Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Am 5. Mai findet an der Universität Wien eine hochkarätig besetzte Konferenz „Europa und seine Muslime“ statt. Ziel dieser internationalen Veranstaltung ist es, Herausforderungen der Integration der muslimischen Bevölkerung in Österreich und Europa zu diskutieren. Expertisen liefern u. a. der Religionsrechtler Richard Potz, die evangelische Theologin Susanne Heine, die beiden Soziologen Christoph Reinprecht, der kurdisch-türkisch-stämmige Kenan Güngör sowie Liselotte Abid, Orientalistin an der Universität Wien. (Die Furche v. 26. 4.)

 

Dank eines Gesetzes von 2016 können in Ägypten in den nächsten Monaten immer mehr der rund 3.000 christlichen Kultstätten legalisiert werden. In den letzten Jahrzehnten entstanden in Ägypten viele christliche Kultstätten spontan und ohne die notwendigen Genehmigungen. Die Legalisierung der Sakralbauten erstreckt sich auch auf die angrenzenden Dienstgebäude. Premierminister Sherif Ismail hatte das Gesetz über die Kultorte 2016 erlassen. Es gilt als Verbesserung gegenüber den sogenannten „10 Regeln“ von 1934, die es untersagten, Kirchen in der Nähe von Schulen, Abwasserkanälen, Regierungsgebäuden oder Wohngebieten zu bauen. In den ländlichen Gebieten verhinderte dies christliche Sakralbauten. (fides u. vn v. 5. 5.)

 

Vertreter des Jordanischen Königlichen Instituts für Interreligiöse Studien und des Vatikans tagten am 9. und 10. Mai in Amman zum Thema Religionen und die Würde des Lebens aus christlicher und muslimischer Sicht. Die jordanische Delegation wurde angeführt von Prinz Hassan bin Talal, die vatikanische Delegation von Bischof Miguel Ayuso, Sekretär des päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. Als Abschluss des in freundlicher und offener Atmosphäre erfolgten Treffens veröffentlichten die Teilnehmer Empfehlungen: Das menschliche Leben sei ein Geschenk Gottes, das daher von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod geschützt werden müsse. Der Mensch sei Krone der Schöpfung und habe daher besondere Würde, Rechte und Pflichten. Daher habe auch jede Person ein Anrecht auf Respekt, Liebe und alle notwendigen Bedingungen für ein Leben in Würde. Die jungen Generationen müssten dazu erzogen werden, die Schöpfung und die Menschenwürde zu achten. (vn v. 12. 5.)

 

70 prominente Gelehrte (Ulema) aus Afghanistan, Indonesien und Pakistan gaben am 11. Mai in Bogor, Indonesien, ein Edikt heraus, in dem es heißt, dass gewalttätiger Extremismus sowie Selbstmordattentate gegen heilige islamische Prinzipien verstoßen. Sie wollen die Taliban überzeugen, ihre Gewalt zu beenden. Der indonesische Präsident Joko Widodo, der das eintägige Treffen eröffnete, betonte den Willen Indonesiens zum Frieden. Die Konferenz sei Teil der Anstrengungen seines Landes, zum Frieden in Afghanistan beizutragen. Die islamischen Theologen bezeichnete er als „Friedensagenten“. In dem Edikt heißt es, man bekräftige, dass Gewalt und Terrorismus mit keiner Religion, Nationalität, Zivilisation oder Ethnie assoziiert werden könne. Die Konferenz fand im Präsidentenpalast in Bogor am Stadtrand von Jakarta statt und war vom indonesischen Gelehrtenrat organisiert worden. (vn v. 12. 5.)

 

Der Vatikan wünscht dem Weltislam zum Fastenmonat Ramadan alles Gute. Das steht in einer am 18. 5. veröffentlichten Botschaft des päpstlichen Rates für interreligiösen Dialog. Die Rivalität zwischen Christen und Muslimen habe in der Vergangenheit negative Folgen gehabt, heißt es in der Grußbotschaft mit dem Titel „Christen und Muslime. Von Konkurrenz zur Zusammenarbeit“. Vor allem sei es destruktiv, wenn Religion instrumentalisiert und für die Interessen politischer Bewegungen vereinnahmt werde. Heute sei statt der Konkurrenz eine Zusammenarbeit der Religionen wünschenswert. Christentum und Islam sollten sich gemeinsame religiöse Werte vergegenwärtigen. Die „legitimen Unterschiede“ gelte es zu respektieren. Ziel müsse eine „effiziente Kooperation für das Gemeinwohl“ sein. Der Einsatz für die Schwächsten sei ein „glaubwürdiges Zeugnis für die Liebe des Allmächtigen gegenüber der gesamten Menschheit“. Die Grußbotschaft ist vom Präsidenten des Dialogrates, Kardinal Jean-Louis Tauran und dessen Sekretär Ángel Ayuso Guixot unterzeichnet. (vn v. 18. 5.)

 

Das irakische Außenministerium hat Papst Franziskus für seine „fortwährende Unterstützung“ für den Irak gedankt. Dazu gehöre „in dieser entscheidenden Zeit für Frieden und guter Nachbarschaft“ im Irak auch die Verleihung der Kardinalswürde an Patriarch Louis Raphael Sako, heißt es in der Mitteilung des amtierenden Außenministers Ibrahim al-Jaafari. Irak werde durch den künftigen Kardinal „eine Stimme im Vatikan und in internationalen Foren" haben, um „den Kampf gegen den Terrorismus" fortzusetzen und dem Land „seine religiöse Vielfalt zu bewahren". (fides u. vn v. 24. 5.)

 

Die Regierung Indonesiens bleibt bei strengeren Regeln für Islam-Prediger. Islamistische Gruppen hatten gefordert, dass das Religionsministerium eine Liste staatlich zugelassener Prediger und Religionslehrer zurücknehmen solle. Die Registrierung „qualifizierter“ Prediger wurde nach den Selbstmordanschlägen auf drei Kirchen in der Stadt Surabaya Mitte Mai als Maßnahme gegen die Verbreitung radikal-islamischer Lehren eingeführt. Die neue Linie diene „dem Wohl der Muslime und der Nation“, zitierte am 30. Mai der asiatische katholische Pressedienst Ucanews einen Sprecher des Religionsministeriums. Islamische Prediger müssten für eine Zulassung die vom Ministerium gesetzten Lehrstandards erfüllen. Die Liste der zugelassenen Prediger werde mit dem Rat der Islamgelehrten, dem höchsten islamischen Gremium Indonesiens, abgestimmt. Seit Jahren herrscht in Indonesien ein gesellschaftlicher Streit um die islamische Identität des Landes. Islamistische Hardliner fordern die Abschaffung der säkularen Verfassung und die Umwandlung Indonesiens in einen Gottesstaat. Daher geht Indonesiens Regierung verstärkt mit schärferen Gesetzen und dem Verbot radikaler islamischer Organisationen dagegen vor. (ucan u. kna u. vn v. 30 5.)

 

Dänemark verbietet ab August das Tragen der Burka und des Nikab in der Öffentlichkeit. Das Parlament in Kopenhagen stimmte einem Gesetz zu, das die islamische Voll- oder Gesichtsverschleierung in öffentlichen Räumen untersagt, wie der Nachrichtensender ntv am 31. Mai in Köln berichtete. Damit ist das Tragen von Burka oder Nikab – ähnlich wie in Österreich, Belgien, Frankreich und Teilen der Schweiz – künftig auch in Dänemark unter Strafe gestellt. (kna u. vn v. 31. 5.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Zu einem gemeinsamen Fastenbrechen haben sich Anfang Juni in Jakarta Muslime, Christen und Buddhisten getroffen. Sie wollen damit ein Zeichen für kulturelle und religiöse Vielfalt im Land setzen. Wie die Nachrichtenagentur Fides berichtet, stand das Zusammenkommen der Gläubigen und ihrer Religionsführer im Zeichen der „Pancasila“. Das bedeutet „fünf Prinzipien“ und ist die offizielle Staatsideologie Indonesiens. Man wolle mit dem gemeinsamen Fastenbrechen Solidarität bekunden mit den Opfern des Anschlags von Surabaya im Osten Javas, bei dem mindestens 23 Menschen gestorben sind. Das Attentat geht auf das Konto der Jemaah Ansharut Daulah. Doch der Islam stehe im Einklang mit der Pancasila und respektiere religiöse und kulturelle Vielfalt, erklärte James Smith Carrington, auch bekannt als Ustaz James, Mitglied der Nahdlatul Ulama und des „Majlis Ulama Indonesia“. Das Land erlebe jetzt eine Zeit der Intoleranz. „Jeder glaubt im Recht zu sein, schiebt anderen die Schuld für Missstände in die Schuhe und widerspricht damit auch der Charta von Medina“, einer Erklärung Mohammeds, der darin Anhänger andere Religionen, wie Juden und Christen, willkommen hieß, ihre Religionen frei auf islamischen Boden zu praktizieren. Bei einem anderen interreligiösen Treffen wurde ein ähnlicher Impuls gesetzt: Der Islamwissenschaftler Sumanto al Qurtuby betonte während einer Veranstaltung der Theologischen Fakultät der Jesuiten-Universität „Sanata Dharma“ in Yogyakarta: „Indonesien ist unser aller Zuhause. Wir müssen gemeinsam darauf aufpassen.“ Der erste der fünf Grundsätze der Pancasila lautet: „An einen Gott glauben“: Jeder Indonesier hat demnach das staatlich garantierte Recht, eine Religion seiner Wahl auszuüben. Es geht um Religionsfreiheit. (fides u. vn v. 5. 6.)

     

  • Die Synodalität ist eines der großen Anliegen von Papst Franziskus. Er will das synodale Element in der Kirche stärken und dafür auch Anleihen bei der Orthodoxie nehmen. Die Internationale Theologenkommission hat ein Grundsatzpapier zum Thema Synodalität erstellt. „Synodalität“ ist vom Begriff „Demokratie“ zu unterscheiden. „Es geht vielmehr darum, immer da, wo Macht in der Kirche ausgeübt wird, den Communio-Charakter der Kirche zu wahren“, sagte der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke im Gespräch mit dem Kölner Domradio. „Die Universalkirche darf sich nicht gegenüber den Ortskirchen verselbständigen. […] Die Apostelnachfolger können nur dann erfolgreich Gehorsam erwarten, wenn sie ihrerseits auf den sogenannten Glaubenssinn der Gläubigen hören. […] Gewiss, man kann die Kirche nicht an einer Stelle versammeln. Es muss Delegierte geben – Delegierte, die ihren Glauben kirchlich leben. […] Die Synodalität von Entscheidungsprozessen in der Kirche ist strikt zu unterscheiden von dem demokratischen Prinzip, dass stets die Mehrheit entscheidet. Man kann über die Wahrheit, die Christus ist, nicht nach dem Mehrheitsprinzip abstimmen. Jeder weiß, dass die Wahrheit oft nur von einer Minderheit verstanden und gelebt wird. Das gilt übrigens nicht nur für die Wahrheit des Glaubens.“ Und trotzdem: Auch die Synodalität kommt nicht ohne demokratie-ähnliche Elemente aus. „Wenn man in der katholischen Kirche versucht, alle Ebenen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und den von Papst Franziskus immer wieder beschworenen Glaubenssinn der Gläubigen ernst zu nehmen, dann wird man in Zukunft weniger deduktiv als induktiv denken und verfahren. […] Man kann vieles, was Organisation und Struktur in der Kirche betrifft, auch demokratisch regeln. […] Doch wenn es um Glaubensfragen geht, dann entscheiden letztendlich nur die Bischöfe; auch sie nicht einfach durch Mehrheitsbeschluss, sondern in Einheit mit dem vom Papst.“ Das steht in einer Spannung zum Wunsch des Papstes, auch den Bischofskonferenzen eine gewisse lehramtliche Autorität zuzusprechen. Das geht einher mit dem Willen des Papstes zur Dezentralisierung, dass nicht mehr Rom alles und jedes entscheiden muss. (www.domradio.de u. vn v. 26. 5.)

     

  • Papst Franziskus lehnt jeden Versuch ab, in Russland orthodoxe Gläubige für die katholische Kirche abzuwerben. Das sagte er vor einer Delegation des Moskauer Patriarchen Kyrill I., die er am 30. Mai im Vatikan empfing. Der Vatikan gab die Worte des Papstes am 2. Juni zur Veröffentlichung frei. „Ich freue mich, mit euch den Weg der Einheit zu beschreiten“, sagte Franziskus vor der 20-köpfigen Delegation orthodoxer Würdenträger unter Metropolit Hilarion. In Moskau gebe es nur ein einziges Patriarchat, nämlich das der russisch-orthodoxen Kirche. „Wir werden kein weiteres haben“, sagte der Papst. Auch für ihn sei es „schmerzhaft“, wenn „einige katholische Gläubige, seien es Laien, Priester oder Bischöfe, das Banner des Uniatismus tragen“, das heißt, in der orthodoxen Kirche Getaufte für die katholische Kirche abwerben. Uniatismus entspricht bereits seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) nicht mehr der römisch-katholischen Theologie. Es sei ein Fehler zu glauben, Ökumene beginne mit einem dogmatischen Abkommen, das alle Streitfragen kläre, und dann könne man gemeinsam vorangehen. Abermals schlug der Papst die umgekehrte Reihenfolge vor: „Die Ökumene geschieht im gemeinsamen Unterwegssein, im Gebet, bei der Heiligenverehrung und den Werken der Nächstenliebe.“ Wann eine Übereinkunft in lehrmäßigen Fragen erzielt werde, sei offen. Gleichzeitig versicherte der Papst der russischen Delegation, dass die katholische Kirche die Eigenständigkeit der russisch-orthodoxen Kirche respektiere: Sie dürfe „sich nicht in die internen Belange der russisch-orthodoxen Kirche einmischen.“ Und das persönliche Gebet füreinander sei wichig, betonte Franziskus, der den Besuchern anvertraute: „Nachdem ich den Patriarchen getroffen habe [2016 in Havanna], hat er mir eine Reliquie des heiligen Seraphim zukommen lassen. Ich habe diese Reliquie auf meinem Nachttisch, und abends, bevor ich ins Bett gehe, und morgens, wenn ich aufstehe, verehre ich sie und bete für unsere Einheit.“ (vn v. 2. 6.: JA v. 17. 6.)

     

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