Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Imame sollen in Deutschland künftig mit einem Bußgeld belegt werden, wenn sie in Deutschland Minderjährige verheiraten. Das Bußgeld könnte bis zu € 1000.- betragen. Damit sollen „Voraustrauungen“ – religiöse Eheschließungen vor der standesamtlichen Trauung – verhindert werden. Diesen Gesetzesentwurf hat das deutsche Innenministerium an die Arbeitsgruppe des Bundes für Kinderfragen zu Beratung geschickt. (Die Presse v. 3. 11.)

 

Einen Aufruf an alle Religionen, sich klar von Gewalttaten zu distanzieren, die im Namen Gottes verübt werden, hat Papst Franziskus an rund 200 Teilnehmer eines interreligiösen Treffens gerichtet, die er am 3. November im Vatikan empfing. Wenige Tage vor der feierlichen Schlusszeremonie des außerordentlichen Heiligen Jahres buchstabierte er vor den Religionsvertretern die universal gültige Bedeutung von Barmherzigkeit aus. Repräsentanten von Judentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus und anderen Weltreligionen versammelten sich mit dem Papst fast auf den Tag genau 30 Jahre nach dem ersten Friedenstreffen der Religionen, das Papst Johannes Paul II. am 27. Oktober 1986 in Assisi veranstaltet hatte. „Möge es nie mehr vorkommen, dass die Religionen aufgrund des Verhaltens einiger ihrer Gläubigen eine misstönende Botschaft aussenden, die in Kontrast zu derjenigen der Barmherzigkeit steht,“ so der eindringliche Appell von Papst Franziskus. Das Heilig-Jahr-Motto Barmherzigkeit sei ein Thema, das allen Religionen gemein sein müsse, zeigte sich der Papst überzeugt. „Das ist der Stil, zu dem auch die Religionen aufgerufen sind, um speziell in unserer heutigen Zeit Botschafter des Friedens und Gemeinschaftsstifter zu sein“ Dabei sei es unerlässlich, dass sich die einzelnen Religionen auf Augenhöhe begegneten. (www.de.radiovaticana.va v. 3. 11.)

 

Die Universalität von Barmherzigkeit war auch das Thema eines interreligiösen und interkulturellen Treffens, das in diesen Tagen in Rom stattfand: Das Internationale Dialogzentrum KAICIID mit Sitz in Wien, an dem der Vatikan beteiligt ist, hat rund 40 Vertreter aller Weltreligionen zu einem Symposium an die Päpstliche Universität Gregoriana geladen. Hier einige Aussagen von Peter Kaiser, dem Verantwortlichem für die Öffentlichkeitsarbeit des KAICIID, in einem Interview: „Beim Symposium haben rund 40 Würdenträger aus sechs verschiedenen Religionen das Thema Barmherzigkeit im Dialog bearbeitet, und sie sind verhältnismäßig schnell zu dem Schluss gekommen, dass Barmherzigkeit ein zentrales Element jeder Religion ist. Das wirft dann die Frage auf, warum wird Barmherzigkeit nicht universell angewandt? Sie sind darauf gekommen, dass es bestimmte Hemmnisse bzw. Hürden gibt, die genommen werden müssen, um Barmherzigkeit anzuwenden. Es braucht beispielsweise Mut dazu. […] Manche glauben auch, dass man erst einmal für eine gewisse Ordnung sorgen muss, bevor man Barmherzigkeit anwenden darf.“ Das 2012 ins Leben gerufene KAICIID ist die erste internationale Einrichtung auf der Grundlage des Völkerrechts, die sich dem Dialog der Religionen und Kulturen verschreibt. Das Leitungsgremium besteht aus Vertretern der großen Weltreligionen und Kulturen. Der Vatikan ist durch den Sekretär des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Miguel Angel Ayuso Guixot, vertreten. (www.de.radiovaticana.va v. 4. 11.)

 

Kinderehen in Nigeria sollen nach dem Willen des christlichen nigerianischen Dachverbands CAN verboten werden. Vertreter des Verbandes forderten Präsident Muhammadu Buhari auf, mit traditionellen Herrschern darüber zu sprechen, berichtet die Zeitung „Daily Trust“ am 4. November. Bei einem Treffen im Amtssitz des Präsidenten hatten 19 CAN-Vertreter aus dem Norden des Landes ihre Bedenken bezüglich der Kinderehen geäußert. In zwölf Bundesstaaten im Norden Nigerias gilt das islamische Scharia-Recht, auf das sich diesbezüglich viele Muslime berufen. Andererseits wurde 2003 ein Gesetz, der Child Rights Act, verabschiedet, in dem von einem Mindestheiratsalter von 18 Jahren die Rede ist. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 4. 11.; JA v. 13. 11.)

 

Ein Papsttext wird in Moscheen Frankreichs verteilt: Der französische Islamrat „Conseil Francais du Culte Muselman“ (CFCM) will den Text der Ansprache am 3. November beim Symposion des Internationalen Dialogzentrums KAICIID in der päpstlichen Universität Gregoriana unter französischen Muslimen verbreiten. In der Ansprache auf der Audienz hat der Papst jeder Gewalt im Namen der Religion eine klare Absage erteilt. „Ich hatte schon seit Monaten die Absicht, einmal den Papst aufzusuchen“, sagte der CFCM-Vorsitzende Anouar Kbibech in einem Gespräch nach der Audienz. „Das sind sehr tragische, schwierige Zeiten, vor allem nach den Anschlägen in Frankreich; da braucht es solche symbolischen Gesten und eine deutliche Botschaft an die Gläubigen unserer Religionen […] Unser Treffen mit dem Papst gehört in die neue Dynamik von Geschwisterlichkeit und Einvernehmen, die wir in Frankreich bei Christen und Muslimen ausgelöst haben.“ Die Zusammenarbeit der verschiedenen Religionsvertreter in Frankreich ist nach Kbibechs Darstellung sehr gut. „Es gibt unter uns einen friedlichen, ständigen Dialog; aber ich glaube, das Treffen mit dem Papst gibt dem Dialog noch einmal eine andere Dimension. […]Mein Verband [hat] systematisch alle Gewalt- oder Terrorakte verurteilt, besonders wenn diese sich auf die islamische Religion berufen. Wir haben das geradezu herausgeschrien, über die Medien, im Fernsehen, im Radio, in den Zeitungen... Und trotzdem gibt es leider weiterhin den Eindruck bei einigen unserer Landsleute, das sei nicht genug.“ (www.de.radiovaticana.va v. 4. 11.; JA v. 13. 11.)

 

Das Hafenministerium von Sri Lanka will in Colombo im Namen der Buddhisten einen 114m hohen Weihnachtsbaum finanzieren. Damit soll die „interreligiöse Harmonie“ symbolisiert werden, berichtet die katholische Nachrichtenagentur Ucanews am 7. November. Die Mehrheit der Bevölkerung in dem Land ist buddhistisch. Der Weihnachtsbaum soll mit 500.000 bunten Lichtern geschmückt werden. Es handelt sich um einen künstlichen, bezüglich der Höhe rekordverdächtigen Baum, der im Park Galle Face Green in der Hauptstadt Colombo aufgestellt werden soll. Zu den Unterstützern des Projekts zählt dem Bericht zufolge auch der Erzbischof von Colombo, Kardinal Albert Malcolm Ranjith. (ucanews u www.de.radiovaticana.va v. 8. 11.; JA v. 20. 11.)

 

Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) distanziert sich von der christlichen Mission unter Juden. In einer als historisch eingestuften Erklärung zum 9. November, dem 78. Jahrestag der Reichspogromnacht, wird festgestellt: „Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels […] Wir bekräftigen: Die Erwählung der Kirche ist nicht an die Stelle der Erwählung des Volkes Israel getreten. Gott steht in Treue zu seinem Volk." Vorausgegangen war eine lebhafte Debatte im Plenum des Kirchenparlaments. (kna v. 8.)

 

Der Päpstliche Dialog-Rat und das Zentrum für Dialog der sunnitischen Al-Azhar-Universität mit Sitz in Kairo bringen ihre erste gemeinsame Initiative auf den Weg: Im Rahmen eines Studienseminars will man sich gemeinsam mit Problemen der Präsenz von mehreren Religionsgemeinschaften im Kontext der Zivilgesellschaft befassen. Am 12. November trafen sich in Kairo der jordanische Priester Khaled Akashè, der im Dialog-Rat für die Beziehungen zum Islam zuständig ist, und Professor Muhieddin Afifi vom Generalsekretariat der Akademie für Islamforschung der Al-Azhar Universität. Dabei sprachen sie über die Inhalte der für kommenden Februar geplanten Veranstaltung. Auf dieses Studienseminar sollen weitere Veranstaltungen folgen, die die Al-Azhar-Universität und der Vatikan gemeinsam organisieren werden. Die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen dem Vatikan und der Al-Azhar-Universität begann mit dem Besuch von Bischof Miguel Angel Ayuso Guixot MCCJ, Sekretär des Dialog-Rates, in Kairo im vergangenen Februar. Am 23. Mai wurde al-Tayyeb von Papst Franziskus im Vatikan empfangen. (fides u. www.de.radiovaticana.va v. 14. 11.)

 

Den christlich-jüdischen Dialog intensiv weiterführen: Festakt zum 60-jährigen Bestehen des "Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit" im Wiener Kardinal-König-Haus. Philip Cunningham, der Präsident des International Council of Christians and Jews (ICCJ) begrüßte in seiner Rede die Vertiefung der interreligiösen Solidarität und Freundschaft beider Religionen. Bischof Scheuer hofft auf „Frieden für den Staat Israel". Das Jubiläumsfest am 16. November bildet den Höhepunkt einer Reihe von Veranstaltungen zum jüdisch-christlichen Dialog. Zu den Teilnehmern zählten der ehemalige Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg, die Bischöfe Manfred Scheuer (römisch-katholisch) und Michael Bünker (evangelisch-lutherisch), die in der Bundesregierung für das Kultusamt zuständige Staatssekretärin Muna Duzdar sowie weitere hochrangige Vertreter der beiden Religionen. Unter anderem gab es einen Vortrag des Aachener Experten Prof. Hans Hermann Henrix an der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät sowie eine weitere Vortragsreihe unter dem Motto „Christen und Juden im Gespräch – Bilanz und Aussicht“. (religion.ORF.at u. KAP v. 14. 11.; KAP v.17. 11.)

 

Die beiden größten muslimischen Organisationen Indonesiens haben ihre Mitglieder aufgerufen, nicht an einer für kommende Woche geplanten Demonstration gegen den christlichen Gouverneur von Jakarta teilzunehmen. Gouverneur Ahok Basuki Tjahaja Purnama war wegen Beleidigung des Koran angeklagt worden. Es gebe derzeit keinen Grund für weitere Demonstrationen, zitierten indonesische Medien am 18. November aus einer Erklärung der Organisation Muhammadiyah. Die größte muslimische Organisationen Nahdlatul Ulama und Muhammadiyah haben zusammen mehr als 60 Millionen Mitglieder. Dem christlichen Gouverneur wird vorgeworfen, während einer Diskussionsveranstaltung den Koran beleidigt zu haben. Er galt bislang als der aussichtsreichste Kandidat für die Gouverneurswahl im Februar 2017. Moderate Muslimführer verteidigen Basuki Tjahaja Purnama. Die gegen ihn vorgebrachten Blasphemie-Vorwürfe seien „aus politischen Gründen fabriziert“ worden, sagten sie in einer Erklärung. (ucanews u. www.de.radiovaticana.va v. 9. 11.; kap v. 18. 11.)

 

In der Großen Moschee von Rom wurde das Freitagsgebet am 11. November erstmals auch auf Italienisch gebetet. (JA v. 20.11.)

 

Zentralafrika zeigt, wie Interreligiöser Dialog funktioniert: Der frisch gekürte zentralafrikanische Kardinal Dieudonné Nzapalainga wird am 22. November gemeinsam mit dem Imam Kobine Layama und dem protestantischen Pastor Philippe Sing-Na die Große Moschee in Rom aufsuchen. Das geht aus einer Pressemeldung der Basisgemeinschaft Sant´Egidio vom 21. November hervor. Demnach hätten sich der Erzbischof und die anderen religiösen Führer der zentralafrikanischen Stadt Bangui getroffen, um in Rom ihre interreligiöse Dialogplattform zu beleben. Diese hatten sie in den vergangenen Jahren in Bangui eingerichtet, um zu einer Befriedung des von ethnischen und religiösen Konflikten geplagten Landes beizutragen und gemeinsame humanitäre Aktionen zu starten. Die religiösen Führer waren im Gefolge des Erzbischofs von Bangui nach Rom gekommen, um mit ihm seine Erhebung in den Kardinalsstand zu feiern. (www.de.radiovaticana.va v. 21. 11.)

 

Reformen des Islams sowie eine „kritische Reflexion“ des Korans seien dringend nötig, erklärte der islamische Religionspädagoge Ednan Aslan, Professor am Institut für Islamische Studien der Universität Wien bei einem Podiumsgespräch. Aslan trat für die Entwicklung eines „Islam europäischer Prägung“ ein: „Wenn ein Islam europäischer Prägung scheitert, scheitert die Zukunft des Islam in der Welt!“ Und zur Beziehung zum Judentum meinte Aslan, dass es bis heute in der islamischen Lehre eine „heftige Ablehnung der Juden“ gebe. Das müsse in einem ehrlichen Dialog aufgearbeitet werden. Dass islamische Schulbücher „etliche Inhalte der Judenfeindlichkeit kultivieren“, sei heute nicht mehr haltbar. Weiterer Teilnehmer des Gesprächs im Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde Wien war der deutsche Politikwissenschaftler Bassam Tibi Bassam, ein sunnitischer Muslim aus Syrien. Tibi hat den Begriff des „Euro-Islam“ in den 1990er-Jahren eingeführt. Der Islam braucht laut Tibi nicht nur „eine Reform und ein Uminterpretieren“, sondern auch neue Elemente. Den Koran historisch-kritisch zu lesen, um nicht zeitgemäße Suren besser zu erstehen, sei dabei die „beste Methode“. (www.de.radiovaticana.va u. kap v. 22. 11.)

 

Ein Gericht in Lahore hat fünf Angeklagte, die bei einem Lynchmord Anfang November zwei Christen getötet hatten, zum Tod verurteilt, berichtet der vatikanische Nachrichtendienst Fides. Die beiden ermordeten Christen arbeiteten als Fabrikangestellte. Sie wurden zuerst entführt, gefoltert und dann lebendig verbrannt, wie die Untersuchung der Justiz ergab. Die römisch-katholische Anwältin Michelle Chaudhry, die sich um die Kinder des getöteten Paares kümmert, kommentierte den Richterspruch mit den Worten, dass „endlich Gerechtigkeit“ geschehe. Sie sei gegen die Todesstrafe, doch es sei wichtig, dass ein Urteil die Schuldigen benennt. (fides u. www.de.radiovaticana.va v. 26. 11.)

 

Christentum, Judentum und Islam: Alle Religionen in Europa müssen sich für die gesellschaftliche Eingliederung von Migranten einsetzen. Das ist nach den Worten von Wiens neuem Oberrabbiner Arie Folger eine der Erkenntnisse, die am 29. November bei einem EU-Treffen in Brüssel mit Religionsführern zur Sprache kamen. Bei der Tagung der EU-Kommission sprachen hochrangige Vertreter von Christentum, Judentum und Islam über Migration, Integration und europäische Werte. Im Gespräch mit Radio Vatikan sagte Folger, bei einer solchen Debatte befinden sich Religionsführer gewissermaßen „in einem Echoraum, wo man mit Gleichgesinnten spricht“. In Papst Franziskus sieht der neue Wiener Oberrabbiner einen sehr guten Alliierten. „Wir freuen uns sehr über bestimmte Aussagen von Papst Franziskus, die wesentlich dazu beitragen, dass Menschen bewusst wird, dass der Antisemitismus manchmal breiter ist, als man berichtet.“ (www.de.radiovaticana.va v. 30. 11.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Kardinal Reinhard Marx (München) sieht wiederholte Angriffe auf Gebetshäuser in Deutschland mit großer Sorge. „Solche Verbrechen sind schändlich und dürfen in keiner Weise verharmlost werden“, schreibt der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in einem veröffentlichten Grußwort zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan. „In einer offenen Gesellschaft darf kein Mensch Angst verspüren, wenn er ein Gebetshaus betritt.“ Es sei Pflicht der gesamten Gesellschaft, Hass und Hetze zurückzuweisen und sich für ein friedliches und vertrauensvolles Miteinander einzusetzen. Das gelte besonders für die Vertreter der Religionen, „denn ohne Frieden zwischen den Religionen und Kulturen gibt es keinen Frieden in unserer Gesellschaft“. In seiner Grußbotschaft übermittelt Marx Segenswünsche an alle Muslime in Deutschland: „Gott, der Schöpfer und Erhalter dieser Welt, möge Sie durch die Fastenzeit begleiten und Ihre Gebete erhören!“ Der Kardinal forderte dazu auf, gemeinsam daran zu arbeiten, dass sich weltweit das Verständnis von gleichen staatsbürgerlichen Rechten für alle durchsetzt. „Den Wert des Respektes müssen wir besonders den Jugendlichen vermitteln. Denn sie werden in der von uns geschaffenen pluralen Gesellschaft noch lange miteinander arbeiten und leben.“ (kna u. vn v. 5. 5.)

     

  • Die für 6. bis 27. Oktober 2019 geplante Amazonas-Synode in Rom wird nach Worten des deutschen Bischofs Franz-Josef Overbeck zu einer „Zäsur" in der römisch-katholischen Kirche führen. „Nichts wird mehr sein wie zuvor", sagte der für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat zuständige Ruhrbischof in Essen. So stehe die hierarchische Struktur der Kirche genauso auf dem Prüfstand wie ihre Sexualmoral und das Priesterbild. Auch die Rolle der Frau in der Kirche müsse überdacht werden. Bei der Bischofsversammlung soll es neben der Ökologie auch um Theologie und Seelsorge, um die Belange der Indigenen sowie um Menschenrechte gehen. In Lateinamerika werden die Ortskirchen und ihr Klerus immer selbstständiger. Zugleich stelle sich ein Priestermangel ein. Er kenne Diözesen, in denen einem Bischof noch gerade zehn Priester für ein riesiges Seelsorgegebiet zur Verfügung stünden. Schon jetzt seien die Kirchen vor Ort von Frauen, vor allem durch Ordensfrauen geprägt. „Das Gesicht der Kirche vor Ort ist ein Gesicht von Frauen", so der Adveniat-Bischof. Auf all das müsse die Kirche reagieren und Antworten finden. Die Kirche werde das „Schritt für Schritt" über mehrere synodale Prozesse tun müssen. (kna, kap u. vn v. 2. 5.)

     

  • Ein ökumenisches Ereignis von erstrangiger Bedeutung findet seit 1. Mai in Addis Abeba statt: Zum ersten Mal sind kirchliche Führungspersönlichkeiten und Experten der äthiopisch-orthodoxen Kirche sowie der römisch-katholischen Kirche in Äthiopien versammelt, um bei einer Konferenz auf wissenschaftlicher Ebene die Streitpunkte der Vergangenheit zu behandeln: die Unionsversuche des 16. Jahrhunderts und die Haltung der römisch-katholischen Kirche zum Eroberungskrieg Mussolinis im 20. Jahrhundert. Im seit Jahrzehnten andauernden Prozess zum Abbau des Misstrauens zwischen äthiopisch-orthodoxer und römisch-katholischer Kirche kommt der Wiener Stiftung "Pro Oriente" und dem von ihr getragenen „inoffiziellen Dialog" besondere Bedeutung zu. Daher wurde auch "Pro Oriente"-Präsident Alfons M. Kloss gebeten, die Tagung in Addis Abeba mit zu eröffnen. Der Salzburger Ostkirchenexperte und Vorsitzende der Salzburger Sektion von "Pro Oriente", Prof. Dietmar W. Winkler, ist einer der Referenten. Er behandelt das Verhältnis von offiziellem und inoffiziellem theologischen Dialog zwischen den Kirchen sowie die Hoffnung auf einen orthodox-katholischen Dialog in Äthiopien. Der römisch-katholische Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyesus D. Souraphiel, betonte im Vorfeld, vertiefte ökumenische Beziehungen seien nicht nur für das gemeinsame christliche Zeugnis in der Gegenwart von größter Bedeutung, sondern seien auch ein Dienst an der Bewahrung des reichen christlichen Erbes Äthiopiens und wichtig für den konstruktiven Dialog mit dem Islam. Der moslemische Ministerpräsident Ahmed Abiy hat die Initiative zur Förderung der nationalen Versöhnung mit angeregt. Kardinal Souraphiel wurde im Februar von Ministerpräsident Abiy zum Koordinator der neuen äthiopischen Nationalkommission für Versöhnung und Frieden bestellt. Ende Jänner war der neue Regierungschef Ahmed Abiy von Papst Franziskus im Vatikan empfangen worden. (kap v. 1. 5.)

     

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