Hochgebet: Wir erinnern uns

 

Gott des Lebens,

wir glauben dich in unserer Mitte.

Wir erinnern uns der alten Geschichte,

die durch die Jahrhunderte hindurch

weitererzählt worden ist:

Von Jesus von Nazaret,

einem Menschen,  der dich freimütig

„Abba“, Vater, nannte

und der uns gelehrt hat, dasselbe zu tun.

 

Gott, unser Vater,

wir danken dir für diesen Menschen,

der diese Erde verändert hat,

weil er von einer großen Vision sprach:

von deiner Herrschaft, die mit ihm angebrochen sei,

von deinem Reich der Freiheit und der Liebe,

des Friedens und der Vollendung der Schöpfung.

 

Wir erinnern uns, dass überall dort, wohin Jesus, den wir als deinen Sohn bekennen, kam,

die Menschen ihre Menschlichkeit wiederfanden

und voll wurden von einem neuen Reichtum,

so dass sie mit neuem Mut in ihrem Leben

sich selbst einander schenken konnten.

 

Wir erinnern uns,

wie er zu den Menschen gesprochen hat

von einer verlorenen Drachme,

von einem verirrten Schaf, einem verlorenen Sohn:

von all denen, die verloren gehen, die nicht mehr zählen,

aus den Augen, aus dem Herzen; die Kleinen und Armen,

alle, die unfrei sind, unbekannt, ungeliebt.

 

Wir erinnern uns,

dass er auf der Suche nach all diesen Verlorenen ging,

nach denen, die traurig sind und in der Kälte stehen,

und wie er immer wieder eintrat für sie,

ohne die anderen zu vergessen.

 

Und das hat ihn selbst das Leben gekostet,

denn die Mächtigen der Erde

und die Hüter seiner Religion

duldeten das nicht.

Und doch wusste er sich von dir, seinem Vater, geliebt,

verstanden und angenommen.

So ist er eins geworden mit dir.

So konnte er, befreit von sich selbst,

befreiend leben für andere.

 

Im Gedenken an ihn und sein Vermächtnis

wollen wir das Brot und Wein teilen.

Wir bitten dich, Gott, um deinen Geist,

dass wir im Teilen von Brot und Wein

seine Gegenwart unter uns erfahren.

 

 

 

So  gedenken wir,

wie er in der letzten Nacht seines Lebens auf Erden Mahl hielt mit seinen Freundinnen und Freunden, die er seine Schwestern und Brüder nannte,

wie er beim Mahl das Brot segnete, es brach, austeilte und dazu sprach:

DAS IST MEIN LEIB FÜR EUCH.

 

Er nahm auch den Becher am Tisch,

dankte, pries dich, seinen Vater, und sagte:

TRINKT ALLE DIESEN BECHER MIT MIR;

DENN DAS IST MEIN LIEBESBUND MIT EUCH,

MEIN BLUT, DAS VERGOSSEN WIRD ZUR VERSÖHNUNG, DER KELCH DER BEFREIUNG UND DES GLÜCKS. TUT DIES ZU MEINEM GEDÄCHTNIS.

 

Gott des Lebens, lass uns vom Leben und Tod Jesu

und von seiner Auferweckung durch dich erzählen,

solange es Menschen gibt.

 

Im Gedenken an Jesus, deinen Sohn,

der unser Bruder ist, haben wir Brot und Wein geteilt.

Er hat uns befreit zum Leben,

hier und über den Tod hinaus.

 

Wir gedenken aller, die uns lieb sind im Leben.

Auch der Mächtigen gedenken wir,

die über das Schicksal

der Menschen verfügen, oft ohne sie,

die Lenker der Welt und der Kirchen.

Wir bitten dich, Gott und Vater Jesu,

wir und sie möchten unsere Erde

zu einem besseren Haus machen,

bewohnbar und friedvoll für alle.

 

Sende daher deinen Geist aus über uns

und über diese Gaben, den guten Geist

aus dir und deinem Sohn, damit er uns beseele,

wenn wir Jesus weiter folgen:

Jesus, von dem wir gelernt haben,

frei zu sein von entfremdenden Mächten,

frei zu sein, Gutes zu tun.

 

So feiern wir, was Jesus uns zu feiern geboten hat:

Dieses Mahl zu seinem Gedächtnis.

Wir loben und preisen dich, Gott, Vater Jesu

und unser Vater, und beten im Geist Jesu,

wie er uns zu beten gelehrt hat:

 

Vater unser im Himmel...

 

(nach E. Schillebeeckx, Christus und die Christen.

In Hermann J. Coenen, Hochgebete mit anderen Worten,

Bergmoser + Höller, Aachen, o.J.)

 

 

 

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