Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

 

Papst Franziskus sendet zum jüdischen Neujahrsfest Grußworte an die jüdische Gemeinschaft und meint sinngemäß: Meine Gedanken sind bei der jüdischen Gemeinschaft in der ganzen Welt, in der Hoffnung, dass die bevorstehenden Feiertage Vorboten eines reichen Segens für alle sind. Der Allmächtige macht uns jeden Tag Geschenke der Hoffnung und des Friedens und stärkt das Band unserer Freundschaft. Der diesjährige Oktober ist für das Judentum ein ganz besonderer Monat, denn neben dem mehrtägigen Neujahrsfest „Rosch Haschana“, wird auch „Jom Kippur“ und „Sukkot“ im heurigen Oktober gefeiert. (www.de.radiovaticana.va v. 1. 10.)

 

In der Diözese St. Pölten erhalten alle Priester eine Weiterbildung über den Islam. Mit hochgradigen Referenten haben sich die Priester sowohl theoretisch als auch praktisch mit den verschiedenen Glaubensrichtungen des Islam beschäftigt. (JA v. 2. 10.)

 

Neun Jahre nach dem grausamen Mord an drei Christen, denen 2007 in der anatolischen Stadt Malatya die Kehle durchgeschnitten wurde, ist das erste Urteil gesprochen worden: Fünf türkische Staatsbürger sollen für die Tat lebenslang in Haft. Das entschied das Gericht in der 115. Verhandlung eines jahrelang andauernden Prozesses. In den vergangenen beiden Jahren wurden insgesamt zwanzig Verdächtige freigelassen, die an dem Mord beteiligt gewesen sein sollen. Sie stehen aber bis zum endgültigen Urteil unter Hausarrest. (fides u. www.de.radiovaticana.va v. 2. 10.)

 

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn gratuliert den Vertretern des Judentums in Österreich zum jüdischen Neujahrsfest „Rosch Haschana“ und zum darauf folgenden „Jom Kippur“: „Möge das neue Jahr (5777) den von allen ersehnten und vom Herrn erbetenen Frieden im Heiligen Land bringen“, schrieb er in einem Glückwunschbrief an den neuen Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Arie Folger. Auch an die in Niederösterreich erscheinende jüdische Kulturzeitschrift „David“ richtete Schönborn ein Grußwort. (www.de.radiovaticana.va u. kap v. 3. 10.)

 

Die islamische Universität Al Azhar in Kairo veranstaltet Anfang 2017 eine Konferenz über Frieden und interreligiösen Dialog, zu der auch Vertreter christlicher Kirchen des Orients eingeladen sind. Das meldet der vatikanische Pressedienst „Fides“ unter Berufung auf den Monarchen Bahrains sowie auf den Großimam Al Ahzars, Scheich Ahmed al Tayyeb. Die Konferenz wird mit ausgerichtet vom „Islamischen Rat der Alten“, einer unabhängigen internationalen Organisation mit Sitz in Abu Dhabi, der 2014 gegründet wurde mit dem Ziel, den Frieden unter den verschiedenen islamischen Gemeinschaften zu fördern. (fides u. www.de.radiovaticana.va v. 4. 10.)

 

Am 6. Oktober finden Friedensgebete moslemischer und christlicher Kinder in Syrien statt. Ausgehend von Aleppo sollen sich in ganz Syrien die Kinder mit Friedensappellen an die Machthaber wenden, dem Bürgerkrieg ein Ende zu setzen. Es handelt sich um eine Initiative der Franziskaner. (JA v. 9. 10.)

 

Am Reformationstag (31. Oktober) spricht der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) in einer Kirche in Nürnberg. Nach dem Festgottesdienst will Aiman Mazyek über die Beziehung der Muslime zu Christen und über muslimische Fragen der Trennung von Religion und Staat sprechen. Der Altdorfer Dekan Jörg Breu begründet die außergewöhnliche Einladung an Mayzek damit, dass es immer ein Anliegen der Reformation sei, „althergebrachte Strukturen aufzubrechen“. (JA v. 30. 10.)

 

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hält einen muslimischen Bundespräsidenten wie den Schriftsteller Navid Kermani für vertretbar. Wenn eines Tages ein Muslim von einer demokratischen Mehrheit zum Staatsoberhaupt gewählt würde, müsse das auch die Kirche akzeptieren, zitierten die „Nürnberger Nachrichten“ Aussagen Schicks während eines Gesprächsforums der Zeitung am 28. Oktober. „Alles andere wäre undemokratisch,“ so Schick. Derzeit wird auch der muslimische Schriftsteller Navid Kermani als möglicher Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt. (www.de.radiovaticana.va u. kap v. 29. 10.; JA v. 13. 11.)

 

Eine Delegation der al-Azhar-Universität von Kairo besuchte am 26. Oktober die Dorfkirche von Saint-Etienne du Rouvray in Frankreich, in der IS-Terroristen im Sommer den Pfarrer Jacques Hamel umgebracht haben. Begleitet wurde sie von Bischof Lebrun von Rouen. „Die al-Azhar-Universität hat schon ein paar Tage nach dem Mord an Pater Hamel Kontakt mit uns aufgenommen“, berichtet der Priester Vincent Feroldi, der für die französische Bischofskonferenz für die Beziehungen zu den Muslimen zuständig ist. „Die Dozenten der Kairoer Universität waren sehr betroffen über das Drama, das sich abgespielt hatte, und wollten den Christen ihre Solidarität bezeugen, und zwar am Ort des Geschehens. Damit wollten sie unterstreichen, dass der Islam eine Religion des Friedens ist und sein soll, und dass das Geschehene überhaupt nicht in Einklang zu bringen ist mit dem, was der Islam aus ihrer Sicht ist. […]Die Friedens-Karawane wird in vielen Gesprächen vorbereitet und begleitet; in diesem Frühjahr konnte eine Übereinkunft zwischen al-Azhar und dem ‚Institut Catholique de Paris‘ (der römisch-katholischen universitären Einrichtung der französischen Hauptstadt) unterzeichnet werden, darin wurde ein Austausch von Dozenten vereinbart, und dass Lehrkräfte beider Seiten zu Konferenzen und Kolloquien der jeweils anderen Universität eingeladen werden. Da bahnt sich eine Zusammenarbeit auf akademischem Niveau an,“ so Feroldi. Der ägyptische Präsident al-Sisi steht hinter dem neuen Kurs von al-Azhar und pocht auf eine gewaltfreie Interpretation von Koran und der Hadithe. Die angesehene Universität fordert mittlerweile dazu auf, die heiligen Texte des Islam durch die Brille der Vernunft zu lesen. „Das ist wirklich interessant. Denn sobald man in diesem Bereich an die Vernunft appelliert, ordnet man die heiligen Texte einer bestimmten, spezifischen Epoche der Menschheit zu. Das macht sie heute interpretierbar, im Licht der Vernunft und der zeitgenössischen Kultur,“ sagte Feroldi. (www.de.radiovaticana.va v. 27. 10.; JA v. 6. 11.)

 

Erstmals nimmt in Bangladesch ein Katholik eine führende Rolle in einem der höchsten Ämter der Oppositionspartei ein: Albert P. Costa wurde neuer Präsident des „Jumbos Dals“, des Jugendflügels der nationalistischen Partei Bangladeschs (BNP). In der Vergangenheit hatte er bereits die größte Organisation für Kooperation in seinem Land geführt. Seine Ernennung ist einmalig, denn gerade einmal 0,4 Prozent der 160 Millionen Einwohner sind Katholiken. (asianews u www.de.radiovaticana.va v. 28. 10.)

 

Der jordanische König Abdullah II. ist mit dem Internationalen Preis des Westfälischen Friedens ausgezeichnet worden. Er teilt sich den Preis von € 100.000.- mit der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“. Der König wurde wegen seines Einsatzes für den Frieden im Nahen Osten und für die zahlreichen Flüchtlinge geehrt. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck würdigte besonders sein Eintreten für das Existenzrecht Israels und für eine Zwei-Staaten-Lösung im heutigen Israel. Der Preis wird seit 1998, dem Jahr des 350-jährigen Jahrestag des Westfälischen Friedens, alle zwei Jahre verliehen. (JA v. 23. 10.)

 

Interreligiöse Solidarität in Indien nach einer tödlichen Massenpanik: Die römisch-katholische Kirche hat den Hindus Hilfe angeboten, die in einem Hindu-Heiligtum in Varanasi zu Schaden kamen. Mindestens 24 Menschen wurden dort am 15. Oktober zu Tode getrampelt, als durch einen falschen Alarm Panik unter den rund 70.000 Pilgern ausbrach. Kardinal Owsald Gracias, der Vorsitzende der indischen Bischofskonferenz, drückte den Angehörigen der Opfer das Mitgefühl aus und versicherte, sämtliche Krankeneinrichtungen der Kirche stünden mitsamt ihrem Personal den verletzten Hindu-Pilgern zur Verfügung. (asianews u. www.de.radiovaticana.va v. 17. 10.)

 

Der König von Bahrain schenkt der koptisch-orthodoxen Gemeinde ein Grundstück für den Bau einer Kirche. Das neue christliche Gotteshaus wird in der Hauptstadt Manama entstehen und Mittelpunkt von liturgischen Feiern und pastoralen Aktivitäten für rund 1.500 koptische Familien in Bahrain und Saudi-Arabien sein. Die Schenkung war nach einer Begegnung zwischen dem König von Bahrain, Hamad bin Isa Al Chalifa, und dem koptisch-orthodoxen Patriarchen Tawadros II. beim Besuch des Monarchen in Ägypten Ende April angekündigt worden. Bei diesem Treffen hatte der König an die „religiöse Toleranz“ seines Königreichs erinnert. Bereits 2013 hat auch die römisch-katholische Kirche in Bahrain ein 9.000 Quadratmeter großes Grundstück in Awali geschenkt bekommen, wo im Frühjahr 2014 mit dem Bau der Kathedrale begonnen wurde. (fides u. www.de.radiovaticana.va v. 13. 10.; JA v. 30. 10.)

 

Papst Franziskus bittet eine jüdische Gemeinde für ihn zu beten: Er hat seinem langjährigen Freund, dem argentinischen Rabbiner Abraham Skorka, einen langen handgeschriebenen Brief zu den jüdischen Festen Rosch Haschana und Jom Kippur geschickt. Schon in den Jahren zuvor hatte er Skorka zum Neujahrsfest und zum Versöhnungsfest Jom Kippur Festtagsgrüße übermittelt. In dem diesjährigen Brief spricht der Papst den Rabbiner als „lieber Bruder“ an. Die Grußbotschaft endet so: „Noch eine Bitte: Dass Sie und Ihre Gemeinschaft nicht aufhören, für mich zu beten“. (www.de.radiovaticana.va u. kap v. 11. 10.; JA v. 23. 10.)

 

Am 13. September feierten Muslime in der Pfarre von Langenhart (OÖ) zusammen mit der Pfarre einen ökumenischen Gottesdienst. Dieser Gegenbesuch von 30 Muslimen war die Antwort auf den Besuch von Pfarrmitgliedern in der Moschee. Zum Thema Barmherzigkeit wurden Bibel- und Koranstellen vorgetragen. Christliche und islamische Lieder und Gebete rundeten den Gottesdienst in der Marienkirche ab. Vorher gab es eine ausführliche Erklärung der Kirche für die muslimischen Gäste, nachher saß man noch lang bei der Agape zusammen. „Die konstruktiven Gespräche geben Hoffnung auf ein zukünftig engeres Miteinander“, sagte Diana Mihaiescu von Christian Solidarity International (CSI). (CSI-Zeitung 10/2016)

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Communio" einen Beitrag zum christlich-jüdischen Dialog veröffentlicht. Ziel des Benedikt-Textes sei zunächst nur eine private Reflexion auf die nachkonziliare Absage an die sogenannte „Substitutionstheorie" – die Vorstellung, die Kirche sei an die Stelle Israels getreten – und über den „nie gekündigten Bund" „Beide Thesen […] sind im Grunde richtig, sind aber doch in vielem ungenau und müssen kritisch weiter bedacht werden". Denn es habe eine „Substitutionstheorie" „als solche nicht gegeben" und es komme dem Judentum aus christlicher Sicht stets ein besonderer Status zu, insofern das Judentum „nicht eine Religion unter anderen" sei, sondern „in einer besonderen Situation steht und daher auch als solches von der Kirche anerkannt werden muss". Es gibt aber auch bleibende Differenzen wie z. B. die Messias-Frage: Für das Judentum bleibe ein gewisser messianischer Verheißungsüberschuss, denn Jesus habe ja kein messianisches Friedensreich gegründet, sondern seine Messianität verstanden als „eine Zeit der Freiheit". Auch die Frage des „nie gekündigten Bundes" zwischen Gott und den Juden verlange nach Differenzierungen, etwa in dem Sinne, dass es nicht nur den einen Bund zwischen Gott und seinem Volk gab, sondern viele unterschiedliche Bünde. „Die Formel vom ‚nie gekündigten Bund‘ mag in einer ersten Phase des neuen Dialogs zwischen Juden und Christen eine Hilfe gewesen sein, taugt aber nicht auf Dauer, um die Größe der Wirklichkeit einigermaßen angemessen auszudrücken", so Benedikt XVI. (kap u. vn v. 6. 7.)

     

  • Weitere deutsche Bischöfe haben angekündigt, die Kommunion für evangelische Ehepartner im Einzelfall zuzulassen: der „Ökumene-Bischof“ Gerhard Feige, der Hamburger Erzbischof Stefan Heße und der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz Franz-Josef Bode. Der Magdeburger Bischof Feige erklärte, er bereite derzeit ein Schreiben vor, in dem er den Priestern seines Bistums die Beachtung der Orientierungshilfe der deutschen Bischofskonferenz nahelegt. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode will die Kommunion ebenfalls in Einzelfällen öffnen. Auch der Hamburger Bischof empfiehlt den Seelsorgern in seiner Diözese in einem Schreiben die Orientierungshilfe. Er persönlich sehe in dem dort angedeuteten Weg eine Möglichkeit, wie es zu einem verantworteten Sakramentenempfang im Einzelfall kommen könne, schreibt Heße. Auch aus Paderborn war bekannt geworden, dass Erzbischof Hans-Josef Becker in Einzelfällen die Teilnahme protestantischer Ehepartner an der Kommunion ermöglichen wolle. Die deutschen Bischöfe hatten in einer im Februar mit Dreiviertel-Mehrheit verabschiedeten „Orientierungshilfe“ betont, evangelische Ehepartner könnten im Einzelfall und unter bestimmten Voraussetzungen die Kommunion empfangen. Jeder Bischof soll selbst über den konkreten Umgang mit dem Thema in seiner Diözese entscheiden. (kap u. vn v. 3. 7.)

     

  • Die Internationale Anglikanisch-Katholische Kommission (ARCIC) hat eine Erklärung über die Kirche als lokale und universale Gemeinschaft veröffentlicht. In dem 68-seitigen Dokument geht es um die gemeinsamen theologischen Prinzipien beider Kirchen, um die unterschiedlichen Strukturen der Entscheidungsfindung sowie um die Möglichkeiten, voneinander zu lernen. Der Text „Walking Together on the Way: Learning to be Church - Local, Regional, Universal" wurde bereits bei einer Tagung im Mai 2017 in Erfurt verabschiedet, aber erst am 2. Juli veröffentlicht. Die Erklärung soll als Grundlage für weitere Diskussionen gelten. Der australische Theologe Ormond Rush legte das Papier im Namen des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen vor und betonte, es gebe viele Parallelen zwischen den Möglichkeiten des Lernens für die römisch-katholische Kirche, die in dem Dokument vorgeschlagen sind, und der Vision, die Papst Franziskus für die Erneuerung der Kirche gemäß des Zweiten Vatikanischen Konzils habe. Das Dokument legt auch die Notwendigkeit für die römisch-katholische Kirche nahe, die Autorität der Bischofskonferenzen klarer zu umreißen. Die Erklärung sei – methodisch und substanziell – ein bedeutender Schritt nach vorn für die katholisch-anglikanische Ökumene, hieß es von römisch-katholischen Beteiligten. Die anglikanischen Mitglieder lobten das „Bekenntnis zur Einheit". Sie schlugen zudem vor, die römisch-katholische Praxis eines gemeinsamen Heiligenkalenders zu übernehmen sowie einen weltweiten Katechismus und ein einheitliches Kirchenrecht zu entwickeln. ARCIC begann ihre Arbeit nach dem historischen Treffen 1966 zwischen Papst Paul VI. und dem anglikanischen Erzbischof von Canterbury, Michael Ramsey. (vn u. kap v. 5. 7.)

     

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