Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Die römisch-katholische Kirche begrüßt ein Gesetz in Indien, das erzwungene oder durch materielle Versprechen begünstigte Konversionen verbieten will. Die Regierung des Bundesstaates Jharkhand hat ein entsprechendes Gesetz am 1. August verabschiedet; bei einer Zustimmung durch das Parlament in Ranchi wäre der ostindische Bundesstaat der siebte mit einer entsprechenden Regelung zum Glaubenswechsel. Der Erzbischof von Ranchi, Kardinal Telesphore Toppo, betonte, das Gesetz solle „nicht Konversionen allgemein verbieten, sondern erzwungene Konversionen“. Alle Menschen seien frei in ihrem Willen und in ihrem Gewissen. Niemand könne „jemand anderen zwingen, den Glauben zu wechseln“. Die Strafe von bis zu drei Jahren erhöht sich auf bis zu vier Jahre, wenn es sich bei den Konvertiten um Minderjährige oder um Frauen aus unterprivilegierten, z. B. indigenen Gruppen handelt. (asianews u. rv v. 3. 8.)

 

Mehr als 1000 Muslime zogen durch die Kölner Innenstadt, um gegen den islamistischen Terror zu demonstrieren. Das Motto der Demo lautete „Nicht mit uns“. Die Aktion wurde unter anderem von der Islamwissenschafterin Layma Kaddor und dem Aktivisten Tarek Mohamad organisiert. (KircheIn 08/2017)

 

Im indonesischen Yogyakarta nahmen etwa 2.000 Jugendliche aus 22 asiatischen Ländern an dem von kirchlichen Jugendverbänden organisierten „Asiatischen Jugendtag“ teil. Auch 160 junge Muslime sind unter den Teilnehmern. „Toleranz bedeutet nicht, sich gegenseitig schweigend zu ertragen, sondern persönliche Beziehungen zueinander aufzunehmen“, sagte Rifqi Fairuz vom muslimischen „National Gusdurian Network“. Im Mittelpunkt stand die „Einheit trotz aller kulturellen und religiösen Unterschiede“, wie der indonesische Jesuitenpater Andreas Setyawan betonte. Am vorletzten Tag des Jugendtages rief der philippinische Bischof Joel Bayon die TeilnehmerInnen auf, ihren „Optimismus in authentisch christliche Hoffnung zu verwandeln“. (fides u. rv v. 5. 8.)

 

„Wir werden Gewalt im Namen der Religion nicht dulden“, betonte Indiens Premierminister Narendra Modi nach Angaben der katholischen Nachrichtenagentur Kathpress in einer Rede zum 70. Unabhängigkeitstag des Landes. Der Premier gehört der hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Party an. (kap u. rv v. 16. 8.)

 

Erstmals seit 95 Jahren haben armenische Katholiken in der Johanneskathedrale von Izmir einen Gottesdienst gefeiert. Wie die Agentur Kathpress berichtet, haben 150 Armenier an der Messe mit dem Geistlichen Vartan Kazanciyan teilgenommen. Darunter waren auch einige römisch-katholische Christen, Levantiner, die während der osmanischen Zeit in die Türkei kamen. Die Johanneskathedrale stammt aus den frühen Zeiten des Christentums. Die Gemeinde wird im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, erwähnt. 50 Jahre lang hatte das türkische Militär die Kathedrale unter anderem als Quartier für Nato-Soldaten zweckentfremdet. 2013 wurde das Gotteshaus renoviert. (kap u. rv v. 17. 8.; JA v. 27. 8.)

 

Mit einem Staatsakt hat Pakistan Abschied von der deutschen Medizinerin und römisch-katholischen Ordensfrau Ruth Pfau genommen. Soldaten trugen am Wochenende den mit der Flagge Pakistans bedeckten Sarg in die St.-Patrick's-Kathedrale in Karachi. Die international als „Mutter Teresa von Pakistan“ bekannte Lepra-Ärztin war am 10. August im Alter von 87 Jahren gestorben. An dem von Erzbischof Joseph Coutts zelebrierten Trauergottesdienst nahmen unter anderen der Staatspräsident Pakistans, Mamnoon Hussain, mehrere Mitglieder der Regierungsspitze sowie hochrangige Vertreter von Armee, Luftwaffe und Marine teil. Das Land ehre Pfau für ihre „selbstlosen und unübertroffenen“ Dienste, sagte Premierminister Shahid Khaqan Abbasi. Nach dem Trauergottesdienst wurde Pfau auf dem Friedhof Gora Qabaristan, der mehr als 170 Jahre alten christlichen Begräbnisstätte in Karachi, beigesetzt. Der Wagen mit dem Sarg wurde auf seinem Weg durch die Millionenmetropole von Soldaten begleitet. Staatsbegräbnisse dieser Art gibt es in Pakistan normalerweise nur für gefallene Soldaten und für Regierungsmitglieder. (kna u. rv v. 20. 8.; JA v. 27. 8.; KirchenIn 09/2017)

 

Der Oberste Gerichtshof Indiens hat am 22. August die islamische Schnell-Scheidung zum Verstoßen der Frau verboten. Eine Ehe zwischen Muslimen galt in Indien bisher als geschieden, wenn der Mann drei Mal innerhalb kurzer Zeit das Wort „Talaq“ (Verstoßung) aussprach. Der Gerichtshof setzt sich zusammen aus einem Hindu, einem Christen, einem Muslim, einem Sikh und einem Zoroastrier. Eine der Klägerinnen, Shayara Bano, begrüßte die Entscheidung des Gerichts als „historisch“ für muslimische Frauen. „Ich appelliere an das Volk, die Entscheidung des Obersten Gerichts zu akzeptieren“, sagte sie nach der Urteilsverkündung. Premierminister Narendra Modi twitterte, die Entscheidung sei „historisch“. Familienministerin Maneka Gandhi bezeichnete das Urteil als „großen Schritt für die Frauen“. (reuters u. rv v. 22. 8.)

 

Der einflussreiche irakisch-schiitische Geistliche Muktada al-Sadr plant anlässlich seiner Europareise einen Besuch bei Papst Franziskus. Der Papst spiele eine große Rolle in der westlichen Welt, begründete ein Sprecher die Initiative. Von der Begegnung erwarte man sich positive Impulse für den Irak. Ziel der Europa-Reise sei es unter anderem, für Unterstützung der irakischen Regierung im Kampf gegen den Terrorismus zu werben. Al-Sadr, Führer der stärksten schiitischen Bewegung im mehrheitlich sunnitischen Irak, besuchte vor wenigen Wochen das Königreich Saudi-Arabien und wurde von Kronprinz Mohammed bin Salman in Dschidda empfangen. Im August reiste er in die Vereinigten Arabischen Emirate und traf mit Kronprinz Mohammed bin Zayed in Abu Dhabi zusammen. (kap v. 27. 8.)

 

Die Wiener katholisch-theologische Fakultät wird interreligiöser Hotspot: Was im norddeutschen Münster unter dem Stichwort „Campus der Religionen" entsteht, nimmt an der Universität Wien ab dem Wintersemester 2017 bereits Gestalt an: Ein gemeinsamer theologischer bzw. interreligiös-akademischer Hotspot unter einem Dach. So wird ab Oktober 2017 neben der katholisch-theologischen, der evangelisch-theologischen Fakultät und der Abteilung Orthodoxe Religionspädagogik auch das Institut für Islamisch-Theologische Studien im Gebäude in der Schenkenstraße seine Tätigkeit aufnehmen. Das teilte die Dekanin der katholisch-theologischen Fakultät, Prof. Sigrid Müller, gegenüber Kathpress mit. Das Projekt sei „einzigartig", so Müller, und für Studierende öffne sich nicht nur die Möglichkeit, einen Bachelor in „Islamisch-Theologischen Studien" zu absolvieren, sondern „Ökumene und den Dialog der Religionen hautnah zu erfahren". Die Einrichtung des Studienganges „Islamisch-Theologische Studien" geht zurück auf das Islamgesetz von 2015. Für das Studium stellt Österreich entsprechende Mittel zur Verfügung. Seit Ende 2016 wurde dazu zunächst das Institut für Islamisch-Theologische Studien eingerichtet und organisatorisch der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät zugeordnet. „Das Bachelorstudium ‚Islamisch-Theologische Studien' der Universität Wien hat als bekenntnisorientiertes und interdisziplinäres Fach die Intention, einen Beitrag zur Entwicklung einer Tradition der Islamischen Theologie und Studien auf der europäischen universitären Ebene zu leisten und arbeitet mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen eng zusammen", heißt es in der Präambel zum neuen Studium. (kap u. religion.orf.at v. 30. 8.)

 

Die Kirche leistet „einen großen Beitrag zum Wachstum der Nation“. Mit diesen Worten hat Indiens Vizepräsident Venkaiah Naidu bei einem Treffen mit hohen Kirchenvertretern seine Wertschätzung für die Arbeit der Gläubigen ausgedrückt. Bei dem Treffen, das die indische Bischofskonferenz (Cbci) organisiert hatte, waren unter anderem der Erzbischof von Delhi, Anil Joseph Thomas Couto, anwesend. Sie betonten den Beitrag der Kirche zur Einheit Indiens. Naidu sagte, ethnische und religiöse Spannungen im Land gingen leider von einzelnen Politikern aus, die mit den Themen Religion und Kasten Stimmen gewinnen wollten. Er wolle dafür Sorge tragen, dass die aktuellen Fälle von Gewalt gegen Christen in den Bundesstaaten Tamil Nadu und Goa von den höchsten Ämtern untersucht würden. Er verurteilte auch die Gewalt der hindu-nationalisitischen Gruppe „Gau Rakshak“ gegen Verkäufer von Rindfleisch und Rindsleder. Die heiligen Kühe seien zwar wichtig, das Leben eines Menschen sei aber wichtiger. (rv v. 30. 8.)

 

Papst Franziskus hat vor Rabbinern aus Europa, Amerika und Israel seine Ablehnung von „Religionskriegen“ bekräftigt. Anlass der Audienz am 31. August war ein neues Dokument der Rabbiner, das diese dem Papst überreichten. Es trägt den Titel „Zwischen Jerusalem und Rom“, unterstreicht die gemeinsamen Traditionen des Judentums und des Christentums und verschweigt nicht die theologischen Differenzen zwischen den beiden Glaubenstraditionen. „Wir erfahren derzeit einen ertragreichen Moment des Dialogs […] Ihr Dokument richtet sich an Katholiken und bezeichnet sie als Partner, enge Verbündete, Freunde und Geschwister in unserem gemeinsamen Anliegen für eine bessere Welt. Es hält außerdem fest, dass trotz tiefer theologischer Unterschiede Katholiken und Juden gemeinsame Glaubensinhalte teilen und auch dass Religionen moralisches Verhalten und religiöse Erziehung – und nicht Krieg, Zwang oder sozialer Druck – benutzen müssen, um Einfluss auszuüben und zu inspirieren“, so der Papst. Das Grußwort auf Seiten der Rabbiner sprach Pinchas Goldschmidt, der frühere Oberrabbiner Moskaus und Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz. Franziskus nutzte die Gelegenheit auch, um den jüdischen Vertretern ein gutes neues Jahr – „Shanah tovah“ - zu wünschen, das nach der jüdischen Tradition in einigen Wochen beginnt. Abschließend bat der die Rabbiner, für ihn zu beten. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Österreich, Oskar Deutsch, bezeichnet diese Erklärung als „historischen Moment“ Darin wird „den Christen eine besonderer Status [… zuerkannt,] da sie den Schöpfer des Himmels und der Erde anbeten […] dessen Vorsehung der gesamten Schöpfung gilt“. Papst Franziskus bezeichnete in der Danksagung die Juden und Christen als „Freunde und Brüder“. (rv v. 31. 8.; JA v. 10. 9.)

 

Religionsführer des Christentums, Judentums und des Islam suchen den Schulterschluss in Umweltfragen: Zum Ende der Weltausstellung „Expo“ in Kasachstan haben Vertreter dieser Religionen in Astana eine gemeinsame Erklärung zum Thema „Energie der Zukunft“ verabschiedet. Darin wenden sie sich gegen Wegwerfprodukte, Kernwaffen sowie fossile Brennstoffe wie Kohle und Erdöl und verurteilen riesige Kraftwerkprojekte, deren ökologische und soziale Auswirkungen nicht hinreichend untersucht wurden. Der Akt der Unterzeichnung der Erklärung fiel auf den Vortag des Gebetstages für die Bewahrung der Schöpfung (am 1. September), den der orthodoxe Patriarch Bartholomaios I. eingeführt und die römisch-katholische Kirche unter Papst Franziskus übernommen hatte. Neben Kardinal Turkson unterzeichneten drei weitere Religionsvertreter die Erklärung: die Anglikanerin Clare Amos für den Weltkirchenrat, Rabbiner Daniel Sperber, Talmud-Professor in Jerusalem, und der italienische Imam Yahya Sergio Pallavicini. (rv v. 31. 8.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Zu einem gemeinsamen Fastenbrechen haben sich Anfang Juni in Jakarta Muslime, Christen und Buddhisten getroffen. Sie wollen damit ein Zeichen für kulturelle und religiöse Vielfalt im Land setzen. Wie die Nachrichtenagentur Fides berichtet, stand das Zusammenkommen der Gläubigen und ihrer Religionsführer im Zeichen der „Pancasila“. Das bedeutet „fünf Prinzipien“ und ist die offizielle Staatsideologie Indonesiens. Man wolle mit dem gemeinsamen Fastenbrechen Solidarität bekunden mit den Opfern des Anschlags von Surabaya im Osten Javas, bei dem mindestens 23 Menschen gestorben sind. Das Attentat geht auf das Konto der Jemaah Ansharut Daulah. Doch der Islam stehe im Einklang mit der Pancasila und respektiere religiöse und kulturelle Vielfalt, erklärte James Smith Carrington, auch bekannt als Ustaz James, Mitglied der Nahdlatul Ulama und des „Majlis Ulama Indonesia“. Das Land erlebe jetzt eine Zeit der Intoleranz. „Jeder glaubt im Recht zu sein, schiebt anderen die Schuld für Missstände in die Schuhe und widerspricht damit auch der Charta von Medina“, einer Erklärung Mohammeds, der darin Anhänger andere Religionen, wie Juden und Christen, willkommen hieß, ihre Religionen frei auf islamischen Boden zu praktizieren. Bei einem anderen interreligiösen Treffen wurde ein ähnlicher Impuls gesetzt: Der Islamwissenschaftler Sumanto al Qurtuby betonte während einer Veranstaltung der Theologischen Fakultät der Jesuiten-Universität „Sanata Dharma“ in Yogyakarta: „Indonesien ist unser aller Zuhause. Wir müssen gemeinsam darauf aufpassen.“ Der erste der fünf Grundsätze der Pancasila lautet: „An einen Gott glauben“: Jeder Indonesier hat demnach das staatlich garantierte Recht, eine Religion seiner Wahl auszuüben. Es geht um Religionsfreiheit. (fides u. vn v. 5. 6.)

     

  • Die Synodalität ist eines der großen Anliegen von Papst Franziskus. Er will das synodale Element in der Kirche stärken und dafür auch Anleihen bei der Orthodoxie nehmen. Die Internationale Theologenkommission hat ein Grundsatzpapier zum Thema Synodalität erstellt. „Synodalität“ ist vom Begriff „Demokratie“ zu unterscheiden. „Es geht vielmehr darum, immer da, wo Macht in der Kirche ausgeübt wird, den Communio-Charakter der Kirche zu wahren“, sagte der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke im Gespräch mit dem Kölner Domradio. „Die Universalkirche darf sich nicht gegenüber den Ortskirchen verselbständigen. […] Die Apostelnachfolger können nur dann erfolgreich Gehorsam erwarten, wenn sie ihrerseits auf den sogenannten Glaubenssinn der Gläubigen hören. […] Gewiss, man kann die Kirche nicht an einer Stelle versammeln. Es muss Delegierte geben – Delegierte, die ihren Glauben kirchlich leben. […] Die Synodalität von Entscheidungsprozessen in der Kirche ist strikt zu unterscheiden von dem demokratischen Prinzip, dass stets die Mehrheit entscheidet. Man kann über die Wahrheit, die Christus ist, nicht nach dem Mehrheitsprinzip abstimmen. Jeder weiß, dass die Wahrheit oft nur von einer Minderheit verstanden und gelebt wird. Das gilt übrigens nicht nur für die Wahrheit des Glaubens.“ Und trotzdem: Auch die Synodalität kommt nicht ohne demokratie-ähnliche Elemente aus. „Wenn man in der katholischen Kirche versucht, alle Ebenen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und den von Papst Franziskus immer wieder beschworenen Glaubenssinn der Gläubigen ernst zu nehmen, dann wird man in Zukunft weniger deduktiv als induktiv denken und verfahren. […] Man kann vieles, was Organisation und Struktur in der Kirche betrifft, auch demokratisch regeln. […] Doch wenn es um Glaubensfragen geht, dann entscheiden letztendlich nur die Bischöfe; auch sie nicht einfach durch Mehrheitsbeschluss, sondern in Einheit mit dem vom Papst.“ Das steht in einer Spannung zum Wunsch des Papstes, auch den Bischofskonferenzen eine gewisse lehramtliche Autorität zuzusprechen. Das geht einher mit dem Willen des Papstes zur Dezentralisierung, dass nicht mehr Rom alles und jedes entscheiden muss. (www.domradio.de u. vn v. 26. 5.)

     

  • Papst Franziskus lehnt jeden Versuch ab, in Russland orthodoxe Gläubige für die katholische Kirche abzuwerben. Das sagte er vor einer Delegation des Moskauer Patriarchen Kyrill I., die er am 30. Mai im Vatikan empfing. Der Vatikan gab die Worte des Papstes am 2. Juni zur Veröffentlichung frei. „Ich freue mich, mit euch den Weg der Einheit zu beschreiten“, sagte Franziskus vor der 20-köpfigen Delegation orthodoxer Würdenträger unter Metropolit Hilarion. In Moskau gebe es nur ein einziges Patriarchat, nämlich das der russisch-orthodoxen Kirche. „Wir werden kein weiteres haben“, sagte der Papst. Auch für ihn sei es „schmerzhaft“, wenn „einige katholische Gläubige, seien es Laien, Priester oder Bischöfe, das Banner des Uniatismus tragen“, das heißt, in der orthodoxen Kirche Getaufte für die katholische Kirche abwerben. Uniatismus entspricht bereits seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) nicht mehr der römisch-katholischen Theologie. Es sei ein Fehler zu glauben, Ökumene beginne mit einem dogmatischen Abkommen, das alle Streitfragen kläre, und dann könne man gemeinsam vorangehen. Abermals schlug der Papst die umgekehrte Reihenfolge vor: „Die Ökumene geschieht im gemeinsamen Unterwegssein, im Gebet, bei der Heiligenverehrung und den Werken der Nächstenliebe.“ Wann eine Übereinkunft in lehrmäßigen Fragen erzielt werde, sei offen. Gleichzeitig versicherte der Papst der russischen Delegation, dass die katholische Kirche die Eigenständigkeit der russisch-orthodoxen Kirche respektiere: Sie dürfe „sich nicht in die internen Belange der russisch-orthodoxen Kirche einmischen.“ Und das persönliche Gebet füreinander sei wichig, betonte Franziskus, der den Besuchern anvertraute: „Nachdem ich den Patriarchen getroffen habe [2016 in Havanna], hat er mir eine Reliquie des heiligen Seraphim zukommen lassen. Ich habe diese Reliquie auf meinem Nachttisch, und abends, bevor ich ins Bett gehe, und morgens, wenn ich aufstehe, verehre ich sie und bete für unsere Einheit.“ (vn v. 2. 6.: JA v. 17. 6.)

     

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