Ökumene

Wird es irgendwann eine wirkliche ökumenische Synode geben, also mit nicht-katholischen Synodenvätern aus anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften, die mit Stimmrecht ausgestattet vom Papst zusammengerufen werden? Auf dem Papier ist eine solche Synode neuerdings möglich, seit Franziskus im September die Regeln geändert hat. Der im Vatikan für Ökumene zuständige Kurienkardinal Kurt Koch sagt darüber zu „Vatican News“: „Ich weiß nicht, wie der Heilige Vater eine solche ökumenische Synode genau sieht, aber es wäre natürlich gerade hinsichtlich der Fragen, die uns alle beschäftigen, die alle christlichen Kirchen beschäftigen, auch ein faszinierendes Experiment, einmal so zusammenzukommen und gemeinsam zu beraten: Wie können wir angesichts der zentralen Herausforderungen heute gemeinsame Wege suchen? […] Und gerade bei Fragen, die ja alle christlichen Kirchen beschäftigen und wo es dringend notwendig ist, dass wir eine gemeinsame Stimme finden, wäre das eine gute Chance. […] Eine gemeinsame christliche Anthropologie wiederzufinden und gemeinsam zu bezeugen, halte ich für eine zentrale Herausforderung.“ (vn [=Vatican News] v. 10. 10.)

 

Auch den Reformierten in der Schweiz und den Evangelischen Kirchen Europas (GEKE) sei die Ökumene ein Anliegen, betont Gottfried Locher, Präsident des Kirchenbundes. „Der Dialog mit dem Vatikan ist ein Gütesiegel für die GEKE.“ Auch mit dem Lutherischen Weltbund besteht ein Dialog. Gelebte Ökumene gibt es auch im Medienwesen. Das katholische Medienzentrum in Zürich, 2014 als Verbindungsbüro Kirche-Medien geschaffen, ist laut Direktor Charles Martig als „kath.ch“ zu einer „nationalen Marke“ geworden. Tür an Tür finden sich im gleichen Stockwerk die Büros der Reformierten Medien (ref.ch). (APA u. www.tt.com v. 24. 10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die italienische Post würdigt das historische Treffen zwischen dem heiligen Franz von Assisi und Sultan al-Malik zum 800. Jahrestag mit einer Sonderbriefmarke. Die Briefmarke bildet einen Ausschnitt aus dem Giotto zugeschriebenen Fresko in der Basilika von Assisi ab, auf dem der Heilige und der Sultan auf dem Thron zu sehen sind. Die begleitende Erläuterung zur Briefmarke nennt das Treffen „einen der entscheidenden Momente in der Menschheitsgeschichte, nicht nur des Heiligen von Assisi. Zur Zeit des Fünften Kreuzzuges, als Christentum und Islam keine Berührungs-, sondern nur Konfliktpunkte hatten, bot Franziskus der Welt ein Beispiel dafür, wie menschliche Beziehungen geführt und aufrechterhalten werden sollten.“ (vn v. 1. 3.)

     

  • Erzbischof Jean-Claude Hollerich, Leiter der EU-Bischofskommission COMECE, plädiert für eine stärkere Kontrolle von Bischöfen durch Laien. „Wir brauchen eine stärkere Pflicht zum Ablegen von Rechenschaft“, sagte er im Gespräch mit dem Internetportal „Vatican Insider“. „Dabei sollte auch eine Gruppe von Laien beteiligt werden. […] Ich habe kein Problem damit, dass mich eine Gruppe von Laien kontrolliert.“ Es sei wichtig, Klerikalismus zu überwinden: „Wir sind alle getauft und gehören alle zur selben Kirche.“ Der Luxemburger Erzbischof rührt damit an einen heiklen Punkt: Die US-Bischöfe hatten Ende 2018 die Einrichtung von Kontrollgremien zu Missbrauchsfällen beschließen wollen, bei denen Laien eine führende Rolle zugesprochen wurde. Die Abstimmung vertagten die vatikanischen Behörden auf den bevorstehenden Kinderschutz-Gipfel Anfang 2019, wo aber dazu kein Beschluss gefasst wurde. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die orthodoxe Kirche in Afrika hat im November 2018 erstmals wieder Frauen zum Diakonat zugelassen. Diese Entwicklung soll nun auch der äthiopisch-orthodoxen Kirche zugutekommen. Dazu traf sich der griechisch-orthodoxe Patriarch von Alexandria, Theodoros II., mit seinem äthiopisch-orthodoxen Amtsbruder Abuna Matias, um zu beraten, wie sich der Synodalbeschluss in Äthiopien umsetzen lässt. In den 1950er und 1960er Jahren, als die Zusammenarbeit der beiden autokephalen Kirchen besonders intensiv war, wurden in Athen an der damaligen Hochschule für Diakonissen Hagia Varvara besonders viele Äthiopierinnen zum Diakonat ausgebildet. Allerdings wurde die Ausbildungsstätte 2003 geschlossen. Inzwischen hat aber Patriarch Theodoros II. Ende Februar 2017 im kongolesischen Kolwezi drei Nonnen und drei Katechetinnen die Diakonatsweihe erteilt. (kna u. vn [=Vatican News] v. 5. 3.; JA v. 17. 3.)

     

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