierte Kardinal Mario Zenari sprach von einer „Portion frischer Luft“ für die syrischen Christen. (asianews u. www.de.radiovaticana.va v. 9. 11.)

 

Nur miteinander können die römisch-katholische und evangelische Kirche glaubwürdig vor der Welt den christlichen Glauben leben und den Menschen dienen. Das ist die Quintessenz einer gemeinsamen Erklärung der römisch-katholischen Bischofskonferenz und der evangelischen Kirchen in Österreich, die am 8. November anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 veröffentlicht wurde. Die Erklärung trägt den Titel „500 Jahre Reformation - Vom Gegeneinander zum Miteinander". In der Erklärung werden die gegenseitigen Verfehlungen der Kirchen in der Vergangenheit benannt, die großen Fortschritte in den ökumenischen Beziehungen gewürdigt und die gemeinsame Verpflichtung für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt in den Blick genommen: „Dankbar blicken wir auf die Ergebnisse der zahlreichen ökumenischen Dialoge, das mittlerweile selbstverständliche Miteinander evangelischer und katholischer Christinnen und Christen in Gemeinden und Familien und auf die vielen Möglichkeiten, gemeinsam unseren christlichen Glauben zu feiern, ihn in der Welt zu bezeugen und damit den Menschen zu dienen. Wir sehen, dass wir einander brauchen und nur miteinander in glaubwürdiger Weise den Reichtum der Gnade Gottes, aus der die Kirche lebt und für die die Kirche steht, vor der Welt leben können. […] Gemeinsam sind uns die Überzeugung und der feste Wille, auf dem Weg zur Einheit voranzukommen und beharrlich an der Überwindung der letzten Hindernisse zu arbeiten", halten die Kirchen fest und weiter: „Dass uns bereits heute mehr verbindet und einigt, als uns noch trennt, ist ein weiterer Grund zur Dankbarkeit und ein Anlass, darum zu bitten, dass uns die Verwirklichung der Einheit geschenkt werde.“ (kap v. 11. 11.; JA v. 20. 11.)

 

Am 17. November traf Papst Franziskus das Oberhaupt der Assyrischen Kirche des Ostens, den assyrischen Katholikos Mar Gewargis III., im Vatikan. Er bete für die „volle Einheit“ zwischen der römisch-katholischen und der assyrischen Kirche, so Papst Franziskus im Gedenken an die „Gemeinsame Christologische Erklärung“, die Papst Johannes Paul II. gemeinsam mit dem damaligen Patriarchen Mar Dinkha IV. unterzeichnet hatte. Mar Gewargis III. ist erst im vergangenen Jahr im irakischen Erbil inthronisiert worden. Vor der öffentlichen Begegnung hatten der Papst und der Patriarch sich zu einer persönlichen Unterhaltung zurückgezogen. Anschließend gab es einen gemeinsamen Moment der Andacht in der Kapelle Redemptoris Mater. „Täglich“, so sagte der Papst, sehe man Christen, die den Weg des Kreuzes gingen und mit „Sanftmut“ den Spuren Jesu folgten. Dieser gemeinsame Blutzoll sei der Samen aus dem die Einheit der Christen sprießen könne. Dies führte den Papst zu einem Gedanken an die „festen geschwisterlichen Bande”, die zwischen der römisch-katholischen und der assyrischen Kirche des Ostens bestünden und durch den aktuellen Besuch des Patriarchen „weiter verfestigt“ würden. 1994 sei ein historischer Durchbruch in den ökumenischen Beziehungen erreicht worden, würdigte der Papst die Gemeinsame Christologische Erklärung, die es uns ermögliche, „den gemeinsamen Glauben in das Geheimnis der Fleischwerdung“ zu leben und den Weg zur „vollen Einheit“ zu beschreiten. Er wünsche sich, dass die gemeinsame Kommission für den theologischen Dialog es letztlich ermöglichen werde, den „sehnlichst erwarteten Tag“ herbeizuführen, an dem der gemeinsame Gottesdienst als Zeichen der Wiedererlangung der vollen kirchlichen Einheit möglich sein werde. (www.de.radiovaticana.va v. 17. 11.)

 

Nun ist es offiziell: Elf Jahre nach dem zweiten Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in München findet 2021 das nächste ökumenische Christentreffen in Frankfurt am Main statt. Katholiken und Protestanten wollen vom 12. bis zum 16. Mai 2021 gemeinsam feiern. Das beschlossen am Freitag in Bonn Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) einstimmig. Zuvor hatte sich bereits der Deutsche Evangelischen Kirchentag (DEKT) positiv geäußert. Beide Gremien sind Veranstalter des ÖKT. „Wir wollen geschwisterlich Kirche sein“, betonte die evangelische Kirchentagspräsidentin, Christina Aus der Au. Ziel des ÖKT sei es, über Konfessionsgrenzen hinweg den Glauben mit gemeinsamer „Strahlkraft“ zu bezeugen. ZdK-Präsident Thomas Sternberg sagte, dass schon jetzt die Katholikentage evangelischer und die evangelischen Kirchentage katholischer geworden seien. (www.domradio u. kna v.19. 11.)

 

Aus Anlass der Reformation vor 500 Jahren vergeben die Österreichische Bischofskonferenz und der Evangelische Kirchenrat A.B. und H.B. zusammen mit der Methodistischen Kirche in Österreich einen Ökumene-Preis. Das kündigten Kardinal Christoph Schönborn, der evangelische Bischof Michael Bünker am 8. November in einer gemeinsamen Presskonferenz an. Das ausgezeichnete Projekt soll „im besonderem Maß als Beispiel für gelungene Ökumene im Sinne des Dialogs und Zusammenarbeit zwischen den auslobenden Kirchen“ stehen. (JA v. 20. 11.)

 

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. will sich gemeinsam mit der römisch-katholischen Kirche für Frieden in Syrien starkmachen. Bei einer Begegnung mit dem Ökumene-Beauftragten des Vatikan, Kurienkardinal Kurt Koch, kündigte er am 22. November in Moskau eine weitere Zusammenarbeit mit der römisch-katholischen Kirche an. Man wolle im Nahen Osten „mit vereinten Kräften erreichen, dass das Leid aufhört und die Menschen ein friedliches Leben haben“. Syrien müsse vollständig wiederaufgebaut werden. Im Frühjahr 2016 hatten die römisch-katholische und die russisch-orthodoxe Kirche ein gemeinsames Programm zum Wiederaufbau von christlichen Gotteshäusern beschlossen. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 23. 11.)

 

Eine prominent besetzte Tagung zum Thema „Reform im Katholizismus“ veranstalten die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) und die Evangelische Akademie Tutzing vom 28. November bis 1. Dezember. Ökumenische Offenheit setze die Bereitschaft voraus, eingespielte konfessionelle Selbst- und Fremdbilder wahrzunehmen und gängige Konfessionsklischees zu hinterfragen, heißt es in der Ankündigung der VELKD. An der Tagung mit dem Untertitel „Traditionstreue und Veränderung in der römisch-katholischen Theologie und Kirche“ sind Theologen beider Konfessionen beteiligt, darunter der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sowie der emeritierte Mainzer Kardinal Karl Lehmann. Die Tagung soll der Frage nachgehen, wie in der römisch-katholischen Kirche Kontinuität und Innovation austariert sind und wie sie Traditionstreue und Flexibilität miteinander zu verbinden versucht. (www.de.radiovaticana.va u. kna v 24. 11.)

 

In einer Grußbotschaft an den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. zum Andreasfest drückt Papst Franziskus wiederum seine Hoffnung auf „Einheit mit Orthodoxen“ aus und übermittelt seine Glückwünsche zum Andreasfest, dem Patronatsfest der Kirche von Konstantinopel. In der Botschaft, die vom vatikanischen Ökumene-Verantwortlichen Kardinal Kurt Koch persönlich überbracht wurde, geht der Papst auf das panorthodoxe Konzil auf Kreta von Juni 2016 ein. Für Katholiken sei die „Große und Heilige Synode“ auf Kreta ein „wahrer Ansporn“, um der Einheit zwischen Orthodoxie und der katholischen Kirche näher zu kommen, so Franziskus. Er sei dankbar für den bisherigen Dialogprozess zwischen den Kirchen des Ostens mit der katholischen Kirche. Auch bei der Generalaudienz wiederholte der Papst in seiner Ansprache die Grüße und Wünsche an die Feiernden in Konstantinopel. (www.de.radiovaticana.va v. 30. 11.; JA v. 11. 12.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat die Bedeutung der kulturellen und akademischen Austauschprogramme zwischen dem Moskauer Patriarchat und dem Vatikan gewürdigt. Kyrill empfing am 28. August die Teilnehmer des 5. Sommerkurses für römisch-katholische Priester und Ordensleute. Sie waren Gäste des von Metropolit Hilarion (Alfejew) geleiteten Theologischen Kyrill-Method-Instituts. Die Mitglieder der vatikanischen Delegation besuchten u. a. das Nowospasskij-Kloster und die Synodalabteilung für die Beziehungen der Kirche zur Gesellschaft und zu den Medien, die von Wladimir Legojda, geleitet wird. Man setzt besonders auf eine Zusammenarbeit im Bereich der Caritas-Arbeit, weil dies der beste Weg für die Kirchen ist, einander näher zu kommen. (kap u. vn. v. 1. 9.)

     

  • Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) kündigten an, den interreligiösen Dialog zwischen Islam und Christentum intensivieren zu wollen. Dazu soll ausgehend vom sogenannten „Geschwisterlichkeitsdokument“, das Papst Franziskus und der Großimam der Kairoer Al-Azhar-Universität, Scheich Ahmad Al-Tayyeb, am 4. Februar in Abu Dhabi unterzeichnet hatten, ein „Hohes Interreligiöses Komitee“(HIK) als ein neues Gremium für interreligiösen Dialog gegründet werden. Die Islamische Weltliga begrüßt dieses Vorhaben. Aufgabe des Komitees sei es, Vorschläge und Ziele der katholisch-islamischen Absichtserklärung umzusetzen. In dem „Dokument über die Geschwisterlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ verurteilen der Papst und der Großimam Extremismus im Namen Gottes und werben für die Menschenrechte sowie praktische Zusammenarbeit der Religionen bei der Lösung von Konflikten, in Sachen Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit – besonders Frauen gegenüber. Muhammad bin Abdul Karim Issa, Generalsekretär der Islamischen Weltliga, darüber im Interview mit Vatican News: „Wir haben die Konzepte des Dokuments sehr positiv aufgenommen. Es ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Vatikan, der Al-Azhar-Universität und der islamischen Einrichtung in Mekka. Wir teilen dieselben hohen Menschenwerte. Alle islamischen Theologen der Welt sind sich somit darüber einig, was in dem Dokument über Geschwisterlichkeit festgeschrieben steht.“ Über 1.200 islamische Theologen und Muftis hätten ein gemeinsames Dokument unterzeichnet, in dem das Dokument von Abu Dhabi gewürdigt wird, erinnert er. „Die Islamische Weltliga unterstützt alle Bemühungen, die die Würde und das Leben der Menschen fördern, egal in welcher Gegend der Welt sie leben und welche Religionszugehörigkeit sie haben. Wir sind dankbar für den Einsatz, den Papst Franziskus diesbezüglich zeigt. Er fördert wahrlich die Geschwisterlichkeit unter den Menschen und ist ein Brückenbauer.“ Auch das „Haus der Abrahamitischen Familie“ in Abu Dhabi fördert interreligiöse Aktivitäten. Die Zeitung „The National“ zitiert Kronprinz Mohamed bin Zayyed, demzufolge das neue Gremium HIK nicht nur in den Emiraten, sondern auch in anderen Teilen der islamischen Welt „Toleranz, Zusammenarbeit und Zusammenleben“ fördern soll. Derzeit setzt es sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Bischof Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog; Prof. Dr. Mohamed Hussein Mahrasawi, Präsident der Universität Al-Azhar, Papst-Sekretär Yoannis Lahzi Gaid; Richter Mohamed Mahmoud Abdel Salam, Berater des Großimams; Mohamed Khalifa Al Mubarak, Vorsitzender des Ministeriums für Kultur und Tourismus in Abu Dhabi; Sultan Faisal Al Rumaithi, Generalsekretär des Muslimischen Ältestenrates; und Yasser Hareb Al Muhairi, Schriftsteller und Medienpersönlichkeit aus den Emiraten. (or v. 20. 8.; vn v. 23. 8)

     

  • Im römisch-katholischen Bistum Osnabrück übernehmen auf den Inseln Juist und Langeoog statt eines Priesters jetzt Frauen die Leitung der Gemeinden. Bischof Franz-Josef Bode ernannte auf Juist die Pastorale Mitarbeiterin Michaela Wachendorfer zur Pfarrbeauftragten, auf Langeoog Pastoralreferentin Susanne Wübker. Auf Norderney wurde mit Markus Fuhrmann ein Diakon zum Pfarrbeauftragten ernannt. Schon im vergangenen Dezember wurde Michael Göcking für die Gemeinden Wellingholzhausen und Gesmold im Kreis Osnabrück in dieses Amt berufen. Im kommenden Dezember wird die Gemeindereferentin Christine Hölscher die Leitung der Pfarreiengemeinschaft Bad Iburg/Glane übernehmen. Pfarrbeauftragte leiten die Gemeinden und haben auch die Personalverantwortung. Normalerweise ist diese Tätigkeit einem Geistlichen vorbehalten. Das Kirchenrecht erlaubt aber Ausnahmen bei Priestermangel. Allerdings sind für das Spenden der Sakramente und der Feier des Abendmahls nach wie vor Priester notwendig. Susanne Wübker sehe sich eher als Seelsorgerin: Zum 1. Januar 2018 sei sie vom Bischof in den Kirchenvorstand und auch zur Vorsitzenden berufen worden. „Ich finde es eine tolle Sache, dass es jetzt auch einen offiziellen Anstrich hat“, sagte sie. Allerdings sind die neue Pfarrbeauftragten nicht die ersten Frauen in Deutschland, die eine Kirchengemeinde leiten. Ursula Lux war beispielsweise bereits vor 20 Jahren Pfarrbeauftragte in einer kleinen Gemeinde bei Schweinfurt im Bistum Würzburg. (www.welt.de v. 6. 8.)

     

  • Nordrhein-Westfalen weitet im neuen Schuljahr den gemeinsamen Religionsunterricht von römisch-katholischen und evangelischen SchülerInnen aus. Voraussichtlich 356 Schulen werden den sogenannten „konfessionell-kooperativen Religionsunterricht“ anbieten, teilte das Schulministerium in Düsseldorf mit. Nach Maßgabe der Kirchen dürfen die konfessionellen Grenzen aber nicht verwischt werden. Ein verpflichtender Wechsel zwischen römisch-katholischen und evangelischen FachlehrerInnen soll gewährleisten, dass die SchülerInnen beide konfessionellen Perspektiven kennenlernen. Auf diese neue Form des Religionsunterrichts hatten sich die drei evangelischen NR-WF-Landeskirchen im Rheinland, in Westfalen und Lippe sowie die römisch-katholischen Bistümer Aachen, Essen, Münster und Paderborn geeinigt. „Dieses Angebot stärkt die Gemeinsamkeiten der Konfessionen“, erklärte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Die Zahl der teilnehmenden Schulen steigt in den Grundschulen von 30 (2018/19) auf heuer 59, in den Gesamt-/Sekundarschulen von 46 auf 82, in den Gymnasien von 23 auf 50. (vn [=Vatican News] v. 16. 8.)