Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Papst Franziskus hat am 8. Mai den chassidischen Rabbiner Edgar Gluck (80) mit einer Delegation im Vatikan empfangen. Der 1936 in Hamburg geborene jüdische Gelehrte ist Rabbiner für Galizien mit Sitz in Krakau. (JA v. 21. 5.)

 

Die Regierung Indonesiens verbietet die strengkonservative islamische Gruppierung „Hizbut Tahrir“, die seit Monaten gegen den christlichen Politiker Basuki Tjahaja Purnama, genannt „Ahok“, hetzte. Die organisierten Proteste gegen den jüngst abgewählten Gouverneur der Hauptstadt Jakarta hätten „einen Konflikt in der Gesellschaft verursacht“ und so die Unversehrtheit des gesamten Staates bedroht, erklärte die Regierung unter Präsident Joko Widodo. Die indonesischen Gerichte sollen nun die Umsetzung des Verbotes vornehmen. Ahok gilt als politischer Ziehsohn des amtierenden Präsidenten Widodo. (rv v. 8. 5.)

 

Den Missbrauch religiöser Inhalte zu bekämpfen, ist eines der Ziele des neuen permanenten Netzwerks christlicher und islamischer Bildungseinrichtungen, zu dem sich 15 Universitäten in Amman zusammengeschlossen haben. Zu dem Treffen hatten das Wiener KAICIID-Dialogzentrum und das evangelische Diyar-Consortium aus Betlehem eingeladen. Dort entwickelten Vertreter islamischer und christlicher Bildungseinrichtungen gemeinsam Lehrpläne für die religiöse Bildung. Mit diesen sollen kultureller Pluralismus und die von der Religion unabhängigen Rechte und Pflichten eines Staatsbürgers besser vermittelt werden. Außerdem verständigten sich die Teilnehmer auf ein dreijähriges Arbeitsprogramm, um die Leitlinien des neuen Netzwerks weiterzuentwickeln. An dem Netzwerk beteiligen sich 15 Universitäten mit Sitz in neun arabischen Ländern, wie z. B. das College of Sharia and Islamic Studies in Katar, die Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Amman, das Institut für Orientalische Studien der Dominikaner in Kairo und das Evangelical Theological Seminary in Kairo. (kap u. rv v. 10. 5.)

 

Eine jüdisch-katholische Premiere in Rom: Zum ersten Mal haben die Vatikanischen Museen und das Jüdische Museum gemeinsam eine Ausstellung organisiert. Sie widmet sich der Menorah, dem siebenarmigen jüdischen Leuchter, der auch in die christliche Tradition als Symbol des göttlichen Lichts eingeflossen ist. Die Schau „Die Menorah. Kult, Geschichte und Mythos“ öffnet am 15. Mai ihre Pforten an zwei Standorten: auf dem Petersplatz und im jüdischen Museum unter der römischen Hauptsynagoge. „Das Objekt Menorah existiert zwar nicht mehr, das Original des siebenarmigen Leuchters, den Gott Moses gegeben hatte“, sagt die Direktorin des jüdischen Museums Rom, Alessandra di Castro, „aber der Geist der Menorah ist immer lebendig in uns. Das Licht. Der göttliche Geist, der sich zeigt im Licht: Das ist die tiefste Bedeutung der Menorah für das israelische Volk wie auch für die Menschheit.“ Die originale Menorah aus dem Tempel von Jerusalem kam als Beutekunst im Jahr 70 n. Chr. nach Rom. Dort sahen die Juden in ihr als Lichtsymbol das stärkste identitätsstiftende Symbol des Judentums in der römischen Kaiserzeit – in derselben Zeit, in dem die Licht-Symbole des Christentums ihre endgültige Gestalt annahmen. Daher verbindet die Menorah nicht nur das Judentum mit dem Christentum, sondern Völker und Kulturen. Arnold Nesselrath, Vizedirektor der Vatikanischen Museen, der die Schau mitkonzipiert hat, bezeichnet die Menorah als „gemeinsames Symbol“, das die Kontinuität zwischen Judentum und Christentum ausdrückt. In Israel gab es für diese erste gemeinsame Ausstellung von Vatikanischem und Jüdischem Museum eine „ungeheure Resonanz“, so Nesselrath (rv v. 15. 5.)

 

In Ägypten kommt es Ende Juni erstmals zu einem Prozess gegen einen hochrangigen islamischen Würdenträger wegen Beleidigung des Christentums. Das berichtet die Stiftung „Pro Oriente“ am 12. Mai. Nach dem Kairo-Besuch von Papst Franziskus war es in Ägypten zu einem heiklen „Zwischenfall“ gekommen, weil Scheich Salem Abd-ul Jalil, früherer Unterstaatssekretär im Ministerium für die islamischen religiösen Stiftungen, in einem Interview mit einem privaten TV-Sender erklärt hatte, Christen und Juden seien „Ungläubige“. Denn diese weigerten sich, den Einsichten Mohammeds zu folgen. Die Argumentation des Scheichs löste scharfe öffentliche Kritik aus. Stiftungsminister Mohammed Mokhtar Gomaa erteilte dem Scheich am 10. Mai ein Predigtverbot in Moscheen und verlangte, dass sich Abd-ul Jalil bei den Christen entschuldigt. Mehrere Anzeigen gegen den Scheich wegen „Beleidigung der Religionen“ folgten, darunter auch eine vom koptischen Juristen und Menschenrechtsaktivisten Naguib Gabriel. Der Prozess soll am 25. Juni stattfinden. Der koptisch-katholische Bischof von Minya, Boutros Fahim Awad Hanna, bezeichnete die Vorgangsweise der ägyptischen Justiz als bemerkenswert. Denn bisher habe es in Ägypten nur Prozesse gegen Christen und Muslime gegeben, die beschuldigt wurden, den Islam beleidigt zu haben. Der Prozess gegen Abd-ul Jalil könnte das erste Verfahren zu Lasten eines Muslims sein, „der das Christentum beleidigt“. (kap u. rv v. 15. 5.)

 

Der Papstbesuch in der Kairoer Al-Azhar-Universität verursacht einen innerislamischen Konflikt: So kritisiert der Islamwissenschaftler Islam al Behairy in einem Interview mit der römischen Nachrichtenagentur „AsiaNews“ die Äußerungen vom Al-Azhar-Großimam Ahmed al-Tayyeb: „Ich weiß nicht, ob der Großimam sich dessen bewusst ist oder nicht, aber die Bücher, die an seiner Institution gelehrt werden, lassen keine andere Interpretation als die Aufhetzung zur Gewalt zu.“ Denn der Terrorismus sei „direkt mit unserer Lehre verbunden, mit einer Auffassung, die auf die Zeit vor tausend Jahren zurückgeht“, so Behairy: „Ich wünsche mir, dass sich der Großimam dafür entschuldigt, und ebenso für das, was die Muslime im Mittelalter und in der Moderne angerichtet haben“ Er forderte die Universität Al-Azhar auf, die Bücher bestimmter Imame aus dem Mittelalter zurückzuziehen. „Denn das, was in diesen Büchern steht, ist genau das, was die IS-Terroristen wörtlich und bis zum letzten Beistrich in die Praxis umsetzen.“ Für Großimam al-Tayyeb war die Situation überaus heikel. Vorerst entließ er Hardliner Taha und ersetzte ihn interimsmäßig durch den Dekan der Fakultät für Arabisch, Mohammed al Maharasawy. Der stellvertretende Präsident der Universität, Scheich Mohammed Abu Hashim, war allerdings darüber empört und wollte rechtliche Schritte gegen den Beschluss des Großimams unternehmen, weil nicht er zum Interims-Präsidenten ernannt wurde. Hashim erhielt dabei von vielen Lehrkräften Unterstützung. Der koptisch-orthodoxe Bischof von Tanta, Boulos (Thoma el Baramoussy) lobte die von der sunnitischen Universität organisierte Friedenskonferenz und würdigte den Großimam al-Tayyeb für dessen „achtsamen“ Führungsstil. (kap u. rv v. 15. 5.)

 

Für den Bürgermeister der ägyptischen Stadt Ismailia ist die neue koptische Kirche ein „sichtbares und konkretes Zeichen, die nationale Eintracht zu kräftigen.“ Das sagte er anlässlich der Eröffnung der Kirche in der Provinz Minya. Denn der Bau der zweiten Kirche in der Stadt sei erst durch viele Spenden der muslimischen Bevölkerung möglich geworden, berichtete unter anderem der „Osservatore Romano“. An der Einweihungsfeier nahmen Christen und Muslime teil. Der „Beirat zur Aussöhnung“, der in der Stadt Ismailia mit der Prävention und Lösung religiöser Streitigkeiten beauftragt ist, hatte dem koptischen Kirchenbau im März 2016 mit großer Mehrheit zugestimmt. Damit sollte vermieden werden, dass Gläubige einen längeren und gefährlicheren Weg zu anderen Kirchen zurücklegen müssen. In der Region leben knapp 20.000 Menschen, davon sind ein Drittel Kopten. (la stampa u. rv v. 18. 5.)

 

Nach den Anschlägen auf Kirchen der koptischen Minderheit in Ägypten in den vergangenen Monaten mit 75 Toten müssen sich 48 radikale Islamisten vor Gericht verantworten. Der Staatsanwalt hat gegen die mutmaßlichen Täter Anklage erhoben. Nach dem Anschlag hatte der selbsternannte „Islamische Staat“ die Verantwortung übernommen und weitere Gewalttaten gegen die größte christliche Gemeinschaft des Nahen Ostens angekündigt. Staatspräsident al-Sisi verhängte den Ausnahmezustand über Ägypten. Die Staatsanwaltschaft wirft den radikalen Islamisten auch den Mord an acht Polizisten im Westen Ägyptens vor. (asianews u. rv v. 22. 5.)

 

Zur Tagung zum Thema "Fundamentalismus: Bedeutung, Rolle und Umgang" an der Universität Innsbruck entsandten 12 anerkannte Religionsgemeinschaften und 4 staatlich eingetragene Bekenntnisgemeinschaften ihre Vertreter. In ihren Referaten sei deutlich geworden, "dass sich die Religionsgemeinschaften der Gefahren, die von religiösem Fanatismus für die Gesellschaft und Religionsgemeinschaften ausgehen, nicht nur bewusst sind, sondern dem fundamentalistischen Fanatismus ganz bewusst das Bild miteinander im Dialog stehender Religionsgemeinschaften entgegensetzen", betonten der Kirchenrechtler Prof. Wilhelm Rees und der Rechtshistoriker Ass.-Prof. Johann Bair in ihrer am 29. Mai an „Kathpress" übermittelten Zusammenfassung. Junge Menschen sollten dahingehend unterrichtet werden, dass sie "das friedliche und jede Gewalt ablehnende europäische Gesicht der eigenen Religion" kennenlernen. Mit Mitgliedern von Glaubensgemeinschaften, die den Dialog oder das friedliche Miteinander in Frage stellen, solle das Gespräch gesucht werden. Seitens der Islamischen Glaubensgemeinschaft rief der Tiroler islamische Fachinspektor Samir Redzepovic Bemühungen in Erinnerung, fundamentalistischen Tendenzen einen internen Dialog gegenüberzustellen, der das friedliche Miteinander, den Wert des Lebens, die Würde und die Barmherzigkeit betone. Özgür Erdogan von der seit 2013 in Österreich staatlich anerkannten alevitischen Glaubensgemeinschaft verwies darauf, dass die alevitische Lehre Menschenliebe mit Gottesliebe gleichsetze und plädierte angesichts zunehmender fundamentalistischer Tendenzen auf der Welt für eine Reform des Islam. Der Schlüssel zur Überwindung eines durch Dominanz und Unterwerfung geprägten Fundamentalismus liege in der Anerkennung der Menschenwürde durch alle Religionsgemeinschaften, betonte der Tübinger römisch-katholische Theologe Prof. Karl-Christoph Kuhn. Chancen auf Überwindung eines intoleranten Fundamentalismus sehe Prof. Martin Rothgangel, Dekan der Wiener Evangelisch-Theologischen Fakultät, in der Erziehung des Menschen zur Pluralitätsfähigkeit. Der Salzburger Archimandrit Ilias Papadopoulos hob als Vertreter der orthodoxen Kirche hervor, dass die Ursache des Fundamentalismus Gruppen seien, die jede Diskussion zu unterbinden suchten. Die Bischöfe seien demgegenüber aufgefordert, für Dialog und Diskussion einzutreten. Dass der Begriff Fundamentalismus häufig als Keule für all jene verwendet werde, die anderer Meinung seien, kritisierte Thomas Lipschütz von der israelitischen Glaubensgemeinschaft. (KAP v. 30. 5.)

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Junge Menschen aus dem Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus haben am Wiener internationalen Dialogzentrum KAICIID einen einjährigen „Fellow“-Lehrgang zur Förderung von interkulturellem und interreligiösem Dialog absolviert. Der vatikanische Kurienbischof Miguel Ayuso Guixot und KAICIID-Generalsekretär Faisal bin Muaammar übergaben den 41 jungen Männern und Frauen aus 25 Ländern bei einer Feier ihre Dekrete. Ayuso, der als Sekretär des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog auch Mitglied des KAICIID-Verwaltungsrates ist, rief die jungen Leute dazu auf, in ihren Heimatländern als „aktive Friedensstifter“ tätig zu sein. Der Aufbau einer friedlicheren Welt erfordere interkulturellen und interreligiösen Dialog als wesentliche Bausteine. Interreligiöser Dialog dürfe sich dabei nicht nur unter Religionsführern abspielen, sondern unter „so vielen Gläubigen wie möglich“. Einmal mehr verurteilte der Kurienbischof den Missbrauch von Religion für Gewalt: „Niemand darf den Namen Gottes benutzen, um Gewalt anzuwenden. Im Namen Gottes zu töten, ist ein schweres Sakrileg. Im Namen Gottes zu diskriminieren, ist unmenschlich“, zitierte Ayuso aus einer Rede von Papst Franziskus und betonte, dass es beim Religionsdialog nicht um eine „Vermischung“ von Religion gehe. Alle Beteiligten müssten sich von ihrer „authentischen religiösen Basis“ aus in den Dialog einbringen. Die ausgebildeten „Fellows“ sollen in ihren Heimatländern „Brücken des Dialogs“ bauen, und Projekte entwickeln, wie sie religiöse Verantwortungsträger im interreligiösen Dialog unterrichten könnten. Mittlerweile gibt es mehr als 150 Stipendiaten aus 44 Ländern. Die KAICIID-Fellows würden von Organisationen zunehmend als ExpertInnen für den Religionsdialog hinzugezogen, berichtete Anas Alabbadi, einer der Verantwortlichen des Dialogzentrums. Das KAICIID wird von Vertretern von Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum geleitet. (kap u. vn. v. 2. 12.)

     

  • Dass Papst Franziskus die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt radikal ändert, wenn die Bischöfe des Amazonas-Gebiets dies beschließen, sagte der Wiener Theologe Paul Zulehner am 1. Dezember bei einer Veranstaltung in Freiburg. Langfristig solle dieser Weg auch Frauen offenstehen. Er begründet seine Einschätzung mit einer Äußerung des Papstes gegenüber dem emeritierten brasilianisch-österreichischen „Amazonas-Bischof" Erwin Kräutler, die Bischofssynode im kommenden Jahr im Vatikan solle mutige Vorschläge machen. Zulehner sprach von „Modellen an der Peripherie, die weltkirchlich Karriere" machen. Eine solche Dezentralisierung könne die „lähmende Stagnation der katholischen Weltkirche überwinden". Der Theologe verwies auch auf ein von ihm gemeinsam mit dem früheren südafrikanischen Bischof Fritz Lobinger erarbeitetes Positionspapier. Demnach sollen die Gemeinden aus ihrer Mitte Frauen und Männer („personae probatae") benennen, die eine dreijährige seelsorgliche Ausbildung erhalten und dann in ein „Team of Elders" geweiht werden. (kathpress u. kna v. 6. 12.)

     

  • Am 10. Dezember fand wieder der alljährliche „Lichtermarsch für verfolgte Christen“ in Wien statt. Diesmal stand der Schweigemarsch im Zeichen des 70. Jahrestags der Proklamation der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“. Vertreter vieler katholischer und orthodoxer Kirchen nahmen daran teil. Der syrisch-orthodoxe Chor sang das Vaterunser in Aramäisch, der Sprache Jesu. (Christen in Not 01/2019)

     

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