Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

 

Auf der Konferenz „Freiheit und Staatsbürgerschaft, Verschiedenheit und Integration”, die von der sunnitischen al-Azhar-Universität in Kairo veranstaltet worden ist, haben sich Vertreter des Islams und Christentums zwei Tage lang mit dem friedlichen Zusammenleben unterschiedlicher Religionen im Nahen Osten befasst. Mehr als 600 Vertreter, darunter christliche wie auch muslimische Politiker, Akademiker und Glaubensführer, aus 50 Ländern willigten der Erklärung einer gegenseitigen Koexistenz von Muslimen und Christen ein. Gewaltausübungen jeglicher Art aus religiösem Hintergrund sollen demnach verhindert werden. Der Islamgelehrte und Großscheich der al-Azhar Universität Ahmad Mohammad al-Tayyeb betonte mehrfach stark, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Islam und Verfolgungen von nicht gläubigen Muslimen geben dürfe, da dieses Denken den Lehren ihres Glaubens widerspreche. In den Fokus seiner Reden setzte er vor allem die Gleichheit der Menschen sowie deren Rechte. (fides u. rv v. 2. 3.)

 

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat die Rolle von Religionsführern in arabischen Ländern hervorgehoben. Diese spielten seiner Meinung nach in der heutigen historischen Epoche eine grundlegende Rolle, wenn es darum gehe, das Prinzip der „Staatsbürgerschaft“ zu verbreiten. Auch seien sie wichtig, um falsche Auslegungen der Heiligen Bücher durch extremistische Bewegungen zu verhindern. Dies sagte der ägyptische Präsident am 2. März bei einer Begegnung mit dem maronitischen Patriarchen des Libanon, Kardinal Bechara Boutros Rai, und dem chaldäischen Patriarchen Louis Raphael I. Sako aus dem Irak. Die Begegnung ereignete sich am Rande der Konferenz „Freiheit, Staatsbürgerschaft, Unterschiede und Integration“, welche die sunnitische Al-Azhar- Universität und der Muslimische Rat der Weisen in Kairo veranstalteten. Im Rahmen des Gesprächs mit den beiden Patriarchen der unierten römisch-katholischen Ostkirchen wünschte sich der ägyptische Präsident, dass im Falle Ägyptens nicht von „Mehrheit und Minderheit“ gesprochen werde, wenn es um Christen und Muslime geht. Es sei notwendig, dass alle Bürger Ägyptens ohne ausdrückliche oder versteckte Diskriminierung behandelt würden und die Gleichheit auf der Grundlage des Prinzips der „Staatsbürgerschaft“ respektiert werde. (fides u. rv v. 3. 3.)

 

Angriffe auf Christen und ihr Eigentum sind „Angriffe gegen uns alle“ – Angriffe auf die Kirchen sind vergleichbar mit „Angriffen auf Moscheen“. Das sagte Mohamed Mokthtar Gomaa, der ägyptische Minister für religiöse Angelegenheiten bei einem Kulturforum in Kairo am 5. März. Die Verteidigung von Christen und ihren Kirchen sei „Teil der Lehren des muslimischen Glaubens“. (fides u. rv v. 6. 3.)

 

Muslimische Frauen erobern die männliche Bastion der Predigt in einer Moschee: Seyran Ates, Imamin und Menschenrechtsanwältin, erzählt im religion.ORF.at-Interview von Reformerinnen im Islam und von ihrer neuen „Moschee der Menschlichkeit“. Wenn sich am 16. Juni in der neu gegründeten Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin erstmals die Tore zum Freitagsgebet öffnen, wird alles anders: Frauen und Männer beten dort gemeinsam. Statt des Imams wird eine Frau die Predigt leiten. Es ist ein weltumspannender Trend: Mehr und mehr Frauen amtieren als Imaminnen. Viele glauben an eine feministische Exegese des Korans. Frau Amina Wadut praktiziert das bereits in New York und Sherin Khankan, die dänische Imamin und Vorsteherin einer Moschee in Kopenhagen, sagte kürzlich in einem Interview, sie wolle „die patriarchalischen Strukturen aufbrechen, die bis heute in unseren religiösen Institutionen herrschen“. Just vergangene Woche sorgte Ägypten mit der Ankündigung, ab März 144 Frauen offiziell zur Predigt in den Moscheen zuzulassen, für eine Weltsensation. Ihre Ausbildung soll an der renommierten Al-Ashar-Universität erfolgen. In Österreich sind etwa zehn Imaminnen aktiv. Frau Ates argumentiert: „Nirgends im Koran oder den Hadithen (= mündliche Überlieferungen) finden sich Hinweise darauf, dass es nicht erlaubt ist, dass Frauen beiden Geschlechtern vorbeten dürfen“, sagte die 53-Jährige im Interview. Die Menschenrechtsanwältin Seyran Ates ist seit Jahrzehnten gegen die Auswüchse eines radikalen Islamismus aktiv: gegen Schleier, Ehrenmord und Zwangsheirat. Jetzt hat sie sich zur Imamin ausbilden lassen und darüber ein Buch geschrieben: „Selam, Frau Imamin“ erscheint am 16. Juni im Ullstein-Verlag. „Gerade wir Frauen müssen uns mehr um unsere Religion kümmern, müssen von innen heraus für Veränderungen sorgen. Und das geht am besten da, wo der Glaube stattfindet: in der Moschee“, so Ates. „Wir wollen aus der ganzen islamischen Welt all die Aufklärer, Liberalen und tollen Intellektuellen, die dort schon seit Jahrhunderten existieren, sichtbar machen, eine Brücke zwischen Morgenland und Abendland schlagen“ und dem Islam ein anderes Gesicht geben. Ihr Ziel sei es, „erstmalig im deutschen Sprachraum einen öffentlichen Raum zu schaffen, in dem liberale Muslime ihren Glauben modern leben können. In Privaträumen treffen sich schon viele liberale Muslime und praktizieren diesen modernen Islam. Meine Arbeit bei der Islamischen Glaubenskonferenz Deutschlands hat mir gezeigt: Wir liberalen Muslime kommen in der politischen Wahrnehmung gar nicht vor. Die Deutungshoheit über den Islam wurde von den offiziellen Vertretungen und Verbänden an sich gerissen, die ich für reaktionär und gefährlich halte.“ Ates appelliert an die Medien, vermehrt liberale Gegenstimmen einzuholen. „Ich solidarisiere mich weltweit mit jenen Frauen, die dafür kämpfen, frei zu sein vom Kopftuch. Es ist ein traditionelles und politisches Symbol. Im Islam gibt es fünf Säulen: den einzigen, wahren Gott und seinen Propheten, Fasten, Beten, Spenden und die Pilgerfahrt - die Hadsch. Daneben kennt der Islam keine religiöse Symbolik. Daher ist das Kopftuch kein religiöses Symbol.“ Ates über die Agenda Saudi-Arabiens im Islamgefüge: „Sie sind Wahhabiten und gehören zu den konservativsten Muslimen dieser Welt. […] Ein sehr archaischer Islam wird da gelebt.“ Woher die Anwältin ihren Mut nimmt, dem Extremismus so entschlossen entgegenzutreten? Immerhin wurde auf sie bereits ein Attentat verübt. Sie musste nach Morddrohungen sogar ihre Kanzlei kurzfristig schließen. „Die Welt ändert sich. Ich bin seit dem arabischen Frühling als Einzelperson nicht mehr im Fokus, es ist eine Bewegung geworden […] Mein tiefer Glaube an Gott, der schon dafür sorgt, dass ich das Richtige mache. Vor allem der trägt mich.“ (religion.ORF.at v. 8.3.)

 

Der Bundesstaat Punjab will die Regeln für die christliche Eheschließung ändern. Das Ziel sei es, christlichen Frauen gesicherte Grundrechte zu geben. Christliche Aktivisten nannten die Ankündigung einen entscheidenden Schritt nach vorne für den Schutz von Frauen bzw. religiösen Minderheiten. Die Nationale Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Katholischen Bischofskonferenz von Pakistan begrüßt Änderungen, weist aber darauf hin, dass es sich bis jetzt nur um eine Ankündigung handle. (asianews u. rv v. 9. 3.)

 

Auch Muslime, andere Nichtchristen und Homosexuelle können ab sofort Schützenkönige werden. Das hat der römisch-katholische Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) am 12. März beschlossen. Mehr als zwei Jahre nach der Debatte um einen muslimischen Schützenkönig im westfälischen Werl lockert BHDS mit rund 400.000 Mitgliedern seine Regelungen. Ziel des verabschiedeten neuen „Orientierungsrahmens“ sei „eine zeitgemäße und verständliche Grundausrichtung“ sowie ein „lebensnahes Profil“, ohne die „Zugehörigkeit zur katholischen Kirche infrage zu stellen“. Für Bundesschützenmeister Emit Vogt sei es – auch mit Blick auf Zuwanderung und Aufnahme von Flüchtlingen – wichtig, dass die christlichen Schützen „jeden Menschen als Geschöpf Gottes anerkennen und ihm mit Achtung begegnen.“ Wie Franziskus die Kirche geöffnet habe, müssten auch die Bruderschaften aus ihrem brüderlichen Selbstverständnis heraus auf andere, auch Andersgläubige, zugehen. „Wir dürfen nicht päpstlicher sein als der Papst“, erklärte Vogt. (kna v. 12. 3.)

 

Die Stadt Monheim (Deutschland) wird zwei muslimische Gemeinden bei ihrem Moscheebau unterstützen. Daniel Zimmermann, Bürgermeister von Monheim, erklärt den Kollegen vom Domradio in Köln: „Die katholische und die evangelische Kirchengemeinde hier machen das schon seit einigen Jahren vorbildlich: Es gibt es einen Arbeitskreis ‚Christen treffen Muslime’, der einmal im Quartal zusammensitzt und über religiöse Fragen diskutiert. Zum Beispiel jetzt aktuell, wie die Fastenzeit bei Christen und Muslimen begangen wird. Und dort wollen wir noch mehr Leute involvieren und Gelegenheit schaffen, dass Nichtmuslime mit den beiden muslimischen Gemeinden in Kontakt treten, sich kennen lernen, und merken, dass es keine Radikalen sind, sondern Menschen wie Du und Ich.“ (domradio u. rv v. 17. 3.)

 

Papst Franziskus trifft nach dem London-Attentat vier englische Imame im Vatikan. Die Begegnung am 29. März ist infolge des Terroranschlags am 22. März im Londoner Regierungsviertel zustande gekommen, sagte der Erzbischof von Westminster, Kardinal Vincent Nichols, der italienischen Nachrichtenagentur SIR. Nichols ist Vorsitzender der römisch-katholischen Bischofskonferenz von England und Wales. Es sei wichtig, die Führer verschiedener Religionen miteinander in Kontakt zu bringen, so der Kardinal. Außerdem sei es die Pflicht aller Religionsführer, miteinander zu reden und die Frage von „religiösen Glaubensvorstellungen, die in Extremismus und Gewalt münden“, anzugehen. (kap v. 29. 3.)

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Junge Menschen aus dem Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus haben am Wiener internationalen Dialogzentrum KAICIID einen einjährigen „Fellow“-Lehrgang zur Förderung von interkulturellem und interreligiösem Dialog absolviert. Der vatikanische Kurienbischof Miguel Ayuso Guixot und KAICIID-Generalsekretär Faisal bin Muaammar übergaben den 41 jungen Männern und Frauen aus 25 Ländern bei einer Feier ihre Dekrete. Ayuso, der als Sekretär des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog auch Mitglied des KAICIID-Verwaltungsrates ist, rief die jungen Leute dazu auf, in ihren Heimatländern als „aktive Friedensstifter“ tätig zu sein. Der Aufbau einer friedlicheren Welt erfordere interkulturellen und interreligiösen Dialog als wesentliche Bausteine. Interreligiöser Dialog dürfe sich dabei nicht nur unter Religionsführern abspielen, sondern unter „so vielen Gläubigen wie möglich“. Einmal mehr verurteilte der Kurienbischof den Missbrauch von Religion für Gewalt: „Niemand darf den Namen Gottes benutzen, um Gewalt anzuwenden. Im Namen Gottes zu töten, ist ein schweres Sakrileg. Im Namen Gottes zu diskriminieren, ist unmenschlich“, zitierte Ayuso aus einer Rede von Papst Franziskus und betonte, dass es beim Religionsdialog nicht um eine „Vermischung“ von Religion gehe. Alle Beteiligten müssten sich von ihrer „authentischen religiösen Basis“ aus in den Dialog einbringen. Die ausgebildeten „Fellows“ sollen in ihren Heimatländern „Brücken des Dialogs“ bauen, und Projekte entwickeln, wie sie religiöse Verantwortungsträger im interreligiösen Dialog unterrichten könnten. Mittlerweile gibt es mehr als 150 Stipendiaten aus 44 Ländern. Die KAICIID-Fellows würden von Organisationen zunehmend als ExpertInnen für den Religionsdialog hinzugezogen, berichtete Anas Alabbadi, einer der Verantwortlichen des Dialogzentrums. Das KAICIID wird von Vertretern von Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum geleitet. (kap u. vn. v. 2. 12.)

     

  • Dass Papst Franziskus die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt radikal ändert, wenn die Bischöfe des Amazonas-Gebiets dies beschließen, sagte der Wiener Theologe Paul Zulehner am 1. Dezember bei einer Veranstaltung in Freiburg. Langfristig solle dieser Weg auch Frauen offenstehen. Er begründet seine Einschätzung mit einer Äußerung des Papstes gegenüber dem emeritierten brasilianisch-österreichischen „Amazonas-Bischof" Erwin Kräutler, die Bischofssynode im kommenden Jahr im Vatikan solle mutige Vorschläge machen. Zulehner sprach von „Modellen an der Peripherie, die weltkirchlich Karriere" machen. Eine solche Dezentralisierung könne die „lähmende Stagnation der katholischen Weltkirche überwinden". Der Theologe verwies auch auf ein von ihm gemeinsam mit dem früheren südafrikanischen Bischof Fritz Lobinger erarbeitetes Positionspapier. Demnach sollen die Gemeinden aus ihrer Mitte Frauen und Männer („personae probatae") benennen, die eine dreijährige seelsorgliche Ausbildung erhalten und dann in ein „Team of Elders" geweiht werden. (kathpress u. kna v. 6. 12.)

     

  • Am 10. Dezember fand wieder der alljährliche „Lichtermarsch für verfolgte Christen“ in Wien statt. Diesmal stand der Schweigemarsch im Zeichen des 70. Jahrestags der Proklamation der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“. Vertreter vieler katholischer und orthodoxer Kirchen nahmen daran teil. Der syrisch-orthodoxe Chor sang das Vaterunser in Aramäisch, der Sprache Jesu. (Christen in Not 01/2019)

     

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