Papst Franziskus will gemeinsame Eucharistiefeier mit den Orthodoxen und betet für die geplante Panorthodoxe Synode.

Er hat bei einer Begegnung mit einer offiziellen Delegation des Ökumenischen Patriarchats unter Leitung des emeritierten Titularmetropoliten von Pergamon, Ioannis Zizioulas, neuerlich betont, dass die gemeinsame Eucharistiefeier das Ziel des ökumenischen Dialogs ist. Dieses Ziel sei eines seiner wichtigsten Anliegen, betonte Franziskus bei der Begegnung mit der Delegation aus Konstantinopel zum Fest der Heiligen Petrus und Paulus am 29. Juni. Wörtlich sagte der Papst, die Begegnungen mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. beim Andreas-Fest im vergangenen November hätten die Möglichkeit geboten, "gemeinsam Gott zu loben und dafür zu beten, dass bald der Tag kommt, an dem die volle sichtbare Einheit zwischen Orthodoxen und Katholiken wiederhergestellt wird". Ausdrücklich dankte der Papst dem Metropolit Zizioulas, dass er im Auftrag von Patriarch Bartholomaios nach Rom gekommen war, um gemeinsam mit anderen kirchlichen Repräsentanten die Enzyklika "Laudato si" der Öffentlichkeit vorzustellen. Es war das erste Mal, dass eine päpstliche Enzyklika auch von einem orthodoxen Bischof präsentiert wurde. Die Gelegenheiten zur Begegnung, zum Austausch und zur Zusammenarbeit zwischen Katholiken und Orthodoxen sollten sich vermehren, so die vom Papst geäußerte Hoffnung. Durch gegenseitige Kenntnis und Achtung könnten viele Vorurteile und Missverständnisse überwunden werden. Zugleich sollten die noch vorhandenen Schwierigkeiten "in Wahrheit, aber in brüderlichem Geist" überwunden werden. In diesem Zusammenhang würdigte Franziskus die "wertvolle Arbeit der Internationalen Gemischten Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche". Das "Drafting Commitee" dieser Kommission hatte am 25. 6. in Rom getagt. Ausdrücklich betonte der Papst, dass eine "sorgfältige Untersuchung" über das Prinzip der Synodalität und über den "Dienst des Vorsitzenden in der Liebe" einen "wesentlichen Beitrag zum Fortschritt der Beziehungen" zwischen den beiden Kirchen liefern werde. Auch Patriarch Bartholomaios I. rief in seiner von der Delegation überbrachten Botschaft an den Papst zu dauernden Bemühungen für die Vollendung der Ökumene auf. Das Zeugnis der drei Patronatsapostel [Petrus, Paulus und Andreas] verpflichte zur Einheit der Kirchen. Der Dialog zwischen ihnen müsse mit aller Kraft unterstützt werden. In der wichtigen Frage des Kirchenprimats - gemeint ist die Rolle des römischen Papstes für die gesamte Christenheit - dürften nach seinen Worten politische Ambitionen keine Rolle spielen. Unter den Teilnehmern des Treffens des "Drafting Commitees" in der Vorwoche war neben Zizioulas auch der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion Alfejew. Weiters versprach der Papst sein intensives Gebet und das aller Katholiken für den Erfolg der für 2016 anberaumten Panorthodoxen Synode in Konstantinopel. Zugleich ersuchte der Papst die orthodoxen Gäste um das Gebet für die im diesjährigen Oktober vorgesehene Vollversammlung der katholischen Weltbischofssynode, die dem Thema Familie gewidmet sein wird. Metropolit Zizioulas überreichte dem Papst bei der Begegnung eine Botschaft des Ökumenischen Patriarchen, in der Bartholomaios I. die Bedeutung des theologischen Dialogs und der Arbeit der Internationalen Gemischten Kommission für den theologischen Dialog unterstreicht. (Kathweb/Kap . v. 27. u. 29. 6.; JA v. 12.7.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der Erzbischof von Rabat, der Spanier Cristóbal López Romero, zieht eine positive Bilanz der Papst-Visite. „Bis jetzt wurde viel von Koexistenz und Toleranz gesprochen, aber der König sagte im Beisein des Papstes, dass Toleranz eigentlich wenig sei. Das bedeutet, dass wir nun zur Freundschaft, zum gegenseitigen Kennenlernen, zur gegenseitigen Bereicherung und zur Zusammenarbeit übergehen können [...] Wir müssen dazu einen qualitativen Sprung im islamisch-christlichen Dialog machen. […] Das ist schon jetzt im Moment ein gemeinsamer Weg. Wir arbeiten für Bildung, für die öffentliche Gesundheit, für die Förderung von Frauen zusammen, Muslime und Christen, und das muss so bleiben. Aber Barmherzigkeit ist kein Selbstzweck: Sie ist der Weg, um als Brüder und Schwestern zu leben.“ Hinderlich auf dem gemeinsamen Weg sei der Verdacht von Muslimen, dass Christen „Proselytismus“ betreiben würden. Der Papst hat das Thema bei einem Treffen mit Priestern und Ordensleuten angesprochen. Erzbischof López erklärt, es gebe leider „Christen, die es nicht verstehen, dass die Kirche keinen Proselytismus betreiben will. […] Schon Benedikt XVI. sagte: Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehungskraft, durch Zeugnis. Deshalb geht es uns als Kirche hier in Marokko gut: genau weil Proselytismus verboten ist. […] Ich glaube, dass Marokko eines Tages feststellen wird, dass die Christen, zumindest wir Katholiken, dieses Ziel des Proselytismus nicht haben“, stellt López fest. (vn v. 1. 4.)

     

  • Der Marseiller Erzbischof und Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Georges Pontier, hat zum Kampf gegen Hochmut und Machtstreben unter Priestern aufgerufen. „Papst Franziskus hat Klerikalismus in all seinen Formen als Ausdruck und Hauptursache von Störungen im Leben christlicher Gemeinschaften genannt", sagte er zu Beginn der Frühjahrsvollversammlung in Lourdes. Zu der Missbrauchsproblematik zitiert die Zeitung "La Croix" den Bischof von Grenoble, Guy de Kerimel: „Dem gesamten Episkopat ist bewusst, dass wir eine besonders schwere Krise durchmachen.“ Die Kirche werde nicht mehr wie vorher sein. Mehrere Bischöfe sprechen laut Angaben des Blattes von einem „Reinigungsprozess". (kathpress u. KNA u. vn v. 2. 4.)

     

  • Dass Jerusalem zum „Inbegriff des Friedens“ wird, wünschen sich die Patriarchen und Bischöfe der Heiligen Stadt in ihrer gemeinsamen Osterbotschaft. Der „multireligiöse und multikulturelle Status“ Jerusalems müsse erhalten werden, damit alle abrahamitischen Glaubensbekenntnisse die Stadt als Inbegriff des Friedens und der Ruhe erfahren können. Die Patriarchen und Bischöfe versprechen, „für einen gerechten und dauerhaften Frieden in Jerusalem und in der ganzen Welt“ zu beten, vor allem in Regionen, die von Gewalt und Angst gegen schuldlose Menschen und Gottesdienststätten geprägt sind. Dass die menschliche Würde respektiert und geehrt werden muss, zeige sich besonders an Ostern. Die Menschen seien nach Gottes Bild geschaffen und darum gleich an Würde. (vn v. 17. 4.)

     

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