Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Die römisch-katholischen Bischöfe Indiens sind solidarisch mit den indischen Protestanten: Die Bischofskonferenz Indiens hat Hass gegen alle gesellschaftlichen Gruppen sowie Gewalt gegen Gotteshäuser verurteilt. Jene, die solche Taten verübten, seien „Feinde der Nation", hieß es in einem am 7. Oktober auf Twitter verbreiteten Statement der Bischofskonferenz. Damit reagierten die Bischöfe auf einen Angriff auf die protestantische St. Thomas Kirche in der nordindischen Stadt Varanasi. Am 2. Oktober waren laut indischen Medienberichten 60 Männer in die Kirche eingedrungen, hatten dort randaliert und Gläubige bedroht. Peter Baldev, Bischof der Church of North India (CNI), forderte in einem Brief an Ministerpräsident Narendra Modi sofortige Maßnahmen gegen die Täter. In der CNI sind Anglikaner, Methodisten und Presbyterianer vertreten. (kna u. vn v. 7. 10.)

 

Der Ulema-Rat, die größte islamische Klerikal-Organisation Indonesiens, hat eine eigene Anti-Terror-Abteilung eingerichtet. Ziel ist es, eine Radikalisierung junger Muslime zu verhindern. Die neue Anti-Terror-Stelle soll in Zusammenarbeit von Schulen, Hochschulen, Regierungsstellen und der Nationalen Agentur zur Bekämpfung des Terrorismus und gegen Radikalismus im Land vorgehen. Zainut Tauhid Sa'adi, der stellvertretende Vorsitzende des Ulema-Rats, sagte gegenüber ucanews, der neuen Abteilung gehe es vor allem um die Vermittlung eines „wahren Verständnisses“ des Islam – insbesondere unter Jugendlichen. „Derzeit benutzt unsere junge Generation Smartphones und ist daher stark mit Fakenews konfrontiert“, so Sa'adi. „Wenn Nutzer nicht mit dem Wissen ausgestattet sind, falsche Informationen herauszufiltern, werden sie leicht von radikalen Inhalten beeinflusst.“ 88 % der Indonesier sind Muslime. (ucanews u. vn. v. 5. 10.)

 

Die Katholisch-theologische Fakultät der Universität Salzburg baut ihren Schwerpunkt „Theologie Interkulturell und Studium der Religionen“ weiter aus und wird dafür um eine reguläre Professur für „Religious Studies“ reicher. Geplant ist die Besetzung der Professur mit dem Studienjahr 2019/20. (JA v. 14. 10.)

 

Papst Franziskus hat am 16. Oktober den Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Universität, Ahmad al-Tayyeb, zu einem Privatbesuch im vatikanischen Gästehaus Santa Marta empfangen. Al-Tayyeb hatte zuvor am jährlichen Friedenstreffen der römisch-katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio teilgenommen, das seit 13. Oktober in Bologna stattfindet. Al-Tayyeb war bereits mehrfach im Vatikan. Ende April 2017 nahm Papst Franziskus an einer Friedenskonferenz der Al-Azhar-Universität teil. (kna u. vn v. 16. 10. JA v. 28. 10.)

 

Die Jesidin Nadia Murad hat den Mutter-Teresa-Preis 2018 in Mumbai erhalten. Die heute in Deutschland lebende jesidische Aktivistin, ein Entführungsopfer des sogenannten „Islamischen Staates“, nahm die Auszeichnung der privaten Stiftung „Harmony Foundation“ entgegen, die sich für die Rechte von Frauen und Kindern einsetzt. In einer Welt, in der Frauen und Kinder und alle anderen, sich nicht selbst verteidigen können, ihre Rechte verweigert werden, sind es Menschen wie Nadia Murad, die „ihren Schmerz einer breiten globalen Öffentlichkeit erklären“ können, sagte der indische Gründer der „Harmony Foundation“, Abraham Mathai, der Nachrichtenagentur Asianews. „Dieser Mutter-Teresa-Preis spricht vom Schmerz Tausender Menschen, die noch immer entführt sind“, sagte Nadia Murad bei der Preisverleihung. Zugleich mit der jungen Jesidin wurde in Abwesenheit der kongolesische Gynäkologe Denis Mukwege geehrt, der in seinem Heimatland Vergewaltigungsopfern hilft. Frühere Preisträger waren unter anderem der Dalai Lama, Ärzte ohne Grenzen und die junge Afghanin Malala Yousafzai. (asianews u. vn v. 22. 10.)

 

Rund 1.200 Teilnehmer werden am 26. Oktober zu einem zweitägigen katholischen Jugendtreffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten erwartet. Damit stellt die Begegnung die bislang größte derartige Zusammenkunft dar. Der Schweizer Bischof Paul Hinder, Apostolischer Vikar für Südarabien, sagte im Gespräch mit „Vatican News“: Auch er selbst sei von der großen Resonanz auf die Initiative überrascht. „Dieses Jugendtreffen der Arabischen Halbinsel findet statt im Emirat Ras Al Khaimah in unserer Pfarrei des heiligen Antonius von Padua, in der wir ein großes Zentrum haben und relativ leicht über 1000 Jugendliche empfangen können. Das Thema ist: ,Fürchte dich nicht‘“. Neben Besuchern aus den Emiraten, Oman, Kuwait, Bahrain und Jordanien werden auch junge Katholiken aus Saudi-Arabien teilnehmen. Vorträge, Workshops und gemeinsame Feiern sind geplant, unter anderem wird über das Leben als christliche Migranten in der mehrheitlich islamischen Gesellschaft diskutiert. „Es geht darum, Jugendliche in ihrem Glauben zu bestärken und ihnen die Möglichkeit zu geben, zusammen zu feiern und zu erfahren, dass sie nicht allein sind, trotz des oft etwas schwierigen Umfeldes in den Ländern der Arabischen Halbinsel“. Es ist nach Dubai (2009) und Abu Dhabi (2012) bereits das dritte Regionaltreffen junger Katholiken in Arabien. (vn v. 24. 10.)

 

Christliche und buddhistische Nonnen sind in Taiwan auf Einladung des Päpstlichen Dialog-Rates zu einem interreligiösen Treffen vom 14. bis zum 18. Oktober zusammengekommen. Organisiert wurde die Zusammenkunft gemeinsam mit dem buddhistischen Kloster Fo Guang Shan, der taiwaneischen Ordensoberinnenvereinigung und dem Dialogue Interreligieux Monastique/Monastic Interreligious Dialogue. Die Konferenz stand unter dem Motto „Kontemplative Aktion und aktive Kontemplation: Buddhistische und christliche Nonnen im Dialog“. Etwa siebzig Nonnen aus der ganzen Welt sowie eine Vertreterin des Weltkirchenrates haben an diesem ersten Treffen seiner Art teilgenommen, das im Abschlussdokument als ‚Meilenstein‘ bezeichnet wird. Es ging um klösterliches Leben in Buddhismus und Christentum, Kontemplation, Dienst an der Menschheit und den genuin „weiblichen“ Beitrag der Ordensvertreterinnen. Wie die Nonnen der verschiedenen Religionen festgestellt hätten, habe das Treffen zu einem besseren gegenseitigen Verständnis beigetragen; Brücken über die spirituellen Unterschiede hinaus seien entstanden. (vn v. 24. 10.)

 

Papst Franziskus hat beim Angelus-Gebet am 28. Oktober der jüdischen Gemeinde in Pittsburgh (USA) seine Anteilnahme ausgesprochen. Die Synagoge war am 27. Oktober Ziel eines Terroranschlags gewesen: Ein 46-jähriger Amerikaner hatte aus antisemitischen Motiven während einer jüdischen Taufzeremonie elf Menschen erschossen. „Wir alle sind durch diesen unmenschlichen Gewaltakt verletzt“, sagte Franziskus vor Gläubigen auf dem Petersplatz. „Möge der Herr uns helfen, die Brutstätten des Hasses zu beseitigen, die sich in unseren Gesellschaften entwickeln.“ Der Attentäter soll Verfasser einer Reihe von antisemitischen Botschaften auf einem rechtsgerichteten Internetportal sein. (vn v. 28. 10.)

 

Der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog sendet den hinduistische Freunden die herzlichsten Grüße und Gebete für die Diwali-Feierlichkeiten, die in diesem Jahr am 7. November gefeiert werden: „ Möge das Fest den Geist der Freundschaft und Geschwisterlichkeit unter euch verstärken und mehr Frieden und Freude in eure Familien bringen“, heißt es in dem Schreiben. Es erinnert vor allem an die Opfer von Missbrauch und Gewalt, vor allem an Frauen und Kinder. Hindus und Christen sollten daher überlegen, wie sie zusammenarbeiten können im Einsatz für den Schutz und die Unterstützung dieser an den Rand gedrängten Menschen. Die moralische Verpflichtung, sich um die Schwachen zu kümmern, ergebe sich aus dem gemeinsamen Glauben, dass wir alle Geschöpfe Gottes und damit Brüder und Schwestern seien. Das bewege uns alle dazu, uns für die Rechte und für die Würde der Schwachen einzusetzen. Der wahre Grad der Zivilisation einer Gesellschaft wird daran gemessen, wie ihre schwächsten Mitglieder behandelt würden, so das Schreiben. (vn v. 31. 10.)

 

Der Oberste Gerichtshof in Pakistan hat am 31. Oktober das Todesurteil gegen Asia Bibi aufgehoben. Die Christin war 2010 wegen Gotteslästerung verurteilt worden. Ihr Fall hatte Wellen der Solidarität ausgelöst, aber auch gewalttätige Proteste von Islamisten. Nach Verlesen des 56-seitigen Urteils machten die drei Richter, Saqib Nisar, Asif Saeed Khosa und Mazhar Alam Khan Miankhel die erlösende Mitteilung: Asia Bibi wird von allen Anklagepunkten freigesprochen, ihre unverzügliche Freilassung ist angeordnet. Während das Urteil von Menschenrechtlern und der christlichen Gemeinschaft weltweit begrüßt wird, hat Khadim Hussain Rizvi, der Vorsitzende der islamistischen Partei Tehreek-e-Labbaik (Tlp), bereits einen nationalen Protest gegen den Freispruch Bibis angekündigt. Radikale Religionswächter, die nach dem umstrittenen Blasphemie-Gesetz seit langem die Hinrichtung Asia Bibis fordern, hatten auch massive Drohungen gegen die Richter ausgesprochen, sollte es zu einem Freispruch der Christin kommen. Die Landarbeiterin Asia Bibi war im Juni 2009 verhaftet worden, nachdem sie bei einem Streit mit zwei islamischen Kolleginnen ihre Religion verteidigt hatte. Auf die Aufforderung der Frauen, vom christlichen Glauben abzulassen und zum Islam überzutreten, hatte Asia geantwortet: „Wieso sollte ich? Jesus Christus ist für die Sünden der Menschen am Kreuz gestorben. Was hat Mohammed für die Menschen getan?“ Nachdem der Streit ausgeartet war, hatten die Frauen sie der Gotteslästerung beschuldigt und auch noch eine Gruppe Männer – angeführt vom Dorf-Imam –, gegen die Christin Stimmung gemacht. Die Mutter von fünf Kindern wurde „zu ihrer eigenen Sicherheit“ in Gewahrsam genommen. Am 7. November 2010 wurde sie von einem Gericht in Punjab zum Tode verurteilt. Bereits Anfang Oktober 2018 hatten die Richter des Obersten Gerichtshofs in Frage gestellt, ob die Anklage überhaupt begründet sei, da aus dem Untersuchungsbericht keine abfälligen Bemerkungen über den Koran hervorgingen. Das Neue besteht darin, dass erstmals eine Beschuldigte wegen mangelnder Glaubwürdigkeit der Zeugen und Ankläger freigesprochen wurde. (asianews u. vn v. 31. 10.)

 

Ende Oktober fand in Kairo eine Tagung zum Thema „Der Islam und der Westen“ statt. Der Großmufti Schauqi Allam betonte das, was er zuvor auf der Homepage des Mufti-Amtes als offizielle Fatwas mit der Nummer 4121 veröffentlicht hat, nämlich: „Kirchen in islamischen Ländern zu bauen, ist nicht nur erlaubt, sondern gehört zur Erfüllung des göttlichen Auftrags an den Menschen, die Erde zu bebauen.“ Und er erinnerte an den Koran-Vers 22:40, der zur Verteidigung und Bewahrung nicht nur von Moscheen, sondern auch von anderen Gotteshäusern aufruft: „Würde Gott nicht die einen Menschen durch die anderen abwehren, würden Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen zerstört, in denen des Namens Gottes viel gedacht wird“, so der islamische Theologe Mouchanad Khorchide in einer Glosse der Tageszeitung „Die Presse“. (Die Presse v. 31. 10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Muslime dürfen Christen zu Weihnachten ebenso wie zu allen Festen gratulieren und Geschenke mit ihnen austauschen. Zu diesem Schluss kommt eine „Fatwa“ der Kairoer Al-Azhar-Moschee, wie die ägyptische Zeitung „Al-Ahram“ am 1. Jänner berichtete. Der Islam fordere seine Anhänger auf, die Bünde der Freundschaft und des Mitgefühls zwischen den Menschen zu stärken. Toleranz, friedliches Miteinander und Höflichkeit zwischen Muslimen und Christen angesichts der jeweiligen Feiertage sei nicht nur akzeptabel, sondern wünschenswert, erklärte das „Internationale elektronische Fatwa-Zentrum“ der Al-Azhar in einem Facebook-Beitrag. Unter anderem führt die Fatwa einige Aussagen des Propheten Mohammed an, der selbst Geschenke von Königen und Herrschern angenommen habe. Es handle sich um das erste offizielle Urteil der Institution, das Muslimen Respektsgesten mit Blick auf nichtmuslimische Feiertage gestatte. Zuvor hatten wiederholt einzelne Al-Azhar-Vertreter Feiertagsgrüße an Christen erlaubt. Hintergrund sind Aussagen konservativer islamischer Geistlicher in Ägypten, die vor solchen Gesten gewarnt hatten. Die Al-Azhar-Moschee ist die älteste Moschee Kairos und eines der bedeutendsten Gotteshäuser des Islam. (kna u. vn v. 2. 1. 2019; JA v. 13. 1.)

     

  • Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat eine Debatte zu Grundsatzfragen der Kirche gefordert. Themen wie Priesterbild und Weiheamt, Hierarchie, Zölibat, Frauenamt und Sexualmoral dürften nicht länger tabuisiert werden. Das sagte Overbeck in der Neujahrsmesse am 1. Jänner im Essener Dom. „Wir erleben eine Zeitenwende […] Es gibt diese Tabus nicht mehr, auch keine Fragen mehr, die nicht gestellt werden dürfen", sagte der Bischof. Es brauche jetzt dringend eine Erneuerung der Kirche. Overbeck appellierte an die Gläubigen und die Verantwortlichen in der Kirche, in schwierigen Zeiten achtsam miteinander umzugehen. Nicht wenige Menschen hätten die verständliche Sorge, dass „durch den Druck der gegenwärtigen Krise zu viel reformiert und unsere Kirche sich in die falsche Richtung entwickeln könnte". Zudem verwies der Essener Bischof auf Ermutigendes im Verlauf der „Zukunftsbildprozesse" im Bistum Essen. Ausdrücklich hob Overbeck die Begräbnisse durch Laien und die Segensfeiern für Neugeborene hervor. Besonders auch in Bezug auf das Priesterbild und -amt „sprieße" Neues. Es müsse auch weiter beraten werden, wie Frauen „gleichrangig an den Führungsaufgaben" der Kirche beteiligt werden könnten, „wenn das Weiheamt für sie nicht möglich bleiben soll". Overbeck rief dazu auf, auch Undenkbares zu denken. (kna u. vn v. 1. 1.)

     

  • Der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog und der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) haben ihr zweitägiges Jahrestreffen im Vatikan beendet. Als bedeutendes Thema nannte der Vatikan die Arbeit an einem gemeinsamen Papier über die Erziehung zu Frieden in einer multireligiösen Welt. Das Büro für Interreligiösen Dialog und Zusammenarbeit des Weltkirchenrates in Genf und der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog arbeiten seit 1977 zusammen. Sie bekräftigten dieser Tage ihren Willen, ihr gemeinsames Engagement in der Ökumene und im interreligiösen Dialog fortsetzen zu wollen. (kna u. vn v. 12. 1.)

     

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