Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Anlässlich des islamischen Opferfestes am 1. September hat der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn die gemeinsamen Wurzeln der großen monotheistischen Religionen betont. In seiner wöchentlichen Kolumne in der Zeitung „Heute“ erklärt er, das Opferfest, arabisch „Eid al-Adha“, verweise mit Abraham auf den gemeinsamen Stammvater von Christentum, Islam und Judentum. „Abraham hat Gott so sehr vertraut, dass er bereit war, ihm alles hinzugeben, sogar seinen eigenen Sohn“, so Schönborn über die Hintergründe des Festes. „Gott will aber nicht, dass der Sohn geopfert wird, sondern dass Abraham ihm ganz vertraut.“ Alle Menschen können von diesem Gottvertrauen lernen. „Was du besitzt, hast du von Gott. Sei also großzügig, freigiebig, gastfreundlich. Denn vor Gott sind wir Menschen alle gleich.“ Das Opferfest sei deshalb ein guter Anlass, die spirituellen Reichtümer anderer Religionen kennenzulernen, meint der Kardinal. (rv v. 1. 9.)

 

Interreligiöse Dialogrunde gegen Terrorismus in der Schweiz: Wie lassen sich religiöser Extremismus und Radikalismus bekämpfen? Auf der Konferenz gingen die Religionsvertreter der Schweizer Bischofskonferenz und der iranischen Organisation für Islamische Kultur und Beziehungen Ende August in Teheran gemeinsam den Ursachen eines religiösen Extremismus nach. Die Begegnung sei „ein weiterer Meilenstein“ im seit 2005 geführten Dialog zwischen schiitischen Geistlichen und der Schweizer Kirche, urteilt die Schweizer Bischofskonferenz. Die Gespräche hätten „in einem Klima der Freundschaft, Offenheit und Direktheit“ stattgefunden. Kirchen- und Islamvertreter seien sich einig darüber gewesen, dass religiöse Gewalt ihren Ursprung in der „Missachtung des Glaubens“ und dem „Ausschluss von Vernunft im Glauben“ habe. Extremismus und Gewalt stünden im Widerspruch zum Wesen sowohl des Islam als auch des Christentums. Die Konferenz fand auf Einladung des Präsidenten der iranischen Organisation für Islamische Kultur und Beziehungen, Abouzar Ibrahimi Torkaman, statt. Die Schweizer Delegation, die im Rahmen ihres mehrtägigen Iran-Aufenthaltes in Teheran und Isfahan auch Vertreter der chaldäisch-katholischen sowie der armenisch-apostolischen Kirche traf, wurde vom Schweizer Weihbischof Alain de Raemy angeführt. Die nächste interreligiöse Dialogrunde soll 2019 in der Schweiz stattfinden. (rv v. 7. 9.)

 

In einem Interview mit der Septemberausgabe der Zeitschrift „Kirche In“ setzt sich die tunesische Muslima Saida Keller-Messahli, die mit einem Schweizer verheiratet ist, für einen fortschrittlichen Islam ein. Anlass des Interviews war ihr Buch „Islamische Drehscheibe Schweiz“ (NZZ-Libro-Verlag 2017). Darin überlegt die Mitbegründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin auch ein derartiges Projekt in der Schweiz und kritisiert den Islamunterricht in Kindergärten und Schulen: „Wir sollten prüfen, mit welchem Unterrichtsmaterial sie arbeiten […] Ich stelle fest, dass in vielen Kindergärten, Schulen und Moscheen islamistisches Gedankengut verbreitet wird […] Der Koran ist in Wirklichkeit ein Wegweiser für eine ganz persönliche Beziehung zu Gott. Es gibt keine Instanz, die das Recht hat zu sagen, wie jemand zu glauben hat. [… Die Schweizer Behörden] haben den Fehler begangen, dass sie eine [islamistische] Minderheit zum Gesprächspartner gewählt hat“: Leute von der Muslimbruderschaft und der Golfstatten, sogar von den „grauen Wölfen“. Sie warnt vor radikalisierten Konvertiten, die „ganz gezielt von den Saudis eingesetzt werden, um den Wahabismus und Salafismus hier in Europa salonfähig zu machen.“ Sie nennt Nicolas Blancho und Nora Illi aus der Schweiz und Pierre Vogel, Marcel Krass und Michael Lauge aus Deutschland. (KircheIn 09/2017)

 

Die Religionen der Welt sind aufgerufen, sich in gemeinsamen Anstrengungen um den Frieden zu bemühen. Das betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Ansprache, die sie anlässlich der Eröffnung des Friedenstreffens der Gemeinschaft Sant‘ Egidio am 10. September in Münster hielt. Es liege im Wesen der Religionen, sich gegen Gewalt und Krieg zu wenden, so die Bundeskanzlerin. An der offiziellen Eröffnungsveranstaltung in der Halle Münsterland nahmen auch Vertreter der großen Religionen sowie von Politik und Kultur teil, darunter der Großimam der Al Azhar-Universität in Ägypten, Ahmad Muhammad Al-Tayyeb und Münsters Bischof Felix Genn, der das Treffen auch im Namen seines Osnabrücker Amtskollegen Franz-Josef Bode eröffnete. In den nächsten Tagen stehen in Münster und Osnabrück, den beiden Städten des im Jahr 1648 geschlossenen Westfälischen Friedens, 24 Veranstaltungen zur Zukunft Europas an: zur Flüchtlingssituation und Krieg sowie zum weltweiten Terror. (kap u. rv v. 6. u. 11. 9.)

 

Die Erzdiözese Lahore (Pakistan) verbietet politische Reden in allen Kirchen des Bistums. Das meldet die Nachrichtenagentur ucanews. Der Entscheidung vorausgegangen war ein Streit um eine im Internet verbreitete Rede der Tochter des ehemaligen Premierministers Nawaz Sharif in der römisch-katholischen Kathedrale der Stadt am 8. September. Zuvor war Erzbischof Sebastian Shaw im Internet dafür kritisiert worden, die Rede überhaupt zuzulassen. (ucan u. rv v. 8. 9.)

 

Der Interreligiöse Rat Kenias fordert die Wahlkommission des Landes auf, sich zügig umzustrukturieren. Kenia wählt am 17. Oktober zum zweiten Mal einen neuen Präsidenten, nachdem das Verfassungsgericht die Wahl vom 8. August für ungültig erklärt hatte. Die Kommission solle sich auf den kommenden Urnengang konzentrieren, indem sie zuerst Ordnung in ihren eigenen Reihen schafft, empfahl der Direktor des Interreligiösen Rates, Francis Kuria, bei einer öffentlichen Veranstaltung. Die religiösen Führer des Landes stünden jedoch weiter im Dialog mit der Wahlkommission, um freie, faire und glaubwürdige Wahlen in Kenia zu gewährleisten. (cisa u. rv v. 13. 9.)

 

Muslimischen Frauen in Tunesien ist es nun gestattet, auch Nichtmuslime zu heiraten, meldet die Nachrichtenagentur AsiaNews unter Berufung auf ein Facebook-Posting des Pressesprechers des tunesischen Präsidenten, Said Garrach. Die Gesetze aus dem Jahr 1973, denen zufolge eine derartige Ehe bisher verboten war, wurden laut seiner Ankündigung aufgehoben. „Herzlichen Glückwunsch allen Frauen Tunesiens“ für das gewonnene Freiheitsrecht, fügte er hinzu. Im Land kämpfen Menschenrechtsaktivisten seit Jahren um eine Revision des umstrittenen Gesetzes. Bisher musste vor der Hochzeit bewiesen werden, dass der Partner zum Islam konvertiert ist. Nur in Ausnahmefällen und nach langem Rechtsstreit war es möglich, auch ohne diese Bescheinigung zu heiraten. Frauen in Tunesien haben auch die Möglichkeit, sich scheiden zu lassen oder ihren Wunschberuf auszuüben. (asianews u. rv v. 15. 9.)

 

In einem Beitrag in der Zeitung „Die Furche“ vom 21. September schlägt Prof. Mouhanad Khorchide, Leiter des universitären Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster, vor, die Pilgerfahrt zur Kaaba in Mekka allen Menschen zu ermöglichen. Sure 3:97 geht an „alle Menschen“: „Die Menschen sollen Gottes wegen zum Haus wallfahren, falls es ihnen möglich ist.“ Khorchide erinnert daran, dass in vorislamischer Zeit Araber aller Stämme nach Mekka gepilgert sind. „Diese Tatsache schließt ein, dass der Islam bereit ist, auch Pilgerstätten und -wege anderer Religionen anzuerkennen […] Muslime sollte die koranische Einladung an alle Menschen, nach Mekka zu kommen, ernst nehmen, […] statt Nichtmuslimen zu verbieten, diese Pilgerstätte zu betreten […] Wenn nicht die heiligen Orte uns in Liebe und Frieden zusammenbringen, welche sollten dies sonst tun?“. (Die Furche v. 21. 9.)

 

Der syrische Volksrat hat erstmals seit den 1940er Jahren wieder einen Christen zum Parlamentsvorsitzenden gewählt. Bei der Wahl am 28. September erhielt der Jurist Hamoudeh Sabbagh, der in der Vergangenheit als stellvertretender Gouverneur der Provinz Hassake tätig war, 193 von insgesamt 252 Stimmen, wie der römische Pressedienst „Fides“ berichtet. Sabbagh gehört der Baath-Partei von Staatschef Bashar al-Assad an. (kap u. rv v. 29. 9.; JA v. 8. 10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Zu einem gemeinsamen Fastenbrechen haben sich Anfang Juni in Jakarta Muslime, Christen und Buddhisten getroffen. Sie wollen damit ein Zeichen für kulturelle und religiöse Vielfalt im Land setzen. Wie die Nachrichtenagentur Fides berichtet, stand das Zusammenkommen der Gläubigen und ihrer Religionsführer im Zeichen der „Pancasila“. Das bedeutet „fünf Prinzipien“ und ist die offizielle Staatsideologie Indonesiens. Man wolle mit dem gemeinsamen Fastenbrechen Solidarität bekunden mit den Opfern des Anschlags von Surabaya im Osten Javas, bei dem mindestens 23 Menschen gestorben sind. Das Attentat geht auf das Konto der Jemaah Ansharut Daulah. Doch der Islam stehe im Einklang mit der Pancasila und respektiere religiöse und kulturelle Vielfalt, erklärte James Smith Carrington, auch bekannt als Ustaz James, Mitglied der Nahdlatul Ulama und des „Majlis Ulama Indonesia“. Das Land erlebe jetzt eine Zeit der Intoleranz. „Jeder glaubt im Recht zu sein, schiebt anderen die Schuld für Missstände in die Schuhe und widerspricht damit auch der Charta von Medina“, einer Erklärung Mohammeds, der darin Anhänger andere Religionen, wie Juden und Christen, willkommen hieß, ihre Religionen frei auf islamischen Boden zu praktizieren. Bei einem anderen interreligiösen Treffen wurde ein ähnlicher Impuls gesetzt: Der Islamwissenschaftler Sumanto al Qurtuby betonte während einer Veranstaltung der Theologischen Fakultät der Jesuiten-Universität „Sanata Dharma“ in Yogyakarta: „Indonesien ist unser aller Zuhause. Wir müssen gemeinsam darauf aufpassen.“ Der erste der fünf Grundsätze der Pancasila lautet: „An einen Gott glauben“: Jeder Indonesier hat demnach das staatlich garantierte Recht, eine Religion seiner Wahl auszuüben. Es geht um Religionsfreiheit. (fides u. vn v. 5. 6.)

     

  • Die Synodalität ist eines der großen Anliegen von Papst Franziskus. Er will das synodale Element in der Kirche stärken und dafür auch Anleihen bei der Orthodoxie nehmen. Die Internationale Theologenkommission hat ein Grundsatzpapier zum Thema Synodalität erstellt. „Synodalität“ ist vom Begriff „Demokratie“ zu unterscheiden. „Es geht vielmehr darum, immer da, wo Macht in der Kirche ausgeübt wird, den Communio-Charakter der Kirche zu wahren“, sagte der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke im Gespräch mit dem Kölner Domradio. „Die Universalkirche darf sich nicht gegenüber den Ortskirchen verselbständigen. […] Die Apostelnachfolger können nur dann erfolgreich Gehorsam erwarten, wenn sie ihrerseits auf den sogenannten Glaubenssinn der Gläubigen hören. […] Gewiss, man kann die Kirche nicht an einer Stelle versammeln. Es muss Delegierte geben – Delegierte, die ihren Glauben kirchlich leben. […] Die Synodalität von Entscheidungsprozessen in der Kirche ist strikt zu unterscheiden von dem demokratischen Prinzip, dass stets die Mehrheit entscheidet. Man kann über die Wahrheit, die Christus ist, nicht nach dem Mehrheitsprinzip abstimmen. Jeder weiß, dass die Wahrheit oft nur von einer Minderheit verstanden und gelebt wird. Das gilt übrigens nicht nur für die Wahrheit des Glaubens.“ Und trotzdem: Auch die Synodalität kommt nicht ohne demokratie-ähnliche Elemente aus. „Wenn man in der katholischen Kirche versucht, alle Ebenen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und den von Papst Franziskus immer wieder beschworenen Glaubenssinn der Gläubigen ernst zu nehmen, dann wird man in Zukunft weniger deduktiv als induktiv denken und verfahren. […] Man kann vieles, was Organisation und Struktur in der Kirche betrifft, auch demokratisch regeln. […] Doch wenn es um Glaubensfragen geht, dann entscheiden letztendlich nur die Bischöfe; auch sie nicht einfach durch Mehrheitsbeschluss, sondern in Einheit mit dem vom Papst.“ Das steht in einer Spannung zum Wunsch des Papstes, auch den Bischofskonferenzen eine gewisse lehramtliche Autorität zuzusprechen. Das geht einher mit dem Willen des Papstes zur Dezentralisierung, dass nicht mehr Rom alles und jedes entscheiden muss. (www.domradio.de u. vn v. 26. 5.)

     

  • Papst Franziskus lehnt jeden Versuch ab, in Russland orthodoxe Gläubige für die katholische Kirche abzuwerben. Das sagte er vor einer Delegation des Moskauer Patriarchen Kyrill I., die er am 30. Mai im Vatikan empfing. Der Vatikan gab die Worte des Papstes am 2. Juni zur Veröffentlichung frei. „Ich freue mich, mit euch den Weg der Einheit zu beschreiten“, sagte Franziskus vor der 20-köpfigen Delegation orthodoxer Würdenträger unter Metropolit Hilarion. In Moskau gebe es nur ein einziges Patriarchat, nämlich das der russisch-orthodoxen Kirche. „Wir werden kein weiteres haben“, sagte der Papst. Auch für ihn sei es „schmerzhaft“, wenn „einige katholische Gläubige, seien es Laien, Priester oder Bischöfe, das Banner des Uniatismus tragen“, das heißt, in der orthodoxen Kirche Getaufte für die katholische Kirche abwerben. Uniatismus entspricht bereits seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) nicht mehr der römisch-katholischen Theologie. Es sei ein Fehler zu glauben, Ökumene beginne mit einem dogmatischen Abkommen, das alle Streitfragen kläre, und dann könne man gemeinsam vorangehen. Abermals schlug der Papst die umgekehrte Reihenfolge vor: „Die Ökumene geschieht im gemeinsamen Unterwegssein, im Gebet, bei der Heiligenverehrung und den Werken der Nächstenliebe.“ Wann eine Übereinkunft in lehrmäßigen Fragen erzielt werde, sei offen. Gleichzeitig versicherte der Papst der russischen Delegation, dass die katholische Kirche die Eigenständigkeit der russisch-orthodoxen Kirche respektiere: Sie dürfe „sich nicht in die internen Belange der russisch-orthodoxen Kirche einmischen.“ Und das persönliche Gebet füreinander sei wichig, betonte Franziskus, der den Besuchern anvertraute: „Nachdem ich den Patriarchen getroffen habe [2016 in Havanna], hat er mir eine Reliquie des heiligen Seraphim zukommen lassen. Ich habe diese Reliquie auf meinem Nachttisch, und abends, bevor ich ins Bett gehe, und morgens, wenn ich aufstehe, verehre ich sie und bete für unsere Einheit.“ (vn v. 2. 6.: JA v. 17. 6.)

     

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