Die Kirche – Gemeinschaft des Heils

Der emeritierte Bamberger Dogmatiker Dr. Georg Kraus legt hier eine umfassende Ekklesiologie vor, wie sie vom letzen Konzil intendiert wurde. Er scheut nicht davor zurück, Position zu beziehen, so z. B. begründet er schlüssig, dass dieses Konzil eindeutig einen Paradigmenwechsel von einer hierarchischen zu einer Communio-Ekklesiologie beabsichtigte (S. 201-220), auch wenn in den Konzilstexten Doppeldeutigkeiten zu finden sind. Ausgehend von den neutestamentlichen Grundlagen (Jesus und die Urkirche) über das Kirchenverständnis in der Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“ kommt der Dogmatiker zur Erörterung der verschiedenen Dienste sowie der vier „Grundkennzeichen“ der Kirche.

Jedes Unterkapitel ist aufgebaut nach den Schritten NT – Lumen Gentium und seine neuen ekklesiologischen Ansätze – dogmatische Überlegungen – Folgerungen für die Kirche von heute. Der Vorteil dieses Aufbaus liegt darin, dass man das Buch als fundiertes Kirchenlexikon verwenden kann: Man suche das gewünschte Stichwort im Inhaltsverzeichnis und man erhält eine umfassende Information.

Viele „heiße Eisen“ der Kirchenreform werden unaufgeregt, aber kompetent zur Sprache gebracht: Die Mitarbeit und Mitentscheidung der Laien (in der Sprache von G. Kraus: alle „Kirchenmitglieder“; Stichwort „sensus fidelium“); die Einbettung des besonderen Dienstpriestertums ins allgemeine Priestertum; die konsequente Communio-Ekklesiologie mit den notwendigen Räten/Synoden mit Entscheidungsrechten bis zum Papst hinauf; die gleichwertige Würde von Mann und Frau mit der logischen Folgerung, dass die Weihe (nach G. Kraus „Ordination“) auch der Frau nicht vorenthalten werden darf; die durchgehende Verwendung der Bezeichnung „Dienst“ statt „Amt“ (Bischofs-„Dienst“, Petrus-„Dienst“ usw.); nicht zuletzt die ökumenische Zielvorstellung einer „Communio ecclesiarum“ von allen christlichen Schwesterkirchen auf gleicher Augenhöhe.

Gerade wegen der jetzigen oft in der Qualität sehr unterschiedlichen Wortmeldungen zum II. Vatikanum ist dieses Buch eine sehr hilfreiche Standortbestimmung moderner Ekklesiologie auf dem Boden des NT und unter Wahrung der katholischen Tradition in den ekklesiologischen Kernbereichen. Es ist gerade dem/der theologisch nicht so gebildeten Leser/in sehr zu empfehlen.

                                                                                                                           Paul Weitzer

Georg Kraus: Die Kirche – Gemeinschaft des Heils. Ekklesiologie im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils, Verlag Pustet Regensburg 2012; 464 S., € 36,- ISBN: 978-3-7917-2424-9

 

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